{"id":23278,"date":"2014-01-24T08:12:59","date_gmt":"2014-01-24T08:12:59","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23278"},"modified":"2014-01-24T08:12:59","modified_gmt":"2014-01-24T08:12:59","slug":"europa-auf-der-klimaschutzbremse-ich-bin-nicht-enttauscht-von-barroso","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23278","title":{"rendered":"Europa auf der Klimaschutzbremse?: \u201eIch bin nicht entt\u00e4uscht von Barroso\u201c"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr das Klima zu wenig und in der F\u00fchrung zu schwach. Hans Joachim Schellnhuber, einer der einflussreichsten Klimaforscher, Berater der Kanzlerin und des Kommissionspr\u00e4sidenten, zum neuen EU-Kurs.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Ist Europa mit dem moderaten Ziel 40 Prozent Reduktion der Kohlendioxidemission bis 2030 gegen\u00fcber 1990 vor der Industrie in die Knie gegangen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"AutorenModul\"><span class=\"autorBox clearfix\" itemprop=\"author\">                                                <img title='Joachim  M\u00fcller-Jung' height='55' alt='Joachim  M\u00fcller-Jung' width='55' class='media left' src='http:\/\/media0.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/2777636387\/1.1370288\/avatarAuthor\/autorenportraet-mueller-jung-joachim.jpg' \/><span class=\"autorTxt\"><a href=\"\/redaktion\/joachim-mueller-jung-11104385.html\" title=\"Joachim  M\u00fcller-Jung\" rel=\"author\">Autor: Joachim  M\u00fcller-Jung, Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zust\u00e4ndig f\u00fcr das Ressort \u201eNatur und Wissenschaft\u201c.<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><span class=\"shareAutor\"><a href=\"https:\/\/plus.google.com\/107172417633486243834?rel=author\" class=\"autorGP\" title=\"Joachim  M\u00fcller-Jung auf Google+\"> <\/a><a onclick=\"follow_1_1104385()\" class=\"autorFolgen\" title=\"Joachim  M\u00fcller-Jung folgen\"> <\/a>                    <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>Schellnhuber: Dar\u00fcber kann man streiten. Mich interessiert zuerst die Frage, ob es ein Meilenstein ist auf dem Weg zur Stabilisierung des Weltklimas, gemessen an dem, was erreichbar w\u00e4re. 40 Prozent Kohlendioxidreduktion sind so gesehen am unteren Ende dessen, was man noch als ein akzeptables Ambitionsniveau ansehen kann. Es ist technisch und wirtschaftlich sicher machbar. Man h\u00e4tte mit den bestehenden Ma\u00dfnahmen aber schon 32 Prozent erreicht. 40 Prozent ist politisch also nicht sehr ambitioniert, es ist allerdings auch keine Katastrophe. 35 Prozent w\u00e4re Stagnation gewesen, da h\u00e4tte man international nicht mehr auftreten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Hat man die F\u00fchrungsrolle endg\u00fcltig aufgegeben, wie viele Klimasch\u00fctzer beklagen?<\/strong><\/p>\n<p>Das neue Ziel ist die schw\u00e4chste Version einer europ\u00e4ischen F\u00fchrungsrolle, die man sich auf dem Weg hin zu einer kohlenstoffarmen Welt vorstellen kann. Es ist ein Kompromiss, der die Wettbewerbsf\u00e4higkeit in den Vordergrund stellt. Er ist sicher das Ergebnis der europ\u00e4ischen Wirtschaftskrise, und ein Versuch, das Trauma einigerma\u00dfen zu adressieren und gleichzeitig den Klimaschutz nicht aufzugeben. Das Ziel reflektiert sicherlich auch, dass das Feuer, das in Pr\u00e4sident Barroso brannte, ziemlich erloschen ist. Das hei\u00dft nicht, dass sich Europa herausgestohlen hat aus dem Kampf f\u00fcr die Stabilisierung des Weltklimas. Ich selbst halte ein Ziel von 50 Prozent Reduktion bis 2030 f\u00fcr absolut realistisch. Wenn man aber in die Dekarbonisierung einsteigt, sind auch 40 Prozent schon eine Ansage. Damit sind die Weichen gestellt.