{"id":25338,"date":"2014-04-29T15:00:00","date_gmt":"2014-04-29T15:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=25338"},"modified":"2014-04-29T15:00:00","modified_gmt":"2014-04-29T15:00:00","slug":"infektionen-mit-mers-cov-die-angst-vor-dem-neuen-coronavirus-steigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=25338","title":{"rendered":"Infektionen mit Mers-CoV: Die Angst vor dem neuen Coronavirus steigt"},"content":{"rendered":"<p>Das Virus Mers-CoV breitet sich in der arabischen Welt immer schneller aus. Saudi-Arabien meldet fast t\u00e4glich Tote. Jetzt streiken erste \u00c4rzte aus Angst vor Ansteckung. Zwei neue Studien fanden allerdings wirksame Antik\u00f6rper \u2013 ein erster Hoffnungsschimmer.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201eM\u00f6ge Allah sich ihrer erbarmen\u201c w\u00fcnscht die Gesundheitsbeh\u00f6rde in Saudi-Arabien auf ihrer Webseite den Menschen, die an dem gef\u00e4hrlichen Coronavirus Mers gestorben sind. Am Dienstagmorgen waren es in dem K\u00f6nigreich 102 Tote \u2013 21 mehr als noch eine Woche zuvor. Entdeckt wurde der Erreger im September 2012, und am meisten betroffen ist der \u00d6lstaat Saudi-Arabien.<\/p>\n<p>Seit wenigen Wochen steigen die Zahlen dort sprunghaft an. Die Regierung in Riad r\u00fcstet sich: Der Gesundheitsminister wurde ausgetauscht und Spezialzentren mit Isolierstationen in drei St\u00e4dten eingerichtet. Doch von Riad, Dschidda oder Mekka gelangt das Virus auch in andere L\u00e4nder und verbreitet Angst. Am Wochenende meldete \u00c4gypten einen ersten Verdachtsfall. Ein R\u00fcckkehrer aus Saudi-Arabien hatte Symptome aufgewiesen. Zuletzt waren insbesondere \u00c4rzte, Apotheker und Krankenschwestern betroffen, die mit Erkrankten in Kontakt kamen. So wurde eine 38 Jahre alte philippinische Apothekerin in Riad ins Krankenhaus gebracht, sie hatte sich offenbar angesteckt. In Dschidda wurde der Erreger Mers-CoV (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus) bei einer 30 Jahre alten indischen Krankenschwester diagnostiziert. In Mekka erkrankte ein 32 Jahre alter sudanesischer Arzt daran.<\/p>\n<h2>\u00c4rzte verweigern die Behandlung<\/h2>\n<p>Viele saudische Mediziner weigern sich aus Angst vor Ansteckung inzwischen, Infizierte \u00fcberhaupt zu betreuen. Denn bislang gibt es weder eine Impfung noch eine Therapie. Der K\u00f6rper muss versuchen, den Erreger selbst zu bek\u00e4mpfen, der zu schwerer Lungenentz\u00fcndung f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Einen Hoffnungsschimmer im Hinblick auf die Therapie bieten nun zwei neue Studien. Zun\u00e4chst hatten Wissenschaftler um Wayne Marasco von der Harvard Medical School in einer Antik\u00f6rper-Datenbank sieben Antik\u00f6rper gefunden, die in der Lage waren, Mers-CoV au\u00dfer Gefecht zu setzen. Vor allem ein Antik\u00f6rper, 3B11, sei vielversprechend und biete sich f\u00fcr weitere Forschung an, <a href=\"http:\/\/www.pnas.org\/content\/early\/2014\/04\/23\/1402074111.abstract?tab=author-info\">schreiben die Forscher in den \u201eProceedings of the National Academy of Sciences\u201c. <\/a>Die Wissenschaftler beobachteten auch, wie das Virus mutierte, nachdem es den Antik\u00f6rpern ausgesetzt worden war. Sie fanden heraus, dass die Mutationen, die das Virus bef\u00e4higten, dem Antik\u00f6rper zu entkommen, es allgemein schw\u00e4chten.<\/p>\n<h2>Erste Hinweise auf Antik\u00f6rper<\/h2>\n<p>Forscher um Liwei Jiang von der Tsinghua Universit\u00e4t in Peking identifizierten ebenfalls in einer Datenbank f\u00fcr menschliche Antik\u00f6rper zwei Kandidaten, die im Labor in der Lage dazu waren, das Virus Mers-CoV zu neutralisieren. Sie nannten die Antik\u00f6rper MERS-4 und MERS-27- beide blockierten genau diejenige Region an den Glykoproteinen der Virush\u00fclle, die letztlich den Kontakt zur menschlichen Zelle herstellt und sie somit infiziert. Es handele sich bei MERS-4 und MERS-27 um vielversprechende Kandidaten f\u00fcr ein prophylaktisches und therapeutisches Vorgehen gegen eine Infektion mit dem neuen Coronavirus, <a href=\"http:\/\/stm.sciencemag.org\/content\/early\/2014\/04\/28\/scitranslmed.3008140.abstract\">schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift \u201eScience Translational Medicine\u201c.