{"id":21442,"date":"2014-01-03T12:21:57","date_gmt":"2014-01-03T12:21:57","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=21442"},"modified":"2014-01-03T12:21:57","modified_gmt":"2014-01-03T12:21:57","slug":"heute-traumprodukt-morgen-elektroschrott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=21442","title":{"rendered":"Heute Traumprodukt, morgen Elektroschrott"},"content":{"rendered":"<p>Manche Weihnachtsgeschenke haben eine kurze Lebenserwartung. Bald schon wird es wieder Zeit f\u00fcr ein neues Smartphone oder einen neuen Tabletcomputer. Die Hersteller freut das sehr. Und die Kunden?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">F\u00fcr Menschen, die schon alles haben, hat die Elektronikbranche eine L\u00f6sung parat. Produkte, die gerade erst unter dem Weihnachtsbaum lagen, werden mit gro\u00dfer Gewissheit in rund f\u00fcnf Jahren kaum noch brauchbar sein, selbst wenn sie technisch \u00fcberhaupt keinen Mangel haben. Aus diesem Grund d\u00fcrften sich in den vergangenen Wochen viele Menschen endg\u00fcltig von der ersten Generation ihrer iPad-Tabletcomputer oder iPhone-Mobiltelefone getrennt haben.<\/p>\n<p>Auch wenn die Kapazit\u00e4t des Akkus kaum nachgelassen hat, das Display nicht erkennbar dunkler geworden ist und das Ger\u00e4t auch sonst den Eindruck macht, es k\u00f6nne noch viele Jahre lang durchhalten: Es l\u00e4sst sich nicht mehr auf eine neuere Betriebssystemversion \u201eupdaten\u201c, wie es neudeutsch hei\u00dft. Zudem ist der eingebaute Speicher zu klein, womit in diesem Fall der Arbeits- beziehungsweise Hauptspeicher des iPad gemeint ist, eine Komponente des zentralen Mikroprozessors. Das f\u00fchrt dazu, dass viele neue Zusatzprogramme, die sogenannten \u201eApps\u201c, entweder gar nicht mehr funktionieren oder regelm\u00e4\u00dfig \u201eabst\u00fcrzen\u201c, also w\u00e4hrend der Arbeit mit ihnen unwillk\u00fcrlich den Betrieb einstellen.<\/p>\n<p>Die Erfahrung der Vergangenheit lehrt, dass es den aktuellen Modellgenerationen kaum besser ergehen wird. Zumal sich die Hersteller immer wieder neue Dinge einfallen lassen, welche die teuren Ger\u00e4te auf den ersten Blick m\u00f6glicherweise h\u00fcbscher, aber nicht haltbarer werden lassen. So lie\u00df sich \u2013 im Gegensatz zu den Nachfolgemodellen \u2013 das erste iPad noch ohne eine Hei\u00dfluftpistole \u00f6ffnen und sich deshalb der Akku einfacher austauschen. Doch wer achtet beim Kauf schon auf solche Dinge?<\/p>\n<h2>Es werden fast keine Updates angeboten<\/h2>\n<p>Angesichts des \u00fcberbordenden Verkaufserfolgs der vergangenen Jahre d\u00fcrften derartige Erlebnisse eines \u201eeingebauten Verfalls\u201c zwar besonders h\u00e4ufig mit Ger\u00e4ten von Apple vorkommen. Aber mit Produkten anderer Hersteller ist man vor dem Ph\u00e4nomen auch nicht gefeit. Alsbald ist auch hier die alte Hardware nicht mehr leistungsf\u00e4hig genug, um mit den Anforderungen der neuesten Software Schritt zu halten.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher kannte man dieses Ph\u00e4nomen von seinem Personalcomputer unter dem Schreibtisch. Inzwischen sind diese Ger\u00e4te zum einen aber leistungsf\u00e4hig genug, zum anderen sinken die Anforderungen, die aktuelle Betriebssysteme an die Hardware dieser Rechner stellen, eher. Der Druck, die Ger\u00e4te in schneller Folge auszutauschen, ist zum Leidwesen der Hersteller entfallen. Heute sind die mobilen Ger\u00e4te der Renner, also schl\u00e4gt das \u201eeingebaute Verfallsdatum\u201c dort brutaler zu. Versucht man ein Update der Betriebssysteme beziehungsweise der sogenannten Firmware, werden \u00e4ltere Ger\u00e4te in der Regel immer langsamer, sofern der Hersteller ein solches Update \u00fcberhaupt zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Sind sie aber erlaubt, sind sie grunds\u00e4tzlich wichtig, um die Sicherheit des mobilen Ger\u00e4ts vor unerw\u00fcnschten Zugriffen zu erh\u00f6hen. Also wird man kaum auf sie verzichten wollen. \u201eBei Ger\u00e4ten mit Apples Betriebssystem iOS kann dieser Effekt nach etwa drei Jahren eintreten \u2013 Android-Smartphones erhalten im Gegensatz dazu oft gar keine oder nur kurz Updates\u201c, hei\u00dft es dazu j\u00fcngst in der Computerzeitschrift \u201eChip\u201c. Denn in der Branche wird das Thema unter interessierten Nutzern nat\u00fcrlich l\u00e4ngst hei\u00df diskutiert. \u201eOb Flachbildfernseher, Smartphones oder andere elektronische Ger\u00e4te: Gerade die gro\u00dfen Markenhersteller unternehmen enorme Anstrengungen, ihre Ger\u00e4te so zuverl\u00e4ssig und langlebig wie m\u00f6glich zu konstruieren. Hersteller, deren Ger\u00e4te kurz nach Ablauf der Garantie- oder Gew\u00e4hrleistungszeit Defekte haben, entt\u00e4uschen ihre Kunden und verlieren zwangsl\u00e4ufig gegen\u00fcber dem Wettbewerb\u201c, sagt dazu Bernhard Rohleder, der Pr\u00e4sident des IT-Branchenverbandes Bitkom.