{"id":23523,"date":"2014-03-05T18:07:14","date_gmt":"2014-03-05T18:07:14","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23523"},"modified":"2014-03-05T18:07:14","modified_gmt":"2014-03-05T18:07:14","slug":"hiv-pravention-ein-ring-fur-alle-falle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23523","title":{"rendered":"HIV-Pr\u00e4vention: Ein Ring f\u00fcr alle F\u00e4lle"},"content":{"rendered":"<p>Eine neue Art von Vaginalringen soll nicht nur vor ungewollten Schwangerschaften, sondern auch vor HIV-Infektionen sch\u00fctzen. F\u00fcr Frauen aus L\u00e4ndern mit hohen Infektionsraten eine vielversprechender Ansatz.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Trotz aller Fortschritte in Therapie und Aufkl\u00e4rung bleibt HIV der t\u00f6dlichste Krankheitserreger weltweit. Nach Sch\u00e4tzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO starben allein im Jahr 2012 mehr als 1,6 Millionen Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Virus, 2,3 Millionen steckten sich neu an. Frauen sind besonders gef\u00e4hrdet: In manchen Regionen mit hoher Durchseuchung &#8211; wie den afrikanischen L\u00e4ndern s\u00fcdlich der Sahara &#8211; ist ihr Infektionsrisiko bis zu acht mal h\u00f6her als bei M\u00e4nnern. Eine neue Pr\u00e4ventionsmethode, die eine US-Amerikanischen Forschergruppe um den Chemiker Patrick Kiser in der Zeitschrift PLOS-One beschreibt, k\u00f6nnte Frauen in Zukunft die M\u00f6glichkeit geben, sich besser vor der Krankheit zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Methode basiert auf einem bew\u00e4hrten Prinzip, das f\u00fcr die Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung seit Jahren Anwendung findet: Ein Kunstoffring wird in die Vagina eingef\u00fchrt und gibt \u00fcber einen langen Zeitraum eine gleichbleibende Menge an Wirkstoffen ab. Die Forscher stellten nun einen Ring her, der neben verh\u00fctenden Hormonen auch das antiretrovirale Medikament Tenofovir freisetzt. Diese Substanz blockiert einen Schl\u00fcsselmechanismus des HI-Virus, ohne den seine Erbinformation nicht in das Genom der Wirtszellen eingebaut werden kann \u2013 damit wird verhindert, dass sich die Viren im K\u00f6rper vermehren. Ein willkommener Nebeneffekt von Tenofovir ist der zus\u00e4tzliche Schutz vor Herpes-simplex-Viren.<\/p>\n<h2>Tenofovir sch\u00fctzt vor Neuinfektion<\/h2>\n<p>Bereits seit 2001 wird das Medikament in  Kombination mit anderen Pr\u00e4paraten zur Therapie von HIV-Patienten verwendet. <a href=\"http:\/\/www.pnas.org\/content\/110\/40\/16145\">In Experimenten mit Makaken<\/a> konnte gezeigt werden, das der Wirkstoff zu hundert Prozent vor einer Neuinfektion mit HIV sch\u00fctzt . Bisherige Versuche, Tenofovir auch beim Menschen f\u00fcr die Pr\u00e4vention zu verwenden, scheiterten jedoch an der Verabreichungsmethode, schreiben die Wissenschaftler. Eine Pille zu schlucken oder ein vaginales Gel vor und nach jedem Geschlechtsverkehr einzuf\u00fchren, sei von den Testpersonen nicht regelm\u00e4\u00dfig genug angewendet worden, um einen ausreichenden Schutz zu gew\u00e4hrleisten. Durch den Vaginalring m\u00fcssten sich die Frauen dagegen \u00fcber drei Monate hinweg nicht mehr um die Dosierung des Wirkstoffs k\u00fcmmern. Die lokale Freisetzung am Eintrittsort der Viren erfordere zudem eine wesentlich geringere Menge des Medikaments. Dar\u00fcberhinaus erhoffen sich die Forscher durch die Integration der verh\u00fctenden Hormone eine zus\u00e4tzliche Motivation, den Ring zu verwenden.