{"id":22452,"date":"2014-02-05T06:30:15","date_gmt":"2014-02-05T06:30:15","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=22452"},"modified":"2014-02-05T06:30:15","modified_gmt":"2014-02-05T06:30:15","slug":"keine-geilen-kampagnen-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=22452","title":{"rendered":"Keine geilen Kampagnen mehr"},"content":{"rendered":"<p>In einem beeindruckenden Tempo ist Sebastian Kurz von der Witzfigur zum Hoffnungstr\u00e4ger der \u00d6VP aufgestiegen. Als Au\u00dfenminister hat der 27 Jahre alte \u00d6sterreicher nun die Ernsthaftigkeit f\u00fcr sich entdeckt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sebastian Kurz ist ein H\u00e4ndesch\u00fcttler. Ob es ihm noch unbekannte Mitarbeiter sind oder die Catering-Service-Kolonne im Ministerium, der Pf\u00f6rtner, der Wachmann, der Journalist, ein Botschafter des eigenen Landes: Wer ihm in die Reichweite ger\u00e4t, dem wendet er sich zu, l\u00e4chelt h\u00f6flich, beugt leicht den R\u00fccken, ergreift die Hand. Es ist die Art eines Politikers beim Netzwerkkn\u00fcpfen, nicht eines ministerialen Vorgesetzten. Die Vertreterin eines benachbarten kleinen Landes tippt er in einer diplomatisch ungew\u00f6hnlichen, aber entwaffnend herzlichen Weise von hinten an, um, nat\u00fcrlich, auch ihre Hand zu sch\u00fctteln.<\/p>\n<p>Dann blickt er in den Saal, der sich z\u00fcgig mit einer Hundertschaft von Botschaftern samt ihren Adlaten gef\u00fcllt hat, und wer wei\u00df, was noch geschehen w\u00e4re, wenn jetzt nicht ein Herr mit der leicht kehligen Klangf\u00e4rbung eines Eidgenossen durchs Mikrofon dazu aufriefe, Platz zu nehmen, damit die 982. Plenarsitzung des St\u00e4ndigen Rats der Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beginnen kann. \u201eMit besonderer Freude\u201c begr\u00fc\u00dft der Vorsitzende als heutigen Ehrengast den neuen Au\u00dfenminister der Republik \u00d6sterreich: Sebastian Kurz.<\/p>\n<p>Seit gut sechs Wochen bekleidet der Politiker der \u00d6sterreichischen Volkspartei (\u00d6VP) dieses Amt, und an zu sch\u00fcttelnden H\u00e4nden hat es nicht gefehlt. Sechs Auslandsreisen hat er in dieser Zeit bereits unternommen, darunter nach Br\u00fcssel, wo er sich beim Ministerrat s\u00e4mtlichen Amtskollegen in der Europ\u00e4ischen Union vorstellen konnte, und nach Berlin. Die Resonanz war beachtlich. Welcher Au\u00dfenminister eines kleineren europ\u00e4ischen Partners wird schon beim Antrittsbesuch in Deutschland in den Hauptnachrichten im Fernsehen ebenso wie im verbreitetsten Boulevardblatt interviewt? Der Grund f\u00fcr die allgemeine Neugier ist schlicht sein Alter. Kurz ist erst 27.<\/p>\n<h2>Er beobachtet mit Neugier<\/h2>\n<p>Der neue Au\u00dfenminister wei\u00df, dass jeder das wei\u00df. Er versucht nicht, diesem Thema auszuweichen, sondern geht offensiv und scherzhaft damit um. \u201eIch versichere Ihnen, dass nicht jeder in der neuen \u00f6sterreichischen Regierung so jung ist\u201c, sagt er den versammelten OSZE-Botschaftern. Bei den EU-Kollegen hat er das schon einmal mit Erfolg angebracht. Es ist ein Auflockerungsversuch in einer stark von Ritualen gepr\u00e4gten Runde. Nach ihm spricht der amerikanische Vertreter, darauf nat\u00fcrlich der Russe. Sp\u00e4ter spricht der Aserbaidschaner, dann hat nat\u00fcrlich auch der Armenier etwas zu sagen. Kurz wird auf diese Spielchen vorbereitet worden sein. Er beobachtet sie mit Neugier, w\u00e4hrend \u00c4lteren schon bald die Augen zufallen zu wollen scheinen.<\/p>\n<p>Als w\u00e4hrend der Koalitionsverhandlungen der Kanzlerpartei SP\u00d6 und der \u00d6VP das Ger\u00fccht aufkam, Kurz k\u00f6nnte als Au\u00dfenminister vorgesehen sein, damit der \u00d6VP-Vorsitzende Michael Spindelegger als Vizekanzler in das Finanzressort wechseln k\u00f6nne, war erst einmal allerlei Knirschen zu vernehmen. \u00dcber kopfsch\u00fcttelnde Botschafter und aufgeregte Sektionschefs wurde berichtet: Er hat ja noch nicht mal sein Jurastudium abgeschlossen! Inzwischen attestieren ihm altgediente Diplomaten, er mache seine Sache sehr professionell, sei lernf\u00e4hig und lernwillig. Der Glanz, der von diesem Interesse ausgeht, f\u00e4llt auch auf das Haus, das dies dankbar aufnimmt. Spindelegger, in die Machtk\u00e4mpfe seiner Partei verstrickt, hatte seinen Diplomaten nicht immer den Eindruck vermittelt, als interessiere er sich wirklich f\u00fcr ihre au\u00dfenpolitischen Agenden.<\/p>\n<p>Seine erste kleine politische Krise hat Kurz gerade gl\u00fccklich bew\u00e4ltigt. Eine junge Frau aus Wien, die in Dubai eine Vergewaltigung angezeigt hatte, war pl\u00f6tzlich selbst in dem arabischen Land von einer Anklage wegen au\u00dferehelichen Geschlechtsverkehrs bedroht. Botschaft und Konsularabteilung stellten Rechtsbeistand und suchten nach diskreten M\u00f6glichkeiten, die Frau aus dem Land holen. Letzte Woche schwoll pl\u00f6tzlich eine Online-Petition zur Freilassung der Frau mit 260.000 Unterzeichnern zu einer Druckwelle an. Das Au\u00dfenministerium glaubte reagieren zu m\u00fcssen, damit die Boulevard-Schlagzeilen nicht lauteten, Kurz lege die H\u00e4nde in den Scho\u00df. Daraufhin machte man \u00f6ffentlich, dass ein Krisenteam bereits entsandt worden sei. Das war w\u00e4hrend laufender Verhandlungen ziemlich riskant. Doch die Sache ging gl\u00fccklich aus. Am Donnerstagabend konnte Kurz die Frau am Flughafen Wien-Schwechat in Empfang nehmen, machte aber nicht viel Aufhebens darum.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/oesterreichs-junger-aussenminister-keine-geilen-kampagnen-mehr-12783596.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/oesterreichs-junger-aussenminister-keine-geilen-kampagnen-mehr-12783596.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem beeindruckenden Tempo ist Sebastian Kurz von der Witzfigur zum Hoffnungstr\u00e4ger der \u00d6VP aufgestiegen. 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