{"id":21809,"date":"2014-01-07T16:12:08","date_gmt":"2014-01-07T16:12:08","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=21809"},"modified":"2014-01-07T16:12:08","modified_gmt":"2014-01-07T16:12:08","slug":"die-roman-verschaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=21809","title":{"rendered":"Die Roman-Verschaltung"},"content":{"rendered":"<p>Unser Gehirn leidet mit: Das Lesen von Romanen hinterl\u00e4sst auch Tage nach der Lekt\u00fcre Spuren. In Atlanta wurden die neuronalen Gravuren ganz grunds\u00e4tzlich und experimentell untersucht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr Stephen King war es angeblich Goldings Roman \u201eHerr der Fliegen\u201c, der sich buchst\u00e4blich in seine Hirnwindungen eingeschwei\u00dft und sein Leben ver\u00e4ndert haben soll. Neurologisch belegt ist das zwar nicht. Trotzdem kann das jeder leicht nachvollziehen, der selbst pr\u00e4gende Erfahrungen aus der Lekt\u00fcre einer fesselnden Story sammelt. Am amerikanischen Center for Neuropolicy der Emory University in Atlanta hat man sich jetzt entschlossen, den neuronalen Gravuren der Romanlekt\u00fcre ganz grunds\u00e4tzlich und experimentell nachzugehen. Zw\u00f6lf junge Frauen und neun M\u00e4nner hat man drei Wochen lang jeden Tag im Hirnscanner durchleuchtet. An neun Abenden sollten sie jeweils eine halbe Stunde lang in Robert Harris\u2019 \u201ePompeji\u201c lesen, jeweils am Morgen danach wurde ihr Hirn im Kernspintomographen gescannt. Gesucht wurde nach sichtbaren Ver\u00e4nderungen in der Hirnarchitektur, sprich: nach neuen Nervenverbindungen zwischen unterschiedlichen Hirnarealen.<\/p>\n<p>Da der neurokulturelle Aufbruch l\u00e4ngst eine \u201eneurobiologische Theorie von Erz\u00e4hlungen\u201c hervorgebracht und akute, wenn auch oft diffuse Hirneffekte empirisch schon hinl\u00e4nglich erfasst sind, war den Emory-Forschern vor allem an neuen, bleibenden Wirkungen literarischer Kopfarbeit gelegen. Und wie es ist, wenn die Hirnforschung mit ihren rechnergest\u00fctzten Bildgebungsverfahren in unsere Seelen blickt &#8211; f\u00fcndig wird sie immer. <a href=\"http:\/\/www.liebertpub.com\/overview\/brain-connectivity\/389\/\">Nachzulesen in der j\u00fcngsten Ausgabe des Journals \u201eBrain Connectivity\u201c.<\/a><\/p>\n<h2>Unser empathisches Ged\u00e4chtnis leidet mit<\/h2>\n<p>Zuallererst waren da die \u00fcblichen Trainingseffekte. Das kennt man. Immer wenn eine bestimmte Aufgabe wiederholt wird, ob es ums Jonglieren geht oder ums Lesen, etablieren sich in k\u00fcrzester Zeit neue Nervenverbindungen, insbesondere in den f\u00fcr Bewegung und Koordination zust\u00e4ndigen motorischen Hirnarealen. Praktisch schon am ersten Tag nach der Abendlekt\u00fcre bauten sich auch in der als linker Gyrus angularis bekannten Hirnwindung, einem der wichtigsten Assoziations- und Sprachzentren, sukzessive neue Nervenbahnen auf. Das Gleiche im hinteren Teil des Schl\u00e4fenlappens.<\/p>\n<p>Was allerdings beim Lesen der packenden \u201ePompeji-Fiktion\u201c in den Hirnbildern wirklich hervorstach, waren die mit dem Lesen immer st\u00e4rker ausgebildeten Nervennetze in den f\u00fcr Gef\u00fchls- und Angstwahrnehmung zust\u00e4ndigen somatosensorischen Zentren zu beiden Seiten der Gro\u00dfhirnrinde im h\u00f6chstgelegenen Teil unter der Sch\u00e4deldecke. Sie waren auch f\u00fcnf Tage nach der Lekt\u00fcre noch nachweisbar. Das ist ein Areal im \u00dcbrigen, das auch extrem aktiv wird, wenn Metaphern verwendet werden, wenn Sprache also \u201elebt\u201c. Die Interpretation der Hirnforscher: Der somatosensorische Kortex k\u00f6nnte der Sitz einer \u201eSemantik der Verk\u00f6rperung\u201c sein, wenn wir mit den Helden leiden &#8211; unser empathisches Ged\u00e4chtnis gewisserma\u00dfen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/neuronale-gravuren-des-lesens-die-roman-verschaltung-12739708.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/neuronale-gravuren-des-lesens-die-roman-verschaltung-12739708.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Gehirn leidet mit: Das Lesen von Romanen hinterl\u00e4sst auch Tage nach der Lekt\u00fcre Spuren. 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