{"id":24278,"date":"2014-03-26T13:00:00","date_gmt":"2014-03-26T13:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=24278"},"modified":"2014-03-26T13:00:00","modified_gmt":"2014-03-26T13:00:00","slug":"mers-coronavirus-wer-hat-wen-angesteckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=24278","title":{"rendered":"Mers-Coronavirus: Wer hat wen angesteckt?"},"content":{"rendered":"<p>Das beim Menschen neu aufgetretene Virus Mers-CoV kursierte schon lange unter Dromedaren. Wissenschaftler sehen den Fall inzwischen als Beispiel daf\u00fcr, wie eng die Tiergesundheit mit Krankheitsrisiken des Menschen verbunden ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Neue Infektionskrankheiten treten nicht aus dem Nichts heraus auf. Sechzig Prozent aller Erreger, die den Menschen krank machen, kommen aus dem Tierstall oder der freien Wildbahn. Krankheiten wie HIV, Schweinegrippe oder Sars haben eine direkte Verbindung zur Tierwelt. In diesen F\u00e4llen sind Affen, Schweine und Zirbelkatzen die Spie\u00dfgesellen gewesen. Jetzt geht es darum zu kl\u00e4ren, wo das neuartige Coronavirus Mers-CoV herkommt, das vor zwei Jahren erstmals auf der Arabischen Halbinsel aufgetaucht ist. Bis zum 20. Januar hatten sich nachweislich 178 Personen infiziert, 76 Personen waren gestorben. Seit Monaten werden Dromedare als Ansteckungsquelle genannt, und es gibt viele gute Gr\u00fcnde, anzunehmen, dass dies auch tats\u00e4chlich der Fall ist \u2013 trotzdem bleiben Fragen offen.<\/p>\n<p>So ist es bisher nicht gelungen, infekti\u00f6se Viruspartikel bei Dromedaren zu finden, die eine Infektionskette ausl\u00f6sen k\u00f6nnten. Bart Haagmans vom Erasmus Medical Center in Rotterdam und seine Kollegen haben allerdings bei drei Dromedaren von einer Farm in Qatar Nukleins\u00e4uren von Mers-CoV sichergestellt und so nachgewiesen, dass das Virus bei den Dromedaren tats\u00e4chlich vorhanden gewesen sein muss. Die Wissenschaftler konnten aus den ermittelten Teilsequenzen auch die Gesamtsequenz rekonstruieren. Diese ist bis auf zwei Austausche identisch mit dem Isolat, das auch schon bei dem erkrankten Farmbesitzer und seinem kranken Stallknecht gefunden worden war. Dieser Umstand belege, dass Mers-CoV bei Dromedaren und Menschen nebeneinander existiere, schreiben Haagmans und seine Kollegen in \u201eLancet Infectious Disease\u201c (Bd.14, S.140), er zeige allerdings nicht, wer wen angesteckt habe oder ob sich die beiden M\u00e4nner aus einer anderen Quelle infiziert h\u00e4tten. Die Richtung der \u00fcber die Artgrenzen hinweggehenden Ansteckung ist also nach wie vor offen.<\/p>\n<h2>Die meisten Dromedare haben eine Infektion durchgemacht<\/h2>\n<p>Sicher ist hingegen, dass die meisten Dromedare auf der arabischen Halbinsel bereits eine Mers-CoV-Infektion durchgemacht haben. Bei der Untersuchung von 651 Blutproben von Tieren aus den Arabischen Emiraten haben Christian Drosten von der Universit\u00e4t Bonn und seine Kollegen in fast jeder Probe Antik\u00f6rper gegen das Virus gefunden. Die Dromedare m\u00fcssen also irgendwann einmal eine Immunreaktion gegen Mers-CoV eingeleitet haben. Knapp ein Viertel der untersuchten Blutproben waren schon 2003 aus anderen Gr\u00fcnden sichergestellt worden. Auch diese Proben enthielten Antik\u00f6rper gegen Mers-CoV.<\/p>\n<p>Das zeige, dass die Dromedare schon einige Zeit vor dem Auftreten beim Menschen regelm\u00e4\u00dfig mit MersCoV infiziert worden seien, schreibt Drosten in der Zeitschrift \u201eEmerging Infectious Disease\u201c (doi: 10.3201\/eid2004.131746). Das Virus m\u00fcsse unter den Dromedaren in der Region also schon l\u00e4nger pr\u00e4sent sein. Bei Rindern, Ziegen, Schafen oder anderen engen Verwandten der Kamele wurden bisher keine Antik\u00f6rper gefunden. Auch Dromedare aus deutschen Zoos haben keine Antik\u00f6rper gegen das Virus.<\/p>\n<h2>Nur wenige F\u00e4lle in Europa<\/h2>\n<p>Neben der Frage, wer wen beim aktuellen Infektionsgeschehen ansteckt, r\u00e4tseln die Wissenschaftler auch dar\u00fcber, warum die Infektionen bisher nicht \u00fcber die Arabische Halbinsel hinausgekommen sind. Die wenigen aus Deutschland, Frankreich, Italien, England, Spanien und Tunesien gemeldeten F\u00e4lle lassen sich entweder auf Besuche in der Region zur\u00fcckf\u00fchren oder gehen auf enge Kontakte mit Kranken aus der Region zur\u00fcck. Anders als das Sars-Coronavirus hat sich Mers-CoV also nicht durch den internationalen Flugverkehr in alle Welt verteilt und an den neuen Standorten f\u00fcr weitere Ansteckungen gesorgt. Das Sars-Coronavirus war vor elf Jahren rasch in 29 L\u00e4ndern aufgetaucht und hatte dort zu weiteren Ansteckungsserien gef\u00fchrt. Erstaunlich sei zudem, so Neil Ferguson und Maria Van Kerkhove vom Imperial College in London in \u201eLancet Infectious Disease\u201c (Bd.14, S.93), dass Mers-CoV zwar immer noch auf der Arabischen Halbinsel persistiere, aber dort keine explosive Epidemie ausl\u00f6se. Seine Best\u00e4ndigkeit in der Umwelt k\u00f6nne vielleicht mit seiner robusten Virush\u00fclle zu tun haben.<\/p>\n<p>Die Situation zu Mers-CoV zeigt aufs Neue, dass \u00f6ffentliche Gesundheit und Tiergesundheit eng miteinander verbunden sind. Deshalb sollte die Eind\u00e4mmung von Viren in den Tierbest\u00e4nden auch nicht als nachrangig betrachtet werden. Es k\u00f6nnte sein, dass \u00fcber die Gesundheit der Weltbev\u00f6lkerung eines Tages in den St\u00e4llen und der freien Wildbahn entschieden wird.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/mers-coronavirus-wer-hat-wen-angesteckt-12829415.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/mers-coronavirus-wer-hat-wen-angesteckt-12829415.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das beim Menschen neu aufgetretene Virus Mers-CoV kursierte schon lange unter Dromedaren. 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