{"id":23327,"date":"2014-02-26T16:29:33","date_gmt":"2014-02-26T16:29:33","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23327"},"modified":"2014-02-26T16:29:33","modified_gmt":"2014-02-26T16:29:33","slug":"sperrklauseln-karlsruher-mehrheit-fur-den-minderheitenschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23327","title":{"rendered":"Sperrklauseln: Karlsruher Mehrheit f\u00fcr den Minderheitenschutz"},"content":{"rendered":"<p>Das Bundesverfassungsgericht bleibt sich treu: Sperrklauseln bei der Europawahl sind nicht zu rechtfertigen. Und was ist mit der Bundestagswahl?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine Ohrfeige f\u00fcr die Politik, ein Sieg f\u00fcr die kleinen Parteien \u2013 und ein weiteres Zeichen daf\u00fcr, dass wichtige staatliche, ja europ\u00e4ische Entscheidungen in Karlsruhe getroffen werden: So kann man das Urteil des Bundesverfassungsgerichts sehen, das die Drei-Prozent-H\u00fcrde bei der Europawahl hinwegfegt. Es kam nicht unerwartet. Schlie\u00dflich hatten die Karlsruher Richter schon 2011 die F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde zu Fall gebracht, weil sie darin einen Versto\u00df gegen die Wahlrechtsgleichheit und Chancengleichheit der Parteien erkannten. Und noch weiter zur\u00fcck, aber ebenfalls auf dieser Linie: Schon 2008 hatte der Zweite Senat die F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde bei den schleswig-holsteinischen Kommunalwahlen aus denselben Gr\u00fcnden f\u00fcr verfassungswidrig erkl\u00e4rt. Eine Entscheidung, die mancher Richter heute bereuen mag. Zwar ging es da nicht um ein Parlament wie den Bundestag \u2013 aber genau das gilt aus Karlsruher Sicht auch f\u00fcr das Europaparlament.<\/p>\n<p class=\"AutorenModul\"><span class=\"autorBox clearfix\" itemprop=\"author\">                                                <img title='Reinhard M\u00fcller' height='55' alt='Reinhard M\u00fcller' width='55' class='media left' src='http:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/redaktion\/1326740140\/1.1126059\/avatarAuthor\/reinhard-mueller-mue.jpg' \/><span class=\"autorTxt\"><a href=\"\/redaktion\/reinhard-mueller-11104378.html\" title=\"Reinhard M\u00fcller\" rel=\"author\">Autor: Reinhard M\u00fcller, Jahrgang 1968, in der politischen Redaktion verantwortlich f\u00fcr \u201eZeitgeschehen\u201c und f\u00fcr \u201eStaat und Recht\u201c.<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><span class=\"shareAutor\"><a href=\"https:\/\/plus.google.com\/106777406673855522546?rel=author\" class=\"autorGP\" title=\"Reinhard M\u00fcller auf Google+\"> <\/a><a onclick=\"follow_1_1104378()\" class=\"autorFolgen\" title=\"Reinhard M\u00fcller folgen\"> <\/a>                    <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>Das sieht man nicht nur in Stra\u00dfburg und Br\u00fcssel anders. Auch deutsche Politiker haben vor dem Karlsruher Gericht vergeblich darauf gepocht, dass ohne eine Sperrklausel eine Zersplitterung des Parlaments drohe. Deshalb wagte der Gesetzgeber in einem Akt der Selbstbehauptung gegen\u00fcber dem Verfassungsgericht einen zweiten Anlauf \u2013 und beschloss eine Drei-Prozent-H\u00fcrde. Auch das Europ\u00e4ische Parlament forderte im November 2012 die Mitgliedstaaten dazu auf, \u201egeeignete und angemessene Mindestschwellen\u201c f\u00fcr die Zuteilung der Sitze festzulegen, um \u201everl\u00e4ssliche Mehrheiten im Parlament\u201c sicherzustellen.<\/p>\n<h2>Denkbar knappe Entscheidung<\/h2>\n<p>Doch das Bundesverfassungsgericht sieht auf dem Boden des Grundgesetzes weiterhin keine Rechtfertigung f\u00fcr eine solche Beschr\u00e4nkung. Der Grundsatz der Gleichheit der Wahl gebietet demnach bei der Verh\u00e4ltniswahl, die auch f\u00fcr die Wahl der Abgeordneten des Europ\u00e4ischen Parlaments gilt, dass jeder W\u00e4hler mit seiner Stimme den gleichen Einfluss auf die Zusammensetzung seiner Vertretung haben muss. Der Grundsatz der Chancengleichheit der Parteien verlange ferner, dass jede Partei grunds\u00e4tzlich die gleichen M\u00f6glichkeiten im gesamten Wahlverfahren und damit gleiche Chancen bei der Verteilung der Sitze erh\u00e4lt. Einschr\u00e4nkungen bed\u00fcrfen demnach stets eines besonderen, sachlich legitimierten, \u201ezwingenden\u201c Grundes. Dieser Ma\u00dfstab gilt nach Ansicht der Senatsmehrheit immer noch.