{"id":26383,"date":"2014-06-17T14:18:34","date_gmt":"2014-06-17T14:18:34","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=26383"},"modified":"2014-06-17T14:18:34","modified_gmt":"2014-06-17T14:18:34","slug":"fusball-wm-warum-jubelt-der-nachbar-immer-fruher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=26383","title":{"rendered":"Fu\u00dfball-WM: Warum jubelt der Nachbar immer fr\u00fcher?"},"content":{"rendered":"<p>Auch bei dieser WM gibt es wieder dieses Ph\u00e4nomen. Der Nachbar jubelt schon, obwohl der Angriff noch l\u00e4uft. Welche \u00dcbertragungstechnik der Fernsehbilder ist die schnellste?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Da schie\u00dft vor der Mattscheibe das Adrenalin ein: M\u00fcller steht am Elfmeterpunkt, der Schiedsrichter gibt den Ball frei. Wird er ihn reinmachen? Es w\u00e4re das erste Tor f\u00fcr die deutsche Nationalmannschaft. Und schon jubeln die Spielverderber von nebenan, denn sie sehen den Ball bereits im Netz zappeln. Nicht weil sie hellsichtig sind, sondern weil sie die Bilder auf dem schnelleren \u00dcbertragungsweg empfangen.<\/p>\n<p>Seit die Digitaltechnik das Fernsehen dominiert, braucht der Weg vom Funkhaus zum Fernseher ein gewisses Quentchen Zeit. Das w\u00e4re nicht weiter tragisch, nicht einmal in Zeiten der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft. Nur: Manche \u00dcbertragungswege haben das Zeug zur \u00dcberholspur, und das kann die Nachbarn geh\u00f6rig nerven. Kurios genug: \u00dcber den l\u00e4ngsten Sendeweg kommen die Bilder am schnellsten. Wir rechnen einmal vor: In den Playout-Centern von ARD und ZDF &#8211; die \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender bestreiten die Live-\u00dcbertragungen aus Brasilien &#8211; werden die bewegten Bilder zun\u00e4chst nach den \u00fcblichen Kompressionsverfahren kodiert, also in MPEG-2 f\u00fcr Standard-Aufl\u00f6sung und in H.264 f\u00fcrs HD-Raster.<\/p>\n<p>Letzteres dauert ein bisschen l\u00e4nger, aber in etwa einer halben Sekunde hat die Elektronik auch diesen Job erledigt. Dann wird der resultierende Video-Datenstrom mit denen anderer Programme aus der Senderfamilie zu einem kanalf\u00fcllenden Multiplex verwoben &#8211; ein schneller Vorgang, der kaum Zeit in Anspruch nimmt. Der Multiplex tritt nun seine Reise zum Satelliten an, der ihn postwendend wieder zur\u00fcckschickt. Die komplette Funkstrecke von 71 600 Kilometern legen die Signale in nur 0,6 Sekunden zur\u00fcck. Ein paar Millisekunden braucht dann noch die Empfangselektronik im Fernseher oder in der Settopbox, aber summa summarum dauert die gesamte Satelliten-\u00dcbertragung vom Funkhaus bis zum Bildschirm nur zwischen 1,5 und 2 Sekunden.<\/p>\n<p><span class=\"MediaLink\"><span class=\"ArtikelBild610\">                <a href=\"\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/fussball-wm-warum-jubelt-der-nachbar-immer-frueher-12992267-b2.html\"  title=\"Infografik \/ Fernseh\u00fcbertragung \/ Zeitverz\u00f6gerung\">                            <img height='344' itemprop='contentUrl' alt='Infografik \/ Fernseh\u00fcbertragung \/ Zeitverz\u00f6gerung' width='610' class='media' src='http:\/\/media0.