<\/a><\/p>\n<p>Warum das Coronavirus vor allem in Saudi-Arabien auftritt, wei\u00df man nicht. Die Erreger k\u00f6nnen sowohl in V\u00f6geln als auch in S\u00e4ugetieren vorkommen. Einige Studien weisen darauf hin, dass Mers seinen Ursprung in Flederm\u00e4usen hat. Wissenschaftler konnten das Virus aber auch in Kamelen nachweisen. Unl\u00e4ngst wies Bart Haagmans vom Erasmus Medical Center in Rotterdam bei drei Dromedaren von einer Farm in Qatar Nukleins\u00e4uren von Mers-CoV nach. das nachgewiesene Material war identisch mit dem Isolat, das bei dem erkrankten Farmbesitzer gefunden worden war. Wer aber wen anstevcke \u2013 Dromedare den Menschen oder umgekehrt \u2013, sei noch nicht klar, schrieben Haagmans und seine Kollegen in \u201eLancet Infectious Disease\u201c (Bd.14, S.140).<\/p>\n<h2>Bei Dromedaren verbreitet<\/h2>\n<p>Die meisten Dromedare auf der arabischen Halbinsel haben bereits eine Mers-CoV-Infektion durchgemacht. Bei der Untersuchung von 651 Blutproben von Tieren aus den Arabischen Emiraten fand Christian Drosten von der Universit\u00e4t Bonn in fast jeder Probe Antik\u00f6rper gegen das Virus. Bei Dromedaren aus deutschen Zoos aber fanden sich keine Antik\u00f6rper.<\/p>\n<p>Tarik Jasarevic, Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO), erkl\u00e4rt: \u201eUns geht es jetzt darum, herauszufinden, wie der Erreger von Kamelen auf Menschen \u00fcberspringt.\u201c Es gibt Hinweise, dass die Symptome bei einer Ansteckung von Mensch zu Mensch weniger schwerwiegend sind, als wenn der Erreger vom Tier auf den Menschen \u00fcbergeht. Zugleich r\u00e4umt der Experte ein: \u201eWir wissen noch immer nicht genug.\u201c Eine neue WHO-Delegation aus Medizinern will sich nun auf den Weg in das K\u00f6nigreich machen, um nach Antworten zu suchen.<\/p>\n<h2>Noch weniger ansteckend<\/h2>\n<p>Vor zehn Jahren waren am Sars-Erreger, der ebenfalls zu den Coronaviren z\u00e4hlt, weltweit rund 800 Menschen gestorben. Mers gilt noch als weniger ansteckend. Aber vor allem das Auftreten des Erregers im islamischen Pilgerort Mekka alarmiert die Beh\u00f6rden. Denn bei der j\u00e4hrlichen gro\u00dfen Wallfahrt, dem \u201eHadsch\u201c, versammeln sich dort mehr als zwei Millionen Gl\u00e4ubige aus aller Welt. Sie wird dieses Jahr Anfang Oktober erwartet.<\/p>\n<p>Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation gibt es in Saudi-Arabien zwar mit Abstand die meisten Mers-F\u00e4lle. Doch der Erreger ist schon in vielen L\u00e4ndern aufgetaucht &#8211; offiziell von der WHO best\u00e4tigt sind bislang 261 Infektionsf\u00e4lle und 93 Tote. Nachweislich betroffen waren demnach in der Arabischen Welt vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate aber auch Jordanien, Kuwait, Oman, Katar und Tunesien. In Europa waren es Frankreich, Griechenland, Italien, Gro\u00dfbritannien und auch Deutschland. In M\u00fcnchen war im M\u00e4rz 2013 ein 73 Jahre alter Mers-Patient aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gestorben. Ferner wurde der Erreger in Malaysia und auf den Philippinen diagnostiziert. Schon im vergangenen Jahr warnte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan, dass der Erreger \u201eeine Gefahr f\u00fcr die ganze Welt\u201c sei.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/infektionen-mit-mers-cov-die-angst-vor-dem-neuen-coronavirus-steigt-12916049.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/infektionen-mit-mers-cov-die-angst-vor-dem-neuen-coronavirus-steigt-12916049.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Virus Mers-CoV breitet sich in der arabischen Welt immer schneller aus. Saudi-Arabien meldet fast t\u00e4glich Tote. Jetzt streiken erste \u00c4rzte aus Angst vor Ansteckung. 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