{"id":22817,"date":"2014-02-13T09:41:00","date_gmt":"2014-02-13T09:41:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=22817"},"modified":"2014-02-13T09:41:00","modified_gmt":"2014-02-13T09:41:00","slug":"schutzt-der-glaube-vor-depression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=22817","title":{"rendered":"Sch\u00fctzt der Glaube vor Depression?"},"content":{"rendered":"<p>Wer gl\u00e4ubig ist, wird seltener depressiv &#8211; das gilt sogar f\u00fcr Menschen mit hohem genetischem Risiko, belegt eine neue Studie.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wem religi\u00f6se oder spirituelle Inhalte in seinem Leben wichtig sind, der wird seltener von Depressionen heimgesucht \u2013 selbst dann, wenn eigentlich ein sehr hohes Risiko zu erkranken besteht. Dabei z\u00e4hlt nicht, wie viele Gottesdienste die Betreffenden besuchen, sondern welche Bedeutung der Religion beigemessen wird. Ein Forscherteam aus Psychiatern und Neurowissenschaftlern um Myrna Weissmann von der Columbia University in New York schlussfolgert dies aus Hirnscans von 103 Personen, von denen ein Teil extrem anf\u00e4llig f\u00fcr Depressionen war. Diese Teilnehmer entstammen bereits in erster oder zweiter Generation einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe von Familien, deren Lebensweg seit nunmehr drei\u00dfig Jahren begleitet wird (\u201eJAMA Psychiatry\u201c, Bd.71 (2), S.128).<\/p>\n<p>Als risikobehaftet galt, wessen Eltern schon Depressionen hatten. Hochgef\u00e4hrdet waren vor allem jene, deren Gro\u00dfeltern ebenfalls bereits depressiv waren. Warum sich Psychiater gerade diese Gruppe f\u00fcr ihren Vergleich w\u00e4hlten, erkl\u00e4ren sie in derselben Fachzeitschrift (S.136). Es geht ihnen darum herauszufinden, welche Faktoren oder Lebensumst\u00e4nde gegen\u00fcber Depressionen resilient machen, woher die Widerstandsf\u00e4higkeit mancher Menschen kommt. An gesunden, ungef\u00e4hrdeten Probanden l\u00e4sst sich weniger klar erkennen, was davor sch\u00fctzt. Aber jene, die eigentlich krank werden m\u00fcssten, weil sie genetisch belastet sind, offenbaren eher, wodurch sie vor dem Ausbruch des Leidens bewahrt bleiben. Insbesondere bei den Gl\u00e4ubigen fiel auf, dass bestimmte Regionen der Hirnrinde, des Kortex, sich in der Magnetresonanztomografie dicker darstellten als bei Teilnehmern, denen Religion nichts bedeutete. In der Langzeitstudie hatte sich fr\u00fcher schon gezeigt, dass die Nachkommen depressiver Eltern ein um neunzig Prozent vermindertes Risiko hatten, in den n\u00e4chsten zehn Jahren selbst depressiv zu werden, sofern sie sich als gl\u00e4ubig oder spirituell bezeichneten. Jetzt lassen sich beide Beobachtungen miteinander verkn\u00fcpfen: Wenn hochgef\u00e4hrdete Patienten religi\u00f6s sind und bestimmte Kortexverdickungen aufweisen, werden sie seltener krank als jene, bei denen das nicht der Fall ist.<\/p>\n<h2>Glaube als Schutzfaktor<\/h2>\n<p>Die Wissenschaftler m\u00f6chten nicht missverstanden werden, man habe keineswegs \u201eReligion\u201c im Gehirn verorten wollen, schreiben sie. Es geht hier auch nicht um Kausalit\u00e4t, sondern zun\u00e4chst um statistische Korrelationen. Gleichwohl st\u00fctzen diese aktuellen Befunde die immer besser fundierte These, dass der Glaube f\u00fcr die Psyche einen Schutzfaktor darstellt. Beeinflusst von der Psychoanalyse, hatten Psychiater Religion lange Zeit vielmehr als Ursache von Neurosen, etwa verklemmter Sexualit\u00e4t, in Verdacht. Auch die Publizit\u00e4t der Missbrauchsf\u00e4lle innerhalb der Kirchen tr\u00e4gt dazu bei, krankhafte Neigungen mit Religion in Verbindung zu bringen.<\/p>\n<p>Derart spektakul\u00e4re F\u00e4lle lassen aber die inzwischen gro\u00dfe Zahl von Studien \u00fcbersehen, die gl\u00e4ubigen Menschen eine besonders robuste Psyche attestieren. Deren Ergebnisse hat unl\u00e4ngst Harold G. Koenig zusammengetragen und gezeigt, dass manche Klischees zu Unrecht kursieren (\u201eISRN Psychiatry\u201c, doi:10.5402\/2012\/278730). So besitzen Gl\u00e4ubige \u2013 entgegen der landl\u00e4ufigen Vermutung, bestimmte Glaubensrichtungen w\u00fcrden massive Schuldgef\u00fchle sch\u00fcren und damit das Selbstbild demolieren \u2013 ein eher ausgepr\u00e4gtes Selbstwertgef\u00fchl. Nicht nur im Hinblick auf viele andere psychische Parameter, auch was die k\u00f6rperliche Gesundheit angeht, schneiden sie gut ab. Das wird auf die Sinnstiftung durch den Glauben, stabilisierende religi\u00f6se Rituale und den Wert sozialer Bindungen zur\u00fcckgef\u00fchrt. In jedem Fall, so lautet das Fazit vieler dieser Arbeiten, gelte es, den gesundheitsf\u00f6rdernden, salutogenen Effekten von Glaube und Religion mehr Forschungsinteresse zu widmen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/resilienz-schuetzt-der-glaube-vor-depression-12794604.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/resilienz-schuetzt-der-glaube-vor-depression-12794604.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer gl\u00e4ubig ist, wird seltener depressiv &#8211; das gilt sogar f\u00fcr Menschen mit hohem genetischem Risiko, belegt eine neue Studie.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[532,429],"tags":[2890,416],"class_list":["post-22817","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-mensch-gene","category-wissen","tag-columbia-university","tag-new-york"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22817","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22817"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22817\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22817"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22817"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22817"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}