<\/p>\n<p>Die Kombination von Verh\u00fctung und HIV-Schutz war dabei das gr\u00f6\u00dfte Problem f\u00fcr die Entwicklung der Apparatur: Das verwendete Schwangerschaftshormon Levonogestrel unterscheidet sich in seiner Dosierung und seinen chemischen Eigenschaften stark von dem antiviralem Wirkstoff. Die Wissenschaftler suchten f\u00fcnf Jahre nach Kunststoffen, die beide Substanzen aufnehmen und sie anschlie\u00dfend in der jeweiligen Dosis im K\u00f6per wieder freisetzen k\u00f6nnen. F\u00fcndig wurden sie in einer speziellen Kombination aus zwei Polyurethanen, mit denen sie im Tierversuch zeigen konnten, dass die zwei Medikamente \u00fcber 90 Tage hinweg in der gew\u00fcnschten Menge austreten. Im Sommer diesen Jahres starten damit die ersten klinischen Versuche am Menschen, bis zur Marktreife werden aber noch mindestens f\u00fcnf Jahre vergehen, meint Patrick Kiser. Doch seine Arbeitsgruppe hat Konkurrenz: Eine Kollaboration mehrerer Forschungseinrichtungen unter der Schirmherrschaft des US-amerikanischen nationalen Gesundheitsinstituts (NIH) erprobt bereits in der dritten klinischen Phase einen Ring, der mit Dapivirin ein anderes antivirales Mittel freisetzt. Mehr als 5000 Frauen nehmen in Afrika an der Studie teil. Im Gegensatz zu Tenofovir ist Dapivirin jedoch noch von keiner Arzneimittelbeh\u00f6rde zugelassen worden.<\/p>\n<h2>Kein Ersatz f\u00fcr Kondome<\/h2>\n<p>Generell sei der Einsatz der Ringe sehr zu begr\u00fc\u00dfen, sagt Norbert Brockmeyer, Pr\u00e4sident der deutschen STI-Gesellschaft und HIV-Experte an der Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum. \u201eDamit l\u00e4sst sich eine deutliche Verbesserung der Wirksamkeit erreichen, denn verglichen mit anderen Applikationen, wie einem Vaginalgel, ist es f\u00fcr die Patienten viel leichter, die richtige Medikation einzuhalten.\u201c Gerade f\u00fcr L\u00e4nder mit hoher Pr\u00e4valenz, in denen ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung mit HIV infiziert ist, sieht Brockmeyer gro\u00dfes Potential f\u00fcr die Methode, insbesondere da auch ein Schutz vor Herpes-Viren erzielt wird. Gleichzeitig m\u00fcsse jedoch der Hinweis einer Doppelstrategie bestehen bleiben, so der Mediziner. Der Gebrauch von Kondomen darf durch die Ringe nicht ersetzt werden, denn vor einer Vielzahl anderer sexuell \u00fcbertragbarer Krankheiten wie Syphilis, Trichomonaden oder Gonorrh\u00f6 sch\u00fctzen die Ringe nicht. Entscheidend sei auch, ob die Wirkkonzentrationen ausreichen, um auch bei zu Analsex zu sch\u00fctzen, meint Brockmeyer.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Wissenschaftler um Patrick Kiser ist die Kombination aus Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung und HIV-Pr\u00e4vention der entscheidende Faktor, um von m\u00f6glichst vielen Frauen angewendet zu werden. In Entwicklungsl\u00e4ndern sind es mehr als 222 Millionen, die laut WHO noch oder gar keine Kinder bekommen m\u00f6chten. \u201eDer Gro\u00dfteil der Frauen wird unseren Ring in erster Linie zur Verh\u00fctung verwenden, sich damit aber nebenbei auch vor HIV sch\u00fctzen\u201c prophezeit Kiser. Seine Ringe w\u00fcrden nach derzeitiger Berechnung etwa 10 Dollar kosten, mit der Weiterentwicklung der Herstellungsverfahren k\u00f6nnte er sie jedoch noch erheblich billiger anbieten. Damit scheint eine gro\u00dffl\u00e4chige Anwendung in \u00e4rmeren L\u00e4ndern durchaus realistisch. Kiser sieht in seinem Produkt jedoch auch f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt ein Gesch\u00e4ftsmodell: Kunststoffe, die zwei Substanzen mit so unterschiedlichen physikalischen und chemischen Eigenschaften an den K\u00f6rper abgeben, k\u00f6nnten auch f\u00fcr eine breite Palette anderer Wirkstoffe eingesetzt werden.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/hiv-praevention-ein-ring-fuer-alle-faelle-12832836.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/hiv-praevention-ein-ring-fuer-alle-faelle-12832836.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Art von Vaginalringen soll nicht nur vor ungewollten Schwangerschaften, sondern auch vor HIV-Infektionen sch\u00fctzen. 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