{"id":25163,"date":"2014-04-21T06:50:33","date_gmt":"2014-04-21T06:50:33","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=25163"},"modified":"2014-04-21T06:50:33","modified_gmt":"2014-04-21T06:50:33","slug":"china-behinderte-und-kranke-kinder-landen-in-babyklappen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=25163","title":{"rendered":"China: Behinderte und kranke Kinder landen in Babyklappen"},"content":{"rendered":"<p>Seit drei Jahren gibt es in China die \u201eBaby-Inseln\u201c. Dort werden vor allem schwer kranke und behinderte Kinder abgegeben. Das eigentliche Problem sehen viele im unzureichenden Wohlfahrtssystem der Volksrepublik.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das letzte Mal beobachtete Frau Wang, wie ein \u00e4lteres Paar ein Kind zur Babyklappe brachte. Sie kamen zu Fu\u00df den langen d\u00fcsteren Weg um das ehemalige Fabrikgel\u00e4nde, hinter dem das staatliche Waisenhaus liegt. \u201eDas Baby, das sie auf dem Arm hatten, war ganz ruhig auf dem Weg, aber als die beiden es im H\u00e4uschen abgelegt hatten, h\u00f6rte ich es weinen. Das Paar ging schnell weg, der Frau str\u00f6mten die Tr\u00e4nen \u00fcber das Gesicht.\u201c Frau Wang wohnt in der N\u00e4he des F\u00fcrsorgeheims von Shijiazhuang, und weil sie sp\u00e4t abends und fr\u00fch morgens oft die Runde mit ihrem Hund macht, konnte sie schon \u00f6fter beobachten, wie einzelne Frauen oder auch Paare verstohlen Babys in dem H\u00e4uschen vor dem Waisenhaus ablegen. Die beiden, die sie vor einigen Tagen beobachtete, werden wohl die Gro\u00dfeltern gewesen sein, vermutet sie. Der Kleidung nach zu urteilen, waren es Leute vom Land. \u201eEs ist eine traurige Sache\u201c, seufzt Frau Wang. Die Leute, die im Heim arbeiten, sagen ihr, dass alle Kinder, die dort abgegeben werden, schwer krank oder behindert sind.<\/p>\n<p>Vor dem F\u00fcrsorgeheim der Millionenstadt Shijiazhuang wurde vor drei Jahren die erste \u201eBabyklappe\u201c Chinas eingerichtet. Sie hei\u00dft \u201eSichere Insel f\u00fcr Babys\u201c. Der Weg dahin durch ein Industriegebiet und Baustellen ist auf Stra\u00dfenschildern besonders ausgezeichnet. Das H\u00e4uschen ist bunt bemalt, mit einem kleinen Bett und einem Brutkasten ausgestattet. \u201eAlle Kinder dieser Welt haben ein Recht auf Schutz\u201c, steht auf einem bunten Bild vor der Eingangst\u00fcr, und auf die Wand daneben sind S\u00e4tze aus der Kinderschutzkonvention der Vereinten Nationen geschrieben.<\/p>\n<p>\u201eKind ablegen, Klingel dr\u00fccken\u201c, lautet die Anweisung. Aber auch ohne Klingelalarm wird alle zwei Stunden nachgesehen, ob ein Kind im Bett liegt. \u201eWenn ein Baby abgelegt wurde, kommt als Erstes die Polizei und dokumentiert den Fall\u201c, sagt Frau Wang, dann erst wird es ins Heim gebracht. Mehr als 200 Kinder sind nach offiziellen Angaben seit Einrichtung der \u201eInsel\u201c abgegeben worden.<\/p>\n<h2>Oft ist eine aufwendige Behandlung n\u00f6tig<\/h2>\n<p>Nach dem Beispiel von Shijiazhuang sind in der Volksrepublik China in den vergangenen drei Jahren in 25 St\u00e4dten \u201eBaby-Inseln\u201c eingerichtet worden, in denen man anonym und ohne das Risiko strafrechtlicher Verfolgung Kinder abgeben kann, die letzte zu Beginn des Jahres im s\u00fcdchinesischen Guangzhou (Kanton). Die musste jetzt geschlossen werden. Das Waisenhaus war \u00fcberlastet, in sechs Wochen wurden 262 Kinder abgegeben, und alle waren schwer krank oder behindert. Zwanzig starben kurz nach der Ankunft. Wegen Guangzhou ist jetzt eine Debatte dar\u00fcber entbrannt, ob die \u201eBaby-Inseln\u201c wirklich der richtige Weg sind, um ein schweres soziales Problem zu l\u00f6sen. Immer wieder setzen Eltern in China Kinder mit schweren Krankheiten oder Behinderungen aus. Viele sterben, wenn sie nicht rechtzeitig gefunden werden.