<\/p>\n<p>\u201eEine abweichende verfassungsrechtliche Beurteilung kann sich ergeben, wenn sich die Verh\u00e4ltnisse wesentlich \u00e4ndern\u201c, sagte Pr\u00e4sident Andreas Vo\u00dfkuhle. K\u00fcnftige Entwicklungen k\u00f6nne der Gesetzgeber dann ma\u00dfgeblich ber\u00fccksichtigen, wenn sie aufgrund hinreichend belastbarer tats\u00e4chlicher Anhaltspunkte schon gegenw\u00e4rtig verl\u00e4sslich zu prognostizieren sind. Die Entscheidung ist wie schon beim letzten Mal mit f\u00fcnf zu drei Richterstimmen ergangen, also denkbar knapp.<\/p>\n<h2>Die reine Lehre: One man, one vote<\/h2>\n<p>Der Richter Peter M\u00fcller hat, gewisserma\u00dfen stellvertretend f\u00fcr die konservative Fraktion im Senat, ein Sondervotum abgegeben. Auch er h\u00e4lt die Ma\u00dfst\u00e4be des Senats im Prinzip hoch, sagt aber: Es sei nicht Sache des Bundesverfassungsgerichts, \u201edie vertretbare Entscheidung des Gesetzgebers durch eine eigene vertretbare Entscheidung zu ersetzen\u201c. Doch f\u00fcr die Mehrheit des Senats mit Berichterstatter Michael Gerhardt geht die reine Lehre vor: \u201eOne man, one vote\u201c. Demokratie wird nicht nur als ein abstraktes Prinzip angesehen. Gerade die Ausgestaltung des Wahlrechts unterliegt einer strikten verfassungsgerichtlichen Kontrolle. Denn eine parlamentarische Mehrheit k\u00f6nnte hier gleichsam in eigener Sache t\u00e4tig werden. Es bestehe die Gefahr, dass die jeweilige Parlamentsmehrheit sich \u201evom Ziel des eigenen Machterhalts leiten l\u00e4sst\u201c. Deshalb also ist hier Karlsruhe besonders streng und l\u00e4sst dem Gesetzgeber kaum Spielraum.<\/p>\n<p class=\"BoxTitle\" id=\"NotLoggedIn_1_1104378\">Bitte melden Sie sich zun\u00e4chst <a href=\"\/mein-faz-net\/?redirectUrl=%2Faktuell%2Fpolitik%2Feuropaeische-union%2Fsperrklauseln-karlsruher-mehrheit-fuer-den-minderheitenschutz-12822366.html\">hier<\/a> an.<\/p>\n<p class=\"BoxTitle\" id=\"LoggedInAlreadyAdded_1_1104378\">Sie folgen Reinhard M\u00fcller bereits.<\/p>\n<p class=\"BoxTitle\" id=\"LoggedInNew_1_1104378\">Sie folgen jetzt Reinhard M\u00fcller.<\/p>\n<p class=\"Small\" id=\"LoggedIn_1_1104378\">Eine \u00dcbersicht aller Autoren und Leser, denen Sie folgen, finden Sie unter dem Men\u00fcpunkt <a href=\"\/mein-faz-net\/meine-autoren\/\">&#8222;Meine Autoren&#8220;<\/a> bei Mein FAZ.NET.<\/p>\n<p class=\"BoxTitle ErrMsg\" id=\"error_1_1104378\">Die Aktion konnte nicht durchgef\u00fchrt werden. Es trat ein Fehler auf.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/sperrklauseln-karlsruher-mehrheit-fuer-den-minderheitenschutz-12822366.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/sperrklauseln-karlsruher-mehrheit-fuer-den-minderheitenschutz-12822366.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundesverfassungsgericht bleibt sich treu: Sperrklauseln bei der Europawahl sind nicht zu rechtfertigen. Und was ist mit der Bundestagswahl?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[34,21],"tags":[264,296,297,298,289,299,578,535],"class_list":["post-23327","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-europaische-union","category-politik","tag-brussel","tag-bundestag","tag-bundestagswahl","tag-bundesverfassungsgericht","tag-eu-parlament","tag-karlsruhe","tag-peter-muller","tag-strasburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23327","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23327"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23327\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}