<\/p>\n<h2>Ein interner Z\u00e4hler gibt das Verfallsdatum vor<\/h2>\n<p>Entt\u00e4uschte Kunden gibt es aber durchaus: Ein Aufregerthema in den entsprechenden Foren sind Teile, die nach einer bestimmten Zeit oder einer gewissen H\u00e4ufigkeit der Nutzung einfach kaputtgehen m\u00fcssen. Genannt werden in diesem Zusammenhang Monitore, in deren Netzteil Kondensatoren an besonders hei\u00dfen Stellen plaziert sind, so dass ihr Elektrolyt nach einer kurzen, angeblich genau kalkulierbaren Nutzungsdauer verdampft ist, oder deren Einschaltknopfmechanik so schwach ausgelegt ist, dass sie nach einer bestimmten Zahl an Bet\u00e4tigungen versagen muss. \u201eFr\u00fchzeitige Defekte treten ungeplant auf, meist, weil im Sinne eines besonders niedrigen Preises an der Qualit\u00e4t gespart wurde\u201c, sagt Bitkom-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Rohleder dazu.<\/p>\n<p>Die \u201eStiftung Warentest\u201c hat sich des Themas auch schon angenommen, allerdings ebenfalls mit einem differenzierten Ergebnis: \u201eUnsere Testarbeit hat bisher keine Anhaltspunkte daf\u00fcr geliefert, dass von Anbietern bewusst Bauteile minderer Qualit\u00e4t eingebaut werden, um diese schnell unbrauchbar zu machen. Das bedeutet aber nicht, dass alle Produkte lange halten\u201c, hei\u00dft es dort salomonisch. Doch sieht auch die Stiftung Grund zu mancherlei Kritik. Ein Klassiker, der seitenweise Internetforen f\u00fcllt, seien auch Tintenstrahldrucker, die nach einer bestimmten Menge Ausdrucke den Dienst mit der Fehlermeldung einstellen, ihr Druckkopf sei defekt. Nach Zur\u00fccksetzen eines internen Z\u00e4hlers in geheimen Service-Men\u00fcs druckten die Ger\u00e4te oft aber problemlos weiter. Das ist also vorgeplanter Murks. Es geht besser: Dass sich zum Beispiel bei Smartphones flache Designs und ein austauschbarer Akku nicht ausschlie\u00dfen m\u00fcssen, zeigen Hersteller wie Samsung mit den Modellen Galaxy S III oder S4.<\/p>\n<h2>Die softwareseitig begrenzte Lebensdauer wird nicht angesprochen<\/h2>\n<p>\u201eEin Produkt, das nicht kaputtgeht, ist der Albtraum des Kapitalismus. Es beschert dem Handel schlechte Ums\u00e4tze. Konsum jedoch ist der Motor unseres Wirtschaftssystems. Und so werfen wir weg und kaufen neu, anstatt zu reparieren \u2013 zumal es heute oft billiger ist\u201c, hei\u00dft es zu der grunds\u00e4tzlichen Problematik im Buch \u201eKaufen f\u00fcr die M\u00fcllhalde \u2013 Das Prinzip der geplanten Obsoleszenz\u201c von J\u00fcrgen Reu\u00df und Cosima Dannoritzer. Dort wird auch auf das Gl\u00fchbirnenkartell der zwanziger Jahre verwiesen. Einst brannten Gl\u00fchdr\u00e4hte vorzeitig durch, heute stellen eben Drucker die Arbeit ein \u2013 nur wegen eines von einem Chip gesteuerten Befehls. \u201eGeplante Obsoleszenz\u201c hei\u00dft das Prinzip, weil es vors\u00e4tzlich die Verk\u00fcrzung der Lebensdauer von Beginn an vorsieht.<\/p>\n<p>Dank Billigproduktion und verschwenderischem Rohstoffeinsatz sei es zum Grundpfeiler der \u00dcberflussgesellschaften und ihres Fetischs Wirtschaftswachstum geworden, folgern die Autoren. Eine Flut von Wohlstandsm\u00fcll und schwindende Ressourcen seien die Folge. Das ist eine Entwicklung, die so gar nicht zu den Nachhaltigkeitsprinzipien der betroffenen Unternehmen passen will.<\/p>\n<p>Andererseits lassen sich gerade auf diesem Gebiet auch Fortschritte nicht verleugnen \u2013 und zum Beispiel Apple weist auf dieselben auf seiner Website deshalb auch ausf\u00fchrlich hin: \u201eF\u00fcr den neuesten iMac kommt ein Fertigungsprozess zum Einsatz, der R\u00fchrreibschwei\u00dfen genannt wird. Dabei werden 68 Prozent weniger Materialien verbraucht und 67 Prozent weniger Kohlendioxidemissionen erzeugt als bei fr\u00fcheren iMac-Generationen.