{"id":25842,"date":"2014-05-16T08:48:49","date_gmt":"2014-05-16T08:48:49","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=25842"},"modified":"2014-05-16T08:48:49","modified_gmt":"2014-05-16T08:48:49","slug":"buch-zur-euro-krise-wie-barroso-sich-in-szene-setzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=25842","title":{"rendered":"Buch zur Euro-Krise: Wie Barroso sich in Szene setzt"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschichtsschreibung zur Euro-Krise hat begonnen, und Kommissionspr\u00e4sident Barroso will besonders gut dastehen. Einen \u201ePlan Z\u201c f\u00fcr den Austritt Griechenlands gab es aber nicht wirklich.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Weil die Euro-Krise angeblich vorbei ist, scheint nun ihre historische Aufarbeitung zu beginnen. Zwar wird es noch dauern, bis die zentralen Akteure ihre Memoiren ver\u00f6ffentlichen. Fast alle von ihnen sind noch aktiv und haben daf\u00fcr weder Zeit noch Lust. Und immer noch gilt: Die W\u00e4hrungsunion und ihre Wackelkandidaten \u2013 Staaten wie Banken \u2013 bleiben ein heikles Sujet, \u00fcber das Politiker lieber nicht leichtfertig plappern. Manchen Beteiligten scheint es freilich wichtig zu sein, der \u00d6ffentlichkeit m\u00f6glichst fr\u00fch eine Deutung der eigenen Rolle in der Krise zukommen zu lassen. Dazu muss man nicht zwangsl\u00e4ufig selbst ein Buch schreiben, man kann sich auch mit jenen offenherzig unterhalten, die ein solches Buch als Beobachter von au\u00dfen schreiben wollen.<\/p>\n<p>Das hat erkennbar der Pr\u00e4sident der EU-Kommission, Jos\u00e9 Manuel Barroso, getan. In einem Buch des Br\u00fcsseler B\u00fcrochefs der \u201eFinancial Times\u201c, Peter Spiegel, das demn\u00e4chst erscheinen und derzeit in einer Artikelserie der britischen Finanzzeitung quasi vorabgedruckt wird, kommt Barroso auffallend gut weg. Vor allem als derjenige, der in den verschiedenen Stadien der Krise den jeweiligen griechischen Regierungsverantwortlichen Vernunft gepredigt und so verhindert hat, dass die anderen Kreditgeber endg\u00fcltig die Geduld mit den Griechen verloren. Dass Barroso selbst die wichtigste Quelle f\u00fcr Spiegels Buch war, gilt in Br\u00fcssel als offenes Geheimnis.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich spielte der in Athen schon immer gut vernetzte Portugiese Barroso tats\u00e4chlich eine wichtige Rolle als Griechen-Versteher und -Aufpasser. Auf sehr d\u00fcnnes Eis begibt sich Spiegel aber, wenn er Barroso als eine der engsten Vertrauenspersonen der Bundeskanzlerin beschreibt. Das Vertrauen Angela Merkels habe sich Barroso erworben, als er Mitte 2012 \u2013 ganz im Sinne der Kanzlerin \u2013 in der Kommission einen Geheimplan habe ausarbeiten lassen, der im \u00e4u\u00dfersten Notfall den Austritt Griechenlands aus dem Euro erm\u00f6glicht h\u00e4tte. Als Merkel im Juni 2012 nach der Existenz eines solchen Planes fragte, bot Barroso laut Spiegel an, ihr diesen zu zeigen. Merkel habe aber geantwortet, sein Wort, dass dieser \u201ePlan Z\u201c existiere, reiche ihr aus. Sie wolle ihn gar nicht haben, weil sie sonst wom\u00f6glich gezwungen w\u00e4re, dar\u00fcber auch dem Deutschen Bundestag Auskunft zu erteilen.<\/p>\n<p>            \t\t\t                                                                                                                      <span class=\"Bildunterschrift\"  style=\"top: 5px-\"  itemprop=\"description\" title=\"Bundeskanzlerin Angela Merkel \">Bundeskanzlerin Angela Merkel <\/span>                        \t\t\t            \t\t\t<\/p>\n<p>Das ist eine mindestens verzerrte Darstellung. Dass Merkel und Barroso in der Krise als harmonisches Duo auftraten, w\u00e4re wirklich etwas Neues. In Wahrheit nahm die Kanzlerin den Kommissionschef in der Krise als gesch\u00e4ftigen Luftikus wahr, der sich vor allem in den Krisenstaaten als Retter in Szene zu setzen versuchte. Barroso selbst fand diese Einsch\u00e4tzung ungerecht, weil er ja den Regierungen dieser L\u00e4nder einen Reform- und Sparkurs nahegelegt habe. So oder so: F\u00fcr Merkel waren auf dem H\u00f6hepunkt der Krise andere Mit- und Gegenspieler wichtiger als Barroso: Frankreichs damaliger Staatspr\u00e4sident Nicolas Sarkozy, EZB-Pr\u00e4sident Mario Draghi, IWF-Direktorin Christine Lagarde, Ratspr\u00e4sident Herman Van Rompuy sowie der damalige Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker.<\/p>\n<p>Und der \u201ePlan Z\u201c zum \u201eGrexit\u201c? Auch Spiegel wei\u00df nicht, ob er im Juni 2012 tats\u00e4chlich in Barrosos Schublade lag. Gesehen hat er ihn genauso wenig wie Angela Merkel. Fest steht: Ernsthaft politisch erwogen wurde der griechische Euro-Austritt in Br\u00fcssel nie. Zu keinem Zeitpunkt habe sich die Eurogruppen-Arbeitsgruppe, der die Finanzstaatssekret\u00e4re der Eurostaaten angeh\u00f6ren und die unter dem Vorsitz des \u00d6sterreichers Thomas Wieser die Treffen der Finanzminister vorbereiten, mit solchen Planspielen besch\u00e4ftigt, hei\u00dft es in der Eurogruppe. Fest steht aber wohl auch: In ganz kleinen Zirkeln von Fachleuten wurde im ersten Halbjahr 2012 schon dar\u00fcber nachgedacht, wie sich ein griechischer Euroaustritt im Extremfall organisieren lie\u00dfe.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/buch-zur-euro-krise-wie-barroso-sich-in-szene-setzt-12941899.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/buch-zur-euro-krise-wie-barroso-sich-in-szene-setzt-12941899.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichtsschreibung zur Euro-Krise hat begonnen, und Kommissionspr\u00e4sident Barroso will besonders gut dastehen. Einen \u201ePlan Z\u201c f\u00fcr den Austritt Griechenlands gab es aber nicht wirklich.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[495,303],"tags":[291,1070,264,296,3574,288,3575,501],"class_list":["post-25842","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-eurokrise","category-wirtschaft","tag-angela-merkel","tag-athen","tag-brussel","tag-bundestag","tag-cannes","tag-eu-kommission","tag-euro-austritt","tag-ezb"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25842","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=25842"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25842\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=25842"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=25842"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=25842"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}