{"id":23952,"date":"2014-03-17T13:31:24","date_gmt":"2014-03-17T13:31:24","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23952"},"modified":"2014-03-17T13:31:24","modified_gmt":"2014-03-17T13:31:24","slug":"burgerkrieg-in-zentralafrika-twittern-aus-dem-elend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23952","title":{"rendered":"B\u00fcrgerkrieg in Zentralafrika: Twittern aus dem Elend"},"content":{"rendered":"<p>Peter Bouckaert arbeitet f\u00fcr die Hilfsorganisation \u201eHuman Rights Watch\u201c in Krisengebieten wie Libyen, Syrien, zuletzt in der Zentralafrikanischen Republik. Seine Eindr\u00fccke teilt er \u00fcber Twitter mit &#8211; schonungslos. Ein Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Inmitten des B\u00fcrgerkriegs in der Zentralafrikanischen Republik versuchen zahlreiche Hilfsorganisationen, die Zivilbev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen. Peter Bouckaert ist der leitende Krisenkoordinator bei  \u201eHuman Rights Watch\u201c. Seit Beginn der Ausschreitungen in Zentralafrika war er immer wieder vor Ort, um mit der Regierung und den Konfliktparteien zu verhandeln und die Situation im Land zu untersuchen. Jeden Tag schildert der Menschenrechtler seine Eindr\u00fccke<a href=\"https:\/\/twitter.com\/bouckap\"> auf dem Kurznachrichtendienst Twitter<\/a>, verbreitet Fotos und liefert Informationen, die er w\u00e4hrend seiner Arbeit sammelt. 13.000 Menschen folgen den Beitr\u00e4gen des 43 Jahre alten Belgiers.<\/p>\n<p>Seit einem Jahr <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/afrika\/zentralafrikanische-republik-menschenfleisch-auf-dem-wochenmarkt-12836474.html\">herrscht in der Zentralafrikanischen Republik ein blutiger B\u00fcrgerkrieg<\/a>, bei dem sich muslimische Rebellen und christliche Milizen blutige K\u00e4mpfe um die Macht im Land liefern. Der Zahl der Toten ist unbekannt, nach Angaben der Vereinten Nationen wurden 650.000 der 4.6 Millionen Einwohner der Zentralafrikanischen Republik vertrieben. Derzeit versuchen 2000 franz\u00f6sische und 5500 afrikanische Soldaten den Konflikt zu entsch\u00e4rfen \u2013 bislang ohne Erfolg.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" lang=\"en\">\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=%23Seleka&#038;amp-src=hash\">#Seleka<\/a> fighters in Dekoa, 250km north of <a href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=%23Bangui&#038;amp-src=hash\">#Bangui<\/a>, where 100+ heavily armed fighters have regrouped. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=%23CARcrisis&#038;amp-src=hash\">#CARcrisis<\/a> <a href=\"http:\/\/t.co\/AQKEyeA7al\">pic.twitter.com\/AQKEyeA7al<\/a><\/p>\n<p>&#038;mdash- Peter Bouckaert (@bouckap) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bouckap\/statuses\/442893646589730816\">March 10, 2014<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Herr Bouckaert, was denken Sie, wenn Sie sich ihre Tweets der letzten Monate anschauen?<\/strong><br \/>Ich muss mir meine Eintr\u00e4ge nicht anschauen, um mich zu erinnern, was ich in den letzten sechs Monaten durchgemacht habe. Ich war ja dabei. Es war unglaublich intensiv und aufw\u00fchlend. Ich besch\u00e4ftige mich seit 17 Jahren mit Krieg, damit verdiene ich mein Geld. Aber selbst f\u00fcr mich ist das, was wir in Zentralafrika sehen einfach barbarisch. Im Januar war ich f\u00fcr drei Wochen in Banghi und haben in dieser Zeit 12 H\u00e4ngungen mitbekommen. Ein paar konnten wir verhindern. Bei meinem  letzten Trip vor ein paar Wochen kam mir ein Mann entgegen, der das abgeschlagene Bein eines Gehangenen hochhielt. Ein anderer wollte eine abgeschlagene Hand in unserer Auto legen. Das sind unaussprechbare Erfahrungen.<\/p>\n<p><strong>Welche Rolle spielen die sozialen Medien f\u00fcr ihre Arbeit?<\/strong><br \/>Der Konflikt in Zentralafrika findet in den klassischen Medien praktisch gar nicht statt. Wir wollen die Aufmerksamkeit der Welt auf diesen B\u00fcrgerkrieg lenken und genau daf\u00fcr ist vor allem Twitter ein gro\u00dfartiges Werkzeug. Die Idee zur Kampagne in den sozialen Medien stammt aus der Nacht, in der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/suedafrika-nelson-mandela-beigesetzt-12711941.html\">Nelson Mandela starb<\/a>, dem 5. Dezember 2013. Ich war mit einem Journalisten der BBC in Bosangoa im Norden Zentralafrikas unterwegs, als wir in einen heftigen Schusswechsel gerieten. Wir konnten entkommen, haben die Geschichte fertigproduziert und uns schlafen gelegt. Nur erschien der Beitrag nie, weil sich niemand daf\u00fcr interessierte.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" lang=\"en\">\n<p>Mamadou Oumaru, 12, had his arm cut off by <a href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=%23antibalaka&#038;amp-src=hash\">#antibalaka<\/a>, left 4 dead at Bossemtele massacre. Brave little boy. <a href=\"http:\/\/t.co\/mk8sZozhbD\">pic.twitter.com\/mk8sZozhbD<\/a><\/p>\n<p>&#038;mdash- Peter Bouckaert (@bouckap) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bouckap\/statuses\/439842855725436928\">March 1, 2014<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Ist Ihre Arbeit in den sozialen Netzwerken erfolgreich?