{"id":25320,"date":"2014-04-29T08:05:00","date_gmt":"2014-04-29T08:05:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=25320"},"modified":"2014-04-29T08:05:00","modified_gmt":"2014-04-29T08:05:00","slug":"familie-und-bundeswehr-das-passt-schlecht-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=25320","title":{"rendered":"Familie und Bundeswehr, das passt schlecht zusammen"},"content":{"rendered":"<p>H\u00e4ufige Versetzungen, Auslandseins\u00e4tze, starre Dienstzeiten: Bundeswehr und Familie, das passt schlecht zusammen. Daran kann wohl auch Ursula von der Leyen so schnell nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wenn Peter M\u00fcller* seinen Sohn morgens um 5.30 Uhr weckt, dann tut ihm der Zweij\u00e4hrige so leid, dass er schon \u00f6fter gedacht hat: \u201eLass ihn doch einfach schlafen und schmei\u00df alles hin.\u201c Aber das geht nicht. M\u00fcller ist 44, seit zwanzig Jahren bei der Bundeswehr, und sein Einkommen als Hauptfeldwebel liegt nach Abzug von Lebens-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen bei knapp \u00fcber 2000 Euro netto &#8211; so dass seine Partnerin ebenfalls arbeiten geht. Beide m\u00fcssen um Viertel vor sechs aus dem Haus, er nimmt den Jungen dann im Auto mit und liefert ihn um 6.15 Uhr in einer Kita in der N\u00e4he der Kaserne ab. Fast elf Stunden sp\u00e4ter, nach Dienstschluss, holt er ihn wieder ab. \u201eDer Kleine hat den heftigsten Tag von uns allen\u201c, sagt M\u00fcller. \u201eWoanders w\u00e4re schon l\u00e4ngst das Jugendamt informiert worden.\u201c<\/p>\n<p>Bei der Bundeswehr sind solche Dienstzeiten allerdings normal. Wochenarbeitszeiten von 46 Stunden ohne \u00dcberstundenausgleich k\u00f6nnen von den Vorgesetzten ohne weiteres vorgegeben werden, viele Soldaten m\u00fcssen sogar noch l\u00e4nger arbeiten, und die Anfahrtszeiten sind da noch gar nicht mitgerechnet. Manfred Richter, Hauptfeldwebel im Verteidigungsministerium, sagt: \u201eSeit Jahren fordert der Bundeswehrverband erfolglos, von den 46 Stunden runterzukommen. Wie Don Quichotte im Kampf gegen die Windm\u00fchlen.\u201c<\/p>\n<p>Ob es nun die starren Arbeitszeiten sind, die h\u00e4ufigen Versetzungen oder der Mangel an Kitapl\u00e4tzen: Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei der Bundeswehr ist es so schlecht bestellt, dass Verteidigungsministerin von der Leyen kurz nach ihrem Amtsantritt erkl\u00e4rt hat, sie wolle das \u00e4ndern. Das war Anfang Januar. Dann h\u00f6rte man lange nichts mehr. Auf Anfrage, was bisher geschehen sei, sagt ein Sprecher nun: \u201eWir sind noch in der Bestandsaufnahme. Man kann nichts \u00fcbers Knie brechen. Aber wir nehmen das sehr ernst und tun alles, um die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands zu machen.\u201c<\/p>\n<h2>Eine Kita in der Kaserne w\u00e4re gut<\/h2>\n<p>Dass schnell alles besser wird, darf also bezweifelt werden. Laut einer neuen internen Umfrage w\u00fcnscht sich zum Beispiel fast die H\u00e4lfte aller Soldaten eine Kinderbetreuung in der Kaserne. Sinnvoll w\u00e4re das, weil Familien oft weniger als drei Monate vorher erfahren, wo der neue Einsatzort von Vater oder Mutter oder beiden liegt, und man mit einer so kurzen Vorlaufzeit keinen Betreuungsplatz in den kommunalen Einrichtungen mit ihren langen Wartelisten findet. Aber das Verteidigungsministerium verweist meist nur gebetsm\u00fchlenhaft darauf, dass die Kinderbetreuung eine kommunale Aufgabe sei.<\/p>\n<p>Thorsten Strump, Stabsfeldwebel und Vater eines einj\u00e4hrigen Kindes, hat daher vor drei Jahren selbst versucht, eine Kita in seiner Kaserne einzurichten. Als Vorbild diente ihm dabei die Kinderkrippe \u201eF\u00f6rdewichtel\u201c in Kiel &#8211; ein Vorzeigeprojekt der Bundeswehr, das in Eigeninitiative des Standortes innerhalb von nur sechs Monaten zehn Betreuungspl\u00e4tze geschaffen hatte. Strump suchte vor Ort ebenfalls selbst einen Tr\u00e4ger, holte die Zustimmung des Jugendamtes ein. Dann fehlte nur noch ein Geb\u00e4ude in der Liegenschaft, in der immerhin 800 Soldaten Dienst tun.<\/p>\n<p>Strump dachte: Das kann doch nicht so schwer sein. Er sollte sich t\u00e4uschen. Erst f\u00fcnf Infrastrukturbesprechungen und neun Monate sp\u00e4ter sagte der Standort\u00e4lteste ihm ein Geb\u00e4ude zu. Eine Besichtigung sei allerdings nicht vorher m\u00f6glich, sondern gleich im Beisein von Jugendamt und Tr\u00e4ger. So machte Strump einen Termin mit beiden aus, und dann standen sie alle zusammen vor dem Geb\u00e4ude &#8211; drei Jahre nachdem er das Projekt in Angriff genommen hatte. Heute sagt Strump: \u201eIch hab\u2019 mich so gesch\u00e4mt, als die T\u00fcr aufging. Es war ein von au\u00dfen saniertes Geb\u00e4ude, das von innen aussah wie im Krieg. Da war seit f\u00fcnf Jahren niemand mehr drin gewesen. Man h\u00e4tte es vollkommen renovieren m\u00fcssen. Ich konnte mich nur noch entschuldigen.\u201c Er f\u00fchlte sich, als habe er einen Schlag in die Magengrube bekommen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/familie-und-bundeswehr-das-passt-schlecht-zusammen-12911818.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/familie-und-bundeswehr-das-passt-schlecht-zusammen-12911818.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4ufige Versetzungen, Auslandseins\u00e4tze, starre Dienstzeiten: Bundeswehr und Familie, das passt schlecht zusammen. 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