{"id":24354,"date":"2014-03-29T09:13:57","date_gmt":"2014-03-29T09:13:57","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=24354"},"modified":"2014-03-29T09:13:57","modified_gmt":"2014-03-29T09:13:57","slug":"chronische-migrane-schluss-mit-den-verlorenen-tagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=24354","title":{"rendered":"Chronische Migr\u00e4ne: Schluss mit den verlorenen Tagen"},"content":{"rendered":"<p>Chronische Migr\u00e4ne ist ein Leiden, dem schwer beizukommen ist. Eine vorbeugende Injektion von Botox verspricht offenbar Linderung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Migr\u00e4ne zerm\u00fcrbt. Die Kopfschmerzen und die verschiedenen begleitenden Symptome machen jede einzelne Attacke zur Qual. Ein Migr\u00e4netag, so hei\u00dft es oft, sei ein verlorener Tag. So gesehen, muss eine Untergruppe der Migr\u00e4nekranken besonders viel Lebenszeit abtreten. Es sind das die Patienten mit chronischer Migr\u00e4ne. Diese zum Gl\u00fcck vergleichsweise seltene Form ist dadurch definiert, dass Kopfschmerzen an mehr als 14 Tagen im Monat auftreten. Mindestens acht davon sind typische Migr\u00e4netage, die \u00fcbrigen k\u00f6nnen auch wie<\/p>\n<p>ein Kopfschmerz vom Spannungstyp aussehen. Chronische Migr\u00e4ne raubt den Patienten somit jeden zweiten Tag. Lange Zeit von \u00c4rzten vernachl\u00e4ssigt und auch heute noch keineswegs immer ad\u00e4quat behandelt, stellt die chronische Migr\u00e4ne eine besondere Herausforderung f\u00fcr die Schmerzmedizin dar. Das zeigte sich in der vorigen Woche <a href=\"http:\/\/www.schmerz-und-palliativtag.de\/\">beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt am Main <\/a>wieder deutlich.<\/p>\n<h2>Die Gefahr der Abh\u00e4ngigkeit<\/h2>\n<p>Migr\u00e4ne ist nicht gleich Migr\u00e4ne. Vielmehr lassen sich nach Angaben von <a href=\"http:\/\/www.schmerzklinik.de\/author\/goebel\/\">Hartmut G\u00f6bel vom Migr\u00e4nezentrum an der Schmerzklinik Kiel <\/a>mittlerweile 25 Formen voneinander abgrenzen. Entsprechend vielf\u00e4ltig sind die Behandlungsans\u00e4tze, mit denen spezialisierte \u00c4rzte den Patienten zu helfen versuchen. So segensreich Schmerzmittel sind &#8211; der Griff zur Tablette kann zum Fluch werden, wenn er zu h\u00e4ufig erfolgt. Dann droht die Gefahr, dass die Medikamente selbst Kopfschmerzen hervorrufen. Nach einer Faustformel wird es bedenklich, wenn monatlich an mehr als zehn Tagen Kopfschmerzmittel eingenommen werden. Um welche Pr\u00e4parate es sich dabei handelt, etwa um klassische Kopfschmerzmittel wie <a href=\"http:\/\/www.aspirin.de\/de\/produkte\/der-aspirin-wirkstoff.php\">Acetylsalicyls\u00e4ure<\/a> oder um <a href=\"http:\/\/www.dolormin.de\/wirkstoffe\/triptane.html\">Triptane<\/a>, gilt als nicht ma\u00dfgeblich.<\/p>\n<p>Patienten mit chronischer Migr\u00e4ne sind, wie es die Definition ihrer Krankheit impliziert, geradezu pr\u00e4destiniert f\u00fcr einen \u00dcbergebrauch an Medikamenten. Um sie davor zu bewahren, bedarf es einer wirksamen Vorbeugung der Attacken. Das ist freilich leichter gesagt als getan, wie eine von G\u00f6bel geleitete Veranstaltung auf der Frankfurter Tagung offenbarte. Wer auf ein Patentrezept gehofft hatte, wurde bitter entt\u00e4uscht. Zwar existiert eine ganze Liste mit potentiell vorbeugenden Ma\u00dfnahmen, aber voll \u00fcberzeugen kann keine davon. Sie umfasst sowohl Empfehlungen zur Verhaltens\u00e4nderung, etwa zu sportlicher Bet\u00e4tigung und Entspannungs\u00fcbungen, als auch medikament\u00f6se Ans\u00e4tze.<\/p>\n<p>Die Hoffnungen, die man unter anderem auf Betablocker und das Antidepressivum Amitriptylin setzte, haben sich freilich allzu oft zerschlagen. Eine Wirksamkeit bei chronischer Migr\u00e4ne zeigte sich in kleineren Studien f\u00fcr Topiramat, einem in der Epilepsiebehandlung bew\u00e4hrten Wirkstoff. Aber auch dieses Mittel kann die Erwartungen, die an ein Medikament zur Prophylaxe der chronischen Migr\u00e4ne zu stellen sind, nur teilweise erf\u00fcllen.