{"id":22322,"date":"2014-01-29T22:12:45","date_gmt":"2014-01-29T22:12:45","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=22322"},"modified":"2014-01-29T22:12:45","modified_gmt":"2014-01-29T22:12:45","slug":"ein-viertel-vom-anderen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=22322","title":{"rendered":"Ein Viertel vom \u201eAnderen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Da kommt einiges zusammen: Die amour\u00f6sen Verbindungen von Neandertaler und modernem Menschen haben genetisch doch mehr Spuren hinterlassen als man dachte. Was ist uns geblieben vom Urmenschen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dass Homo sapiens und Homo neanderthalensis sich einst sehr nahe kamen, ist l\u00e4ngst kein Geheimnis mehr. Es konnte nicht verborgen bleiben, dass sie gemeinsam Kinder zeugten, denn die Spuren finden sich noch heute in unserem Erbgut: in den Chromosomen der Menschen europ\u00e4ischer und asiatischer Abstammung. Wie viele  Erbinformationen  uns der Steinzeit-Sex   nachweislich bescherte, haben jetzt zwei wissenschaftliche Publikationen in \u201eNature\u201c und \u201eScience\u201c zu kl\u00e4ren versucht. Diesen aktuellen Studien zu Folge blieben zwanzig bis drei\u00dfig Prozent des genetischen Neandertaler-Erbes erhalten &#8211; wenn man die unterschiedlichen auf alle modernen Menschen verteilten Sequenzschnipsel aufaddiert. Im Durchschnitt besitzt jeder einzelne nur wenige Prozent davon, Asiaten wiederum etwas mehr als Europ\u00e4er.<\/p>\n<p>Die Vermischung hat erst stattgefunden, nachdem der moderne Mensch seinen Weg aus Afrika fand, und sie liegt h\u00f6chstens 90.000 Jahre zur\u00fcck. Sp\u00e4te Auswanderer trafen damals auf entfernte Verwandte, die sich im Verlauf der Jahrtausende bereits an die anderen Lebensbedingungen anpassen konnten. Seitem das Team um Svante P\u00e4\u00e4bo vom Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie in Leipzig  angefangen hat, DNA aus uralten Knochen zu gewinnen, sind  direkte Vergleiche m\u00f6glich &#8211; zwischen den Sequenzen heute lebender Menschen und  Vertretern des inzwischen ausgestorbenen Zweigs unseres Stammbaums.<\/p>\n<p>Die Daten lassen zunehmend pr\u00e4zisere Interpretationen zu, und in \u201eNature\u201c berichten nun P\u00e4\u00e4bo, David Reich, Sriram Sankararaman und ihre Kollegen, dass  das archaische Erbe zum Beispiel besonders Haut und Haare pr\u00e4gt, was m\u00f6glicherweise  auf eine Anpassung an die neue Umgebung hindeutet \u2013 und demnach von Vorteil war. Wobei Europ\u00e4er offenbar andere Varianten erbten als Asiaten. Aber auch heute auftretende Krankheiten wie Lupus, Morbus Crohn, Diabetes Typs II oder sogar das Rauchen d\u00fcrften demzufolge durch Gene des Neandertalers beeinflusst werden.Das Team um P\u00e4\u00e4bo und ebenso die Genetiker Benjamin Vernot und Joshua Akey aus Seattle stie\u00dfen allerdings auch auf auf Bereiche, in denen vergleichsweise wenige Spuren zu finden waren. Eine derart auff\u00e4llige \u201eW\u00fcste\u201c ist beispielsweise das X-Chromosom, eines der beiden Geschlchtschromosomen.<\/p>\n<p>In \u201eScience\u201c mutma\u00dfen die beiden Genetiker aus Seattle, dass der Genfluss zwischen modernem Mensch und Neandertaler beim Zusammentreffen bereits erschwert war. Ihre Linien waren zu lange getrennt. Die Vereinigung der Sequenzen k\u00f6nnte von Nachteil f\u00fcr die Fortpflanzung gewesen sein, denn besonders fruchtbar war ihre Kombination offenbar nicht. \u00c4hnliches vermuten David Reich und seine Kollegen. Der Grund ist, dass das X-Chromosom wichtige Gene f\u00fcr die m\u00e4nnliche Fruchtbarkeit beherbergt, und bestimmte Abschnitte lagen   ausgerechnet in den  Genombereichen, wo das Neandertalererbe fehlte. Wieso, dar\u00fcber wird jetzt spekuliert, aber welche  Prozesse auch immer dazu f\u00fchrten:  Reiner Zufall ist es nicht. Nicht nur an dieser Stelle setzte sich  Homo sapiens genetisch durch.<\/p>\n<p>Nach dem Neandertaler in uns fahndete man in Seattle mit Hilfe spezieller Computerprogramme: Die Ergebnisse beruhen allein auf der Analyse  moderner DNA-Sequenzen. Die Forscher sind \u00fcberzeugt, dass   sich mit ihrem \u201efossilienfreien\u201c Ansatz   auch das Erbe anderer Hominiden aufsp\u00fcren und untersuchen l\u00e4sst &#8211; im Prinzip zumindest. Also mal schauen, was Homo erectus uns alles hinterlassen hat.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/das-genetische-erbe-des-steinzeit-sex-ein-viertel-vom-anderen-12776079.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/das-genetische-erbe-des-steinzeit-sex-ein-viertel-vom-anderen-12776079.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da kommt einiges zusammen: Die amour\u00f6sen Verbindungen von Neandertaler und modernem Menschen haben genetisch doch mehr Spuren hinterlassen als man dachte. 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