{"id":23274,"date":"2014-02-15T18:20:46","date_gmt":"2014-02-15T18:20:46","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23274"},"modified":"2014-02-15T18:20:46","modified_gmt":"2014-02-15T18:20:46","slug":"soziologie-des-seitensprungs-liebe-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23274","title":{"rendered":"Soziologie des Seitensprungs: Liebe machen"},"content":{"rendered":"<p>Umfragen zu sexuellen Einstellungen sind beliebt, aber die zugrunde liegenden Daten alles andere als verl\u00e4sslich. Und was sagt uns das alles eigentlich \u00fcber die Liebe?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Zoologe Alfred Kinsey hat in den vierziger Jahren damit begonnen. Seine Berichte \u00fcber die Sexualit\u00e4t der Amerikaner erregten damals heftiges Aufsehen. Seitdem sind Umfragen zu sexuellen Einstellungen in den Massenmedien beliebt. Ob die Frauen von reichen M\u00e4nnern mehr Lust empfinden, wie viele Menschen schon einmal fremdgegangen sind, ob Mitarbeit im Haushalt auf die erotische Empf\u00e4nglichkeit dr\u00fcckt und wie oft es die Briten treiben &#8211; fast jede Woche werden entsprechende Studien bekannt. Dass nicht nur beim Sex, sondern auch dar\u00fcber ziemlich viel gelogen wird, ficht die, die dar\u00fcber prompt schreiben, nicht an. Hauptsache, es wird national unterschiedlich gelogen und es gibt unterhaltsame Zahlen.<\/p>\n<p class=\"AutorenModul\"><span class=\"autorBox clearfix\" itemprop=\"author\">                                                <img title='J\u00fcrgen Kaube' height='55' alt='J\u00fcrgen Kaube' width='55' class='media left' src='http:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/redaktion\/3699463613\/1.1125993\/avatarAuthor\/juergen-kaube-kau.jpg' \/><span class=\"autorTxt\"><a href=\"\/redaktion\/juergen-kaube-11104108.html\" title=\"J\u00fcrgen Kaube\" rel=\"author\">Autor: J\u00fcrgen Kaube, Jahrgang 1962, stellvertretender Leiter des Feuilleton.<span class=\"Winkel\"> <\/span><\/a><span class=\"shareAutor\"><a onclick=\"follow_1_1104108()\" class=\"autorFolgen\" title=\"J\u00fcrgen Kaube folgen\"> <\/a>                    <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>Dabei gilt: je ungleicher, desto unterhaltsamer. Eine internationale Partnerschaftsagentur beispielsweise, die auf Verheiratete, also auf Seitenspr\u00fcnge, spezialisiert ist, versorgte ihre prospektive Kundschaft zuletzt mit solchen Befunden: Drei Viertel aller Frauen w\u00fcrden eine sexuelle Aff\u00e4re verzeihen, aber nur ein gutes Drittel aller M\u00e4nner. Daf\u00fcr fanden 69 Prozent der befragten Frauen eine \u201eemotionale Aff\u00e4re\u201c schlimmer als blo\u00dfen Sex, w\u00e4hrend sich wiederum nur eine Minderheit der M\u00e4nner an Aff\u00e4ren st\u00f6rt. Oder es wird mitgeteilt, Umfragen h\u00e4tten ergeben, dass an den Arbeitspl\u00e4tzen im Durchschnitt mehr als eine Stunde am Tag f\u00fcr die Pflege heimlicher Beziehungen per Telefon und E-Mail draufgeht. 18 Prozent der Befragten haben gar angegeben, mehr als zwei Stunden t\u00e4glich im B\u00fcro mit Internetflirts zu verbringen.<\/p>\n<h2>\u201eFremdgeh-Portale\u201c als Gesch\u00e4ftsmodell<\/h2>\n<p>Nun liegt in solchen F\u00e4llen die Mitteilungsabsicht auf der Hand. \u201eFremdgehen ist normal\u201c, will uns das sagen. Und je cooler der Seitenspringer an das Normale herangeht, desto eher wird es ihm zu Hause verziehen. Und zwar in erste Linie ihm &#8211; denn eine ungleiche Nutzung des \u201eFremdgeh-Portals\u201c, wie sich das Unternehmen selbst bezeichnet, durch die Geschlechter darf dabei wohl unterstellt werden.<\/p>\n<p>Doch obwohl solche Statistiken in Gesch\u00e4ftsmodelle integriert sind, ersch\u00f6pft sich ihr Sinn nicht darin. Sie dokumentieren auch einen ver\u00e4nderten Umgang mit der Sexualit\u00e4t \u00fcberhaupt. Es existieren nicht nur solche Agenturen, was vor drei\u00dfig Jahren schwer vorstellbar war. In Talkshows treten auch regelm\u00e4\u00dfig Pornodarstellerinnen auf. In Zeitungen und in Parlamenten wird diskutiert, ob Prostitution ein normaler Beruf ist. Die Nutzung von Escort-Serviceleistungen durch wirtschaftliche Spitzenkr\u00e4fte ist ein g\u00e4ngiges Element von Spielfilmen geworden.