{"id":24103,"date":"2014-03-24T09:22:42","date_gmt":"2014-03-24T09:22:42","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=24103"},"modified":"2014-03-24T09:22:42","modified_gmt":"2014-03-24T09:22:42","slug":"aufstrebender-standort-leipzig-autostadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=24103","title":{"rendered":"Aufstrebender Standort: Leipzig Autostadt"},"content":{"rendered":"<p>Wolfsburg, Ingolstadt, M\u00fcnchen, Stuttgart? Klammheimlich steigt Leipzig in die erste Liga der Autostandorte auf. Mit BMW, Porsche und politischem Pragmatismus.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>PreviewPagemarker&#8220; id=&#8220;pageIndex_1&#8243;>Leipzigs \u00e4ltester, gr\u00f6\u00dfter und sch\u00f6nster Brunnen, der Mendebrunnen auf dem Augustusplatz, ist zurzeit nicht zu sehen. Er ist einger\u00fcstet und verh\u00fcllt. Er wird restauriert. Vor gut 130 Jahren hat eine Kaufmannsfrau, so sagen die einen, Marianne Pauline Mende, der Stadt Leipzig 150 000 Goldmark testamentarisch vermacht, um davon einen Brunnen zu bauen. Doch die Leipziger Stadtherren taten sich schwer, das gro\u00dfz\u00fcgige Geschenk anzunehmen. Denn Marianne Mende, so erz\u00e4hlen die anderen, soll nicht nur wohlhabende Kaufmannswitwe, sondern auch Betreiberin eines Bordells gewesen sein.<\/p>\n<p class=\"AutorenModul\"><span class=\"autorBox clearfix\" itemprop=\"author\">                                                <img title='Peter Schilder' height='55' alt='Peter Schilder' width='55' class='media left' src='http:\/\/media0.faz.net\/ppmedia\/redaktion\/805547386\/1.1126550\/avatarAuthor\/peter-schilder-p-s.jpg' \/><span class=\"autorTxt\"><a href=\"\/redaktion\/peter-schilder-11104239.html\" title=\"Peter Schilder\" rel=\"author\">Autor: Peter Schilder, Jahrgang 1950, politischer Korrespondent in Sachsen.<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><span class=\"shareAutor\"><a onclick=\"follow_1_1104239()\" class=\"autorFolgen\" title=\"Peter Schilder folgen\"> <\/a>                    <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>Dieser Umstand ist bis heute nicht bewiesen, aber die Rede davon h\u00e4lt sich hartn\u00e4ckig. 1886 wurde der Brunnen offiziell eingeweiht. Nun ist es wieder einmal Zeit, das Schmuckst\u00fcck vor dem Gewandhaus zu restaurieren. Auf der Sichtblende prangt das Signet von Porsche und dazu der Schriftzug \u201eImmer voraus\u201c. Porsche hat etwa 60 000 Euro zu der Sanierung dazugegeben.<\/p>\n<p>Niemand in Leipzig hat gez\u00f6gert, das Geld von Porsche anzunehmen, denn f\u00fcr solche \u201eVersch\u00f6nerungsma\u00dfnahmen\u201c ist das Geld knapp. Und Porsche hat nicht gez\u00f6gert, wieder einmal in der Stadt Flagge zu zeigen. Porsche ist schon Sponsor und F\u00f6rderer des Gewandhausorchesters. Anders gesagt: Porsche ist in Leipzig zu Hause. Oberb\u00fcrgermeister Burkhard Jung will sogar eine gr\u00f6\u00dfere Dichte an Porsche als anderswo im Stadtbild ausgemacht haben. Dabei d\u00fcrften in Leipzig die potentiellen Porschefahrer eher d\u00fcnn ges\u00e4t sein, k\u00e4mpft doch die Stadt immer noch mit dem z\u00e4hen Image des Armenhauses.<\/p>\n<p>Jung hat nicht nachgez\u00e4hlt und nicht nachz\u00e4hlen lassen und ist sich doch seiner Beobachtung sicher. Der Oberb\u00fcrgermeister freut sich einfach, wenn er Fahrzeuge der Marken Porsche und BMW auf den Stra\u00dfen sieht. \u201eOhne BMW und Porsche k\u00f6nnten wir hier die Lichter ausmachen\u201c, sagt er. Dabei geht es nicht nur um die kleinen Wohltaten f\u00fcr das Gewandhausorchester und den Mendebrunnen: Die beiden Automobilhersteller sind die gr\u00f6\u00dften Gewerbesteuerzahler der Stadt. \u201eDas hat uns nach vorne geschossen\u201c, wei\u00df Jung und stellt zufrieden fest: \u201eWir sind jetzt eine Autostadt.