{"id":25064,"date":"2014-04-26T10:37:12","date_gmt":"2014-04-26T10:37:12","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=25064"},"modified":"2014-04-26T10:37:12","modified_gmt":"2014-04-26T10:37:12","slug":"fdp-im-europawahlkampf-alexander-graf-lambsdorff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=25064","title":{"rendered":"FDP im Europawahlkampf: Alexander Graf Lambsdorff"},"content":{"rendered":"<p>Wer h\u00f6rt der FDP noch zu? Und wem h\u00f6rt die FDP selbst zu? Ihr Spitzenkandidat f\u00fcr die Europawahl, Alexander Graf Lambsdorff, hat es jedenfalls schwer mit seiner Partei.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Anfang des Jahres hielt Alexander Graf Lambsdorff eine Rede \u00fcber Europa. F\u00fcr ihn war das eine ziemlich wichtige Sache. Er bewarb sich um die Spitzenkandidatur der FDP bei der Europawahl Ende Mai. Vielleicht w\u00fcrde in letzter Sekunde noch jemand gegen ihn antreten? Lambsdorff hatte sich gut auf die Rede vorbereitet, er hatte ausprobiert, welche Themen z\u00fcnden, griffige Formulierungen gesucht. Nun also stand er auf der B\u00fchne im gro\u00dfen Tagungssaal eines Hotels in Bonn, seiner Heimatstadt. Doch niemand h\u00f6rte richtig zu.<\/p>\n<p>Es war sogar noch schlimmer: Die Parteitagsdelegierten schw\u00e4tzten miteinander, als s\u00e4\u00dfen sie beim Bier in der Kneipe zusammen. Es gab ja auch eine Menge zu erz\u00e4hlen. Man traf sich zum ersten Mal seit der bitteren Niederlage bei der Bundestagswahl, mehr als neunzig Abgeordnete hatten ihr Mandat verloren, Hunderte Mitarbeiter ihre Stellen. Die alte Funktionspartei FDP fand sich pl\u00f6tzlich in der au\u00dferparlamentarischen Opposition wieder. Europa? War da nicht so wichtig.<\/p>\n<h2>Babbeln wie am Stammtisch<\/h2>\n<p>Vor Lambsdorff hatte Christian Lindner gesprochen, der neue Parteichef. Lindner plusterte sich auf, er hielt eine schneidige Rede mit eintrainierten Pointen, er griff die gro\u00dfe Koalition an und wurde immer lauter. Dagegen konnte man gar nicht anreden unten im Saal. Also h\u00f6rten die Delegierten zu, Lindner bekam ordentlichen Beifall, die Leute standen am Ende von den Sitzen auf. Nach einer Minute nahmen sie wieder Platz und tratschten weiter.<\/p>\n<p>Alexander Graf Lambsdorff hat nicht so eine markersch\u00fctternde Stimme wie sein ber\u00fchmter Onkel Otto. Der h\u00e4tte nie vor einem Saal gesprochen, der ihm nicht zuh\u00f6rt. Aber nat\u00fcrlich h\u00f6rten ihm die Leute sowieso zu. Otto Graf Lambsdorff, der knorrige \u201eMarktgraf\u201c, war eine Autorit\u00e4t in seiner Partei. Seinem Neffen schadet das nicht, die Delegierten in Bonn w\u00e4hlten ihn am Ende mit 86 Prozent klar zu ihrem Spitzenkandidaten. Es setzt ihn aber auch einem permanenten Vergleich aus, schon weil er mit zunehmendem Alter dem Onkel immer \u00e4hnlicher sieht. Die markante Nase, die tief liegenden Augen, die hohe Stirn, das sch\u00fcttere Haar \u2013 alles Marke Lambsdorff.<\/p>\n<h2>Permanent unter Konsenszwang<\/h2>\n<p>Alexander Graf Lambsdorff ist der Mann der leisen T\u00f6ne, des ruhigen Abw\u00e4gens und sachlichen Argumentierens. Das sind die Qualit\u00e4ten, die in Br\u00fcssel und Stra\u00dfburg gefragt sind. Lambsdorff, 47 Jahre alt, sitzt seit zehn Jahren f\u00fcr die FDP im Europ\u00e4ischen Parlament. Da spielt die Musik nicht in Plenardebatten, sondern in Aussch\u00fcssen und Arbeitsgruppen. Abgeordnete sind als Berichterstatter f\u00fcr spezielle Themen zust\u00e4ndig- wer in der Auseinandersetzung mit der Kommission und den Mitgliedstaaten einen Punkt machen will, muss sich tief einarbeiten. Und sp\u00e4ter, im Parlament, eine breite Mehrheit organisieren. Es gibt in Br\u00fcssel weder Regierungsparteien noch Opposition, nur Fraktionen, die wechselnde Mehrheiten bilden. In den Fraktionen treffen wiederum Abgeordnete aus vielen Mitgliedstaaten aufeinander. Mit einem Wort: Es herrscht permanent Konsenszwang.<\/p>\n<p>Das ist Lambsdorffs Welt. Seine Augen gl\u00fchen, wenn er vom st\u00e4ndigen Interessenausgleich \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg spricht. Er sieht die Europ\u00e4ische Union als Instanz, die durch Vermittlung Europa fairen Wettbewerb beschert \u2013 und das sei schlie\u00dflich ein urliberaler Gedanke. Lambsdorff ist der Gegenentwurf zu FDP-Europaskeptikern wie Frank Sch\u00e4ffler- er steht f\u00fcr die europafreundliche Traditionslinie der Partei, und er hat auch ein entsprechendes Wahlprogramm durchgesetzt.<\/p>\n<h2>Liebe zu Br\u00fcssel<\/h2>\n<p>Lambsdorff liebt das multikulturelle Br\u00fcssel, in dem sich Identit\u00e4ten \u2013 regionale, nationale und parteipolitische \u2013 \u00fcberlagern und aufl\u00f6sen. Er selbst wechselt spielend zwischen Englisch, Franz\u00f6sisch und Fl\u00e4misch hin und her. Kein Wunder, er ist in Br\u00fcssel gro\u00df geworden. Sein Vater Hagen war Journalist beim \u201eSpiegel\u201c, da bekam er 1973 das Angebot, als Sprecher an die deutsche EU-Vertretung in Br\u00fcssel zu wechseln. Damit begann eine diplomatische Karriere, die auf den Sohn abf\u00e4rbte.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/fdp-im-europawahlkampf-alexander-graf-lambsdorff-12911397.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/fdp-im-europawahlkampf-alexander-graf-lambsdorff-12911397.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer h\u00f6rt der FDP noch zu? Und wem h\u00f6rt die FDP selbst zu? 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