{"id":22705,"date":"2014-02-10T08:30:00","date_gmt":"2014-02-10T08:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=22705"},"modified":"2014-02-10T08:30:00","modified_gmt":"2014-02-10T08:30:00","slug":"wer-pflegt-die-oma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=22705","title":{"rendered":"Wer pflegt die Oma?"},"content":{"rendered":"<p>Die einen bilden aus, die anderen werben an. Auf die Frage, wo dringend ben\u00f6tigte Altenpflege-Fachkr\u00e4fte herkommen sollen, geben die Heimbetreiber unterschiedliche Antworten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ignacio Rodr\u00edguez \u00dabeda hat es in der Wetterau nicht gefallen. Nicht so sehr jedenfalls, um dort auf Dauer in einem Seniorenheim zu arbeiten. Der Spanier hat Hessen deshalb wieder verlassen und ist in seine Heimat zur\u00fcckgekehrt. Vor fast genau einem Jahr kam \u00dabeda am Frankfurter Flughafen an und wurde empfangen wie ein Popstar. Schlie\u00dflich sollte er helfen, den Mangel an Altenpflegern zu beheben. Wenige Monate sp\u00e4ter reiste er wieder ab. Der Liebe wegen. Die meisten der knapp 50Spanier, die das Land mit der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit und weiteren Partnern f\u00fcr hessische Pflegeheime angeworben hatte, sind hingegen geblieben, zwei auch in Frankfurt.<\/p>\n<p>Ohnehin ist die Stadt eine Art Versuchslabor f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Fachkr\u00e4fte-Mangels in der Pflegebranche. Au\u00dfer den Spaniern arbeiten in hiesigen Heimen nun auch die ersten chinesischen Gastpflegerinnen. Die ersten f\u00fcnf haben vor wenigen Wochen ihren Dienst angetreten. Jene 150, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen sollen, bilden wom\u00f6glich nur einen Anfang.<\/p>\n<h2>Gesetzliche Fachkraftquote von 50 Prozent<\/h2>\n<p>Die beiden erw\u00e4hnten Spanier arbeiten in einem Heim des Frankfurter Verbands. Der Vorstand des stadtnahen Heimbetreibers glaubt aber nicht, dass die massenhafte Anwerbung ausl\u00e4ndischer Kr\u00e4fte den Mangel an Fachkr\u00e4ften beheben kann. \u201eWir machen das nur in hom\u00f6opathischen Dosen\u201c, sagt Fr\u00e9d\u00e9ric Lauscher. Der Aufwand f\u00fcr Sprachkurse, Fortbildungen und die Anerkennung der ausl\u00e4ndischen Abschl\u00fcsse sei derzeit sehr gro\u00df. Von je weiter her die Fachkr\u00e4fte k\u00e4men, desto gr\u00f6\u00dfer seien die sprachlichen und kulturellen Barrieren.<\/p>\n<p>Die Situation in deutschen Pflegeheimen unterscheidet sich in zweierlei Hinsicht von der in anderen L\u00e4ndern. Einerseits schreibt der Gesetzgeber eine Fachkraftquote von 50 Prozent auf den Stationen vor. Das hei\u00dft, dass auf eine Pflegehilfe ein ausgebildeter Pfleger kommen muss. Zum Zweiten gibt es in anderen L\u00e4ndern keine Ausbildung, die der hiesigen zum Altenpfleger entspricht. Die f\u00fcnf chinesischen Pflegerinnen, die seit wenigen Wochen in einem Heim der privaten Curanum-Gruppe arbeiten, haben in ihrer Heimat eine Krankenpfleger-Schule besucht und mussten sich nun auf die Altenpflege spezialisieren.