{"id":23240,"date":"2014-02-21T14:00:00","date_gmt":"2014-02-21T14:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23240"},"modified":"2014-02-21T14:00:00","modified_gmt":"2014-02-21T14:00:00","slug":"frauen-in-der-chirurgie-teilzeitarbeit-heist-nicht-wahrend-der-op-das-skalpell-fallen-zu-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23240","title":{"rendered":"Frauen in der Chirurgie: Teilzeitarbeit hei\u00dft nicht, w\u00e4hrend der OP das Skalpell fallen zu lassen"},"content":{"rendered":"<p>Lange gab es Hindernisse f\u00fcr Frauen, die in der Herzchirurgie Karriere machen wollten. Der Beruf wird nur langsam weiblicher. Und noch immer sitzen die Vorurteile tief.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Auch die Herzchirurgen, die Vertreter der medizinischen K\u00f6nigsdisziplin, k\u00f6nnen aus ihrem Hoheitsgebiet Frauen nicht l\u00e4nger ausschlie\u00dfen. Denn der Nachwuchsmangel hinterl\u00e4sst in ihren Reihen besonders gro\u00dfe L\u00fccken. Vorbei sind die Zeiten, da gehuldigte Chef\u00e4rzte aus einer Schar von m\u00e4nnlichen Kandidaten die aussichtsreichsten J\u00fcnger auszuw\u00e4hlen vermochten. K\u00f6rperlich anstrengend und technisch hoch anspruchsvoll, hat die Herzchirurgie generell erheblich an Attraktivit\u00e4t verloren. Denn sie wird den heutigen Vorstellungen einer ausgeglichenen Work-Life-Balance weitaus weniger gerecht als die meisten anderen medizinischen Disziplinen.<\/p>\n<p>Auf ihrer k\u00fcrzlich in Freiburg abgehaltenen Jahrestagung haben die Herzchirurgen dem Thema Nachwuchs daher auch viel Platz einger\u00e4umt und, bislang eine Rarit\u00e4t, auch ihren Kolleginnen h\u00e4ufiger das Podium \u00fcberlassen. Denn es gibt sie: Frauen, die das Fach Herzchirurgie als einen Traumberuf ansehen und sich unbeirrt von den nach wie vor bestehenden Hindernissen hier zu behaupten verm\u00f6gen. Ohne eine geh\u00f6rige Portion Selbstbewusstsein und \u00fcberdurchschnittliches Durchhalteverm\u00f6gen l\u00e4sst sich dies freilich kaum bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<h2>\u201eSie ist ohnehin bald schwanger\u201c<\/h2>\n<p>An beiden Eigenschaften scheint es Kirstin Brehm, Ober\u00e4rztin am Universit\u00e4ts-Herzzentrum Freiburg, nicht zu mangeln. \u201eFrauen wollen meistens doppelt so gut sein wie M\u00e4nner, um nicht als schwach dazustehen\u201c, meint die junge Herzchirurgin, die in nur sechs Jahren den Facharzt absolviert hat. Dass auch M\u00e4nner hierzu meist sehr viel l\u00e4nger ben\u00f6tigten, beruhe auf der Schwierigkeit, im Operationssaal an die Reihe zu kommen. Handle es sich bei dem chirurgischen Lehrling um eine Frau, k\u00e4men mitunter Spr\u00fcche wie \u201eWarum soll ich die ausbilden, die wird doch sowieso bald schwanger\u201c. Insgesamt lasse die praktische Ausbildung erheblich zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Diese sei extrem unstrukturiert und daher wenig planbar.<\/p>\n<p>Auch Heidi Niehaus, Ober\u00e4rztin an der Klinik f\u00fcr Herz- und Gef\u00e4\u00dfchirurgie der Universit\u00e4tsklinik Kiel, z\u00e4hlt zu den wenigen Frauen, die in der bisherigen M\u00e4nnerdom\u00e4ne eine leitende Position innehaben. \u201eMedizin studieren heute zwar mehr Frauen als M\u00e4nner. Und selbst in der Herzchirurgie sind inzwischen 30 Prozent der Assistenz\u00e4rzte weiblichen Geschlechts. Weiter oben beginnt es aber stark zu br\u00f6ckeln\u201c, erkl\u00e4rt die Mutter von zwei kleinen Kindern. Auf Oberarztebene liege der Frauenanteil nur noch bei 10 Prozent. Im Vergleich zu fr\u00fcher sei das freilich ein Fortschritt. So habe sich in den letzten Jahren sich viel bewegt. Anders als M\u00e4nner w\u00fcrden Frauen bei Einstellungsgespr\u00e4chen zwar immer noch &#8211; freilich nicht direkt &#8211; gefragt, wie es um ihre Familienplanung stehe. Eine wachsende Zahl von Kliniken sieht sie zugleich aber bem\u00fcht, jungen M\u00fcttern mit der Einrichtung von Kitas unter die Arme zu greifen.