{"id":25824,"date":"2014-05-31T17:22:47","date_gmt":"2014-05-31T17:22:47","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=25824"},"modified":"2014-05-31T17:22:47","modified_gmt":"2014-05-31T17:22:47","slug":"rettet-die-csu-vor-seehofer-und-gauweiler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=25824","title":{"rendered":"Rettet die CSU vor Seehofer und Gauweiler!"},"content":{"rendered":"<p>Bis vor kurzem sah sich Horst Seehofer noch als Inkarnation eines politischen Bauchgotts. Nach dem Crash bei der Europawahl sollen ihm \u201eexterne Berater\u201c erkl\u00e4ren, wie Politik funktioniert. Schlimmer kann es f\u00fcr die CSU nicht kommen. H\u00f6chste Zeit f\u00fcr einen Aufruf.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Jetzt geht es f\u00fcr die CSU ums Ganze. 40,5 Prozent bei der Europawahl mag politische Pygm\u00e4en, um ein Wort ihres Schimpfmeisters Franz Josef Strau\u00df zu gebrauchen, nicht aufregen. F\u00fcr seine Partei ist das schlechteste Ergebnis bei landesweiten Wahlen seit sechs Jahrzehnten aber die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Verunsicherung. \u201eWas hat da stattgefunden?\u201c, gibt sich Horst Seehofer ratlos, seit sich das CSU-Ergebnis nicht als Rechenfehler erwiesen hat, wie verzweifelte Mitstreiter hofften. Es ist ein Seehofer, der nicht mehr wei\u00df, ob er vor dem Crash am Wahltag das Gas- oder das Bremspedal durchgetreten hat.<\/p>\n<p>\u201eEs muss irgendwas gewesen sein\u201c, mehr kann Seehofer als Erkl\u00e4rung nicht bieten. Wenig hilfreich ist wieder einmal die Kaste der Kommentatoren, die sich einig sind, dass es nicht klug von der CSU war, zugleich f\u00fcr und gegen eine fortschreitende Integration Europas zu sein. Dass es nicht klug war, dem CSU-Spitzenkandidaten Markus Ferber, dem kreuzbraven Br\u00fcsseler Statthalter der Partei, den bajuwarischen Bajazzo Peter Gauweiler vor die Nase zu setzen, der ins 19. Jahrhundert zur\u00fcck will, vor die Gr\u00fcndung des deutschen Kaiserreichs. Dass es nicht klug war, auf die d\u00fcnne Pl\u00f6rre der Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) das CSU-Etikett zu pappen und es als Starkbier anzupreisen.<\/p>\n<p>Pfeifendeckel, wie man in Bayern sagt. In den vergangenen Jahrzehnten lebte die CSU doch pr\u00e4chtig damit, zur gleichen Zeit f\u00fcr und gegen etwas zu sein. In Berlin (weiland Bonn) zuzustimmen und in M\u00fcnchen zu opponieren, brachte Mehrheiten weit jenseits der F\u00fcnfzig-Prozent-Marke. Das dialektische Prinzip &#8211; These, Antithese, CSU &#8211; bew\u00e4hrte sich noch in diesem Jahr. Die Stromtrassen, welche die CSU in Berlin gut fand, entsetzten sie, als die Kommunalwahlen nahten und B\u00fcrger in Gemeinden murrten, \u00fcber deren Gebiet die Leitungen f\u00fchren sollen. Bei Seehofer entwickelte sich binnen weniger Tage eine heftige Strommasten-Allergie, die die W\u00e4hler mit Stimmen f\u00fcr die CSU honorierten.<\/p>\n<h2>Politik der zwei Herzen<\/h2>\n<p>Auch in der Europa-Politik funktionierte die Politik der zwei Herzen lange Zeit bestens. Auf die EU zu schimpfen und die Schleusen f\u00fcr die Subventionsstr\u00f6me aus Br\u00fcssel weit zu \u00f6ffnen, garantierte herrliche Ergebnisse &#8211; 64 Prozent waren es 1999. In der EU zu antichambrieren und auf Vorschriften zu dr\u00e4ngen, die den Bayern n\u00fctzlich erscheinen, um dann die Br\u00fcsseler Regelungswut anzuprangern, zahlte sich aus, pekuni\u00e4r und politisch. Man konnte sich daf\u00fcr stark machen, in die europ\u00e4ische Aquakulturrichtlinie den Herpes-Virus beim Koi-Karpfen aufzunehmen- danach durfte sich auf einem CSU-Parteitag \u00fcber die EU erregt werden, die sich in die Erzeugung \u201eheimischer Fische\u201c einmenge.<\/p>\n<p>Mein lieber Koi &#8211; das m\u00fcsste in Bayern, dem Land der aufgehenden Sonne, l\u00e4ngst zum gefl\u00fcgelten Wort geworden sein. Der Koi ist also in bayerischen Teichen schon zu einer Zeit geschwommen, als sich Japans Adel noch mit anderen Statussymbolen begn\u00fcgen musste &#8211; zumindest in der CSU-Version der Geschichte. Eine Geschichte, die bestens zur Selbstwahrnehmung der Bayern passt, dass alles Sch\u00f6ne, Gute, Begehrenswerte bei ihnen heimisch ist. Das Versailler K\u00f6nigsschloss muss eine Kopie von Herrenchiemsee sein, schon weil der royale Spiegelsaal in Bayern gr\u00f6\u00dfer als in Frankreich ist.<\/p>\n<p>\u201eEs muss irgendwas gewesen sein.\u201c Ja, es ist irgendwas gewesen: Seehofer, Gauweiler und die anderen alten Herren in der CSU haben es \u00fcbertrieben mit den gymnastischen Verrenkungen. Wie es halt geht, wenn Silberr\u00fccken sich im dritten Fr\u00fchling w\u00e4hnen. Gauweilers Pl\u00e4doyer f\u00fcr ein Europa als Eidgenossenschaft, als \u00fcberdimensionale Schweiz, mag Akademiegespr\u00e4che beleben &#8211; im Wahlkampf stempelte es die CSU zur Heidi-Partei. Sein Donnern gegen die EU-Kommission, die eine \u201eFlaschenmannschaft\u201c sei, w\u00e4re f\u00fcr einen Nachwuchskabarettisten imponierend gewesen &#8211; leider verpasste er die Pointe, ob es sich um Einweg- oder Pfandflaschen handelt. Gauweilers Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Annexion der Krim durch Russland, die vom Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker gedeckt sei, mag als Provokation eines Lonely Rider durchgehen. F\u00fcr einen stellvertretenden Vorsitzenden einer Volkspartei, die au\u00dfenpolitische Kompetenz f\u00fcr sich reklamiert, war sie ein politischer Kurzschluss mit anschlie\u00dfendem Kabelbrand, den Seehofer mit einem Lobpreis f\u00fcr die EU als Friedensprojekt l\u00f6schen wollte- den W\u00e4hlern stieg dennoch Brandgeruch in die Nase.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/rettet-die-csu-vor-seehofer-und-gauweiler-12966504.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/rettet-die-csu-vor-seehofer-und-gauweiler-12966504.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis vor kurzem sah sich Horst Seehofer noch als Inkarnation eines politischen Bauchgotts. 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