<\/p>\n<h2>Wundermittel Botox?<\/h2>\n<p>Angesichts der unbefriedigenden Situation geriet ein ganz anderer Wirkstoff in den Fokus &#8211; das <a href=\"http:\/\/www.aerztekammer-bw.de\/10aerzte\/20fortbildung\/20praxis\/88arzneimitteltherapie\/1105.pdf\">Onabotulinumtoxin<\/a>. Dieser Substanz, meist kurz nach einem Handelsnamen als Botox bezeichnet, war schon vor Jahren ein kometenhafter Aufstieg in der Medizin beschieden, insbesondere als Lifestyle-Pr\u00e4parat zur Gesichtsgl\u00e4ttung. Weil in einigen F\u00e4llen nach der Injektion des die Muskeln entspannenden Giftes in die Kopfhaut nicht nur die Falten verschwanden, sondern auch Migr\u00e4nebeschwerden, erprobte man Botox als Mittel gegen Kopfschmerzen.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse waren zwar durchwachsen, erschienen aber aussichtsreich genug, eine Anwendung bei der Prophylaxe der chronischen Migr\u00e4ne zu versuchen. Zwei gro\u00dfe Studien, die letzte davon im Jahr 2008, bescheinigten dem Bakteriengift eine Wirkung, die \u00fcber diejenige eines Scheinpr\u00e4parates hinausging. Die Injektion an mehr als drei\u00dfig definierten Stellen von Kopf und Hals f\u00fchrte dazu, dass die Patienten im Monat durchschnittlich 8,4 Kopfschmerztage weniger zu erleiden hatten. Wurde das Scheinpr\u00e4parat gespritzt, registrierte man 6,6 Kopfschmerztage weniger.<\/p>\n<h2>Ein Baustein im Gesamtkonzept<\/h2>\n<p>F\u00fcr alle Medikamente zur Vorbeugung gilt, dass sie geringe Nebenwirkungen haben sollten. Auf Botox scheint das weitgehend zuzutreffen. M\u00f6glicherweise kann man k\u00fcnftig sogar auf ein Botox-Pr\u00e4parat zur\u00fcckgreifen, das nicht mehr auf die Muskelspannung wirkt, sondern nur noch gezielt bestimmte \u00dcbertr\u00e4gerstoffe in Nervenzellen beeinflusst. Ein solcher \u201eTargeted Secretion Inhibitor\u201c befindet sich in der fr\u00fchen klinischen Erprobung. Schon mit dem derzeit verf\u00fcgbaren Botox verf\u00fcgt man aber \u00fcber ein zugelassenes Medikament zur vorbeugenden Behandlung chronischer Migr\u00e4ne.<\/p>\n<p>\u00c4rzte wie Patienten, so wurde in Frankfurt klar, sollten sich indes vor allzu gro\u00dfen Hoffnungen h\u00fcten. Botox, sagte <a href=\"http:\/\/www.migraene-klinik.de\/de\/ueber-uns\/unser-team\/\">Charly Gaul von der Migr\u00e4neklinik K\u00f6nigsstein<\/a>, sei kein Wundermittel, sondern lediglich ein zus\u00e4tzlicher Baustein innerhalb eines Gesamtkonzeptes. Nat\u00fcrlich sieht G\u00f6bel, der in Frankfurt den Deutschen Schmerzpreis der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Schmerzmedizin erhielt, das genauso. Als weitere Einschr\u00e4nkung komme hinzu, dass die Behandlung einen hohen Spezialisierungsgrad und Zeitaufwand erfordere. Es m\u00fcsse eine Spezialisierung f\u00fcr chronische Migr\u00e4ne und f\u00fcr die Anwendung von Botulinumtoxin vorliegen. Die notwendige Versorgung befinde sich erst im Aufbau.<\/p>\n<p>Als Wermutstropfen werden viele Patienten mit chronischer Migr\u00e4ne auch die Tatsache empfinden, dass der Effekt gegen\u00fcber einer Scheinbehandlung nicht sehr ausgepr\u00e4gt war.Aber jeder einzelne Tag ohne Migr\u00e4ne ist ein gewonnener Tag.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/chronische-migraene-schluss-mit-den-verlorenen-tagen-12862222.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/chronische-migraene-schluss-mit-den-verlorenen-tagen-12862222.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chronische Migr\u00e4ne ist ein Leiden, dem schwer beizukommen ist. 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