{"id":23208,"date":"2014-02-08T18:25:09","date_gmt":"2014-02-08T18:25:09","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23208"},"modified":"2014-02-08T18:25:09","modified_gmt":"2014-02-08T18:25:09","slug":"das-spiel-der-spiele-wird-100-jahre-alt-mensch-argere-dich-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23208","title":{"rendered":"Das Spiel der Spiele wird 100 Jahre alt: Mensch \u00e4rgere Dich nicht!"},"content":{"rendered":"<p>Das Spiel der Spiele wird 100 Jahre alt. Wir haben gelacht, geflucht und voller Freude die P\u00f6ppel umgehauen. Eine pers\u00f6nliche Erinnerung an unz\u00e4hlige Spieleabende.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eines von 90 Millionen findet sich auch bei uns zu Hause. Die alte Kiste von anno dazumal ist immer noch da. Seit genau 100 Jahren gibt es nun in Deutschland schon \u201eMensch \u00e4rgere Dich nicht\u201c, das Spiel der Spiele. Noch immer ist es ein Dauerbrenner. F\u00fcr 100 Jahre und 82 Millionen Einwohner kommt mir die Verkaufszahl dieses Spiele-Schlagers noch nicht einmal besonders hoch vor. Aber die Spielbretter des Verlags \u201eSchmidt Spiele\u201c halten nun mal ein halbes oder ganzes Leben lang oder noch l\u00e4nger.<\/p>\n<p>Und die M\u00e4nnchen, die eigentlich P\u00f6ppel hei\u00dfen, sind selbst dann nicht tot zu kriegen, wenn sie im Eifer des Gefechts mit dem Unterarm eines entnervten Spielers j\u00e4h vom Tisch gefegt werden und in die hinterste Ecke des Wohnzimmers fliegen. Irgendwie findet man sie immer.<\/p>\n<p>Als Kinder haben wir das Brettspiel unendlich oft herausgeholt, bei jeder erdenklichen Gelegenheit. Wahrscheinlich nicht anders, als die drei S\u00f6hne des Spiel-Erfinders Josef Friedrich Schmidt, der seine aus Hutkarton und Holzkl\u00f6tzen gebastelte Idee 1907\/1908 erst einmal in seiner Familie testete. Meine Eltern spielten, Freunde, Cousins und Cousinen, sogar mein Gro\u00dfvater, der eigentlich \u201eM\u00fchle\u201c pr\u00e4ferierte.<\/p>\n<h2>Einfache Regeln, wenig Anspruch<\/h2>\n<p>Er behauptete jedes Mal, bei M\u00fchle w\u00fcrden die strategischen F\u00e4higkeiten des einzelnen deutlich mehr herausgefordert. Als passionierter Schachspieler musste er so denken. Aber da ich mit Spielen immer schon wenig am Hut und auf Schach nie wirklich Lust hatte, blieb es \u00fcber Jahre bei \u201eMensch \u00e4rgere Dich nicht\u201c. Das hat n\u00e4mlich mehrere Vorteile: Die Regeln sind denkbar einfach, und es stellt keine zu hohen Anspr\u00fcche an den Intellekt.<\/p>\n<p>Wenn ich verlor, konnte ich es auf den W\u00fcrfel schieben oder maximal auf die eigene Disziplinlosigkeit, weil ich die gew\u00fcrfelte Sechs mal wieder nicht dazu benutzt hatte, um mehr M\u00e4nnchen aufs Feld zu bringen, sondern um mit dem einzigen L\u00e4ufer in Riesenschritten weiter voranzuziehen. Auch musste man sich nicht wie beim Schach mangelhaftes Abstraktionsverm\u00f6gen eingestehen oder wie beim Skat erkennen, dass man einen grottenschlechten Spieler abgab, weil man nicht in der Lage war, aus einem mittelm\u00e4\u00dfigen Blatt etwas herauszuholen. Das konnten &#8211; aus meiner Sicht &#8211; sowieso immer nur meine Br\u00fcder.<\/p>\n<p>Als kleine Kinder gewannen wir regelm\u00e4\u00dfig gegen die Erwachsenen, so wie bei \u201eMemory\u201c, bis uns irgendwann d\u00e4mmerte, dass wir beim \u201eMemory\u201c wirklich nicht zu schlagen waren, die Siege bei \u201eMensch \u00e4rgere Dich nicht\u201c allerdings dem Wohlwollen der Eltern und Gro\u00dfeltern geschuldet waren. Denen taten wir entweder leid &#8211; als wir ganz klein waren -, oder aber sie hatten schlicht keine Lust, sich nach dem Spiel aufgrund unseres Verdrusses \u00fcber eine kassierte Niederlage noch ein paar Stunden lang beschimpfen zu lassen.<\/p>\n<h2>Je \u00e4lter die Runde, je h\u00e4rter die Schlachten<\/h2>\n<p>Als wir \u00e4lter wurden, kam es zu regelrechten Schlachten auf dem gelben Brett, in denen einer Runde die n\u00e4chste folgte. Und mit jeder Runde gewann das Spiel an Fahrt. Es wurde bald im rasenden Tempo gew\u00fcrfelt, gebr\u00fcllt, geschrien, gelacht. Die Schadenfreude entlud sich mitunter derart hemmungslos, dass selbst derjenige, der sich bei Rausschmissen zun\u00e4chst provokant gelassen gab, nicht mehr an sich halten konnte. Irgendwann verlor auch er die Contenance und schleuderte mit hochrotem Gesicht seinem Killer das schlimme Wort entgegen: Du Ar\u2026!<\/p>\n<p>Das muss auch die Zeit gewesen sein, als wir die Regeln abwandelten, um dem Zufall einer gew\u00fcrfelten Zahl zu noch gemeinerer, heimt\u00fcckischerer Kraft zu verhelfen. Da durften die M\u00e4nnchen die erw\u00fcrfelte Zahl sogar r\u00fcckw\u00e4rts gehen, je nachdem, was f\u00fcr den n\u00e4chsten Rausschmiss opportun erschien. Ob die verwundeten Soldaten des Ersten Weltkriegs \u00e4hnlich findig waren, wissen wir nicht. Aber dass sie spielten, schon. Erfinder Schmidt war auf eine verbl\u00fcffende Marketing-Idee gekommen, die dem anfangs wenig popul\u00e4ren Spiel dann aber zum Durchbruch verhelfen sollte: Er lie\u00df den Kriegsversehrten in den Lazaretten, als er mit seinem Spiel 1914 in die Massenproduktion ging, mehrere tausend Bretter zuschicken. Und die deutschen Soldaten liebten es.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/das-spiel-der-spiele-wird-100-jahre-alt-mensch-aergere-dich-nicht-12792318.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/das-spiel-der-spiele-wird-100-jahre-alt-mensch-aergere-dich-nicht-12792318.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Spiel der Spiele wird 100 Jahre alt. Wir haben gelacht, geflucht und voller Freude die P\u00f6ppel umgehauen. 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