<\/p>\n<h2>Es geht darum, \u201eLiebe zu machen\u201c<\/h2>\n<p>Kurz: Im Bereich von Liebe und Lust hat sich jedenfalls in den Massenmedien etabliert, was der norwegische Soziologe Johan Galtung einst als \u201ekognitive Erwartungshaltung\u201c bezeichnet hat. Kognitiv erwartet, wer auf \u00dcberraschungen mit Lernen reagiert anstatt mit Emp\u00f6rung, moralischer oder juristischer Sanktion. Man sagt beispielsweise, wenn es um vor- oder au\u00dferehelichen Sex geht, \u201eAch, so ist das\u201c anstatt \u201eDas ist ja unerh\u00f6rt\u201c.<\/p>\n<p>Betrifft diese Erwartungshaltung nun auch die Liebe selbst? Ja und nein, lautet die Antwort, die amerikanische Soziologen soeben gegeben haben. Denn ihren Umfragen unter Studenten entnehmen sie, dass Sexualit\u00e4t und Liebe immer st\u00e4rker unterschieden werden. Jemanden zu lieben spiele kaum eine Rolle, wenn es darum gehe, \u201eLiebe zu machen\u201c. Dabei sei es nicht etwa so, dass die Studenten keinerlei moralische Erwartungen h\u00e4tten. Nur beeinflussen diese \u00fcberhaupt nicht ihre sexuellen Praktiken. Sowohl Romantik wie Moral sind gegen\u00fcber Sex eigene Sph\u00e4ren.<\/p>\n<h2>Und die Auswirkungen auf die Paarbildung?<\/h2>\n<p>Das gilt \u00fcbrigens f\u00fcr beide Geschlechter. Es ist also nicht so, dass Frauen Sexualit\u00e4t und Liebe st\u00e4rker verbinden als M\u00e4nner. Frauen und M\u00e4nner, so der Befund, lieben auf dieselbe Weise und reden ganz \u00e4hnlich \u00fcber Sex. Diese \u00c4hnlichkeit gilt sogar f\u00fcr die Frage, wovon die Erf\u00fcllung der Lust abh\u00e4ngt, auch wenn Frauen hier etwas st\u00e4rker z\u00e4rtliche Umst\u00e4nde betonen und insgesamt mehr auf den Kontext der Sexualit\u00e4t achten als die befragten jungen M\u00e4nner, deren Vergn\u00fcgen fast nur von zwei Bedingungen abhing: \u00dcbung im Geschlechtsverkehr und oralem Sex. Letzterer spielte auch f\u00fcr ihre Partnerinnen eine gro\u00dfe Rolle, aber dar\u00fcber hinaus sch\u00e4tzen sie eben eine ganze Reihe von Voraussetzungen, zu denen intimes Zusammensein geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die bis heute unerforschte Frage lautet nun, wie sich diese ver\u00e4nderten Einstellungen zu einer Sexualit\u00e4t, die nicht romantisch wahrgenommen wird, auf die Paarbildung auswirken. Denn Jugend ist das eine, Ehe das andere, und man kann sich schlecht vorstellen, dass sich erf\u00fcllter Sex und erf\u00fcllte Liebe demn\u00e4chst auf die Altersgruppen verteilen.<\/p>\n<p class=\"BoxTitle\" id=\"NotLoggedIn_1_1104108\">Bitte melden Sie sich zun\u00e4chst <a href=\"\/mein-faz-net\/?redirectUrl=%2Faktuell%2Fwissen%2Fmensch-gene%2Fsoziologie-des-seitensprungs-liebe-machen-12804114.html\">hier<\/a> an.<\/p>\n<p class=\"BoxTitle\" id=\"LoggedInAlreadyAdded_1_1104108\">Sie folgen J\u00fcrgen Kaube bereits.<\/p>\n<p class=\"BoxTitle\" id=\"LoggedInNew_1_1104108\">Sie folgen jetzt J\u00fcrgen Kaube.<\/p>\n<p class=\"Small\" id=\"LoggedIn_1_1104108\">Eine \u00dcbersicht aller Autoren und Leser, denen Sie folgen, finden Sie unter dem Men\u00fcpunkt <a href=\"\/mein-faz-net\/meine-autoren\/\">&#8222;Meine Autoren&#8220;<\/a> bei Mein FAZ.NET.<\/p>\n<p class=\"BoxTitle ErrMsg\" id=\"error_1_1104108\">Die Aktion konnte nicht durchgef\u00fchrt werden. Es trat ein Fehler auf.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/soziologie-des-seitensprungs-liebe-machen-12804114.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/soziologie-des-seitensprungs-liebe-machen-12804114.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umfragen zu sexuellen Einstellungen sind beliebt, aber die zugrunde liegenden Daten alles andere als verl\u00e4sslich. 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