{"id":25809,"date":"2014-05-24T17:22:06","date_gmt":"2014-05-24T17:22:06","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=25809"},"modified":"2014-05-24T17:22:06","modified_gmt":"2014-05-24T17:22:06","slug":"prostatakrebs-psa-test-fuhrt-zu-oft-in-die-irre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=25809","title":{"rendered":"Prostatakrebs: PSA-Test f\u00fchrt zu oft in die Irre"},"content":{"rendered":"<p>Aus Angst vor Krebs lassen sich jedes Jahr mehr als vierzigtausend M\u00e4nner die Prostata entfernen. L\u00e4ngst nicht jeder Eingriff w\u00e4re n\u00f6tig. Auch die neue Studie PROBASE wird dieses Problem nicht \u00e4ndern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In jungen Jahren hat sie nicht einmal die Gr\u00f6\u00dfe eines Tischtennisballs. Die meisten M\u00e4nner k\u00f6nnten deshalb wohl nicht einmal sagen, wo genau im Unterleib ihre Prostata eigentlich liegt. Doch f\u00fcr 50.000 gesunde 45-J\u00e4hrige wird sich das sicher bald \u00e4ndern: Sie werden gebeten, an einer neuen gro\u00dfen Studie teilzunehmen, die mit fast f\u00fcnf Millionen Euro von der Deutschen Krebshilfe finanziert wird.<\/p>\n<p>PROBASE, kurz f\u00fcr \u201eRisk-adapted prostate cancer early detection study based on a baseline PSA value in young men\u201c, soll die Fr\u00fcherkennung f\u00fcr Prostatakrebs optimieren. Die aus den Einwohnermelderegistern erw\u00e4hlten M\u00e4nner werden daf\u00fcr in zwei Gruppen eingeteilt: Die einen machen sofort, die anderen erst mit 50 einen Basis-Test. Das Ergebnis bestimmt dann, wann der Teilnehmer zum n\u00e4chsten Test erscheinen muss, welcher wiederum \u00fcber einen weiteren Termin entscheidet. Sobald ein Wert auff\u00e4llig wird, setzt die volle Diagnostik ein.<\/p>\n<p>So weit klingt das einleuchtend. Was von den Verantwortlichen der Studie als Optimierung bezeichnet wird, kann allerdings auch als versuchte Ehrenrettung gesehen werden, und zwar eines Bluttests, mit dem in Deutschland derzeit fast jeder gesunde Mann in seiner zweiten Lebensh\u00e4lfte konfrontiert wird. Der Test auf das Prostataspezifische Antigen (PSA) weist ein Eiwei\u00df nach, das von der Vorsteherdr\u00fcse gebildet wird, um das Sperma zu verfl\u00fcssigen.<\/p>\n<p>Sex und Sport, aber auch verschiedene Erkrankungen des Organs erh\u00f6hen den PSA-Spiegel im Blut. Obwohl das Protein kein spezifisches Merkmal von Krebs ist, hoffen Mediziner seit den achtziger Jahren, der PSA-Wert k\u00f6nne schon bei gesunden M\u00e4nnern fr\u00fche Hinweise auf ein Karzinom liefern und die Sterblichkeit der M\u00e4nner an diesem Krebs insgesamt verringern.<\/p>\n<h2>Massive Zahl von \u00dcberdiagnosen und \u00dcbertherapien<\/h2>\n<p>Dieser Hoffnung stehen inzwischen allerdings wissenschaftliche Erkenntnisse gegen\u00fcber. Mehrere gro\u00dfe Studien haben gezeigt, dass der Nutzen des PSA-Screenings weit hinter den Schaden zur\u00fcckf\u00e4llt, den es anrichtet. \u00dcberhaupt konnte nur eine Studie so etwas wie einen Nutzen nachweisen. Den Ergebnissen der 2009 ver\u00f6ffentlichten \u201eEuropean Randomized Study of Screening for Prostate Cancer\u201c (ERSPC) zufolge reduziert das Screening von M\u00e4nnern zwischen 55 und 69 Jahren das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, von 2,8 auf 2,2 Prozent.