{"id":25185,"date":"2014-04-23T07:33:16","date_gmt":"2014-04-23T07:33:16","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=25185"},"modified":"2014-04-23T07:33:16","modified_gmt":"2014-04-23T07:33:16","slug":"krebsmedizin-die-millionenfrage-an-angela-merkel-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=25185","title":{"rendered":"Krebsmedizin: Die Millionenfrage an Angela Merkel"},"content":{"rendered":"<p>Zieht die Kanzlerin in den Krieg gegen Krebs? Ihr Besuch am Deutschen Krebsforschungszentrum am Mittwoch k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass wir mit der Entschl\u00fcsselung von Patienten-Genomen bald zur Weltspitze geh\u00f6ren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vor ein paar Jahren waren sie noch als Weltmeister im Behandeln von M\u00e4usekrebs verschrien, heute sieht man sich an der Schwelle zu einem \u201eweltweiten Zentrum der individualisierten Medizin\u201c f\u00fcr Krebspatienten. Keine Frage, die Spitze des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) hat gro\u00dfe Pl\u00e4ne &#8211; f\u00fcr Heidelberg, f\u00fcr Deutschland. Am heutigen Mittwoch, wenn Bundeskanzlerin Merkel aus Anlass des f\u00fcnfzigj\u00e4hrigen Bestehens der Stiftung DKFZ ins Neuenheimer Feld kommt, soll es deshalb um nichts weniger als um die Frage gehen, welche Rolle die deutsche Medizin im Konzert der gro\u00dfen Forschungsnationen k\u00fcnftig spielen kann.<\/p>\n<p>Es wird um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag gehen, wie es hei\u00dft. Dahinter freilich steht noch eine andere Frage: Wird Deutschland nach dem verpatzten Einstieg ins Internationale Humangenomprojekt vor zwei Dekaden und der Unf\u00e4higkeit der deutschen Forschungs- und Medizininstitutionen drei\u00dfig Jahre davor, ein nationales Krebsinstitut von Rang aufzubauen, diesmal rechtzeitig auf den rasenden Zug in die Zukunft aufspringen?<\/p>\n<p>Otmar Wiestler, der wissenschaftliche Vorstand des DKFZ, spricht von einer \u201eunglaublichen Dynamik\u201c und einer \u201emassiven Aufr\u00fcstung weltweit\u201c. H\u00f6rt man ihn dar\u00fcber sprechen, wie sich die Krebsmedizin derzeit ver\u00e4ndert, bekommt man den Eindruck, dass der in den siebziger Jahren vom amerikanischen Pr\u00e4sidenten ausgerufene \u201eWar on Cancer\u201c jetzt erst richtig beginnt.<\/p>\n<p>Die entscheidende Waffe in diesem neuen Feldzug gegen den Krebs ist die Genomsequenzierung. Je mehr molekulare Informationen erfasst werden, so die Philosophie, desto gezielter lassen sich die Tumore behandeln. Am benachbarten Nationalen Centrum f\u00fcr Tumorerkrankungen, dem gro\u00dfen Spr\u00f6ssling des DKFZ, in dem die Universit\u00e4tskliniken mit ins Boot geholt wurden und damit auch die Forschung am Patienten, ist 2013 bereits das Erbgut von mehr als 2000 Krebspatienten entziffert worden. Das Potential liegt bei 7000 Genomen pro Jahr. \u201eWir sind heute schon das zweitgr\u00f6\u00dfte Sequenzierzentrum Europas\u201c, sagt Wiestler, doch mit den 14 aktuellen Hochleistungsger\u00e4ten sto\u00dfe man an Grenzen. Das Genom eines Patienten ist heute in knapp zwei Wochen vollst\u00e4ndig entziffert, die Kosten je Patient belaufen sich, Energie- und Personalkosten eingerechnet, auf einige tausend Euro.<\/p>\n<p>Derzeit verhandelt man in Heidelberg mit der amerikanischen Firma Illumina \u00fcber eine Partnerschaft und \u00fcber neue, sechsmal schnellere Sequenzierroboter. Kritiker trauen dem Braten mit der neuen Ger\u00e4tegeneration zwar noch nicht ganz (\u201eNature\u201c, doi:10.1038\/nature.2014.14530), aber Wiestler sieht die Partnerschaft als Riesenchance, sich zu einem von vier oder f\u00fcnf Krebsgenomzentren der Welt hochzuarbeiten. Ziel ist es, die Sequenzierkapazit\u00e4ten zu vervierfachen. Dazu bedarf es etwa zehn der neuen Illumina X-Ten-Apparate mit Anschaffungskosten pro St\u00fcck von rund zehn Millionen Dollar. Wiestler hat dem DKFZ, seitdem er vor zehn Jahren das Heft vom onkologisch nicht minder vision\u00e4ren Nobelpreistr\u00e4ger Harald zur Hausen \u00fcbernommen hat, einen massiven Wachstumskurs verpasst. Auf mehr als 3000 Mitarbeiter ist der Personalstand gewachsen. \u201eEntwicklungspartnerschaften\u201c mit Unternehmen wie Roche, Siemens, SAP, Bayer Health Care und vielen kleineren Firmen hat Wiestler aufgebaut, damit den Forschern kein Hightech abgeht und gleichzeitig Patienten zumindest in Studien schnell an neue Therapien und Diagnostik kommen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist das DKFZ zu einer nationalen Schaltstelle f\u00fcr die Krebsmedizin geworden. Doch das reicht Wiestler nicht. \u201eBigger is better\u201c, lautet sein Motto &#8211; und singt damit das Lied der gesamten Branche. Erst wenn die Genome von Tausenden, ja Millionen Krebspatienten entziffert und miteinander verglichen sein werden, rechnet man damit, gen\u00fcgend abgesicherte molekulare Ansatzpunkte gefunden zu haben, um jeden Krebspatienten individuell und effektiv behandeln zu k\u00f6nnen. Auch die Bioinformatik muss dazu aufgestockt werden. In Paris, Amsterdam, Cambridge &#8211; \u00fcberall wird expandiert. Alle tr\u00e4umen sie von einem Finale im Kampf gegen den Krebs.<\/p>\n<p>Auf dem Biomedizincampus der University of Cambridge investiert der Pharmariese Astra-Zeneca zwei Milliarden Pfund f\u00fcr sein neues Hauptquartier. Ma\u00dfstab ist der Branchenprimus aus Texas, die MD Anderson Krebsklinik: 40 000 Neueinweisungen jedes Jahr, ein Budget von f\u00fcnf Milliarden Dollar und allein 400 Millionen Dollar an privaten Spenden jedes Jahr. Das Budget des DKFZ: 200 Millionen Euro. Immerhin, sagt Wiestler, \u201edaf\u00fcr stehen wir wissenschaftlich gut da.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/krebsmedizin-die-millionenfrage-an-angela-merkel-12904234.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/krebsmedizin-die-millionenfrage-an-angela-merkel-12904234.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zieht die Kanzlerin in den Krieg gegen Krebs? 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