{"id":26566,"date":"2014-06-30T07:05:33","date_gmt":"2014-06-30T07:05:33","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=26566"},"modified":"2014-06-30T07:05:33","modified_gmt":"2014-06-30T07:05:33","slug":"grosbritannien-niemand-ist-eine-insel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=26566","title":{"rendered":"Gro\u00dfbritannien: Niemand ist eine Insel"},"content":{"rendered":"<p>Bei seiner R\u00fcckkehr nach der Juncker-Pleite wurde Cameron in London gefeiert \u2013 aber manche warnen auch vor den Folgen der neuen Isolation. Immerhin gratulierte der britische Premierminister Juncker zur Nominierung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Als die englische Fu\u00dfballnationalmannschaft am vergangenen Mittwoch geschlagen aus Brasilien zur\u00fcckkam, w\u00e4hlte sie ein abgelegenes Terminal in Manchester- niemand sollte der schmachvollen Ankunft beiwohnen. David Cameron, der in Br\u00fcssel nicht minder spektakul\u00e4r untergegangen war, kehrte am Freitag erhobenen Hauptes in die Heimat zur\u00fcck. Er glaubt, das Beste aus seiner Position herausgeholt zu haben, und erh\u00e4lt, zumindest aus den eigenen Reihen, Beifall.<\/p>\n<p>Noch in Br\u00fcssel \u2013 kurz nachdem der Europ\u00e4ische Rat Jean-Claude Juncker gegen den Willen Londons (und Budapests) zum EU-Kommissionspr\u00e4sidenten gek\u00fcrt hatte \u2013 waren die Tories und ihre Helfer in den Medien von Cameron auf den Ton eingestimmt worden. Zuweilen m\u00fcsse man zu seinen \u201ePrinzipien\u201c stehen, sagte er am Freitagabend und sprach von der Notwendigkeit, auch mal \u201eeine Schlacht zu verlieren, um einen Krieg zu gewinnen\u201c. In diesem \u201eKrieg\u201c \u2013 er geht um die R\u00fcckeroberung nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t aus Br\u00fcssel \u2013 wurde Cameron am Wochenende nicht nur von einem Teil der \u00d6ffentlichkeit, sondern von seinem halben Kabinett unterst\u00fctzt. Am bellizistischsten \u00e4u\u00dferte sich Gesundheitsminister Jeremy Hunt. Er warf \u201eden anderen F\u00fchrern\u201c in der EU, ohne sie beim Namen zu nennen, \u201eFeigheit\u201c vor, weil sie nicht bereit seien, \u201ef\u00fcr das, was sie privat sagen, in der \u00d6ffentlichkeit einzustehen\u201c. Gemeint war nicht zuletzt die deutsche Regierungschefin.<\/p>\n<p class=\"WeitereBeitraege\"><span class=\"WBHead\">Mehr zum Thema<\/span><\/p>\n<ul class=\"WBListe\">\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/machtkampf-um-eu-spitze-europaeischer-praezedenzfall-13017061.html\" title=\"Kommentar: Europ\u00e4ischer Pr\u00e4zedenzfall\">Kommentar: Europ\u00e4ischer Pr\u00e4zedenzfall<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/wirtschaft\/mehr-davon-david-cameron-kommentar-zum-eu-gipfel-13016237.html\" title=\"Mehr davon, Mister Cameron! - Kommentar zum EU-Gipfel\">Mehr davon, Mister Cameron! &#8211; Kommentar zum EU-Gipfel<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/juncker-nominierung-cameron-erhebt-den-moralischen-zeigefinger-13015016.html\" title=\"Juncker-Nominierung: Cameron deutet Niederlage als moralischen Sieg\">Juncker-Nominierung: Cameron deutet Niederlage als moralischen Sieg<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Viel spricht daf\u00fcr, dass sich Cameron in der Frage Juncker verkalkuliert und ungeschickt verhalten hat. Er interpretierte das anf\u00e4ngliche Signal der deutschen Kanzlerin, nicht an Juncker zu h\u00e4ngen, als Erm\u00e4chtigung, in aller Offenheit eine europ\u00e4ische Widerstandsallianz zu schmieden. Als Merkel unter unerwarteten Druck geriet und sich pl\u00f6tzlich gezwungen sah, die Idee mit dem \u201eSpitzenkandidaten\u201c doch ernst zu nehmen, hatte sich Cameron schon so deutlich positioniert, dass ihm nur noch zwei M\u00f6glichkeiten blieben: beizudrehen und den Widerstand aufzugeben oder, wie es ein EU-Diplomat ausdr\u00fcckte, \u201ein Flammen unterzugehen\u201c.<\/p>\n<p>Die Entscheidung, die Personalie Juncker zur Prinzipienfrage zu stilisieren, soll in einer Beratung mit zwei seiner engsten Vertrauten gefallen sein: Schatzkanzler George Osborne und Au\u00dfenminister William Hague. Die Entfremdung mit Juncker, mit der EU und letztlich auch mit Berlin erschien den dreien offenbar besser verkraftbar als der Sturm, der im K\u00f6nigreich \u2013 insbesondere in der eigenen Partei \u2013 losgebrochen w\u00e4re, w\u00e4re Cameron \u201eumgefallen\u201c und h\u00e4tte sich entschlossen, jenen Mann zu unterst\u00fctzen, den er seit Wochen als Gesicht von gestern beschrieb. Dem Entschluss, in die aussichtslose Br\u00fcsseler Schlacht zu ziehen, schien sogar ein Schockelement mit psychologischem Nutzen eigen. \u201eJeder in Europa kann jetzt sehen: Wenn der Premierminister sagt, er wird nicht nachgeben \u2013 dann wird er auch nicht nachgeben\u201c, sagte Hague am Sonntag.