<\/p>\n<h2>Eignet sich die Herzchirurgie f\u00fcr Teilzeitarbeit?<\/h2>\n<p>Dass sich die Herzchirurgie nicht f\u00fcr Teilzeitarbeit eignet, l\u00e4sst Niehaus nicht gelten: \u201eSicherlich, man kann das Messer nicht w\u00e4hrend des Eingriffs fallen lassen. Es gibt jedoch praktikable Konzepte.\u201c Sie selbst arbeite 75 Prozent, von Montag bis Donnerstag, was problemlos funktioniere. Eine Voraussetzung sei freilich, dass die Vorgesetzten viel Verst\u00e4ndnis und guten Willen aufbringen. Das sieht eine weitere Herzchirurgin, Brigitte Osswald von der Klinik f\u00fcr Kardiovaskul\u00e4re Chirurgie am Universit\u00e4tsklinikum D\u00fcsseldorf, etwas anders: \u201eWenn man einmal oben angekommen ist, l\u00e4sst sich ein solches Teilzeitmodell einrichten.\u201c W\u00e4hrend der Ausbildung sei das hingegen nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>In dieser Phase komme das Privatleben meist zu kurz. Denn die unz\u00e4hligen Nachtdienste und langen Arbeitszeiten lie\u00dfen sich hiermit schwer in Einklang bringen. Sie liebe zwar ihren Beruf. \u201eAllerdings braucht man daf\u00fcr schon ein dickes Fell\u201c, fasst sie ihre Erfahrungen zusammen.<\/p>\n<h2>Tiefsitzende Urteile<\/h2>\n<p>Diana Aicher, leitende Ober\u00e4rztin der Thorax-, Herz- und Gef\u00e4\u00dfchirurgie der Universit\u00e4tskliniken des Saarlandes, h\u00e4lt die \u201eAlltagsprobleme einer Herzchirurgin in leitender Funktion\u201c f\u00fcr weitaus weniger problematisch, als der Titel ihres Vortrags suggerierte. Die Schwierigkeiten, denen sie in ihrem Berufsleben begegne, h\u00e4tten weniger mit dem Geschlecht als mit der Profession als solcher zu tun. Zwar lie\u00dfen sich die tiefsitzenden Vorurteile, was geschlechtsspezifische Eigenschaften und Rollen angeht, nicht so leicht aus der Welt schaffen. Und die Herzchirurgie gelte nun einmal als ein typisch m\u00e4nnlicher Beruf. Ob und wie gut man sich hierf\u00fcr eigne, sei allerdings keine Frage des Geschlechts, sondern des Charakters. K\u00f6rperliche und seelische Belastbarkeit geh\u00f6rten zu den wichtigsten Eigenschaften, \u00fcber die man in der Herzchirurgie verf\u00fcgen m\u00fcsse. Es gebe n\u00e4mlich immer wieder Situationen, in denen man schnelle, unter Umst\u00e4nden \u00fcber Leben und Tod bestimmende Entscheidungen treffen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Die nach wie vor gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde, um mehr Frauen f\u00fcr die Herzchirurgie zu begeistern, sieht Aicher in der oft schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Eine wichtige Rolle spiele daneben die geringe Zahl an Frauen in den F\u00fchrungsetagen: Je mehr \u00c4rztinnen hier repr\u00e4sentiert seien, desto eher k\u00e4men weitere nach. Denn laut den Ergebnissen einer Umfrage interessieren sich auch deshalb nur wenige Medizinstudentinnen f\u00fcr die Herzchirurgie, weil es hier an weiblichen Vorbildern mangelt.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/frauen-in-der-chirurgie-teilzeitarbeit-heisst-nicht-waehrend-der-op-das-skalpell-fallen-zu-lassen-12808238.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/frauen-in-der-chirurgie-teilzeitarbeit-heisst-nicht-waehrend-der-op-das-skalpell-fallen-zu-lassen-12808238.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange gab es Hindernisse f\u00fcr Frauen, die in der Herzchirurgie Karriere machen wollten. Der Beruf wird nur langsam weiblicher. 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