{"id":23886,"date":"2014-03-19T09:00:47","date_gmt":"2014-03-19T09:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23886"},"modified":"2014-03-19T09:00:47","modified_gmt":"2014-03-19T09:00:47","slug":"allensbach-analyse-anfang-vom-ende-der-politikverdrossenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23886","title":{"rendered":"Allensbach-Analyse: Anfang vom Ende der Politikverdrossenheit?"},"content":{"rendered":"<p>Am Stammtisch wird gerne \u00fcber Politik und Politiker geschimpft. Negative Klischees haben sich eingebrannt. Zumindest die gro\u00dfen Institutionen genie\u00dfen aber (wieder) Ansehen. Und eine geringe Wahlbeteiligung muss nichts mit Politikverdrossenheit zu tun haben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Umfrageforschung gilt in der \u00d6ffentlichkeit meist als Instrument der kurzfristigen, ganz der Gegenwart verhafteten Information. Man nennt Umfrageergebnisse oft \u201eMomentaufnahmen\u201c, und das ist auch korrekt: Umfragen spiegeln das gesellschaftliche Klima lediglich zum Zeitpunkt der Befragung wider. Am Tag nach Abschluss der Feldarbeit kann sich das Meinungsbild \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Dennoch ist es ein Irrtum, anzunehmen, Umfragen seien lediglich eine Art Fastfood der Informationsgesellschaft. Ihre ganze Aussagekraft entfaltet die Methode erst, wenn die aktuellen Ergebnisse mit Resultaten aus der Vergangenheit verglichen werden k\u00f6nnen, die die Meinungsbildung \u00fcber Jahrzehnte hinweg sichtbar werden lassen. Doch da die moderne Umfrageforschung vergleichsweise jung ist &#8211; sie wurde in den drei\u00dfiger Jahren des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten entwickelt und Ende der vierziger Jahre in Deutschland eingef\u00fchrt -, ist die Zahl der F\u00e4lle, in denen man Vergleiche \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume anstellen kann, bisher eng begrenzt, zumal man oft feststellen muss, dass die Themen, die Forscher in der Vergangenheit besch\u00e4ftigt haben, andere sind als die, f\u00fcr die man sich heute r\u00fcckblickend interessieren w\u00fcrde.<\/p>\n<h2>Rhythmus der Zeitgeistzyklen<\/h2>\n<p>Dennoch w\u00e4chst, mehr als sechzig Jahre nach Einf\u00fchrung der Repr\u00e4sentativumfrage in Deutschland, die Zahl der F\u00e4lle, in denen man Umfrageergebnisse \u00fcber Jahrzehnte hinweg verfolgen kann, und allm\u00e4hlich zeichnet sich der Rhythmus der Zeitgeistzyklen ab, die die Gesellschaft pr\u00e4gen, gleichsam die Atemfrequenz des Meinungsklimas. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist die Generationenkluft, die die westdeutsche Gesellschaft lange Jahre pr\u00e4gte.<\/p>\n<p>Die ersten Anzeichen f\u00fcr ein Auseinanderdriften der Wertvorstellungen j\u00fcngerer und \u00e4lterer Menschen zeigten sich in den sp\u00e4ten f\u00fcnfziger Jahren. In den siebziger und achtziger Jahren gab es dann, wie international vergleichende Studien zeigten, in der Bundesrepublik deutlich mehr Konflikte zwischen Eltern und Kindern als in vergleichbaren anderen L\u00e4ndern, bis die Generationskluft Mitte der neunziger Jahre binnen weniger Jahre geradezu in sich zusammenfiel und sich auf ein im internationalen Vergleich unauff\u00e4lliges Niveau einpendelte. Zwischen den ersten Anzeichen des Ph\u00e4nomens und dem Ende der Entwicklung lagen rund 35 bis 40 Jahre.<\/p>\n<h2>Weizs\u00e4ckers These von der \u201eParteiendemokratie\u201c<\/h2>\n<p>Zu einem weiteren Beispiel f\u00fcr eine langfristige Entwicklung des Zeitgeistes, die ihren H\u00f6hepunkt \u00fcberschritten hat, k\u00f6nnte sich das Thema Politikverdrossenheit entwickeln. Sie ist sp\u00e4testens seit 1992 in der \u00f6ffentlichen Diskussion. Damals hatte Bundespr\u00e4sident Richard von Weizs\u00e4cker den Zustand der deutschen Demokratie scharf kritisiert. Deutschland, so sagte er, sei zu einer \u201eParteiendemokratie\u201c geworden.<\/p>\n<p>Die Parteien h\u00e4tten ihre Macht weit \u00fcber die ihnen im Grundgesetz zugedachte Rolle hinaus ausgedehnt, beherrschten die Verfassungsorgane und versuchten zu verhindern, dass sich die B\u00fcrger st\u00e4rker am demokratischen Prozess beteiligten. Weizs\u00e4ckers Thesen erzeugten ein derart starkes Echo, dass man annehmen muss, dass er eine bis dahin zwar nicht \u00f6ffentlich sichtbare, aber unterschwellig bereits seit l\u00e4ngerem existierende Str\u00f6mung des Zeitgeistes erkannt, aufgenommen und an die \u00d6ffentlichkeit getragen hatte. Tats\u00e4chlich war, wie die Allensbacher Umfragen zeigen, bereits sp\u00e4testens seit den fr\u00fchen achtziger Jahren das Ansehen wichtiger \u00f6ffentlicher Institutionen wie des Bundestages oder der Bundesregierung gesunken. Und weil gleichzeitig die Wahlbeteiligung bei Landtags- und Bundestagswahlen zur\u00fcckging, wird bis heute f\u00e4lschlicherweise oft angenommen, dass niedrige Wahlbeteiligungen eine Folge von Politikverdrossenheit seien.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/allensbach-analyse-anfang-vom-ende-der-politikverdrossenheit-12852608.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/allensbach-analyse-anfang-vom-ende-der-politikverdrossenheit-12852608.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Stammtisch wird gerne \u00fcber Politik und Politiker geschimpft. Negative Klischees haben sich eingebrannt. Zumindest die gro\u00dfen Institutionen genie\u00dfen aber (wieder) Ansehen. 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