{"id":24554,"date":"2014-04-04T08:41:47","date_gmt":"2014-04-04T08:41:47","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=24554"},"modified":"2014-04-04T08:41:47","modified_gmt":"2014-04-04T08:41:47","slug":"behandlung-verschlechtert-sich-das-allergie-desaster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=24554","title":{"rendered":"Behandlung verschlechtert sich: Das Allergie-Desaster"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland l\u00e4sst die Behandlung von Allergien schleifen. Die Hyposensibilisierung nutzt nur noch eine kleine Minderheit, Fach\u00e4rzte steigen aus der Impfung aus. Die Folge: Immer mehr und immer schlimmere Allergien.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In Deutschland werden Allergien offenbar massiv untersch\u00e4tzt \u2013 von den Patienten, den \u00c4rzten, den Kassen. Das wird deutlich, wenn man eine aktuelle Analyse des \u00c4rzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA) mit Daten von etwa 40 Millionen gesetzlich Versicherten sowie eine Befragung der Gesellschaft f\u00fcr Konsumforschung von 70.000 Menschen auswertet.<\/p>\n<p>Inzwischen leiden schon 55 Prozent der Menschen mehr oder weniger stark an Heuschnupfen, jeweils ein Viertel reagieren auf Tierhaare oder Hausstaubmilben allergisch. Mehr als die H\u00e4lfte setzt auf Selbstmedikation, kaufen sich verschreibungsfreie Medikamente oder nutzen Hausmittel, und fast 35 Prozent lassen die Allergie gar nicht behandeln.<\/p>\n<p>Die Folgen dieser Entwicklung, so warnen die Fach\u00e4rzte, treten immer deutlicher zutage: Es gibt immer mehr Allergiker in Deutschland und ihre medizinische Versorgung wird immer schlechter. Vor allem besteht die Gefahr, dass sich bereits vorhandene Allergien verschlechtern, wie die AeDA-Untersuchung von J\u00fcrgen Wasem von der Universit\u00e4t Duisburg-Essen ergeben hat. Nur noch sieben Prozent der Allergiker und f\u00fcnf Prozent der Asthmatiker nutzen die Chance, ihre \u00fcberschie\u00dfende Immunreaktion urs\u00e4chlich behandeln zu lassen \u2013 durch eine Hyposensibilisierung.<\/p>\n<p>Diese \u201eAllergie-Impfung\u201c, eine spezifische Immuntherapie, bei der die Allergene klassischerweise in steigenden Dosen mehrmals hintereinander \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitpunkt unter die Haut gespritzt werden, ist von der Cochrane Collaboration und von der Weltgesundheitsorganisation als einzig nachweisbar wirksame Allergie-Behandlung empfohlen worden. Cochrane hatte in seiner Metastudie fast neunzig Studien mit mehr als dreitausend Patienten ausgewertet und festgestellt: Bei mindestens einem Drittel l\u00e4sst sich durch die Hyposensibilisierung eine Verschlimmerung des Heuschnupfens hin zum Asthma verhindern. Auch wenn das Asthma schon da ist, k\u00f6nnen die Spritzen helfen: Jeder F\u00fcnfte braucht dann deutlich weniger Medikament.<\/p>\n<p>Die Behandlung hilft einer deutlichen Mehrheit, nur bei einem Drittel bleibt die Immuntherapie unwirksam. Vor wenigen Monaten ist zudem eine amerikanische Studie des American College of Allergy, Asthma and Immunology vorgestellt worden, die zeigte: Wenn die Allergie-Impfung w\u00e4hrend der Schwangerschaft verabreicht wird, profitiert das Kind. Es bekommt sp\u00e4ter deutlich seltener eine Allergie. Bei Partnerschaften von zwei Allergikern gibt es eine 75-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass das Kind auch eine Allergie entwickelt. Zur\u00fcckhaltend sind