{"id":24743,"date":"2014-04-07T17:48:07","date_gmt":"2014-04-07T17:48:07","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=24743"},"modified":"2014-04-07T17:48:07","modified_gmt":"2014-04-07T17:48:07","slug":"arzneien-was-ist-eine-innovation-nicht-alles-was-neu-ist-bekommt-auch-schlechte-noten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=24743","title":{"rendered":"Arzneien: Was ist eine Innovation?: Nicht alles, was neu ist, bekommt auch schlechte Noten"},"content":{"rendered":"<p>Den Pharmakologen fehlt die Innovationskraft &#8211; hei\u00dft es. Selbst v\u00f6llig neue Wirkstoffe wie das soeben zugelassene Riociguat k\u00f6nnen vor den Innovationspr\u00fcfern scheitern. Mit Recht?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Als der K\u00f6lner Onkologe Michael Hallek j\u00fcngst in seiner Funktion als Pr\u00e4sident des Krebskongresses \u00fcber eine \u201eneue Innovationskultur\u201c sprach, um wirksame neue Arzneimittel auf den Markt zu bringen, schwang eindeutig die Klage mit: Dem Land fehlt offenbar der Wille zur Innovation. Aber stimmt das eigentlich? Oder anders gefragt: Sind deutsche Forscher nicht willens oder unf\u00e4hig oder werden sie gar gehindert, therapeutische Neuheiten zur Marktreife zu bringen?<\/p>\n<p>Schon kurz darauf, als der Innovationsreport der Techniker Krankenkasse (TK) 2014 ver\u00f6ffentlicht wurde, war dieser Verdacht in der Welt. Er wurde nicht zuletzt vom Bremer Gesundheits\u00f6konomen Gerd Glaeske gesch\u00fcrt, der den Report mit seinem Team zusammengestellt und sich ein Vorwort des Vorsitzenden der Arzneimittelkommission der deutschen \u00c4rzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, eingeholt hatte. Lediglich drei von zwanzig im Jahre 2011 eingef\u00fchrten und an TK-Versichterte verschriebenen Arzneimittel wurden als wirklich innovativ vorgestellt. Schon die zehn weiteren Medikamente, die zumindest als begrenzt innovativ aus der Studie herauskamen, wurden in vielen Medien unterschlagen. Schlagzeilen wie \u201eKaum ein neues Medikament bringt medizinischen Fortschritt\u201c pr\u00e4gen nun das Bild.<\/p>\n<p>Dabei geben die Autoren in ihrem Bericht zu bedenken, dass die Einstufung des Innovationsgrades von Medikamenten durch Fachleute in der Vergangenheit extrem voneinander abwich. \u201eDie Auswertungen seit dem Jahr 1997 zeigen, dass von insgesamt 459 neu in den Markt der gesetzlichen Krankenkassen eingef\u00fchrten Arzneimitteln 187 als therapeutisch fortschrittlich beurteilt wurden\u201c, hei\u00dft es in dem Bericht &#8211; also immerhin 41 Prozent. Weiteren 97 daraus wird noch ein \u201etechnologischer Vorteil\u201c gegen\u00fcber den im Markt befindlichen Mitteln attestiert, etwa ein Drittel sei als \u201eScheininnovationen\u201c zu betrachten. Von den 67 Nutzenbewertungen, die der Gemeinsame Bundesausschuss auf Grundlage der neuen Arzneimittelgesetzgebung aus dem Jahr 2011 vom \u201eInstitut f\u00fcr Qualit\u00e4t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen\u201c bisher vorgenommen hat, wurde immerhin in mehr als der H\u00e4lfte der F\u00e4lle ein \u201emehr oder weniger gro\u00dfer Zusatznutzen\u201c best\u00e4tigt. Die Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem lagen demnach bis Ende 2013 bei 180 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Alles also doch nicht so schlimm? Waren die schlechten Innovationsnoten im Jahr 2011, die der TK-Report in Form von Ampelfarben verteilt hat, also die Ausnahme? Der Knackpunkt ist die Bestimmung des Innovationsgrades und dessen Definition. Im TK-Bericht wurde untersucht, ob ein neuer Wirkstoff nicht nur einen technologischen Fortschritt bringt, sondern ob es bereits andere Therapien gibt, und ob die Kosten nach der Markteinf\u00fchrung h\u00f6her oder niedriger lagen. \u201eEine Innovation allein ist noch nichts Gutes.\u201c Dieses Zitat aus dem Kreis der Arzneimittelkommission der deutschen \u00c4rzteschaft macht deutlich, wie wichtig inzwischen die Arzneibewertung nach der eigentlichen Zulassung und Markteinf\u00fchrung geworden ist.<\/p>\n<p>Die Arzneipr\u00fcfer sehen inzwischen ganz genau hin. Das wird auch f\u00fcr einen Wirkstoff gelten, der vor wenigen Monaten mit einem selten eindeutigen Urteil der amerikanischen Gesundheitsbeh\u00f6rde FDA zugelassen wurde und vor einigen Tagen auch in Europa gr\u00fcnes Licht bekommen hat: Riociguat. Der Wirkstoff wurde wesentlich von dem deutschen Pharmakologen Johannes-Peter Stasch mit entdeckt und entwickelt. F\u00fcr den Wuppertaler Bayer-Forscher, der es auf mehr als zweihundert Patentanmeldungen bringt und der im vergangenen Jahr als einer der wenigen Industrieforscher Mitglied der Nationalakademie Leopoldina wurde, ist das der H\u00f6hepunkt einer mehr als drei\u00dfig Jahre langen Besch\u00e4ftigung mit einem der faszinierendsten Signalwege im K\u00f6rper: Es geht um die pharmakologische Wirkung von Stickstoffmonoxid, kurz NO. Als die Wirkung des Spurengases in den Blutgef\u00e4\u00dfen entdeckt und 1998 mit dem Nobelpreis an drei amerikanische Forscher gew\u00fcrdigt wurde, lag die pharmakologische Wirkung l\u00e4ngst in der Luft. 1867 war Nitroglycerin als das erste organische Nitrat von einem schottischen Arzt zur Behandlung von Brustschmerzen und Angina pectoris eingef\u00fchrt worden. Und Alfred Nobel, der Erfinder des Nitroglycerins als Grundstoff der Dynamiterzeugung, war als Angina-pectoris-Patient damit in Ber\u00fchrung gekommen. \u201eIst es nicht eine Ironie des Schicksals\u201c, schrieb er einem Freund, \u201edass mir Nitroglycerin zur Einnahme verschrieben wurde, das Mittel, das sie Trinitrin nennen, damit sie den Chemiker und die \u00d6ffentlichkeit nicht \u00e4ngstigen?\u201c Nobel verweigerte die Einnahme und starb zwei Monate sp\u00e4ter an seinem Herzleiden.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/arzneien-was-ist-eine-innovation-nicht-alles-was-neu-ist-bekommt-auch-schlechte-noten-12884809.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/arzneien-was-ist-eine-innovation-nicht-alles-was-neu-ist-bekommt-auch-schlechte-noten-12884809.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Pharmakologen fehlt die Innovationskraft &#8211; hei\u00dft es. 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