<\/p>\n<p>\u201eDie Inseln machen es den Eltern einfach, sich aus der Verantwortung zu stehlen\u201c, sagt Frau Wang und gibt damit einer weitverbreiteten Meinung in China Ausdruck. \u201eWir brauchen die Inseln, um Kinder zu retten\u201c, sagen dagegen ihre Bef\u00fcrworter. Es sei kein einfacher Schritt f\u00fcr die Eltern, Kinder auszusetzen oder abzugeben, sagt Tong Xiaojun von der Pekinger Jugend-Hochschule f\u00fcr Politik. Ohne die Inseln w\u00fcrden viele Kinder sterben.<\/p>\n<p>Die Zahl chinesischer Eltern, die nicht in der Lage sind, ein behindertes oder pflegebed\u00fcrftiges Kind gro\u00dfzuziehen, ist gro\u00df. Auf dem Land gibt es, wenn \u00fcberhaupt, nur eine rudiment\u00e4re Krankenversicherung. Rehabilitation und Pflege von Behinderten ist aber teuer, zudem gibt es auf dem Land kaum Fachkr\u00e4fte daf\u00fcr. Die in den Inseln abgelegten Kinder haben oft Infantile Zerebralparese, Tumore, Kinderl\u00e4hmung, verkr\u00fcppelte Gliedma\u00dfen oder Herzfehler, die eine aufwendige Behandlung n\u00f6tig machen.<\/p>\n<h2>Mehr Baby-Inseln als \u00dcbergangsl\u00f6sung?<\/h2>\n<p>Aber auch in den St\u00e4dten steht eine Familie mit einem behinderten oder chronisch kranken Kind vor gro\u00dfen Kosten und Einkommensverlusten, denn zumindest einer muss die Arbeit aufgeben, um sich um das Kind zu k\u00fcmmern. Der Staat zahlt, wenn die Behinderung amtlich anerkannt ist, nur eine kleine Beihilfe. Viele Ehen br\u00e4chen wegen der \u00dcberlastung auseinander, sagt Tong Xiaojun.<\/p>\n<p>Das zust\u00e4ndige Innenministerium hat allen Wohlfahrtseinrichtungen Anweisung gegeben, keine Ausk\u00fcnfte zum Thema Baby-Inseln zu geben. Es wirft ein schlechtes Licht auf China, das neue Bahnh\u00f6fe, Flugh\u00e4fen und Wolkenkratzer baut und Milliarden in die Raumfahrt steckt, wenn es nichts f\u00fcr seine behinderten Kinder tut. Nach offiziellen Sch\u00e4tzungen kommen jedes Jahr 900.000 Kinder behindert oder krank zur Welt. Tong Xiaojun fordert, die gesundheitliche Betreuung und Aufkl\u00e4rung der Frauen bei Schwangerschaft und Geburt m\u00fcsse verbessert werden. Schon damit k\u00f6nne die Zahl der behinderten Kinder stark verringert werden. China brauche aber ein umfassendes Wohlfahrtssystem f\u00fcr Kinder. Der Staat habe das inzwischen erkannt. Bis es so weit sei, brauche China mehr Baby-Inseln, nicht weniger.<\/p>\n<p>Auch das Innenministerium will die Inseln beibehalten. Selbst die offizielle \u201eVolkszeitung\u201c kommentiert, \u201edie Baby-Inseln seien Ausdruck staatlichen Schutzes der Kinder und nicht Anreiz f\u00fcr die Eltern, Kinder auszusetzen. Frau Wang aus Shijiazhuang sagt, der Staat m\u00fcsse den Eltern Geld geben, dann g\u00e4ben sie ihre behinderten Kinder nicht auf. Es sei doch auch viel besser, wenn die Kinder von ihren Eltern gepflegt werden. Im Heim w\u00fcrden sie nie so gut behandelt wie zu Hause.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/china-behinderte-und-kranke-kinder-landen-in-babyklappen-12897394.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/china-behinderte-und-kranke-kinder-landen-in-babyklappen-12897394.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit drei Jahren gibt es in China die \u201eBaby-Inseln\u201c. Dort werden vor allem schwer kranke und behinderte Kinder abgegeben. 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