<\/p>\n<p><strong>Der EU-Kommissionspr\u00e4sident ist also nicht eingeknickt, sondern vern\u00fcnftig geworden?<\/strong><\/p>\n<p>Barroso h\u00f6rt zu, er versteht die Dinge, aber er wirkt ersch\u00f6pft durch die europ\u00e4ische Krise. Von allen Seiten h\u00f6rt er etwas von Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Wachstum. Da gibt es zu wenige, die ihm zur Seite springen und sagen, dass es noch andere Formen des Wachstums gibt. Klimakommissarin Connie Hedegaard k\u00e4mpft f\u00fcr ihr Klimaziel und ist vielleicht auch einigerma\u00dfen zufrieden, aber sie kann nicht dagegen argumentieren, wenn man st\u00e4ndig von anderen Kommissaren wie Herrn Oettinger h\u00f6rt, wie billig die Energie in den Vereinigten Staaten ist. Manuel Barroso hat \u00fcber viele Jahre wacker gek\u00e4mpft, zu mehr konnte er sich zum jetzigen Zeitpunkt offensichtlich nicht durchringen. <\/p>\n<p><strong>Sie glauben, das ist vorerst das letzte Wort der EU-Kommission in Sachen Klimaschutz?<\/strong><\/p>\n<p>Ich sehe Herrn Barroso n\u00e4chste Woche in seinem Panel for Science and Technology, wir treffen uns viermal im Jahr. Da werde ich ihn ansprechen. Nat\u00fcrlich w\u00e4re mehr m\u00f6glich als 40 Prozent. Aber wenn man sieht, welche Kr\u00e4fte in Europa zerren, w\u00e4re realistisch nur mehr m\u00f6glich, wenn zwei oder drei L\u00e4nder wie Deutschland, Gro\u00dfbritannien und Frankreich sich wirklich stark machen w\u00fcrden f\u00fcr den Klimaschutz. Wenn Deutschland ein Ziel von 50 Prozent anstrebt und dabei unterst\u00fctzt w\u00fcrde von den beiden anderen Staaten, k\u00f6nnte nat\u00fcrlich mehr herauskommen als 40 Prozent. Aber wenn Europa in die internationalen  Klimaverhandlungen mit 40 Prozent geht, ist das immer noch ein Wort, verglichen mit anderen gro\u00dfen Verhandlungsparteien. Politik ist eben auch, Mehrheiten zu organisieren. Deshalb bin ich nicht entt\u00e4uscht. In sechzehn Jahren kann noch viel passieren. Ich glaube, dass sich Europa schneller dekarbonisieren wird, als in diesem Fahrplan vorgesehen, denn wir k\u00f6nnen in den n\u00e4chsten Jahren mit zus\u00e4tzlichen technischen und sozialen Innovationen rechnen. Wir wissen, dass ein erneuerbar-effizientes System dem fossil-nuklearen \u00fcberlegen ist, und zwar nicht einfach nur wegen der kommenden Generationen. Das System geht in etwa in die Richtung, wenn auch momentan deutlich zu langsam. Am Ende wird es kippen und eine Menge Innovationen hervorbringen. Es gibt so viele neue Ideen. Ich setze deshalb nicht nur auf ein Top-Down-Design der Klimapolitik, der Druck hin zu einer kohlenstoffarmen oder \u2013freien Wirtschaft wird sich aufbauen. Es wird m\u00f6glicherweise bald schneller gehen, als wir uns vorstellen.<\/p>\n<p><strong>Sie halten es also klimapolitisch f\u00fcr gar nicht n\u00f6tig, alles durch strikte europ\u00e4ische Vorgaben zu regeln. Ist das Ziel einer Erw\u00e4rmung von maximal zwei Grad mit diesem gebremsten Tempo  erreichbar?<\/strong><\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/klima\/europa-auf-der-klimaschutzbremse-ich-bin-nicht-enttaeuscht-von-barroso-12767204.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/klima\/europa-auf-der-klimaschutzbremse-ich-bin-nicht-enttaeuscht-von-barroso-12767204.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr das Klima zu wenig und in der F\u00fchrung zu schwach. 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