{"id":25354,"date":"2014-04-29T14:51:05","date_gmt":"2014-04-29T14:51:05","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=25354"},"modified":"2014-04-29T14:51:05","modified_gmt":"2014-04-29T14:51:05","slug":"nutzung-von-gmail-mit-google-ist-uberall-zu-rechnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=25354","title":{"rendered":"Nutzung von Gmail: Mit Google ist \u00fcberall zu rechnen"},"content":{"rendered":"<p>Seit zehn Jahren liest der Internetgigant die E-Mail mit. Jetzt gibt es erste Klagen. Gegen die \u00dcberwachung und Datensammlung durch Google wenden sich auch amerikanische Studenten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Als Google am 1. April 2004 sein E-Mail-Angebot Gmail startete, war die Aufregung gro\u00df. Von Anfang an hatte das Unternehmen kommuniziert, dass der neue Dienst, den man zun\u00e4chst nur im Browserfenster nutzen konnte, ein Kuhhandel sein sollte: Man bekam gratis ein f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse riesiges Postfach mit einem Gigabyte Speicherplatz und wurde von nerviger Pop-up-Werbung sowie blinkenden Reklamebannern verschont. Aber diese Vorteile waren an eine Bedingung gekoppelt: Google w\u00fcrde jede einzelne E-Mail, jede gesendete und jede erhaltene, maschinell durchsuchen und kontextbezogene, korrespondierende Anzeigen einblenden. Mit dieser \u201eAd-Sense\u201c genannten Idee war Google in den Jahren zuvor zum gr\u00f6\u00dften Werbevermarkter des Internets geworden. Google schaltete Anzeigen, die zum Inhalt der jeweiligen Seite passten.<\/p>\n<p>Das maschinelle Durchsuchen von E-Mails wurde 2004 von nahezu allen Kommentatoren als fragw\u00fcrdig angesehen. Eine E-Mail sei doch viel privater als eine Internetsuche, und die amerikanischen wie auch die europ\u00e4ischen Datensch\u00fctzer hielten nicht nur das automatisierte Lesen von Nachrichten f\u00fcr rechtswidrig, sondern auch die Verkn\u00fcpfung von Nutzerdaten mit weiteren Netzaktivit\u00e4ten. Solche Querverbindungen zwischen dem Gmail-Besitzer und seinen Suchanfragen lie\u00dfen sich mit Cookies kinderleicht herstellen, lautete die Kritik, und sie wurde in wenigen Tagen so massiv, dass sich Google-Mitgr\u00fcnder Sergey Brin bereits Mitte April 2004 veranlasst sah zu erkl\u00e4ren, sein Unternehmen werde schon bald \u201eden Schutz der Privatsph\u00e4re wirklich verbessern\u201c.<\/p>\n<p>Dazu ist es in den vergangenen zehn Jahren nicht nur nicht gekommen. Sondern der Privatsph\u00e4ren-Deal war f\u00fcr Google ein Erfolg: Aus dem mittelst\u00e4ndischen Unternehmen wurde ein Weltkonzern, der mit seiner Suchmaschine in vielen L\u00e4ndern der Welt die Monopolstellung hat. In Deutschland liegt Googles Marktanteil bei 92 Prozent, auf Platz zwei folgt Microsoft Bing mit drei Prozent. Google dominiert den Online-Werbemarkt, Googles Youtube ist die gr\u00f6\u00dfte Videoplattform der Welt, Googles Smartphone-Betriebssystem Android hat in aller Welt einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent. Google dominiert die Digital\u00f6konomie, es hat in vielen Bereichen eine marktbeherrschende Stellung, und etliche Mitbewerber kritisieren, dass diese Position missbraucht wird, um beispielsweise eigene Produkte in der Suche besser und prominenter darzustellen als die der Wettbewerber.