<\/strong><br \/>Soziale Medien l\u00f6sen nicht jedes Problem auf der Welt. Die Informationen, die ich poste, sind relevant f\u00fcr Journalisten, Menschenrechtler und Diplomaten, die Entscheidungen \u00fcber ihr Vorgehen in Zentralafrika treffen m\u00fcssen. Ich bin kein passionierter Twitter-Nutzer, aber wir sehen den Einfluss unserer Arbeit: Wenn ich derzeit humanit\u00e4re Konferenzen der Vereinten Nationen besuche werde ich von Leuten angesprochen, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Sie lesen meine Beitr\u00e4ge auf Twitter.<\/p>\n<p><strong>Funktioniert Twitter auch in anderen Krisen wie in Syrien oder Mali?<\/strong><br \/>Wenn die Sicherheitslage zul\u00e4sst, dass ich vor Ort twittere, dann werde ich das nat\u00fcrlich tun. Unsere Tweets ecken an: Im Januar habe ich ein sehr drastisches Bild eines Geh\u00e4ngten gepostet. Dazu habe ich geschrieben, dass wir die Verst\u00fcmmelung des toten K\u00f6rpers gesehen haben, w\u00e4hrend franz\u00f6sische Soldaten in 15 Metern Entfernung unt\u00e4tig dabei standen. Kurz darauf riefen mich der franz\u00f6sische Botschafter und der Befehlshaber der Zentralafrika-Operation an und baten mich um ein Treffen. Sie sagten mir, dass ich weniger peinliche Informationen \u00fcber das franz\u00f6sische Milit\u00e4r verbreiten sollten. Das habe ich nat\u00fcrlich nicht getan.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" lang=\"de data-scribe-reduced-action-queue=\">\n<p>Body of Muslim lynching victim in streets of <a href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=%23Bangui&#038;amp-src=hash\">#Bangui<\/a> Sun am, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=%23Rwanda&#038;amp-src=hash\">#Rwanda<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=%23Misca&#038;amp-src=hash\">#Misca<\/a> had 2 open fire 2 prevent burning of body <a href=\"http:\/\/t.co\/Fp7z7gngqF\">pic.twitter.com\/Fp7z7gngqF<\/a><\/p>\n<p>&#038;mdash- Peter Bouckaert (@bouckap) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bouckap\/statuses\/432449436543746048\">February 9, 2014<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Klingt nach Zensur.<\/strong><br \/>Ja, und genau hier liegt eines der Hauptprobleme in diesem Konflikt: Die franz\u00f6sische Regierung versucht der Welt zu erz\u00e4hlen, dass ihr Einsatz die Situation in Zentralafrika beruhigt hat und die Gewalt sinkt. Wir beweisen das Gegenteil. Die franz\u00f6sische Armee ver\u00f6ffentlicht jede Woche eine Pressemeldung voller Unwahrheiten und wir halten best\u00e4tigte Fakten dagegen.<\/p>\n<p>Vor ein paar Wochen hat mich der franz\u00f6sische Botschafter stundenlang angeschrien, weil ihm meine Posts nicht gefallen haben. Aber ich habe jeden Tag mit Warlords zu tun, da macht mir ein Botschafter keine Angst. Die Politiker und Diplomaten haben vor unserer Arbeit wahrscheinlich mehr Angst, als wir vor ihren Reaktionen.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" lang=\"en\">\n<p>Peuhl Muslim women try 2 get on convoy fleeing <a href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=%23Bangui&#038;amp-src=hash\">#Bangui<\/a> yesterday, some were handing their children over 2 strangers. <a href=\"http:\/\/t.co\/8h4IJosBIt\">pic.twitter.com\/8h4IJosBIt<\/a><\/p>\n<p>&#038;mdash- Peter Bouckaert (@bouckap) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bouckap\/statuses\/432041026866257921\">February 8, 2014<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Welche Motive und Themen schaffen es in ihren Twitter-Account?<\/strong><br \/>Ich poste viele brutale Bilder, weil ich es wichtig finde, die Welt\u00f6ffentlichkeit mit der furchtbaren Realit\u00e4t in Zentralafrika zu konfrontieren. Die Balance stelle ich her, indem ich auch Bilder aus dem Alltagsleben der Menschen in Bangui poste. Es geht nicht nur um Brutalit\u00e4t, ganz normale Menschen leben hier.<\/p>\n<p><strong>Wann ist Ihr n\u00e4chster Einsatz?<\/strong><br \/>Hoffentlich bald, wenn meine Frau mich l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong><em>Die Fragen stellte Paul Middelhoff.<\/em><\/strong><\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/computer-internet\/buergerkrieg-in-zentralafrika-twittern-aus-dem-elend-12847239.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/computer-internet\/buergerkrieg-in-zentralafrika-twittern-aus-dem-elend-12847239.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Bouckaert arbeitet f\u00fcr die Hilfsorganisation \u201eHuman Rights Watch\u201c in Krisengebieten wie Libyen, Syrien, zuletzt in der Zentralafrikanischen Republik. Seine Eindr\u00fccke teilt er \u00fcber Twitter mit &#8211; schonungslos. 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