{"id":23541,"date":"2014-03-03T15:00:00","date_gmt":"2014-03-03T15:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23541"},"modified":"2014-03-03T15:00:00","modified_gmt":"2014-03-03T15:00:00","slug":"genfer-automobilsalon-dompteur-der-salonlowen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23541","title":{"rendered":"Genfer Automobilsalon: Dompteur der Salonl\u00f6wen"},"content":{"rendered":"<p>Normalerweise tr\u00e4gt er Schlips und Kragen. Doch jetzt h\u00e4ngt Andr\u00e9 Hefti \u00f6fter mal das Sakko zur Seite. Kurz vor der Er\u00f6ffnung des Genfer Automobilsalons muss selbst der Direktor zupacken.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Er erwartet 700.000 G\u00e4ste, und seine Party dauert 11 Tage &#8211; kein Wunder, dass Andr\u00e9 Hefti gerade ein bisschen gestresst wirkt. Denn der 66 Jahre alte Schweizer ist Generaldirektor des Genfer Automobilsalons und hat noch genau zwei Tage, bis in den riesigen Hallen unter seinem kleinen B\u00fcro die erste gro\u00dfe europ\u00e4ische Automesse der Saison beginnt. Rund 250 Aussteller aus 30 L\u00e4ndern pr\u00e4sentieren dann weit \u00fcber 100 Premieren, vom neuen Toyota Aygo bis zum Lamborghini Hurac\u00e1n, und nach 10.000 Journalisten und 25.000 Fachbesuchern st\u00fcrmen Hunderttausende PS-Fans aus ganz Zentraleuropa in die Hallen des Palais d\u2019Exposition (Palexpo) am nord\u00f6stlichen Stadtrand von Genf &#8211; da darf der Puls schon mal ein wenig h\u00f6her schlagen.<\/p>\n<p>Zwar gibt es f\u00fcr den Herrn mit dem verschmitzten L\u00e4cheln in diesen Tagen keine ruhige Minute mehr. Nicht umsonst h\u00e4ngt das Jackett die meiste Zeit \u00fcber dem Stuhl, die Haare sind etwas wuscheliger als sonst, und das helle Hemd hat schon morgens oft dunkle Flecken. Denn st\u00e4ndig klingelt sein Telefon, permanent rennt jemand anderes in das B\u00fcro und diskutiert mit ihm den Hallenplan, der wie im Architekturstudio an der Wand h\u00e4ngt, und immer wieder schnappt er sich den Baustellenhelm und muss unten in den Hallen nach dem Rechten sehen. Doch das ist nur die Gipfeletappe einer Gebirgsexpedition, die f\u00fcr den Schweizer schon vor vielen Monaten begonnen hat &#8211; allerdings nicht mit Baul\u00e4rm und Notfalleins\u00e4tzen auf dem Gabelstapler, sondern mit leisen T\u00f6nen und viel Verhandlungsgeschick.<\/p>\n<p>Denn w\u00e4hrend die Messebauer und Architekten in Wolfsburg, Stuttgart, Tokio oder Detroit \u00fcber ihren Installationen br\u00fcten, Skizzen machen und Modelle bauen, hat Hefti ein problematisches Puzzle zu l\u00f6sen: Er muss die 110.000 Quadratmeter in seinen Hallen so verteilen, dass alle Aussteller zufrieden sind, dass keine L\u00fccken bleiben und jeder gen\u00fcgend Platz bekommt. \u201eDie eine Firma will hier nicht neben der anderen, daf\u00fcr wollen dort zwei Marken aus einem Konzern unbedingt zusammen. Manche m\u00fcssen sparen, andere kommen neu dazu &#8211; da ist die gro\u00dfe Kunst der Diplomatie gefragt\u201c, sagt Hefti, der bisweilen schon mal die Firmenchefs pers\u00f6nlich am Draht hat, wenn sich so gar keine L\u00f6sung abzeichnet. Und dann gibt es jedes Jahr ja auch noch Newcomer wie Qoros 2013 oder der Elektro-Sportwagen Quant 2014, f\u00fcr die Hefti irgend ein Pl\u00e4tzchen finden muss.<\/p>\n<p>Das sind zwar oft nur kleine Firmen, und viele davon kommen nur einmal. Aber gerade die vielen Designb\u00fcros, Kleinserienhersteller und Exoten machen den Reiz des Genfer Salons aus: \u201eAuch in dieser Hinsicht sind wir Schweizer neutral\u201c, sagt Hefti. Ohne eigene Automobilindustrie werde niemand protegiert oder bevorteilt, und jeder ist als Gast gleich gern gesehen. \u201eDeshalb stehen wir bei solchen Nischenfirmen besonders hoch im Kurs\u201c, freut sich Hefti an der Vielfalt. Und noch etwas macht den Messemanager gl\u00fccklich: Solche Firmen buchen in der Regel kleine St\u00e4nde, mit denen er beim Puzzeln h\u00e4ssliche L\u00fccken f\u00fcllen kann.<\/p>\n<h2>Ein strenges Regiment<\/h2>\n<p>Wer neben wem und wie viel Fl\u00e4che f\u00fcr die einzelnen Firmen? Solche Probleme kennen seine Kollegen bei der IAA in Frankfurt, auf der Motorshow in Detroit oder beim Pariser Salon nat\u00fcrlich auch. Aber kaum irgendwo l\u00e4sst sich dieses Puzzle so schwer sortieren wie in Genf. Denn zum einen gibt es da diese leidige Regel, dass die St\u00e4nde f\u00fcr den besseren \u00dcberblick der Zuschauer in der Hallenmitte nur 1,65 Meter hoch sein d\u00fcrfen. Deshalb dr\u00e4ngen alle gro\u00dfen Hersteller an den Rand der Hallen, weil sie dort zumindest noch eine zweite Etage f\u00fcr Konferenzen und Catering einziehen d\u00fcrfen. Und zum anderen bietet keine andere Automesse von Weltrang so wenig Fl\u00e4che wie das Palexpo in Genf. W\u00e4hrend sich die IAA in Frankfurt in guten Jahren auf weit \u00fcber 200.000 Quadratmeter ausbreitet, muss Hefti mit der H\u00e4lfte auskommen. Deshalb kann er Branchenriesen wie VW oder Mercedes nicht wie seine Kollegen in Frankfurt eine ganze Halle geben, sondern muss etwa die Niedersachsen mit 3000 Quadratmeter abspeisen. Statt einem Golf oder einer A-Klasse in fast jeder Farbe findet man in Genf deshalb auch nur, was wirklich wichtig ist.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/genfer-automobilsalon-dompteur-der-salonloewen-12827370.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/genfer-automobilsalon-dompteur-der-salonloewen-12827370.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Normalerweise tr\u00e4gt er Schlips und Kragen. Doch jetzt h\u00e4ngt Andr\u00e9 Hefti \u00f6fter mal das Sakko zur Seite. 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