{"id":21405,"date":"2013-12-29T18:43:46","date_gmt":"2013-12-29T18:43:46","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=21405"},"modified":"2013-12-29T18:43:46","modified_gmt":"2013-12-29T18:43:46","slug":"spikes-sturm-und-die-kalte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=21405","title":{"rendered":"Spikes, Sturm und die K\u00e4lte"},"content":{"rendered":"<p>Fahrsicherheitstrainings finden heute nicht nur auf \u00f6den \u00dcbungspl\u00e4tzen statt. Viele Autohersteller bieten ihren Kunden au\u00dfergew\u00f6hnliche Erlebnisreisen. Eine Winterfahrt zum Nordkap geh\u00f6rt zu den aufregenderen Touren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Sehns\u00fcchtig warten die Menschen auf Schnee. Und dann geht es wieder los, das Chaos auf den Stra\u00dfen. Weil viele nicht wissen, wie man richtig f\u00e4hrt auf Eis und Schnee. Dabei gibt es Mittel und Wege, es zu erlernen. Und dabei auch noch Freude zu haben. Von der finnischen Grenze bis hinauf ans Nordkap soll die Reise gehen, gut 1.700 Kilometer hin und zur\u00fcck. Mit spikebereiften Autos \u00fcber geschlossene Schneedecke und eisgepanzerte Stra\u00dfen. In nur drei Tagen. Das Programm sieht nicht nur sportlich aus, es ist auch f\u00fcr ge\u00fcbte Autofahrer eine Herausforderung.<\/p>\n<p>\u201eWir haben im Jahr rund 17.000 Teilnehmer bei unseren Veranstaltungen\u201c, sagt Markus Fiechtl-Kerschner, der mit achtzehn weiteren Kollegen die Fahrprogramme von Audi leitet. Und wer wei\u00df, dass andere Marken wie Mercedes-Benz, BMW, Jaguar, VW und Landrover ebenfalls umfangreiche und meist fr\u00fch ausgebuchte Erlebnisreisen im Auto anbieten, erkennt, dass der Markt f\u00fcr den kontrollierten Fahrspa\u00df gro\u00df ist. Eis-Drift-Trainings werden offeriert, W\u00fcstentouren, die \u00fcblichen Fahrsicherheits-Lehrg\u00e4nge und eben eine Winterfahrt zum Nordkap. Immerhin 3.500 Euro haben die zehn M\u00e4nner f\u00fcr die gef\u00fchrte Tour zur n\u00f6rdlichen Spitze Europas bezahlt. Die Erwartungen sind hoch.<\/p>\n<p>                \t                                                <!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Die Fahrt beginnt im nordfinnischen Kittila, von hier stammt der beachtenswerte Autor Arto Paasilinna, doch auch der k\u00e4me trotz vieler verschrobener Gedanken in seinen Romanen kaum auf die Idee einer Winterfahrt an den Nordzipfel Europas. Im nahegelegenen Skigebiet Muonio wird die Flotte in den Garagen der Pistenraupen gewartet, neben dem Tor liegt ein Stapel geborstener Frontsch\u00fcrzen und k\u00fcndet von Ausrutschern vorheriger Kunden. Es ist warm, nur minus sieben Grad zeigt das Thermometer. Mit einem Blick \u00fcber die Schulter mahnt Markus Fiechtl-Kerschner die Teilnehmer, Abstand zu halten. Er zeigt auf den Kunststoffhaufen. Und das Tempolimit zu beachten. In Finnland gelten 100 km\/h als H\u00f6chstgeschwindigkeit, in Norwegen sind 80 km\/h erlaubt, auf manchen Stra\u00dfen darf 90 gefahren werden. Die Strafen sind empfindlich und basieren auf dem Jahresgehalt des Verkehrss\u00fcnders, selbst Geringverdiener sind schnell mit 1.000 Euro dabei.