<\/p>\n<h2>Fokus auf Europ\u00e4er<\/h2>\n<p>Lauscher h\u00e4lt es zudem nicht f\u00fcr sinnvoll, Kr\u00e4fte aus L\u00e4ndern anzuwerben, die selbst zu wenig ausgebildete Pfleger haben. Dies sei in China aber aus seiner Sicht der Fall, w\u00e4hrend Spanien zurzeit eher einen \u00dcberschuss an Fachkr\u00e4ften habe. Gerade sei er in Verhandlungen mit einem Partner in der Slowakei. Aber auch bei dieser Kooperation gehe es allenfalls um die Anwerbung von zwei oder drei Arbeitskr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Die Kooperation mit Spanien will das Sozialministerium nicht ausbauen, wie es im hessischen Sozialministerium hei\u00dft. Auch eine Suche au\u00dferhalb Europas sei bisher nicht angedacht, sagt eine Sprecherin von Sozialminister Stefan Gr\u00fcttner (CDU). Zwar sei jeder Zuzug von willigen und f\u00e4higen Pflegern ein Gewinn. \u201eWir in Hessen setzen aber unseren Fokus auf den EU-Raum, weil wir meinen, hier gr\u00f6\u00dfere Chancen zu haben, die Menschen l\u00e4ngerfristig in Hessen zu halten\u201c, sagt die Sprecherin. Von den 46 Spaniern seien drei nach Hause zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<h2>Weiterbildung von Pflegehelfern f\u00f6rdern<\/h2>\n<p>Die Landesregierung versucht derzeit vor allem, die Ausbildung voranzutreiben. In den vergangenen f\u00fcnf Jahren lag die Zahl der Absolventen von Pflegeschulen zum ersten Mal \u00fcber 5000. Seit 2008 ist sie um 2000 gestiegen.<\/p>\n<p>Was hessenweit funktioniert, versuchen Lauscher und sein Frankfurter Verband im Kleinen. Noch gebe es ungenutzte Potentiale, sagt er, etwa in der Weiterbildung von Pflegehelfern. \u201eAiqua\u201c nennt sich ein Projekt, dass der Frankfurter Verband mit der Werkstatt Frankfurt betreibt. Die Abk\u00fcrzung steht f\u00fcr \u201earbeitsintegrierte Qualifizierung in der Altenpflege\u201c. Sie richtet sich an Angestellte, die schon in den Heimen arbeiten und nun nebenbei die Ausbildung zur Fachkraft absolvieren k\u00f6nnen. \u201eWir haben noch viele un- und angelernte Arbeitskr\u00e4fte, die wir zu einer Ausbildung motivieren k\u00f6nnen\u201c, meint Lauscher. Nur m\u00fcsse man die verschiedenen Gruppen richtig ansprechen.<\/p>\n<p>Einen \u00e4hnlichen Weg gehen die Malteser. Sie bieten auch in Frankfurt die M\u00f6glichkeit, sich zum \u201ekultursensiblen\u201c Pflegehelfer ausbilden zu lassen. Der Kurs dauert sechs Monate und enth\u00e4lt vor allem Sprachkurse. Die Teilnehmer sollen aber auch erfahren, wie verschiedene Kulturen mit den Themen Altern und Pflegebed\u00fcrftigkeit umgehen. Er richtet sich vornehmlich an Lernwillige mit ausl\u00e4ndische Wurzeln, die schon l\u00e4nger in Deutschland leben.<\/p>\n<p>In wenigen Berufen finden ausgebildete Kr\u00e4fte derzeit so leicht eine Anstellung wie in der Pflegebranche. Wenn er extern suchen m\u00fcsste, w\u00fcrde er wohl niemanden finden, sagt Lauscher. Der Markt sei schlicht leergefegt. Lauscher ist aber in einer Lage, von der andere Heimbetreiber nur tr\u00e4umen k\u00f6nnen: Er kann ausw\u00e4hlen, wen er einstellt. Der Frankfurter Verband hat eine eigene Pflegeschule und das Projekt \u201eAiqua\u201c. Jedes Jahr schlie\u00dfen mehr als hundert Pfleger die verschiedenen Ausbildungen ab, und damit mehr als Lauscher einstellen muss. Doch dieser Luxus wird nicht von Dauer sein. Das Angebot an Fachkr\u00e4ften in Deutschland sei endlich und eine \u201ePensionierungswelle\u201c stehe bevor, sagt Lauscher. \u201eOhne Zuwanderung wird es nicht gehen, weder f\u00fcr uns noch f\u00fcr Unternehmen in anderen Branchen.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/fachkraeftemangel-in-heimen-wer-pflegt-die-oma-12793183.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/familie\/fachkraeftemangel-in-heimen-wer-pflegt-die-oma-12793183.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die einen bilden aus, die anderen werben an. 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