<\/p>\n<p>Das Mitlesen der Google-Mail hat inzwischen einen v\u00f6llig anderen Stellenwert als vor zehn Jahren. Was damals skurril war und im Rahmen moralischer Erw\u00e4gungen diskutiert wurde, hat inzwischen eine \u00f6konomische Dimension. Google liest die E-Mail mit und richtet das Internet nach der jeweiligen Person aus. Es geht nicht mehr allein um Anzeigenkunden, sondern um die Art und Weise, wie dem Google-Nutzer die digitale Welt gezeigt wird. Pers\u00f6nliche Daten werden genutzt, um Suchergebnisse nach politischer Einstellung, berechnetem Wohlstand, individuellen Lebensumst\u00e4nden, Alter, Geschlecht und sexueller Orientierung zu filtern. Man kann es selbst ausprobieren, indem man, eingebucht in Google, st\u00f6bert und zum Vergleich ausgebucht in einem ges\u00e4uberten Browser, der noch keine Cookies gespeichert hat. Die Unterschiede sind verbl\u00fcffend. Man muss also gar nicht erst den NSA-Abh\u00f6rskandal oder die Moral bem\u00fchen, um die heutige Brisanz des E-Mail-Scannens zu erkennen. Vint Cerf, einer der legend\u00e4ren Gr\u00fcnderv\u00e4ter des Internets und mittlerweile bei Google als \u201eChief Internet Evangelist\u201c t\u00e4tig, brachte es auf den Punkt: \u201eWenn alles verschl\u00fcsselt w\u00e4re, w\u00fcrde unser System nicht funktionieren, so arbeitet unser Gesch\u00e4ftsmodell.\u201c<\/p>\n<h2>In seinen englischen Gesch\u00e4ftsbedingungen verankert<\/h2>\n<p>Nun hat Google nach zehn Jahren das Ausforschen von E-Mails sogar in seinen englischen Gesch\u00e4ftsbedingungen verankert. Hier hei\u00dft es: \u201eUnsere automatisierten Systeme analysieren Ihre Inhalte (inklusive E-Mails), um Ihnen pers\u00f6nlich relevante Funktionen unserer Dienste zu bieten, darunter personalisierte Suchergebnisse und Werbung. Die Analyse erfolgt, wenn Inhalte versendet, empfangen und gespeichert werden.\u201c<\/p>\n<p>Diese Formulierung ist entstanden, nachdem in den Vereinigten Staaten mehrere Klagen gegen Google wegen Verletzung der Privatsph\u00e4re eingereicht worden waren. Google \u00f6ffne und lese illegalerweise private Mailnachrichten und eigne sich die Inhalte an, hei\u00dft es in einer Sammelklage vor dem kalifornischen Bezirksgericht in San Jose. Die Kl\u00e4ger weisen darauf hin, dass von dieser \u201eabgeh\u00f6rten Kommunikation\u201c nicht nur Gmail-Nutzer betroffen seien, sondern auch die Kunden anderer E-Mail-Anbieter, die Nachrichten an eine Gmail-Adresse senden. Denn auch deren Kommunikation w\u00fcrde gescannt. Google sieht in diesen Klagen die \u201eKriminalisierung normaler Gesch\u00e4ftspraktiken\u201c. Gmail-Nutzer w\u00fcssten, dass Google auf jegliche Kommunikation, die \u00fcber seine Server l\u00e4uft, zugreifen k\u00f6nne und das auch tue. Auch wer kein Kunde von Google sei, m\u00fcsse mit einem solchen Vorgehen rechnen.<\/p>\n<p>Gegen die \u00dcberwachung und Datensammlung durch Google wenden sich auch amerikanische Studenten, die an vielen Universit\u00e4ten verpflichtet werden, die Schulvariante von Gmail (\u201eApps for Education\u201c) zu nutzen. Ein Google-Sprecher hat mittlerweile best\u00e4tigt, dass Google alle Daten der \u201eApps for Education\u201c scannt, indiziert und verarbeitet. Das geschehe auch dann, wenn Studenten w\u00e4hrend ihrer Registrierung der Datensammlung ausdr\u00fccklich widersprechen. Laut Google handele es sich um \u201eautomatisierte Prozesse, die nicht abgeschaltet werden k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/computer-internet\/nutzung-von-gmail-mit-google-ist-ueberall-zu-rechnen-12913066.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/computer-internet\/nutzung-von-gmail-mit-google-ist-ueberall-zu-rechnen-12913066.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit zehn Jahren liest der Internetgigant die E-Mail mit. Jetzt gibt es erste Klagen. 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