{"id":25181,"date":"2014-04-26T11:08:20","date_gmt":"2014-04-26T11:08:20","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=25181"},"modified":"2014-04-26T11:08:20","modified_gmt":"2014-04-26T11:08:20","slug":"nobelpreistrager-zur-hausen-warum-haben-inder-so-selten-darmkrebs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=25181","title":{"rendered":"Nobelpreistr\u00e4ger zur Hausen: Warum haben Inder so selten Darmkrebs?"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6nnte es am Rindfleisch liegen? Der Heidelberger Virologe und Nobelpreistr\u00e4ger Harald zur Hausen \u00fcber seine Jagd nach Krankheitserregern und erste Hinweise auf neue Tumorviren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>FRAGE: Wer viel rotes Fleisch isst, hat ein erh\u00f6htes Risiko an bestimmten Krebsarten zu erkranken &#8211; das wird seit einiger Zeit diskutiert. Wie sind sie aber auf die Idee gekommen, dass daf\u00fcr Viren verantwortlich sein k\u00f6nnten?<\/strong><\/p>\n<p>ANTWORT: Wir besch\u00e4ftigen uns jetzt seit einer Weile sehr intensiv mit dieser Frage. Beim Menschen finden wir eine Reihe von Virusinfektionen, die, soweit man das bis jetzt sagen kann, keinen Krebs verursachen. Wenn diese Viren aber in eine andere Spezies \u00fcbertragen werden, in denen sie sich nicht vermehren k\u00f6nnen, dann werden sie karzinogen. Das ist ein charakteristisches Kennzeichen &#8211; nicht aller, aber der meisten Tumorviren, die wir bis jetzt kennen. Das war der Ausgangspunkt der Idee, dass bei Tieren auch solche Virusinfektionen vorliegen k\u00f6nnten, die bei ihnen selbst nicht kanzerogen sind, die aber, wenn sie auf den Menschen \u00fcbertragen werden, unter Umst\u00e4nden Krebs ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>FRAGE: Sie haben in der Vergangenheit besonders auf die Risiken von Rindfleisch hingewiesen . . .<\/strong><\/p>\n<p>ANTWORT: Darauf sind wir durch die geographische Epidemiologie verschiedener Krebsarten, besonders von Dickdarmkrebs, gekommen. Diese Krankheit ist in L\u00e4ndern, in denen viel Rindfleisch gegessen wird, stark verbreitet. Indien hat dagegen die niedrigste Darmkrebsrate weltweit &#8211; hier wird kaum Rindfleisch verzehrt. Es gibt hier allerdings drei Regionen, in denen der Dickdarmkrebs etwas st\u00e4rker vertreten ist: Kerala im S\u00fcdwesten &#8211; eine Provinz, in der viele Muslime und Christen leben &#8211; da kriegen Sie auch im Restaurant Rindfleisch. Und zwei Regionen im Nordwesten und Nordosten, wo relativ viele Chinesen leben, die viel getrocknetes Rindfleisch essen. Interessant sind in diesem Kontext auch Japan und Korea: Vor dem Zweiten Weltkrieg war Dickdarmkrebs hier sehr selten. Nach dem Krieg wurden gro\u00dfe Mengen Rind aus dem Ausland eingef\u00fchrt, seitdem ist es dort sehr beliebt. In Japan wurde Sashimi fr\u00fcher nur aus Fisch hergestellt, heute werden auch oft rohe Rindfleischscheiben angeboten. In Korea ist dagegen Yukhoe popul\u00e4r geworden, ein grobes Tartar mit Eidotter und Gem\u00fcse. Inzwischen geh\u00f6ren die beiden L\u00e4nder zu den Hochrisikogebieten f\u00fcr Dickdarmkrebs.<\/p>\n<p><strong>FRAGE: Also ist nicht jede Art von rotem Fleisch gleich riskant?<\/strong><\/p>\n<p>ANTWORT: Das l\u00e4sst sich sehr sch\u00f6n am Beispiel der Mongolei erkennen: Hier wird viel rohes rotes Fleisch verzehrt, das stammt aber von \u201eYaks\u201c, Hammeln, Ziegen, Pferden und Kamelen. Das Risiko, in der Mongolei an Dickdarmkrebs zu erkranken, ist \u00e4hnlich niedrig wie in Indien. Auch in Afrika, wo in erster Linie Zebu-Rinder gehalten werden, ist dieser Krebs selten. Wir kamen daher zu der Arbeitshypothese, dass hier ein spezifischer Faktor im Fleisch des europ\u00e4isch-asiatischen Rinds vorliegt.<\/p>\n<p><strong>FRAGE: K\u00f6nnte es sich bei diesem Faktor nicht auch um die krebsausl\u00f6senden Stoffe handeln, die beim Braten entstehen?<\/strong><\/p>\n<p>ANTWORT: Beim roten Fleisch wurde immer damit argumentiert, dass die Kanzerogene, die beim Grillen und Braten entstehen, f\u00fcr das erh\u00f6hte Krebsrisiko verantwortlich sind. Das ist zwar korrekt, die entstehen wirklich, das ist nachgewiesen. Wenn Sie aber Gefl\u00fcgel oder Fisch grillen, finden Sie darin die gleichen chemischen Kanzerogene, zum Teil sogar in etwas h\u00f6heren Konzentrationen. H\u00fchnerfleisch erh\u00f6ht das Krebsrisiko jedoch nicht, Fisch scheint sogar einen gewissen sch\u00fctzenden Effekt zu haben. Insofern sagt das eigentlich schon aus, dass die Kanzerogene allein offensichtlich nicht ausreichend sind, um Krebs auszul\u00f6sen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/nobelpreistraeger-zur-hausen-warum-haben-inder-so-selten-darmkrebs-12904246.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/nobelpreistraeger-zur-hausen-warum-haben-inder-so-selten-darmkrebs-12904246.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6nnte es am Rindfleisch liegen? 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