{"id":22206,"date":"2014-01-25T18:21:11","date_gmt":"2014-01-25T18:21:11","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=22206"},"modified":"2014-01-25T18:21:11","modified_gmt":"2014-01-25T18:21:11","slug":"wissen-ist-niemals-bose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=22206","title":{"rendered":"\u201eWissen ist niemals b\u00f6se\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die eigene Herkunft  kann er zur\u00fcck bis zu den Wikingern verfolgen, seinen  Landsleuten blickt er tief ins Erbgut. Der Isl\u00e4nder K\u00e1ri Stefanssonist \u00fcberzeugt: Wir sollten unsere Gene besser kennenlernen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Wie weit zur\u00fcck k\u00f6nnen Sie Ihren eigenen Stammbaum verfolgen?<\/strong><\/p>\n<p>Stefansson: Bis zu Egill Skallagr\u00edmsson. Er wurde im Jahr 910 geboren, als einer der ersten auf Island zur Welt gekommenen Siedler. Vielleicht kennen Sie ihn aus einer der Sagas. Er war ein Dichter, ein K\u00e4mpfer &#8211; und einer der h\u00e4sslichsten M\u00e4nner seiner Zeit.<\/p>\n<p><strong><strong>Was sagt das \u00fcber Ihre Gesundheit aus?<\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Nichts. Aber die regionale Herkunft hat sich auf Island besonders deutlich im Erbgut niedergeschlagen, weil viele von uns zu Familien geh\u00f6ren, die \u00fcber Generationen am selben Ort gewohnt haben. Es gibt sogar Biomarker, die charakteristisch f\u00fcr den S\u00fcdwesten der Insel sind, und andere, die vor allem im Nordosten vorkommen. Solche Varianten bilden sich im Lauf der Zeit in einem dynamischen Verh\u00e4ltnis zur nat\u00fcrlichen Umgebung aus. Meine Familie hat 1100 Jahre hier gelebt. Ich passe also vermutlich ziemlich gut in die Umgebung dieses abgelegenen, felsigen Eilands im Nordatlantik. Das hei\u00dft \u00fcbrigens nicht, dass ich dieses Land mag. Sondern nur, dass ich gut hierher passe.<\/p>\n<p><strong><strong>M\u00f6gen Sie Island denn?<\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht genau. Ich lebe hier, und ich m\u00f6chte nirgendwo sonst leben. Manchmal mag ich es, manchmal hasse ich es. Vielleicht hei\u00dft das nur, dass ich mich selbst nicht besonders gerne mag.<\/p>\n<p><strong><strong><strong>Wie genau kennen Sie Ihre eigenen Gene?<\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Ich habe mein Genom zweimal sequenzieren lassen. Einmal anhand von DNA aus meinem Blut und einmal mit solcher aus den Wangenknochen- wir wollten herausfinden, ob es nachweisbare Unterschiede zwischen der DNA aus verschiedenen Teilen des K\u00f6rpers geben w\u00fcrde. Das war nicht der Fall.<\/p>\n<p><strong><strong><strong><strong>Was haben Sie dabei \u00fcber Ihre pers\u00f6nlichen Krankheitsrisiken herausgefunden?<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Mein Genom ist nicht weiter bemerkenswert. F\u00fcr mich gibt es eine signifikante Wahrscheinlichkeit, an altersbedingter Makuladegeneration zu erkranken. Das ist ein Augenleiden, das zum Erblinden f\u00fchren kann. Mein Risiko daf\u00fcr ist sechs- bis achtfach erh\u00f6ht.<\/p>\n<p><strong><strong><strong><strong>Wie lebt es sich mit diesem Wissen? <\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Die Frage zielt auf einen der verbreiteten, aber v\u00f6llig unbegr\u00fcndeten Vorbehalte gegen\u00fcber der Genetik. Dabei ist sie \u00fcberhaupt nichts Geheimnisvolles. Die Genetik macht ein sehr altes Wissen transparenter und detaillierter. Und sie gibt uns die M\u00f6glichkeit, dieses Wissen medizinisch zu nutzen. Was wir herausfinden, wissen die Leute doch schon seit Jahrhunderten: dass in ihrer Familie eine bestimmte Krankheit vorkommt, Brustkrebs zum Beispiel, oder Altersblindheit. Das ist nicht nur auf Island so. Ich habe zwanzig Jahre als Neurologe in Amerika gearbeitet, selbst dort wussten die Leute \u00fcber die Krankheitsgeschichte ihrer Cousins und Gro\u00dfeltern Bescheid. Das Neue ist, dass wir die Familienangeh\u00f6rigen, die diese Krankheiten entwickeln werden, von denen unterscheiden k\u00f6nnen, die es nicht tun. Wir erl\u00f6sen also die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung von der Furcht, diese Krankheit zu bekommen.<\/p>\n<p><strong><strong><strong><strong>Und machen der anderen H\u00e4lfte Angst.<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Unsinn. Wir konfrontieren sie mit der unkomfortablen Tatsache, dass sie zu dieser anderen H\u00e4lfte geh\u00f6ren. F\u00fcr viele dieser Krankheiten, vor allem f\u00fcr Krebs, ist eine fr\u00fche Diagnose aber besonders wichtig. Sie ist dann kein Urteil mehr, sondern erm\u00f6glicht im Gegenteil die Begnadigung von diesem Urteil.<\/p>\n<p><strong><strong><strong><strong>Ein deutsches Unternehmen bietet werdenden Eltern einen Test an, um ihr ungeborenes Kind auf Trisomie 21 zu \u00fcberpr\u00fcfen. Das ethische Dilemma, das daraus erw\u00e4chst, ist nicht zu leugnen. Gibt es nicht doch ein gl\u00fcckliches Unwissen? <\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Auch in diesem Fall f\u00fcgt die Genetik dem Leben keine fundamental neue Kategorie hinzu. Eltern wissen schlie\u00dflich alles M\u00f6gliche \u00fcber ihre Kinder. Wir wissen zum Beispiel, dass alle unsere Kinder eines Tages sterben werden. Das ist eine sehr unangenehme, furchteinfl\u00f6\u00dfende, endg\u00fcltige Gewissheit. Die Frage ist, wie wir unser Wissen nutzen, um die Entscheidungen zu treffen, die wir unabl\u00e4ssig f\u00e4llen m\u00fcssen. Ich glaube nicht, dass die Entscheidung zu einer Abtreibung schlechter ist, wenn sie sich auf das Wissen st\u00fctzt, dass der F\u00f6tus eine Trisomie 21 aufweist, als wenn sie auf irgendeiner anderen Grundlage f\u00e4llt. Wissen ist nie eine Behinderung.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/interview-mit-einem-wikinger-wissen-ist-niemals-boese-12769540.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/interview-mit-einem-wikinger-wissen-ist-niemals-boese-12769540.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die eigene Herkunft kann er zur\u00fcck bis zu den Wikingern verfolgen, seinen Landsleuten blickt er tief ins Erbgut. 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