{"id":23072,"date":"2014-02-21T18:29:08","date_gmt":"2014-02-21T18:29:08","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23072"},"modified":"2014-02-21T18:29:08","modified_gmt":"2014-02-21T18:29:08","slug":"stromstose-gegen-die-sucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23072","title":{"rendered":"Stromst\u00f6\u00dfe gegen die Sucht"},"content":{"rendered":"<p>\u00c4rzte haben einem Heroins\u00fcchtigen Dr\u00e4hte ins Gehirn gepflanzt, um ihn zu kurieren. Dem Patienten geht es gut. Ein Vorbild f\u00fcr andere Drogenabh\u00e4ngige?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201eDieses Gef\u00fchl der Freiheit ist einfach nur sch\u00f6n.\u201c Joseph Dorn (Name ge\u00e4ndert) klingt gl\u00fccklich und stolz zugleich. Wenn der 53-J\u00e4hrige nach mehr als drei\u00dfig Jahren regelm\u00e4\u00dfigem Drogenkonsum heute durch K\u00f6ln spaziert und die Abh\u00e4ngigen sieht, die weiterhin Heroin spritzen, rauchen, kaufen oder verkaufen, dann dr\u00e4ngt ihn nichts mehr in dieses Milieu. Das Heroin, seine \u201eK\u00f6nigin aller Drogen\u201c, hat die Macht \u00fcber ihn verloren.<\/p>\n<p>\u201eDer Druck ist komplett weg\u201c, versichert der K\u00f6lner. Vorbei die n\u00e4chtlichen Panikattacken, wenn kein Stoff mehr greifbar war. Endlich vorbei auch das Schlangestehen vor der Suchtarztpraxis, wo Abh\u00e4ngige ihre t\u00e4gliche Methadon-Ration erhalten. Seit Juni 2013 hat er keine Opiate, Morphine oder sonstige Drogen mehr konsumiert.<\/p>\n<h2>Vom Haschisch zum Heroin<\/h2>\n<p>Die Drogenkarriere von Joseph Dorn begann 1978 in einem Jugendzentrum. Zun\u00e4chst rauchte man dort Haschisch. \u201eEs war nicht so gut, dass wir selbstverwaltet waren\u201c, sagt er heute. \u201eDrogen wurden Teil unserer Lebensphilosophie, wir wollten anders sein als die Spie\u00dfb\u00fcrger.\u201c Gerade vollj\u00e4hrig, spritzte er sich erstmals Heroin. Nach zwei Jahren mit eher unregelm\u00e4\u00dfigen \u201eKicks\u201c sp\u00fcrte Dorn an Wochenenden immer h\u00e4ufiger brennendes Verlangen. Die Knochen schmerzten, die Nase lief, die Augen tr\u00e4nten. Erst dachte er an eine Erk\u00e4ltung. Aber dann habe ihn eine Freundin brutal aufgekl\u00e4rt: \u201eDu hast keine Grippe, du hast Entzug. Nimm was, dann geht\u2019s dir gleich besser.\u201c<\/p>\n<p>Gesagt, getan. \u201eVon da an brauchte ich t\u00e4glich meine Dosis.\u201c Weil das viel Geld verschlang, f\u00fchrte Dorn \u00fcber Jahre ein Doppelleben, machte f\u00fcr Geld jeden Drecksjob, legte Schwei\u00dfn\u00e4hte in Kernkraftwerken, r\u00e4umte Verbrennungs\u00f6fen mit Giftschlacken leer. Seine Ehe scheiterte, allein seine Eltern standen weiter in Kontakt zu ihm. Sein Gl\u00fcck war, dass er stets weiter arbeitete, von den Drogen weg wollte, auch vom Methadon, seit Jahren schon. Mehrfach schaffte Dorn den k\u00f6rperlichen Entzug, um dann irgendwann doch wieder dem Suchtverlangen zu erliegen. \u201eDas sitzt tief in der Psyche\u201c, sagt Dorn \u00fcber das unbeschreibliche Heroin-Gef\u00fchl. Man f\u00fchle sich einfach besser, wacher und blende die Folgen komplett aus.<\/p>\n<h2>Signale an das Belohnungssystem<\/h2>\n<p>Dass er nach vielen vergeblichen Anl\u00e4ufen nun doch erfolgreich abstinent lebt, f\u00fchrt Dorn einzig und allein auf ein kleines, unscheinbares Ger\u00e4t in seiner Brust zur\u00fcck. Von dort sendet ein handygro\u00dfer Hirnschrittmacher elektrische Signale direkt in das Belohnungssystem seines Gehirns. \u00c4rzte haben es ihm eingepflanzt, indem sie erst die Sch\u00e4deldecke \u00f6ffneten, um dann winzige Elektroden samt Kabel zu verlegen, die nun die Nervenknoten im linken und im rechten Nucleus accumbens mit sanften Stromst\u00f6\u00dfen stimulieren. In dieser Hirnregion vermuten Forscher eine zentrale Relaisstation der Drogensucht. An diesem Ort brennt sich offenbar das Gef\u00fchl der Abh\u00e4ngigkeit wie ein Engramm ein und kann durch Schl\u00fcsselreize jederzeit reaktiviert werden &#8211; eine fatale Konditionierung, die S\u00fcchtige immer wieder auf die Stra\u00dfe treibt.<\/p>\n<p>Die Idee, eine Drogenabstinenz per Hirnschrittmacher zu unterst\u00fctzen, kam dem Psychiater und Neurologen Jens Kuhn von der Uniklinik K\u00f6ln eher nebenbei. Einer seiner Patienten, der wegen einer unheilbaren Angstst\u00f6rung in Behandlung war, berichtete Erstaunliches. Ihm war, wie anderen Schwerstkranken mit unertr\u00e4glichen Zwangshandlungen, ebenfalls ein Hirnschrittmacher implantiert worden. Manchmal verschafft dieser radikale Eingriff Erleichterung, in seinem Fall aber hatte er versagt. Nur beil\u00e4ufig erw\u00e4hnte der Patient, dass ihm auch das Trinken von Alkohol kein Vergn\u00fcgen mehr verschaffe. Seine Familie best\u00e4tigte das: Der Mann verzichtete seit der Hirn-stimulation auf seinen \u00fcblichen halben Kasten Bier am Abend. Irgendwie hatte er die Lust am Rausch verloren.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/hirnschrittmacher-stromstoesse-gegen-die-sucht-12804116.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/hirnschrittmacher-stromstoesse-gegen-die-sucht-12804116.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00c4rzte haben einem Heroins\u00fcchtigen Dr\u00e4hte ins Gehirn gepflanzt, um ihn zu kurieren. Dem Patienten geht es gut. 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