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/4080242908\/1.2993726\/article_multimedia_overview\/infografik-fernsehuebertragung-zeitverzoegerung.jpg' \/><\/a>                <\/span><\/span><\/p>\n<p>M\u00fcsste nicht der terrestrische Weg vom Funkturm zur Mini-Antenne am Terrassen-Fernseher noch schneller gehen? Die Erfahrung scheint aller Theorie zu widersprechen: \u00dcber DVB-T lassen sich die \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender etwa 2 Sekunden mehr Zeit. Das liegt nicht etwa an der Programmzuf\u00fchrung zu den Sendemasten. Denn dazu haben ARD und ZDF ihre eigene, auf ultraschnelle Glasfaser- und Richtfunkstrecken gest\u00fctzte Infrastruktur. Der Grund ist: DVB-T funkt in einem Gleichwellennetz, das nur dann funktioniert, wenn alle Sender absolut synchron senden. Daf\u00fcr sorgen Datenpuffer, die m\u00f6gliche Zeitunterschiede ausgleichen. Hinzu kommt: Die auch f\u00fcr den mobilen Empfang geeigneten DVB-T-Signale brauchen einen robusteren Fehlerschutz, der in den beteiligten Ger\u00e4ten zus\u00e4tzliche Rechenzeiten beansprucht.<\/p>\n<p>Gleich deutlich l\u00e4nger brauchen die Fernsehbilder \u00fcber das Kabel: Der Zeitverzug gegen\u00fcber dem Satelliten-Fernsehen liegt je nach Kabelnetz zwischen f\u00fcnf und zehn Sekunden. Schon die Zuspielung zu den Netzen &#8211; h\u00e4ufig l\u00e4uft der Transport \u00fcber Satellitenstrecken zu den Antennensch\u00fcsseln der Kabel-Kopfstationen &#8211; frisst Zeit. Dann folgen elektronische Umbauten der Signale: Die einzelnen Programme f\u00fcgen sich zu neuen Multiplexen. Kabel Deutschland kodiert vorher sogar die Video-Datenstr\u00f6me komplett neu, um mit knapperen Datenraten auszukommen.<\/p>\n<p class=\"WeitereBeitraege\"><span class=\"WBHead\">Mehr zum Thema<\/span><\/p>\n<ul class=\"WBListe\">\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/sport\/fussball-wm\/zehntausende-deutsche-feiern-auf-fanfesten-12994008.html\" title=\"Public Viewing: Zehntausende feiern auf Fanfesten\">Public Viewing: Zehntausende feiern auf Fanfesten<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/sport\/fussball-wm\/wm-uebersteiger\/wm-kolumne-elf-stunden-fussball-am-stueck-12991441.html\" title=\"WM-\u00dcbersteiger: Elf Stunden Fu\u00dfball am St\u00fcck\">WM-\u00dcbersteiger: Elf Stunden Fu\u00dfball am St\u00fcck<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Weit l\u00e4nger noch verz\u00f6gert sich die \u00dcbertragung im Internet. Immerhin: Entertain der Deutschen Telekom kommt mit einem Zeitverzug gegen\u00fcber dem Satellitenempfang von etwa 15 Sekunden aus. Denn der Netzbetreiber kann seinem Dienst feste Bandbreiten zuweisen, was Umwege und Datenstau erspart. Aber auch Entertain kodiert die Videosignale komplett um (auf das Microsoft-Format Windows Media Video), was wiederum auf das Tempo dr\u00fcckt. Alle anderen medialen Wege \u00fcber das Internet, etwa die Verbreitung \u00fcber Zattoo oder \u00fcber die Live-Datenstr\u00f6me der \u00f6ffentlich-rechtlichen Mediatheken, dauern noch l\u00e4nger.<\/p>\n<p>Hier werden nicht nur die Videokodierungen, sondern auch die Bildformate ver\u00e4ndert. Und welchen Weg die Signale nehmen, ist v\u00f6llig unberechenbar, ebenso wie die Geschwindigkeiten von Server zu Server. Die Wiedergabe-Software auf dem Empfangsger\u00e4t muss deshalb stets gr\u00f6\u00dfere Datenvorr\u00e4te zur Pufferung anlegen, um Bildaussetzer so gut wie m\u00f6glich zu vermeiden. So sehen Mediathekengucker das Tor vielleicht erst, wenn sich die Satellitengemeinde bereits \u00fcber den schnellen, vom Gegentor gekr\u00f6nten Konter aufregt. Also: Wer einen schnelleren Nachbarn hat, klemmt sich am besten ein Sixpack unter den Arm und klingelt zum gemeinsamen Gucken. Das macht ohnehin mehr Spa\u00df.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/fussball-wm-warum-jubelt-der-nachbar-immer-frueher-12992267.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/audio-video\/fussball-wm-warum-jubelt-der-nachbar-immer-frueher-12992267.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch bei dieser WM gibt es wieder dieses Ph\u00e4nomen. Der Nachbar jubelt schon, obwohl der Angriff noch l\u00e4uft. 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