<\/p>\n<h2>Links der Fels, rechts das Meer, die Stra\u00dfe nur zu erahnen<\/h2>\n<p>Die Spikes trommeln auf den Asphalt und singen ein Lied vom eisigen Norden. Es ist ein eigent\u00fcmliches Gef\u00fchl, mit bis zu 150 Stahln\u00e4geln in jedem Reifen unterwegs zu sein. Die Pneus stammen von der skandinavischen Marke Lappi, die bei uns weitgehend unbekannt ist. In Deutschland sind Spike-Reifen seit 1975 verboten, um den Fahrbahnbelag zu schonen, nur f\u00fcr das sogenannte kleine deutsche Eck an der bayrischen Grenze gilt eine Ausnahme. Aber auf der festgefahrenen Schneedecke oder gar den vereisten Stellen leisten sie hervorragende Arbeit. Die allradgetriebenen Audi S5 Sportback fr\u00e4sen sich mit 333 PS die Stra\u00dfen entlang, links und rechts t\u00fcrmen sich die Schneemassen meterhoch. Die Verkehrsdichte ist gering. Alle zehn Minuten kommt ein Auto entgegen. Ist es ein Lastwagen, ist Vorsicht geboten. Der Luftsog des Brummis wirbelt den kalten und lockeren Schnee \u00fcber Hunderte von Metern auf, der vorausfahrende verschwindet in einer Wolke aus Puderzucker.<\/p>\n<p>                \t                                                <!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Aber langsam gew\u00f6hnen wir uns an die winterlichen Bedingungen. Das ESP l\u00e4sst sogar einen sanften, kontrollierten Drift durch die Kurven zu, dennoch will es keiner der Nordkap-Fahrer trotz absolvierter Sportfahrer-Lehrg\u00e4nge und ausgepr\u00e4gter Autobegeisterung \u00fcbertreiben. Am Abend wird Troms\u00f6 an der norwegischen Sch\u00e4renk\u00fcste erreicht, und jetzt erst f\u00e4llt die Anspannung ab. Unglaublich, wie anstrengend das hochkonzentrierte Fahren ist. In der Nacht beginnt es zu schneien, und Markus schaut nachdenklich in den Himmel. Die Norweger schlie\u00dfen die Stra\u00dfen bei heftigem Schneefall aus Sicherheitsgr\u00fcnden. Nicht, weil sie Angst vorm Steckenbleiben haben, sondern wegen der Lawinengefahr, die von den angrenzenden Bergen ausgeht.<\/p>\n<p>Aber die E69, die Stra\u00dfe nach Norden, bleibt ge\u00f6ffnet. Sie gibt einen Vorgeschmack darauf, was uns am windumtosten Kap erwartet. Die Rolle der Lastwagen \u00fcbernimmt nun der heftige Seitenwind, der den Schnee auf die Stra\u00dfe bl\u00e4st und die Sicht auf nahezu null verringert. Nur manchmal k\u00f6nnen wir Gas geben, die Zeit l\u00e4uft uns davon. Im letzten Licht des Tages rollen die f\u00fcnf roten Audi und zwei Begleitfahrzeuge vor dem Rica Hotel in Honningsvag aus, dem letzten St\u00e4dtchen vor dem Nordkap.<\/p>\n<p>                \t                                                <!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Fr\u00fch starten wir am n\u00e4chsten Morgen, Verzug ist nicht erlaubt, denn wir haben eine Verabredung. Die letzten 13 Kilometer bis zum Kap sind im Winter gesperrt und k\u00f6nnen nur von Konvois, denen ein m\u00e4chtiger Schneepflug vorausf\u00e4hrt, passiert werden. Bis dahin wird die Fahrt zum vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt der Reise. Links der Fels, rechts das Meer. Dazwischen ein paar geradeso zu erahnende Meter Stra\u00dfe. Der Sturm hat die Gischt der Wellen die Uferb\u00f6schung hinaufgetrieben, die Fahrbahn ist spiegelglatt. Jetzt blo\u00df kein Ausrutscher, so kurz vor dem Ziel.