{"id":23066,"date":"2014-02-20T15:58:15","date_gmt":"2014-02-20T15:58:15","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=23066"},"modified":"2014-02-20T15:58:15","modified_gmt":"2014-02-20T15:58:15","slug":"krebs-ist-der-feind-und-der-feind-soll-zittern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=23066","title":{"rendered":"Krebs ist der Feind, und der Feind soll zittern"},"content":{"rendered":"<p>Am Wochenende ging der der Deutsche Krebskongress zu Ende. Tausende Onkologen kamen. Was k\u00f6nnen sie noch bewirken? Das massenhafte Leid vermehrt sich, das Gegenkonzept heisst jetzt \u201eiKon\u201c.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201eUm jeden Tumor herum gibt es einen Patienten\u201c: kein ganz unwichtiger Hinweis auf der Krebsstation. Ein Arzt hat den denkw\u00fcrdigen Satz auf einen Zettel notiert und auf dem Schreibtisch zur\u00fcck gelassen. Michael Hallek, Chefonkologe an der Universit\u00e4tsklinik K\u00f6ln, hat ihn entdeckt und den Merksatz mit in die Berliner Messe-S\u00fcd gebracht, wo sich in dieser Woche Tausende Krebsmediziner und -forscher auf ihrem Jahreskongress treffen, um sich so etwas wie einen Schwarmgeist abzuholen.<\/p>\n<p>Es geht um eine neue Illusion: den gr\u00f6\u00dften und gewiss boshaftesten nat\u00fcrlichen Feind unserer Unverwundbarkeitsphantasien niederzuringen. Der Krebs ist in dieser Hinsicht gnadenlos &#8211; jeder Zweite von uns muss damit rechnen, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter an einem Tumor zu erkranken, jeder vierte Mann und jede f\u00fcnfte Frau sterben den Tod durch Krebs. Nicht erst, seit die Weltgesundheitsorganisation k\u00fcrzlich eine Schockwelle durch die Medien geschickt und die Prognosen f\u00fcr die Krebsh\u00e4ufigkeit von heute vierzehn Millionen Patienten auf 21 Millionen im Jahr 2030 taxiert hat, sp\u00fcren alle diese Ohnmacht. Jeder kennt in seinem pers\u00f6nlichen Umfeld Opfer. Aus der stillen Krankheit, an der die Menschen nachgewiesenerma\u00dfen seit mehr als viertausend Jahren herumdoktern und verzweifeln, ist ein lautes Leiden, eine \u00f6ffentliche Gei\u00dfel geworden.<\/p>\n<p>Genauso laut und sichtbar will die Krebsmedizin dagegenhalten. Wer sie beobachtet, wie sie \u00fcber den Krebs sprechen und was sie aufbieten, die Schulmediziner und Alternativheiler, die Pharmakologen und die Genforscher, der kann nur zu einem Schluss kommen: Die Menschheit ist im Widerstand. Und der Widerstand w\u00e4chst. Man hat sich vorgenommen, den Krebs zu besiegen. Keiner sagt das heute mehr so, denn keiner will in die Fu\u00dfstapfen des amerikanischen Pr\u00e4sidenten Nixon und seines Kongresses treten, die vor vierzig Jahren mit dem Sieg \u00fcber den Krebs geprahlt haben, so dass sich noch zwei Generationen nachher die Onkologie als Wortbrecher verteidigen muss.<\/p>\n<p>Aber alle im Heilgewerbe machen sich solche Gedanken, viele sch\u00fcren Hoffnungen. Der Pr\u00e4sident der Deutschen Krebsgesellschaft, Wolff Schmiegel, einer der angesehensten Tumorexperten im Land, peitscht seine Widerstandstruppen dazu auch gerne mal auf: Er spricht in Berlin wieder und wieder vom \u201eTsunami an Krebserkrankungen\u201c, der \u00fcber die Menschheit rollt, von Krebszunahmen sogar bei Kindern und von den 126 Milliarden Euro Krankheitskosten, die Europa im Jahr an Reparaturzahlungen und R\u00fcstungsausgaben aufzubringen habe.<\/p>\n<p>Die Gr\u00f6\u00dfe der medizinischen Aufgabe, das ist unbestreitbar, hat die Gesellschaften und die Politik durchdrungen. Der Nationale Krebsplan in Deutschland etwa, ein von Forschungs- und F\u00f6rderorganisationen vor sechs Jahren angesto\u00dfenes und dem Bundesministerium durch einen \u201egesundheitspolitischen Umsetzerkreis\u201c willig bef\u00f6rdertes Projekt, wird die n\u00e4chsten Jahre Dutzende Millionen Euro aus den gesetzlichen Kassen ben\u00f6tigen, bis man erkennen kann, ob die l\u00fcckenlose Datenerfassung jeder Krebskrankengeschichte in Krebskregistern und die immer st\u00e4rker ausgebauten Fr\u00fcherkennungsprogramme den erhofften Nutzen bringen.<\/p>\n<p>Aber genauso ist jedem der kampfbereiten Krebsmediziner l\u00e4ngst auch klar: Die Gr\u00f6\u00dfe der Aufgabe w\u00e4chst mit jedem Wissen ein St\u00fcck mehr. Alles wird komplizierter, und der Blick zur\u00fcck ist geeignet, bei den onkologischen Kriegsherren einen kalten Schauer hervorzurufen. Als Rudolf Virchow mit den Anf\u00e4ngen seiner Zellularpathologie in Berlin die Grundlagen f\u00fcr die heute vorherrschende naturwissenschaftliche Lehre legte (Ende des neunzehnten Jahrhunderts), waren als Todesursachen 44 Krankheiten bekannt. Im Jahr 1900 waren es 174 Indikationen, zur Jahrtausendwende f\u00fchrte der ICD-10-Code der \u00c4rzte 68 000 Krankheiten, 2012 sind wir bei 120 000 unterschiedlichen Diagnosen. Und das pathologische Dickicht wuchert in der Onkologie besonders stark: Mehr als zweihundert Krebsarten werden heute formal unterschieden, doch die Entschl\u00fcsselung der Krebsgenome hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass buchst\u00e4blich jeder Patient, vermutlich sogar jeder einzelne Tumor im K\u00f6rper, eigene \u201egenetische Signaturen\u201c, sprich: krankmachende Mutationen aufweist.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/medizin-am-limit-krebs-ist-der-feind-und-der-feind-soll-zittern-12812409.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/medizin\/medizin-am-limit-krebs-ist-der-feind-und-der-feind-soll-zittern-12812409.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Wochenende ging der der Deutsche Krebskongress zu Ende. Tausende Onkologen kamen. Was k\u00f6nnen sie noch bewirken? 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