{"id":23640,"date":"2014-03-09T09:45:49","date_gmt":"2014-03-09T09:45:49","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23640"},"modified":"2014-03-09T09:45:49","modified_gmt":"2014-03-09T09:45:49","slug":"mysteriose-seuche-das-unheimliche-sterben-der-seesterne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23640","title":{"rendered":"Mysteri\u00f6se Seuche: Das unheimliche Sterben der Seesterne"},"content":{"rendered":"<p>Vor der Pazifikk\u00fcste Nordamerikas verenden seit Monaten Millionen von Seesternen. Die Wissenschaftler stehen vor einem R\u00e4tsel: Was zersetzt die Tiere bei lebendigem Leib?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Anblick, der sich Tauchern derzeit vielerorts vor der Westk\u00fcste der Vereinigten Staaten und Kanadas bietet, gleicht einem Schlachtfeld: Der Meeresgrund ist von den toten K\u00f6rpern unz\u00e4hliger Seesterne \u00fcbers\u00e4t, die wenigen noch lebenden sind mit wei\u00dfen Narben \u00fcberzogen. Seit Juni vergangenen Jahres h\u00e4ufen sich hier die Berichte \u00fcber ein Ph\u00e4nomen, das unter Meeresbiologen als \u201eSea Star Wasting Syndrome\u201c bekannt ist &#8211; eine Bezeichnung, die sowohl das Ausma\u00df der Seesternkrankheit als auch die Ratlosigkeit der Wissenschaftler zum Ausdruck bringt.<\/p>\n<p>Die betroffenen Meeresbewohner l\u00f6sen sich innerhalb weniger Tage buchst\u00e4blich auf, und niemand wei\u00df, warum. Wie die Krankheit verl\u00e4uft, ist vor kurzem in den kanadischen Vancoover-Aquarien gefilmt worden. Das Videodokument zeigt im Zeitraffer eindrucksvoll, wie ein Sonnenblumenseestern innerhalb von sieben Stunden einen Gro\u00dfteil seiner Glieder verliert: W\u00e4hrend es sich hilflos von einer Ecke des Aquariums zur n\u00e4chsten schleppt, l\u00f6st sich ein Arm nach dem anderen vom K\u00f6rper des Tieres und wandert, wie von Geisterhand gef\u00fchrt, noch eine Weile eigenst\u00e4ndig umher. Das Video stoppt, als ihm nurmehr f\u00fcnf seiner urspr\u00fcnglich sechzehn Arme geblieben sind.<\/p>\n<h2>Noch nie dagewesenes Ausma\u00df<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend sich in den Jahren zuvor einige Seesternarten noch explosionsartig vermehrt haben, finden sich inzwischen an vielen K\u00fcstenabschnitten von Alaska bis Kalifornien nurmehr die Leichen der wirbellosen Tiere. Zwar wird ein solches Massensterben nicht zum ersten Mal beobachtet &#8211; bereits in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es \u00e4hnliche F\u00e4lle. Aber diese Epidemie unterscheidet sich von allen bisher dagewesenen, meint Melissa Miner von der University of California in Santa Cruz: \u201eAlle vorausgegangenen Ereignisse zeigten einen deutlichen Zusammenhang mit erh\u00f6hten Wassertemperaturen &#8211; sie endeten auch immer im Winter, wenn sich das Wasser abk\u00fchlte. Diesesmal breitet sich die Krankheit weiter aus, obwohl wir uns l\u00e4ngst in einer Kaltwasserperiode befinden. Au\u00dferdem ist die geographische Ausdehnung viel gr\u00f6\u00dfer als jemals zuvor\u201c, so die Biologin.