<\/p>\n<h2>Verloren in einer Schneewehe<\/h2>\n<p>Sondre, der Schneepflugfahrer, erwartet uns. Wo sind die Schaufeln? Wir haben nur eine, \u00fcblicherweise geh\u00f6re in jedes Auto eine, meint er. Warnblinker, Nebelscheinwerfer und Schlussleuchte einschalten, dann geht es im Schritttempo los. Sondres orangefarben blitzendes Rundumlicht verschwindet sofort in der wei\u00dfen Wand, nur die Nebelschlussleuchten des vorausfahrenden Wagens schimmern matt durch den Schneesturm. Bei zu gro\u00dfem Abstand geht der Sichtkontakt verloren, ein zu geringer erinnert uns an die zerst\u00f6rten Front- und Hecksch\u00fcrzen in Kittala. W\u00fcrde jetzt ein Team von der Stra\u00dfe abkommen, es dauerte lange, bis man es f\u00e4nde.<\/p>\n<p>Dann endlich, nach fast einer Stunde Schleichfahrt, passieren wir die Mautstation am Nordkap. Der Parkplatz, auf dem zur Mittsommernacht Hunderte von Reisemobilen stehen, verliert sich vereinsamt im diffusen Licht. Auch das Besucherzentrum ist nur teilweise f\u00fcr uns ge\u00f6ffnet, immerhin gibt es hei\u00dfen Kaffee und einen kurzen Sturm-Marsch zur eisernen Weltkugel am n\u00f6rdlichsten Punkt des europ\u00e4ischen Festlandes. Sie steht 71\u00b0 10\u2019 21\u201c n\u00f6rdlicher Breite, wir befinden uns 514,6 Kilometer oberhalb des Polarkreises. Bis zum Nordpol sind es immer noch 2.095,4 Kilometer.<\/p>\n<p>                \t                                                <!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Die R\u00fcckfahrt ist nicht weniger aufregend. Einer der S5 Sportback verschwindet pl\u00f6tzlich in einer Schneewehe, trotz Allradantrieb hat er keine Chance, aus eigener Kraft freizukommen. Erst mit Hilfe eines Lastwagens, der geraume Zeit sp\u00e4ter auftaucht, aber sofort Unterst\u00fctzung anbietet, und nach dem Verlust von drei Bergegurten kommt der Audi wieder frei. Dann sinkt das Thermometer auf minus 22 Grad. Erst knapp 450 Kilometer sp\u00e4ter, in der nordsamischen Stadt Alta, l\u00e4sst sich die Sonne wieder blicken.<\/p>\n<p>Die Nordkap-Fahrt im Winter ist kein Spaziergang. Teilnehmer aus Mitteleuropa stellt sie vor bislang ungekannte Herausforderungen. Sie ist eine aufregende Tour, die manchen Fahrer &#8211; und so manches Automobil &#8211; an seine Grenzen bringen kann. Das Erlebnis freilich ist einmalig. Fahrten bieten alle deutschen Premium-Hersteller wie auch viele andere an. In Skandinavien geh\u00f6ren Eis-Trainings auf zugefrorenen Seen und die Tour zum Nordkap zu den beliebtesten Reisen. In der Audi Driving Experience sind die Anreise mit dem Flugzeug, Hotel\u00fcbernachtungen sowie Mahlzeiten und Getr\u00e4nke im Reisepreis inbegriffen.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/winterfahrt-zum-nordkap-spikes-sturm-und-die-kaelte-12729749.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/winterfahrt-zum-nordkap-spikes-sturm-und-die-kaelte-12729749.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fahrsicherheitstrainings finden heute nicht nur auf \u00f6den \u00dcbungspl\u00e4tzen statt. Viele Autohersteller bieten ihren Kunden au\u00dfergew\u00f6hnliche Erlebnisreisen. 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