<\/p>\n<p class=\"WeitereBeitraege\"><span class=\"WBHead\">Mehr zum Thema<\/span><\/p>\n<ul class=\"WBListe\">\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/wissen\/medizin\/brustkrebs-streit-um-die-mammographie-12959442.html\" title=\"Brustkrebs: Streit um die Mammographie\">Brustkrebs: Streit um die Mammographie<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/frankfurter-allgemeine-zeitung\/treiben-antidepressiva-jugendliche-in-den-tod-12947490.html\" title=\"Antidepressiva: Treiben Antidepressiva Jugendliche in den Tod?\">Antidepressiva: Treiben Antidepressiva Jugendliche in den Tod?<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<li><span class=\"middot\"> <\/span><a href=\"\/aktuell\/wissen\/studie-mit-tumorpatienten-fuehrt-massive-handynutzung-zu-hirntumoren-12941229.html\" title=\"Forscher: Massive Handynutzung kann zu Hirntumoren f\u00fchren\">Forscher: Massive Handynutzung kann zu Hirntumoren f\u00fchren<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Preis f\u00fcr diesen Effekt ist laut ERSPC eine massive Zahl von sogenannten \u00dcberdiagnosen und \u00dcbertherapien. Dabei werden Neubildungen in der Prostata entdeckt und behandelt, die nie einer Therapie bedurft h\u00e4tten, weil solche Tumore gar nicht oder so langsam wachsen, dass der Mann mit ihnen stirbt, aber nicht an ihnen. Bis zu 48 M\u00e4nner w\u00fcrden unn\u00f6tig zu Krebspatienten gemacht, damit genau ein Mann nicht an seinem Prostatakarzinom stirbt, sondern an etwas anderem.<\/p>\n<p>Es ist dieses Missverh\u00e4ltnis, das mittlerweile zum Umdenken gef\u00fchrt hat. In den Vereinigten Staaten, wo gesunde M\u00e4nner \u00fcber 40 Jahren lange Zeit PSA-Tests zur Fr\u00fcherkennung mit ihrem j\u00e4hrlichen Check-Up erhielten, hat die nationale Pr\u00e4ventionskommission vor zwei Jahren eine Vollbremsung eingeleitet. \u201eBenutzen Sie den PSA-Test nicht f\u00fcr die Fr\u00fcherkennung von Prostatakrebs\u201c lautet nun die unmissverst\u00e4ndliche Ansage des Expertenkomitees. Sie bezieht sich auf alle Altersgruppen.<\/p>\n<p>Selbst die amerikanische Urologenvereinigung, der bislang hartn\u00e4ckigste und m\u00e4chtigste Verfechter des PSA-Screenings, r\u00e4t seit 2013 in keinem Fall mehr zum PSA-Check. Wenn \u00fcberhaupt, dann sei unter den Gesunden nur die Gruppe der 55- bis 69-J\u00e4hrigen \u00fcber den Test zu informieren. Zeitgleich mit dem Umschwung ist ein Buch erschienen, das mit dem PSA-Betrieb abrechnet: \u201eThe Great Prostate Hoax\u201c, die gro\u00dfe Prostata-L\u00fcge. Der Autor, Richard Ablin von der University of Arizona, hatte das Eiwei\u00df PSA vor 44 Jahren entdeckt.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/prostatakrebs-psa-test-fuehrt-zu-oft-in-die-irre-12956402.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/prostatakrebs-psa-test-fuehrt-zu-oft-in-die-irre-12956402.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Angst vor Krebs lassen sich jedes Jahr mehr als vierzigtausend M\u00e4nner die Prostata entfernen. L\u00e4ngst nicht jeder Eingriff w\u00e4re n\u00f6tig. 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