\u201c Man habe festgestellt, dass rund 98 Prozent der Kohlendioxidbilanz von Apple in direktem Zusammenhang mit den Produkten stehen. Nur f\u00fcr die verbleibenden zwei Prozent seien Standorte und Betriebsanlagen, einschlie\u00dflich der Rechenzentren, verantwortlich.<\/p>\n<p>Daher achte man bei der Entwicklung auf die Verringerung des Materialeinsatzes und der Verpackungsgr\u00f6\u00dfen, auf die Unbedenklichkeit, was sch\u00e4dliche Substanzen anbelangt, und auf eine m\u00f6glichst hohe Energieeffizienz und Recyclingf\u00e4higkeit. F\u00fcr jedes einzelne aktuelle Apple-Produkt l\u00e4sst sich ein Umweltbericht im Internet finden- das Problem der softwareseitig begrenzten Lebensdauer indes wird nicht angesprochen.<\/p>\n<h2>Kein Verfallsdatum wie Frischmilch<\/h2>\n<p>Der Wettbewerber Samsung, der noch eine viel breitere Palette an Elektronikprodukten als Apple anbietet, verweist vor allem auf die vermeintliche oder tats\u00e4chliche Energieeffizienz seiner Produkte. Genauere Informationen zur Nachhaltigkeitsstrategie muss man hier aber l\u00e4nger suchen, gef\u00fchrt wird man alsbald auf die englischsprachige Website des Unternehmens.<\/p>\n<p>Rohleders Branchenverband Bitkom setzt derweil ganz grunds\u00e4tzlich auf das Schlagwort \u201eGreen IT\u201c, die es erm\u00f6gliche, auch in anderen Wirtschaftsbereichen den Energie- und Materialverbrauch zu senken. Der Begriff umfasse den gesamten Lebenszyklus vom Design zur Produktion \u00fcber die Nutzung bis hin zur Entsorgung. Dabei steht der Energieeinsatz beziehungsweise die Energieeffizienz in der Gebrauchsphase der Ger\u00e4te im Vordergrund aktueller Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Was aber passiert, wenn die Ger\u00e4te einfach nicht mehr die Programme nutzen k\u00f6nnen, f\u00fcr die sie einst angeschafft worden sind? Und dann gibt es ja noch einen anderen Druck: den psychischen Stress der Verbraucher, die es irgendwann nicht mehr ertragen, ein zu altes Produkt zu nutzen. Diesem Druck setzen sich l\u00e4ngst nicht nur Teenager auf dem Schulhof aus, die es vermeiden wollen, \u201euncool\u201c zu sein. Und eine solche \u201epsychologische Obsoleszenz\u201c kann man den Herstellern tats\u00e4chlich nur mittelbar in die Schuhe schieben. Zumal der technologische Fortschritt in der Elektronik noch immer der Beobachtung folgt, dass sich die Komplexit\u00e4t integrierter Schaltkreise mit minimalen Komponentenkosten regelm\u00e4\u00dfig verdoppelt. Je nach Quelle werden zw\u00f6lf bis 24 Monate als Zeitspanne genannt, was auch \u201eMoore\u2019s law\u201c genannt wird.<\/p>\n<p>\u201eFrischmilch hat ein Verfallsdatum, nicht aber ein Tabletcomputer\u201c, sagt dazu Rohleder vom Bitkom: \u201eUnd so werden heute oft voll funktionsf\u00e4hige Ger\u00e4te aussortiert \u2013 weil die Verbraucher ein neues, leistungsf\u00e4higeres oder einfach schickeres Ger\u00e4t w\u00fcnschen.\u201c F\u00fcr die Hersteller ist das ein Traum, f\u00fcr die Kunden ein teurer Spa\u00df.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/eingebautes-verfallsdatum-heute-traumprodukt-morgen-elektroschrott-12736178.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/eingebautes-verfallsdatum-heute-traumprodukt-morgen-elektroschrott-12736178.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Weihnachtsgeschenke haben eine kurze Lebenserwartung. Bald schon wird es wieder Zeit f\u00fcr ein neues Smartphone oder einen neuen Tabletcomputer. Die Hersteller freut das sehr. Und die Kunden?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2058,312,303],"tags":[2537,468,976,1929,479,1180,483,2453],"class_list":["post-21442","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-home","category-unternehmen","category-wirtschaft","tag-android","tag-apple","tag-apple-ios","tag-bitkom","tag-ipad","tag-lebenserwartung","tag-smartphone","tag-weihnachtsgeschenk"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21442","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21442"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21442\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21442"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21442"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}