{"id":21900,"date":"2014-01-19T19:54:54","date_gmt":"2014-01-19T19:54:54","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=21900"},"modified":"2014-01-19T19:54:54","modified_gmt":"2014-01-19T19:54:54","slug":"jede-form-der-selbsttotungshilfe-muss-verboten-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=21900","title":{"rendered":"\u201eJede Form der Selbstt\u00f6tungshilfe muss verboten werden\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Zuwendung und bestm\u00f6gliche Pflege statt Selbstt\u00f6tungshilfe &#8211; das fordert Bundesgesundheitsminister Hermann Gr\u00f6he (CDU) im F.A.Z.-Interview. Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung sei ein Versto\u00df gegen die gesamte Wertordnung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Herr Minister Gr\u00f6he, in der vergangenen Legislaturperiode ist ein gesetzliches Verbot der organisierten Sterbehilfe aufgrund von Differenzen zwischen der Union und der FDP, namentlich der fr\u00fcheren Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, gescheitert. Die Union wollte jede organisierte Sterbehilfe verbieten, die FDP nur die gegen Entgelt. Wird sich die CDU-Position in der gro\u00dfen Koalition nun durchsetzen?<\/strong><\/p>\n<p>Die letzte Legislaturperiode hat sicher gezeigt, dass es gut ist, diese Frage wie andere Fragen des Lebensschutzes nicht nach Fraktionen getrennt zu diskutieren. Deswegen wird es jetzt auch eine oder mehrere \u00fcberfraktionelle Parlamentsinitiativen geben. Es d\u00fcrfte unterschiedliche Positionen in beiden Koalitionsfraktionen geben. Aber es geht nicht darum, dass sich eine Seite in der Koalition durchsetzt. Das Thema ist bedr\u00e4ngend, weil es existentielle Fragen ber\u00fchrt. Jede Abgeordnete und jeder Abgeordnete wird hier dem eigenen Gewissen folgen. Meine \u00dcberzeugung ist, dass nicht nur die erwerbsm\u00e4\u00dfige \u2013 also ein besonders verwerfliches Gesch\u00e4ftemachen mit der Lebensnot von Menschen \u2013, sondern jede Form der organisierten Selbstt\u00f6tungshilfe verboten werden muss. Schwerstkranke und sterbende Menschen brauchen in ihrer letzten Lebensphase liebevolle Zuwendung und bestm\u00f6gliche Pflege. Sie k\u00f6nnen sich darauf verlassen, palliativmedizinische Hilfe, zu der auch das Lindern von Schmerzen geh\u00f6rt, zu bekommen.<\/p>\n<p><strong>Wie begr\u00fcnden Sie Ihre ablehnende Haltung zur Sterbehilfe?<\/strong><\/p>\n<p>Unsere Rechtsordnung verpflichtet dazu, Leben und W\u00fcrde der Menschen zu sch\u00fctzen. Daher gilt ein generelles T\u00f6tungsverbot. Das schlie\u00dft die T\u00f6tung auf Verlangen ausdr\u00fccklich ein. Die Selbstt\u00f6tung ist dagegen straffrei, weil unsere Rechtsordnung vor solchen menschlichen Lebensdramen schweigt. Auch die Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung ist straffrei. Aber es ist etwas anderes, wenn die Beihilfe organisiert angeboten wird und die Selbstt\u00f6tung damit gleichsam als eine Behandlungsvariante neben schmerzlindernde Medizin und andere Hilfen tritt. Dies tangiert unsere gesamte Wertordnung.<\/p>\n<p><strong>Deutschland ist weltanschaulich plural. Nach einer Umfrage gibt es bei einer Mehrheit den Wunsch nach der M\u00f6glichkeit, Hilfe dabei zu erhalten, den eigenen Tod herbeizuf\u00fchren, ohne dass man sich etwa vor einen Zug werfen muss. Warum soll Menschen diese M\u00f6glichkeit verwehrt bleiben?<\/strong><\/p>\n<p>Es kommt darauf an, ob wir wollen, dass eine Vereinigung die T\u00f6tungshilfe als Serviceangebot unentgeltlich oder entgeltlich anbieten darf. Es ist in Deutschland erlaubt, lebenserhaltende Ma\u00dfnahmen abzubrechen, wenn der Patient dies w\u00fcnscht. Auch schmerzlindernde Therapien, die das Risiko einer Lebensverk\u00fcrzung in Kauf nehmen, sind zul\u00e4ssig. Aus den Umfragen spricht nat\u00fcrlich auch die Angst, den Angeh\u00f6rigen zur Last zu fallen. Aber wollen wir in unserer Gesellschaft den Gedanken f\u00f6rdern, menschliches Leben falle anderen zur Last? Gilt das dann auch f\u00fcr behindertes Leben? Ich will das nicht.<\/p>\n<p><strong>Wenn jemand aus freiem Willen sterben will, weil er seine eigene Situation nicht mehr ertr\u00e4gt, sollten dann \u00c4rzte die M\u00f6glichkeit haben, Menschen den Weg in den von ihnen gew\u00fcnschten Tod bahnen?<\/strong><\/p>\n<p>Eindeutig nein. Denn gerade \u00e4rztlich assistierter Suizid und T\u00f6tung auf Verlangen w\u00e4ren kaum zu trennen. Zudem w\u00fcrde das auf Lebenserhaltung ausgerichtete Arztbild in unserer Gesellschaft insgesamt ersch\u00fcttert. Der Arzt hat die Aufgabe, Leben zu sch\u00fctzen. Daran m\u00f6chte ich unbedingt festhalten. Es ist tragisch, dass sich in Deutschland knapp 10000 Menschen im Jahr h\u00e4ufig auch als Folge seelischer Erkrankungen das Leben nehmen. Organisierte Lebensbeendigungsangebote k\u00f6nnen zu einer Bewusstseinsverschiebung in der Bev\u00f6lkerung \u00fcber den Wert des Lebens insgesamt f\u00fchren.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/gesundheitsminister-groehe-jede-form-der-selbsttoetungshilfe-muss-verboten-werden-12759394.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/gesundheitsminister-groehe-jede-form-der-selbsttoetungshilfe-muss-verboten-werden-12759394.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuwendung und bestm\u00f6gliche Pflege statt Selbstt\u00f6tungshilfe &#8211; das fordert Bundesgesundheitsminister Hermann Gr\u00f6he (CDU) im F.A.Z.-Interview. 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