\u201c<\/p>\n<p>Das ist ein Attribut, an das sich die Leipziger selbst noch gew\u00f6hnen m\u00fcssen und das au\u00dferhalb \u00dcberraschung hervorruft. Messestadt Leipzig, das kennt fast jeder aus langer Tradition. Kunststadt ist Leipzig sp\u00e4testens, seit die Leipziger Schule und Neo Rauch Furore auf dem Kunstmarkt gemacht haben. Die Buchstadt Leipzig, die viele Verlage verloren hat, k\u00e4mpft sich in diesen Tagen abermals mit der Leipziger Buchmesse auf der literarischen Bedeutungsleiter weiter nach oben. Und jetzt eben die Autostadt Leipzig.<\/p>\n<p>Die Zahlen sprechen f\u00fcr sich. Man muss nur hinschauen. Etwa 300 000 Autos werden in Leipzig j\u00e4hrlich produziert mit steigender Tendenz. Da sind 100 000 Porsche und somit mehr, als im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen gebaut werden. Der neue Macan l\u00e4uft dieser Tage an. Und gerade erst hat Porsche angek\u00fcndigt, die Karosseriefertigung des Panamera von Hannover nach Leipzig zu verlegen. Der Porsche-Vorstandsvorsitzende Matthias M\u00fcller lobte k\u00fcrzlich zum Produktionsstart des Macan das pragmatische Vorgehen der Politiker in Stadt und Land. Hier w\u00fcrden Industrieinteressen verstanden. Auch 200 000 BMW in vier verschiedenen Modellreihen sind ein Wort und auf Augenh\u00f6he mit der Heimat in M\u00fcnchen. Hinzu kommt der elektrische BMW i3, der ausschlie\u00dflich in Leipzig gebaut wird und dessen Zukunft eben erst begonnen hat.<\/p>\n<p>Mehr als 8000 Menschen haben dauerhaft Arbeit in den beiden Autowerken, etwa 6000 bei BMW und 2500 bei Porsche. Dazu kommen noch die Arbeitspl\u00e4tze bei Zulieferern und Dienstleistern. Der Oberb\u00fcrgermeister sch\u00e4tzt die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze, die unmittelbar mit dem Automobilbau zusammenh\u00e4ngen, auf 25 000. Das ist jeder zehnte Arbeitsplatz in Leipzig. Das bleibt nicht ohne Wirkung. Die Autobauer verdienen durchschnittlich mehr als der Durchschnitt gewerblicher Arbeitnehmer. Beide Unternehmen haben durch Haustarifvertr\u00e4ge unterschiedliche Einkommensstrukturen, die sich nur schwer vergleichen lassen, aber im Endergebnis wird ann\u00e4hernd das Gleiche verdient. So kann man f\u00fcr einen Montagearbeiter etwa 3000 Euro monatliches Grundgehalt annehmen, das \u00fcber diverse Zusatzvereinbarungen auf fast 50 000 Euro im Jahr ansteigt. Das ist weniger, als die Kollegen in westdeutschen Autowerken verdienen, aber deutlich mehr, als f\u00fcr vergleichbare Arbeit in Leipzig gezahlt wird. Solche Arbeitspl\u00e4tze sind begehrt. Bei Porsche gab es j\u00fcngst f\u00fcr 1500 neue Arbeitspl\u00e4tze 50 000 Bewerbungen. Wer bei Porsche oder BMW einen festen Arbeitsplatz hat, gibt den auch so schnell nicht wieder her. Die Fluktuation tendiert in beiden Werken gegen null.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/aufstrebender-standort-leipzig-autostadt-12859229.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/aufstrebender-standort-leipzig-autostadt-12859229.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfsburg, Ingolstadt, M\u00fcnchen, Stuttgart? Klammheimlich steigt Leipzig in die erste Liga der Autostandorte auf. 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