{"id":23244,"date":"2014-02-20T05:24:33","date_gmt":"2014-02-20T05:24:33","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23244"},"modified":"2014-02-20T05:24:33","modified_gmt":"2014-02-20T05:24:33","slug":"deutscher-krebskongress-wir-mussen-uns-neu-organisieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23244","title":{"rendered":"Deutscher Krebskongress: \u201eWir m\u00fcssen uns neu organisieren\u201c"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fchrende Krebsmediziner fordern den Umbau des Gesundheitswesens, um dem \u201eTsunami\u201c an Tumorkrankheiten Herr zu werden. Ministerium verspricht neue \u201eOffensiven\u201c. Wie besiegt man Krebs?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201eEs reicht nicht, was getan wird.\u201c Fritz Pleitgen, der ehemalige WDR-Intendant und inzwischen langj\u00e4hrige Pr\u00e4sident der Deutschen Krebshilfe hat auf der Er\u00f6ffnungsveranstaltung f\u00fcr den Deutschen Krebskongress  in Berlin die Stimmung an der onkologischen Front deutlich gemacht. Es geht voran im Kampf gegen den Krebs, doch weiter nur in kleinen Schritten. Alles wird komplexer &#8211; und alle Beteiligten werden mehr und mehr gefordert. Finden sich \u00fcberfordert. Beipiel: Krebsinformation: Mehr als 1,4 Millionen Menschen leben im Land mit einer Krebsdiagnose, jedes Jahr kommen 477.000 Neuerkrankungen hinzu.  Und seit Jahren gibt es Angebote f\u00fcr Patienten und ihre Angeh\u00f6rigen, vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrum bis der Krebshilfe und den vielen anderen Quellen im Internet. Doch weil es weder einen einheitlichen Qualit\u00e4tsstandard gibt, noch gen\u00fcgend Kapazit\u00e4ten, um alle Betroffenen mit ihren Anfragen immer schnell zu beraten, weichen viele auf unseri\u00f6se Informationsquellen aus. \u201eDie Kr\u00e4fte b\u00fcndeln\u201c, das ist f\u00fcr Pleitgen die L\u00f6sung. Und deshalb will seine inzwischen vierzig Jahre alte, von Mildred Scheel gegr\u00fcndete B\u00fcrgerstiftung noch in diesem Jahr zusammen mit der Deutschen Krebsgesellschaft als der zust\u00e4ndigen wissenschaftlichen Institution erstmal eine gemeinsame Plattform f\u00fcr alle Krebspatienten im Land anbieten.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt B\u00fcndelung &#8211; und Vernetzung: Das ist das Leitbild von Berlin. Mehrere tausend Krebsmediziner pilgern in dieser Woche jeden Morgen zur Berliner Messe, um zu erfahren, wie man den \u201eTsunami\u201c an Krebserkrankungen in den Griff bekommen will. Erstmals richten  Krebshilfe, die einen Gro\u00dfteil der Forschung im Land finanziert, und Krebsgesellschaft diese medizinische Gro\u00dfveranstaltung zusammen aus. Die Verantwortlichen sp\u00fcren, dass die Fortschritte gegen den Krebs m\u00f6glicherweise zu langsam sind, um der durch die Demographie wachsende Last und die Leiden gewachsen zu sein. Wolff Schmiegel, der Pr\u00e4sident der Krebsgesellschaft, nannte 129 Milliarden Euro Kosten, die Tumorkrankheiten jedes Jahr in Europa verursachen. Und er wiederholte einen Ausdruck, den er vor Jahren als Krebskongress-Pr\u00e4sident pr\u00e4gte: \u201eWir erleben einen Tsunamie\u201c. Dabei geht es eben keineswegs nur um die Neuerkrankungen oder die Todesstatistik, in der Krebs immer noch an zweiter Stelle steht, sondern auch die enorm steigende Zahl an Krebspatienten, die mit ihrer Krankkheit viele Jahre leben &#8211; und weiter behandelt werden wollen. Die psyhologische Betreuung von onkologischen Patienten nimmt einen immer breiteren Raum ein.<\/p>\n<p>Schmiegels Nachfolger als Pr\u00e4sident des Krebskongresses, der K\u00f6lner Klinikchef Michael Hallek, hat die Richtung vorgegeben: \u201eWir m\u00fcssen uns neu organisieren\u201c, sagte er. Das Gesundheitswesen stehe vor einem Umbruch. Kooperation und eine \u201eneue Innovationskultur\u201c forderte Hallek. Das war an die Kollegen, aber vor allem auch an die Politik gerichtet. Die Bedeutung von Fach\u00e4rzten etwa werde in der Krebsmedizin rapide sinken. Krebs als komplexe, systemische Krankheit mache es notwendig, dass die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Spezialisten erzwungen werde &#8211; und das nicht nur in den Tumorzentren des Landes. Halleks Idee von neuen \u201eintelligenten Konzepten\u201c in der Krebsmedizin wird vor allem gespeist von der \u00dcberzeugung, dass eine medizinische Schwarmintelligenz gebraucht wird. Das genetische und molekularbiologische Wissen sei in der Onkologie im Prinzip heute schon wichtiger als gro\u00dfe Latinum- denn: Krebs wird immer st\u00e4rker als multidimensionale genetische St\u00f6rung wahrgenommen, die in jedem einzelnen Betroffen anders zuschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Und die Politik? Sie unterst\u00fctzt weiter den vor f\u00fcnf Jahren gestarteten Nationalen Krebsplan, dessen erste gro\u00dfen Ziele weitere Fortschritte in den Massenscreenings und der fl\u00e4chendeckenden Datensammlung in klinischen Tumorregistern sind. Aber sie l\u00e4sst ihre &#8211; von vielen erhofften &#8211; gesundheitspolitische Gro\u00dfoffensive zumindest im Vagen: Die Parlamentarische Staatssekret\u00e4rin Annette Widmann-Mauz (CDU) im Bundesgesundheitsministerium k\u00fcndigte in Vertretung des neuen Chefs im Gesundheitsressort, Hermann Gr\u00f6he (CDU), einiges an &#8211;  beipielsweise einen \u201eInnovationsfonds\u201c und eine \u201eQualit\u00e4tsoffensive in der Krebsmedizin\u201c. Aber wie das seit Jahren auf Eis liegende Pr\u00e4ventionsgesetz, das Widmann-Mauz  \u201enoch in diesem Jahr zum Abschluss\u201c zu bringen versprach, sind das eher unverbindliche  Ank\u00fcndigungen geblieben. Schlimmer noch: Wenn die Politik wie Widmann-Mauz verspricht, das Gesetz habe diesmal \u201eechte Chancen auf Realisierung\u201c klingt das fast wie Angela Merkels Beteuerung vor einer Ministerentlassung, sie habe vollstes Vertrauen in den jeweiligen Kabinettskollegen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/deutscher-krebskongress-wir-muessen-uns-neu-organisieren-12811219.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/deutscher-krebskongress-wir-muessen-uns-neu-organisieren-12811219.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fchrende Krebsmediziner fordern den Umbau des Gesundheitswesens, um dem \u201eTsunami\u201c an Tumorkrankheiten Herr zu werden. 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