{"id":26222,"date":"2014-06-06T15:56:11","date_gmt":"2014-06-06T15:56:11","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=26222"},"modified":"2014-06-06T15:56:11","modified_gmt":"2014-06-06T15:56:11","slug":"un-konferenz-wieviel-klimaforschung-braucht-ihr-noch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=26222","title":{"rendered":"UN-Konferenz: Wieviel Klimaforschung braucht ihr noch?"},"content":{"rendered":"<p>Die Politik geht eigene Wege: Nachdem sich die Diplomatie in eine Sackgasse gesteuert hat, steht der globale  Klimaschutz vor einem Umbruch. Wie will man so Krisen l\u00f6sen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Seit fast 25 Jahren bem\u00fcht sich die internationale Klimadiplomatie nun schon um den Abschluss eines globalen Abkommens, mit dem die Treibhausgasemissionen wirksam begrenzt werden k\u00f6nnen. Und ebenso lange sind die Klimawissenschaften ein unerl\u00e4sslicher Begleiter dieses politischen Prozesses gewesen. Doch nach der Ver\u00f6ffentlichung aller drei Teile des f\u00fcnften IPCC-Sachstandsberichts und nur anderthalb Jahre vor dem mutma\u00dflich entscheidenden Klimagipfel in Paris hat sich allenthalben Ern\u00fcchterung breitgemacht. Vergleicht man die Stimmung mit jener zwischen der Ver\u00f6ffentlichung des vierten IPCC-Berichts 2007 und dem Klimagipfel von Kopenhagen 2009, so f\u00e4llt zum einen auf, dass heute kaum noch jemand riskiert, den baldigen Durchbruch bei den Klimaverhandlungen zu verk\u00fcnden. Zum anderen nehmen auch Warnungen vor nahenden Gro\u00dfkatastrophen wesentlich weniger Raum ein.<\/p>\n<p>Dies sind nicht einfach nur Anzeichen eines gesunkenen gesellschaftlichen Stellenwerts des Themas. Vielmehr k\u00fcndigt sich hier ein umfassender klimapolitischer Paradigmenwandel an, der nicht mehr das Klimaproblem, sondern zunehmend die Akteure in den Mittelpunkt stellt. Um zu verhindern, dass der politische Prozess durch das wiederholte Scheitern gro\u00dfer Klimagipfel endg\u00fcltig delegitimiert wird, hat die Klimadiplomatie faktisch Abstand davon genommen, sich an der ganz gro\u00dfen L\u00f6sung abzuarbeiten.<\/p>\n<p><span class=\"MediaLink\"><span class=\"ArtikelBild290\">                <a href=\"\/aktuell\/wissen\/klima\/un-konferenz-wieviel-klimaforschung-braucht-ihr-noch-12969268-b2.html\"  title=\"klimahelden\">                            <img title='Sinnbild f\u00fcr die globale Erw\u00e4rmung: Dahinschmelzende Eisfiguren' height='163' itemprop='url' alt='klimahelden' width='290' class='media' src='http:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/wirtschaft\/3538527183\/1.874793\/article_teaser_marginal\/sinnbild-fuer-die-globale-erwaermung-dahinschmelzende-eisfiguren.jpg' \/><\/a>                                            <span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\" style=\"font-weight: normal- top: -10px-\" title=\"Sinnbild f\u00fcr die globale Erw\u00e4rmung: Dahinschmelzende Eisfiguren\">Sinnbild f\u00fcr die globale Erw\u00e4rmung: Dahinschmelzende Eisfiguren<\/span>                    <\/span><\/span><\/p>\n<p>Anders als vor Kopenhagen glaubt kein Klimadiplomat, aber auch kein NGO-Vertreter noch ernsthaft daran, dass es m\u00f6glich sein k\u00f6nnte, Gro\u00dfemittenten wie die Vereinigten Staaten oder China durch UN-Vertr\u00e4ge auf tiefgreifende Emissionsminderungen zu verpflichten. Die gr\u00f6\u00dften Verschmutzerl\u00e4nder werden vielmehr im Vorfeld des Klimagipfels von Paris selbst bestimmen, was sie beizusteuern bereit sind, ernsthaft verhandeln werden sie dar\u00fcber nicht mehr. Amerikas Pr\u00e4sident Obama hat nun den Anfang gemacht, andere L\u00e4nder werden in den n\u00e4chsten Monaten folgen.