<\/p>\n<h2>Folgen der \u00dcbung als gravierend betrachtet<\/h2>\n<p>Die politischen Folgen der \u00dcbung werden allseits als gravierend betrachtet: \u201eGro\u00dfbritannien n\u00e4hert sich dem Austritt aus der EU\u201c, hie\u00df es am Wochenende fast wortgleich in der konservativen\u201eTimes\u201c und im linksliberalen \u201eGuardian\u201c. In manchen Kommentaren ist von einer neuen \u201eIsolation\u201c die Rede, und nicht alle finden sie \u201esplendid\u201c. Je nach (europa-)politischem Standpunkt wird bef\u00fcrchtet oder gehofft, dass Camerons Reformpl\u00e4ne f\u00fcr die EU durch sein st\u00f6rrisches Verhalten zur\u00fcckgeworfen wurden. Der Regierungschef selbst gab zu, dass es jetzt \u201enicht leichter\u201c werde, jenen Deal auszuhandeln, den er den Briten bis zum versprochenen Referendum in gut drei Jahren pr\u00e4sentieren m\u00f6chte. Immer mehr Tories ziehen eine Drohkulisse auf: Sollte London bis 2017 keine greifbaren Zugest\u00e4ndnisse aus Br\u00fcssel erhalten, k\u00f6nnte die Partei in die Lage geraten, dem Volk von einem Verbleib in der EU abraten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><span class=\"MediaLink\"><span class=\"ArtikelBild290\">                <a href=\"\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/grossbritannien-niemand-ist-eine-insel-13017444-b2.html\"  title=\"David Cameron, Jean-Claude Juncker\">                            <img title='M\u00fcssen wohl miteinander klar kommen: Gro\u00dfbritanniens Premier David Cameron (l) und der nominierte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker' height='163' itemprop='contentUrl' alt='David Cameron, Jean-Claude Juncker' width='290' class='media' src='http:\/\/media0.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/2196170648\/1.3018016\/article_teaser_marginal\/muessen-wohl-miteinander-klar-kommen-grossbritanniens-premier-david-cameron-l-und-der-nominierte-eu-kommissionschef-jean-claude-juncker.jpg' \/><\/a>                                            <span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\" style=\"font-weight: normal- top: -10px-\" title=\"M\u00fcssen wohl miteinander klar kommen: Gro\u00dfbritanniens Premier David Cameron (l) und der nominierte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker\">M\u00fcssen wohl miteinander klar kommen: Gro\u00dfbritanniens Premier David Cameron (l) und der nominierte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker<\/span>                    <\/span><\/span><\/p>\n<p>Am Sonntag f\u00fchrte Cameron ein erstes Telefongespr\u00e4ch mit dem designierten EU-Kommissionspr\u00e4sidenten. Nach einer Mitteilung seines B\u00fcros wurde \u00fcber die k\u00fcnftige Zusammenarbeit gesprochen. Cameron habe Juncker zu seiner Nominierung gratuliert und mit diesem dar\u00fcber beraten, wie die Europ\u00e4ische Union wettbewerbsf\u00e4higer gestaltet werden k\u00f6nne, hie\u00df es in einer in London verbreiteten Erkl\u00e4rung. Juncker habe zugesichert, die britischen Bedenken in einigen Politikfeldern zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Eine Entschuldigung war angeblich nicht geplant. Stattdessen, berichtet die \u201eTimes on Sunday\u201c, wolltee Cameron Juncker klarmachen, dass eine St\u00e4rkung der nationalen Parlamente im Mittelpunkt seines Reformplanes stehe und London ein Schl\u00fcsselressort in Br\u00fcssel beanspruche. Die Rede ist von der Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr den Binnenmarkt, den Wettbewerb oder die Energie.<\/p>\n<p>Unklar bleibt einstweilen, wen Cameron als Kommissar ins Herz der Finsternis schicken will. Nach Bedenken aus Br\u00fcssel und Berlin gegen Andrew Lansley, einen fr\u00fcheren Gesundheitsminister, w\u00fcrden nun auch der ehemalige Forschungsminister David Willett und Camerons Vorg\u00e4nger an der Parteispitze, Michael Howard, in Erw\u00e4gung gezogen, hei\u00dft es in London. Ihre beste Zeit haben auch diese beiden hinter sich, aber zumindest sollen sie mehr wirtschaftlichen Sachverstand mitbringen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/grossbritannien-niemand-ist-eine-insel-13017444.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/grossbritannien-niemand-ist-eine-insel-13017444.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei seiner R\u00fcckkehr nach der Juncker-Pleite wurde Cameron in London gefeiert \u2013 aber manche warnen auch vor den Folgen der neuen Isolation. Immerhin gratulierte der britische Premierminister Juncker zur Nominierung.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[34,21],"tags":[264,584,284,481,3448,327,4114],"class_list":["post-26566","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-europaische-union","category-politik","tag-brussel","tag-david-cameron","tag-eu","tag-grosbritannien","tag-jean-claude-juncker","tag-london","tag-william-hague"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26566","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26566"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26566\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26566"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26566"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26566"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}