<\/p>\n<p>\u00dcber die Ursachen wird bislang spekuliert. Erste Ger\u00fcchte \u00fcber radioaktive Substanzen, die aus dem havarierten Kernkraftwerk in Fukushima durch Meeresstr\u00f6mungen bis an die amerikanische Westk\u00fcste gesp\u00fclt wurden, sind schnell widerlegt worden. Mehr als ein Dutzend verschiedener Forschungseinrichtungen in Nordamerika, darunter die renommieren Universit\u00e4ten Cornell und Yale, arbeiten inzwischen an wissenschaftlich fundierteren Erkl\u00e4rungen f\u00fcr das Ph\u00e4nomen. Sie untersuchen eine breite Palette an Faktoren, von Umwelteinfl\u00fcssen wie dem Salz-, Sauerstoff- oder N\u00e4hrstoffgehalt des Wassers \u00fcber Belastungen durch Abw\u00e4sser bis hin zu bislang unentdeckten Mikroben, die den Seesternen zusetzen. Gerade Letztere seien bei Meeresbewohnern extrem schwierig zu finden, erkl\u00e4rt Jeff Marliave, Vizepr\u00e4sident der marinen Wissenschaftsabteilung der Vancoover-Aquarien. \u201eMikroben leben in astronomischer Anzahl innerhalb und au\u00dferhalb jedes Organismus. In einem Liter Meerwasser befinden sich mehr als eine Billion Viren, die meisten davon sind v\u00f6llig harmlos. Herauszufinden, ob sich darunter die Ausl\u00f6ser der Krankheit befinden &#8211; und wenn ja, welche es sind -, ist eine gro\u00dfe Herausforderung.\u201c<\/p>\n<h2>Histologische Befunde ohne Resultat<\/h2>\n<p>Hinzu kommt die d\u00fcrftige Datenlage: Im Vergleich zu kommerziell bedeutenden Meerestieren ist \u00fcber Seesterne und ihre Krankheiten kaum etwas bekannt. So wurde bis heute nur eine einzige Virenart beschrieben, die Tiere aus dem Stamm der Stachelh\u00e4uter, zu denen auch die Seesterne geh\u00f6ren, befallen kann. Die Forscher aus den unterschiedlichen Disziplinen haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, diesen Wissensr\u00fcckstand aufzuholen. Veterin\u00e4rmediziner untersuchen systematisch Gewebe von gesunden und kranken Tieren mit histopathologischen Mikroskopiermethoden, in molekularbiologischen Labors wird Erbmaterial sequenziert, und Meeresbiologen f\u00fchren Langzeitbeobachtungen der Seesternbest\u00e4nde in ihrer nat\u00fcrlichen Umgebung durch. Bislang jedoch ohne eindeutige Resultate.<\/p>\n<p>In den Gewebeproben der kranken Tiere wurde zwar eine gro\u00dfe Zahl sogenannter Coelomozyten gefunden &#8211; eine Art von Immunzellen in Seesternen, die auf eine Entz\u00fcndungsreaktion hinweisen. Hier fanden sich auch die Gensequenzen einiger Bakterien- und Virenarten, die in den gesunden Tieren nicht vorkamen. Ob sie aber die prim\u00e4re Ursache f\u00fcr das Massensterben sind, oder nur Trittbrettfahrer, die von einem ohnehin geschw\u00e4chtem Organismus profitieren, l\u00e4sst sich damit nicht beurteilen. \u201eDas Ausbreitungsmuster der Krankheit deutet auf einen pathogenen Mikroorganismus hin\u201c, sagte der Veterin\u00e4rmediziner Martin Haulena auf einer Informationsveranstaltung der Vancoover-Aquarien. Es sei jedoch zu fr\u00fch, um andere M\u00f6glichkeiten ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Letztlich k\u00f6nnte es auch eine nat\u00fcrliche Folge der \u00dcberpopulation in den vergangenen Jahren sein, die den Tieren schlicht die Lebensgrundlage genommen hat. Das Sterben der Seesterne wird in jedem Fall die \u00d6kosysteme entlang der nordamerikanischen Pazifikk\u00fcste beeinflussen. In welchem Ausma\u00df das geschehen wird, ist die wohl gr\u00f6\u00dfte Unbekannte.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/mysterioese-seuche-das-unheimliche-sterben-der-seesterne-12830285.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/mysterioese-seuche-das-unheimliche-sterben-der-seesterne-12830285.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor der Pazifikk\u00fcste Nordamerikas verenden seit Monaten Millionen von Seesternen. 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