{"id":23415,"date":"2014-02-28T08:00:00","date_gmt":"2014-02-28T08:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23415"},"modified":"2014-02-28T08:00:00","modified_gmt":"2014-02-28T08:00:00","slug":"geistige-behinderung-isoliert-waren-vor-allem-die-nachkriegskinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23415","title":{"rendered":"Geistige Behinderung: Isoliert waren vor allem die Nachkriegskinder"},"content":{"rendered":"<p>Menschen mit geistiger Behinderung werden heute so alt wie niezuvor. Ein Bericht zeigt nun die typischen gesundheitlichen Probleme. Je fr\u00fcher die Betroffenen geboren wurden, desto negativer ist offenbar ihre Lebenseinstellung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In Deutschland hat erstmals eine Generation von Menschen mit geistiger Behinderung das Rentenalter erreicht. Bisher hatte kaum einer aus dieser Gruppe die Chance dazu. Weil die Nationalsozialisten Menschen mit geistiger Behinderung systematisch ermordet haben, fehlt in Deutschland die Kriegs- und die Vorkriegsgeneration. Die Weiterentwicklung der Medizin hat zudem die Lebenserwartung erheblich verbessert. 1929 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung bei Menschen mit Down-Syndrom neun Jahre. 1963 lag sie bei 18 Jahren und 2002 bei 60 Jahren. Internationale Studien zeigen auch, dass Menschen mit einer leichten geistigen Behinderung inzwischen genauso alt werden wie die Vergleichsbev\u00f6lkerung. Dass jetzt eine ganze Generation von Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland das Rentenalter erreicht, ist eine historisch neue Situation. Wie geht es diesen Menschen, wenn sie \u00e4lter werden? Welche altersspezifischen Bed\u00fcrfnisse und Erkrankungen haben sie in der zweiten Lebensh\u00e4lfte? Welche Lebenserwartung haben M\u00e4nner und Frauen mit geistiger Behinderung in der Bundesrepublik?<\/p>\n<p>Diese und weitere Fragen beantwortet ein Bericht des Kommunalverbands f\u00fcr Jugend und Soziales Baden-W\u00fcrttemberg mit dem Titel \u201eAlter erleben \u2013 Lebensqualit\u00e4t und Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung im Alter\u201c. Der Bericht fasst die Ergebnisse einer Untersuchung zusammen, die der Psychologe Friedrich Dieckmann von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und die P\u00e4dagogin und Soziologin Heidrun Metzler von der Universit\u00e4t T\u00fcbingen geleitet haben. Die Wissenschaftler haben mit station\u00e4ren Einrichtungen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und den Tr\u00e4gern der Behindertenhilfe in Baden-W\u00fcrttemberg zusammengearbeitet.<\/p>\n<h2>Wenig Daten<\/h2>\n<p>\u201eEs gibt in Deutschland eine gro\u00dfe Scheu, Daten zur Situation von Menschen mit geistiger Behinderung zu sammeln\u201c, sagt Metzler. \u201eDeshalb hat der Bericht einen hohen Stellenwert, auch wenn die Daten zur Gesundheit und zur Lebensqualit\u00e4t von Menschen mit geistiger Behinderung in Baden-W\u00fcrttemberg nicht den Anspruch erheben k\u00f6nnen, f\u00fcr die gesamte Bundesrepublik zu stehen.\u201c<\/p>\n<p>Der Bericht benennt zun\u00e4chst die Rahmenbedingungen. F\u00fcr geistige Behinderung gibt es keine international g\u00fcltige Definition. Der Begriff ist stets relativ. Die Zuordnung h\u00e4ngt auch von den gesellschaftlichen Anforderungen ab. Weil diese st\u00e4ndig zunehmen, werden auch in Deutschland immer mehr Menschen als geistig behindert eingestuft. Das zeigt unter anderem der stark gestiegene Bedarf nach sonderp\u00e4dagogischer F\u00f6rderung bei Kindern und Kleinkindern. In der Bundesrepublik wird au\u00dferdem zwischen Lernbehinderung und geistiger Behinderung unterschieden. Bei einem Intelligenzquotienten von \u00fcber 55 spricht man hierzulande von Lernbehinderung, bei einem niedrigeren Wert von geistiger Behinderung. \u00dcber die Jahrzehnte haben sich offensichtlich auch die Ursachen f\u00fcr geistige Behinderung verschoben. Fr\u00fcher galt das Down-Syndrom als Hauptursache. Heute ist die geistige Behinderung vielfach die Folge eines sehr geringen Geburtsgewichtes oder einer sozio\u00f6konomischen Benachteiligung, bei der Krankheiten nicht erkannt oder Kinder nicht gef\u00f6rdert wurden. Unabh\u00e4ngig von den zugrundeliegenden Ursachen haben weltweit mehr M\u00e4nner als Frauen eine geistige Behinderung. Das gilt auch f\u00fcr die Bundesrepublik.<\/p>\n<h2>Kleine Stichproben<\/h2>\n<p>Die Lebenserwartung wurde mit zwei Stichproben ermittelt. Zur Ersten geh\u00f6rten 13.500 M\u00e4nner und Frauen aus station\u00e4ren Einrichtungen in Westfalen-Lippe, denen Eingliederungshilfe gew\u00e4hrt wurde. Zur Zweiten geh\u00f6rten 11000 Erwachsene mit geistiger Behinderung aus Baden-W\u00fcrttemberg, die in einer station\u00e4ren Einrichtung lebten, ambulant unterst\u00fctzt wurden oder noch in ihren Herkunftsfamilien betreut wurden. F\u00fcr die Berechnung mussten Dieckmann und sein Kollege Christos Giovis eine neue Methode entwickeln, damit sie mit den vergleichsweise kleinen Stichproben statistisch verl\u00e4ssliche Zahlen ermitteln konnten. Die Ergebnisse zur Lebenserwartung decken sich mit der internationalen Entwicklung. Demnach n\u00e4hert sich auch in Deutschland die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen mit geistiger Behinderung an die Lebenserwartung der Gesamtbev\u00f6lkerung an. Je nach Geschlecht und Stichprobe ist der Wert allerdings noch sechs bis zw\u00f6lf Jahre niedriger.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/geistige-behinderung-isoliert-waren-vor-allem-die-nachkriegskinder-12818350.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/geistige-behinderung-isoliert-waren-vor-allem-die-nachkriegskinder-12818350.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menschen mit geistiger Behinderung werden heute so alt wie niezuvor. Ein Bericht zeigt nun die typischen gesundheitlichen Probleme. 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