viele Menschen offenbar auch, weil sie in der Regel auf mehrere Stoffe allergisch reagieren, aber nur \u201eein\u201c Allergen-Pr\u00e4parat verabreicht bekommen. Tats\u00e4chlich handelt es sich bei dem Pr\u00e4parat meistens um eine Zubereitung von \u201ehomogenen\u201c, strukturell \u00e4hnlichen, aber zum Beispiel durchaus gegen mehrere Gr\u00e4serpollen wirkende Impfungen handelt. In der Vergangenheit gab es bis zu sechstausend unterschiedliche Allergen-Pr\u00e4parate, die kein Arzt mehr \u00fcberblicken, geschweige denn am Patienten zuverl\u00e4ssig testen konnte.   <\/p>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/134917\/Spezifische-Immuntherapie-Indikation-und-Wirkungsweise\">Deutschen \u00c4rzteblatt<\/a> haben im vorigen Jahr Randolf Brehler und seine Kollegen vom Universit\u00e4tsklinikum M\u00fcnster aufgezeigt, dass die Impfung \u201edie einzige krankheitsmodifizierende Behandlungsm\u00f6glichkeit\u201c ist. Die Mediziner sch\u00e4tzen die g\u00e4ngige Verabreichung als Spritze unter die Haut f\u00fcr deutlich besser getestet und zuverl\u00e4ssiger ein, allerdings seien inzwischen auch Allergie-Tabletten &#8211; zumindest gegen Gr\u00e4serpollen &#8211; erh\u00e4ltlich, die Wirkungen zeigten. Die Entscheidung, welche Behandlung wirksam, und vor allem nebenwirkungs\u00e4rmer, sei, m\u00fcsse der Patient mit entscheiden k\u00f6nnen. Auch die M\u00fcnsteraner halten die Versorgung der Asthmatiker in Deutschland angesichts der Behandlungsoptionen f\u00fcr vollkommen unbefriedigend. Deutschland liegt bei der Hyposensibilisierung unter dem europ\u00e4ischen Durchschnitt.<\/p>\n<p>Unbefriedigend ist vor allem auch die Einstellung auf Seiten der \u00c4rzte und Kassen: Im Zeitraum von 2007 und 2010 ist der Wasem-Studie zufolge die Zahl der behandelnden Praxen um ein Drittel gesunken. Immer mehr Fach\u00e4rzte ziehen sich aus der Allergie-Impfung zur\u00fcck. Das liegt nach \u00dcberzeugung des Allergologenverbandes vor allem am \u201eschlechten Honorarsystem\u201c. F\u00fcr die  \u00c4rzte sei die Behandlung nicht attraktiv \u2013 mit anderen Worten: Sie bekommen f\u00fcr die regelm\u00e4\u00dfige Behandlung mit Spritzen zu wenig bezahlt. Zudem erstatten nur wenige Kassen\u00e4rztliche Vereinigungen ein zus\u00e4tzliches Versorgungshonorar f\u00fcr die behandelnden Mediziner, weil \u201eAllergologe\u201c lediglich eine Zusatzbezeichnung und keine Facharzt-Bezeichnung ist.<\/p>\n<p>Finanziell schl\u00e4gt sich die Allergie-Misere deutlich in der volkswirtschaftlichen Bilanz nieder. Brehler und seine Kollegen haben vorgerechnet, dass die sozio\u00f6konomischen Kosten in Europa je nach Kalkulationsgrundlage j\u00e4hrlich zwischen 36 und 185 Milliarden Euro liegt.  Vor allem fortgeschrittene, schwerer behandelbare Symptome, also Asthma, schlagen ins Kontor. Ein Patient mit leichtem Asthma kostet das Gesundheitssystem 1670 Euro j\u00e4hrlich, mit schwerem Asthma kostet das Leiden rund 6000 Euro.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/behandlung-verschlechtert-sich-das-allergie-desaster-12879762.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/behandlung-verschlechtert-sich-das-allergie-desaster-12879762.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland l\u00e4sst die Behandlung von Allergien schleifen. Die Hyposensibilisierung nutzt nur noch eine kleine Minderheit, Fach\u00e4rzte steigen aus der Impfung aus. 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