<\/p>\n<p>Damit setzt sich im internationalen Klimaschutz eine genuin politische Herangehensweise durch, die klimawissenschaftlich gepr\u00e4gte Vorstellungen von planetaren Grenzen oder einem noch verbleibenden globalen Emissionsbudget in den Hintergrund dr\u00e4ngt. Im Mittelpunkt des neuen, akteurszentrierten Paradigmas werden nicht mehr Langfristziele der Klimastabilisierung stehen, sondern die M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Verhandlungsprozesse &#8211; nicht mehr das W\u00fcnschbare, sondern das Machbare und nicht mehr m\u00f6glichst wohlklingende Intentionen, sondern die tats\u00e4chlich erreichten Ergebnisse. Angesichts der Tatsache, dass die globalen Treibhausgasemissionen &#8211; allen Klimakonferenzen und IPCC-Berichten zum Trotz &#8211; seit 1990 um 40 Prozent gestiegen sind, werden sich die klimapolitischen Bem\u00fchungen in den kommenden Jahren darauf konzentrieren, \u00fcberhaupt erst einmal eine Trendwende herbeizuf\u00fchren, also den kontinuierlichen Anstieg der Emissionen zu stoppen. In welcher Geschwindigkeit sich der weltweite Aussto\u00df an Treibhausgasen anschlie\u00dfend &#8211; wohl nicht vor 2025 bis 2030 &#8211; wird absenken lassen, steht auf absehbare Zeit noch nicht im Fokus der internationalen Klimapolitik.<\/p>\n<p><span class=\"MediaLink\"><span class=\"ArtikelBild290\">                <a href=\"\/aktuell\/wissen\/klima\/un-konferenz-wieviel-klimaforschung-braucht-ihr-noch-12969268-b3.html\"  title=\"UN-Klimakonferenz in Doha\">                            <img title='Aufmerksam: Bundesumweltminister Altmaier und der qatarische Konferenzpr\u00e4sident am Samstag in Doha ' height='163' itemprop='url' alt='UN-Klimakonferenz in Doha' width='290' class='media' src='http:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/3716902887\/1.1988071\/article_teaser_marginal\/aufmerksam-bundesumweltminister-altmaier-und-der-qatarische-konferenzpraesident-am-samstag-in-doha.jpg' \/><\/a>                                            <span class=\"Bildunterschrift\" itemprop=\"description\" style=\"font-weight: normal- top: -10px-\" title=\"Aufmerksam: Bundesumweltminister Altmaier und der qatarische Konferenzpr\u00e4sident am Samstag in Doha \">Aufmerksam: Bundesumweltminister Altmaier und der qatarische Konferenzpr\u00e4sident am Samstag in Doha <\/span>                    <\/span><\/span><\/p>\n<p>Aufgrund der bislang sehr starken Rolle der Forscher im globalen Klimadiskurs wird sich ein solcher Paradigmenwandel jedoch nur dann vollziehen k\u00f6nnen, wenn auch die Politikberatung der Wissenschaften, also der f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit sichtbarste Teil der Klimaforschung, auf einen pragmatischen Kurs umschwenkt. Dies betrifft nicht prim\u00e4r die Naturwissenschaften. Dass sich die Grundthese vom menschengemachten Klimawandel in den vergangenen Jahren weltweit durchgesetzt hat und sich die klimapolitische Debatte l\u00e4ngst nicht mehr darum dreht, ob der Klimawandel \u00fcberhaupt stattfindet, sondern im Wesentlichen nur noch um dessen Ausma\u00df, Charakter und Geschwindigkeit, ist unabweisbar. Dies wird eine Depolitisierung der Forschung bef\u00f6rdern, in der wissenschaftliche Unsicherheiten wieder mit gr\u00f6\u00dferer Gelassenheit diskutiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Um einiges komplizierter ist die Lage der Klima\u00f6konomen, deren Bedeutung seit dem vierten IPCC-Sachstandsbericht kontinuierlich zugenommen hat. Mit ihren Modellen, in denen sie die Transformation von Energiesystemen beschreiben, stehen sie inzwischen im Zentrum der klimapolitischen Debatte. Dementsprechend umk\u00e4mpft waren auch die Verhandlungen \u00fcber die Zusammenfassung des entsprechenden IPCC-Teilberichts im April in Berlin. Klima\u00f6konomen haben nicht nur die Deutungshoheit dar\u00fcber inne, welche Ma\u00dfnahmen zu ergreifen w\u00e4ren, um die auf verschiedenen politischen Ebenen formulierten Ziele relativ kosteng\u00fcnstig zu erreichen. Bei nach wie vor ansteigenden Emissionen f\u00e4llt ihnen zudem auch die unangenehme Aufgabe zu, autoritativ Aussagen dar\u00fcber zu treffen, welche globalen Klimaziele \u00fcberhaupt noch realistisch sind &#8211; und welche nicht mehr.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/klima\/un-konferenz-wieviel-klimaforschung-braucht-ihr-noch-12969268.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/klima\/un-konferenz-wieviel-klimaforschung-braucht-ihr-noch-12969268.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Politik geht eigene Wege: Nachdem sich die Diplomatie in eine Sackgasse gesteuert hat, steht der globale Klimaschutz vor einem Umbruch. 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