{"id":22340,"date":"2014-02-02T15:09:43","date_gmt":"2014-02-02T15:09:43","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=22340"},"modified":"2014-02-02T15:09:43","modified_gmt":"2014-02-02T15:09:43","slug":"im-land-des-lachelns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=22340","title":{"rendered":"Im Land des L\u00e4chelns"},"content":{"rendered":"<p>Vor den Cannabis-L\u00e4den in Colorado stehen die Leute Schlange. In der Branche herrscht Goldgr\u00e4berstimmung &#8211; sogar Steuern werden gern gezahlt. Ganz Amerika soll lernen, dass Legalisieren sich lohnt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Brian Ruden hat seine Erntehelfer einbestellt. Seit der Fr\u00fch sitzen sie zu f\u00fcnft im Hinterzimmer und rupfen Bl\u00e4tter von frisch geschnittenen Hanfpflanzen. Rund eine Stunde braucht einer f\u00fcr ein einziges Gew\u00e4chs, bis nur noch die Knospen an den Stengeln h\u00e4ngen. Geredet wird wenig, manche h\u00f6ren Musik \u00fcber Ohrenst\u00f6psel. Sie m\u00fcssen bei der Sache bleiben, denn jedes \u00fcbersehene Bl\u00e4ttchen k\u00f6nnte das Trocknen der Bl\u00fctenst\u00e4nde verz\u00f6gern und damit deren planm\u00e4\u00dfige Verwandlung in gr\u00e4uliche, br\u00f6selige, wohlriechende \u201ebuds\u201c.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite der Stahlt\u00fcr verkauft Ruden drei Gramm Marihuana f\u00fcr 60 Dollar inklusive Steuern. Das ist fast ein Schn\u00e4ppchen dieser Tage in Denver. Viele Mitbewerber haben seit der Cannabis-Freigabe an Neujahr ihre Preise hochgeschraubt, weil die Nachfrage so gro\u00df ist. Ruden will die Kunden lieber dauerhaft an seinen Laden Starbuds binden. Die Kasse stimmt auch so.<\/p>\n<h2>Gummib\u00e4rchen, Gelatine-Himbeeren und Pralinen<\/h2>\n<p>Es ist sp\u00e4ter Nachmittag, und die drei Verk\u00e4ufer haben gut zu tun. Die \u00e4lteren Herrschaften, die mit leuchtenden Augen in den gr\u00fcn get\u00fcnchten Verkaufsraum kommen und von ihren Pot-Abenteuern damals im College erz\u00e4hlen, werden jetzt weniger. Stattdessen winkt der T\u00fcrsteher Berufspendler durch, die sich f\u00fcr den Feierabend eindecken. Die meisten wollen sich Joints bauen. Ruden bietet zehn Sorten \u201eGras\u201c an. Nach der Schnupperprobe lassen sich Kenner besonders gern aus dem Glas mit der Aufschrift \u201eTodesstern\u201c bedienen: kr\u00e4ftig und erdig, mit einem Hauch von Salbei.<\/p>\n<p>Es kommen aber auch Nichtraucher und Unerfahrene, deren Augen oft an den S\u00fc\u00dfwaren h\u00e4ngen bleiben. Nichts unterscheidet die abgepackten Gummib\u00e4rchen, Gelatine-Himbeeren oder Pralinen auf den ersten Blick vom Angebot im Supermarkt. Futtert man ein 20-Dollar-T\u00fctchen leer, hat man aber 100 Milligramm Tetrahydrocannabinol im K\u00f6rper \u2013 so viel, wie in vier bis acht Joints steckt. Darauf kann man sich verlassen in Colorado. So steht es im Gesetz.<\/p>\n<p>Damit kennt Ruden sich aus, denn er ist Anwalt. Eigentlich. H\u00e4tte ihm vor f\u00fcnf Jahren jemand in seiner Kanzlei prophezeit, dass er sich bald mit Bew\u00e4sserung, D\u00fcnger und Umtopfpl\u00e4nen herumschlagen w\u00fcrde, \u201eden h\u00e4tte ich ausgelacht\u201c. Wie viele Amerikaner st\u00f6rte sich Ruden seit langem daran, dass Kiffer ins Gef\u00e4ngnis gesteckt werden und dass dies mit ziemlich hohen Kosten verbunden ist.<\/p>\n<p>Gest\u00f6rt hat ihn aber auch, dass die volle H\u00e4rte des Gesetzes dabei vor allem Schwarze und Latinos trifft. Aber er verstand sich nie als Aktivist, und er h\u00e4tte sich auch nie das Standardwerk \u201eMarijuana Horticulture: The Medical Grower\u2019s Bible\u201c gekauft, wenn er nicht ein gro\u00dfes Gesch\u00e4ft gewittert h\u00e4tte \u2013 die Geburt einer neuen Branche, eine Wildwest-Bonanza im 21. Jahrhundert. Ruden investierte seine Ersparnisse. \u201ePrivat gab ich nur das N\u00f6tigste aus, alles Geld floss ins Gesch\u00e4ft.\u201c Das war noch vor dem Referendum Ende 2012, als die B\u00fcrger ihr Recht auf Rausch in der Verfassung von Colorado verankerten.<\/p>\n<h2>Drei Gramm pro Kunde und Tag<\/h2>\n<p>Die Einnahme von Marihuana auf \u00e4rztliches Rezept war hier schon seit dem Jahr 2000 straffrei, und vor einigen Jahren hatten die Beh\u00f6rden begonnen, die im Wildwuchs entstandene Branche zu b\u00e4ndigen. Auch bei Starbuds prangt auf dem Firmenschild das gr\u00fcne Kreuz, das mehr an eine Apotheke als an einen Amsterdamer Koffieshop erinnert. Doch seit er vor wenigen Wochen auch die Lizenz zum allgemeinen Verkauf erhielt, bedient Ruden f\u00fcnfmal so viele Kunden und verkauft seine Ware zum doppelten Preis. Laut Gesetz d\u00fcrfte er jedem Kunden aus Colorado eine ganze Unze verkaufen, aber f\u00fcrs Erste ist Schluss bei \u201eeinem Achtel\u201c: Gut drei Gramm pro Kunde und Tag m\u00fcssen reichen. \u201eSonst st\u00fcnden wir l\u00e4ngst vor leeren Regalen.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/amerika\/legalisierung-von-marihuana-im-land-des-laechelns-12781568.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/amerika\/legalisierung-von-marihuana-im-land-des-laechelns-12781568.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor den Cannabis-L\u00e4den in Colorado stehen die Leute Schlange. In der Branche herrscht Goldgr\u00e4berstimmung &#8211; sogar Steuern werden gern gezahlt. 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