{"id":20967,"date":"2013-12-11T15:37:22","date_gmt":"2013-12-11T15:37:22","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=20967"},"modified":"2013-12-11T15:37:22","modified_gmt":"2013-12-11T15:37:22","slug":"lasst-die-finger-von-den-cookies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=20967","title":{"rendered":"Lasst die Finger von den Cookies"},"content":{"rendered":"<p>An Cookies, die uns t\u00e4glich verfolgen, hatten wir uns gew\u00f6hnt. Nun missbraucht die NSA auch diese Technologie und liest Google-Cookies mit. Es k\u00f6nnte noch schlimmer kommen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Eigentlich war die von der Werbeindustrie eingesetzte Cookie-Technologie auf einem guten Weg, ihren schlechten Ruf los zu werden. Doch seit diesem Mittwoch ist sie unfreiwillig wieder in Verruf geraten. Die <a href=\"http:\/\/www.washingtonpost.com\/blogs\/the-switch\/wp\/2013\/12\/10\/nsa-uses-google-cookies-to-pinpoint-targets-for-hacking\/?hpid\" target=\"_blank\">Washington Post berichtet<\/a>, dass der amerikanische Geheimdienst NSA Google-Cookies missbraucht, um das Surfverhalten von Internetnutzern auszuspionieren. Die kleinen Textschnipsel, die als Mini-Datei auf nahezu jedem Computer liegen, sind prinzipiell harmlos, weil sie keine Personendaten enthalten. Entschl\u00fcsselt jemand den Code, wei\u00df er lediglich, welche Webseiten wie oft besucht wurden, aber nicht, wer diese Person ist. Unangenehm und illegal wird es dann, wenn das Surfverhalten mit der Identit\u00e4t des Nutzers verkn\u00fcpft wird. Und genau diese Verkn\u00fcpfung macht offenbar die NSA. Wird jemand aufgrund seines Such- und Surfverhaltens verd\u00e4chtigt, legt der amerikanische Geheimdienst nach und installiert gezielt Spionagesoftware.<\/p>\n<p>Dies ist insofern beunruhigend, weil nicht nur Google, sondern auch Unternehmen wie Microsoft oder Facebook ihre Server kontinuierlich mit Daten f\u00fcllen, die immer genauere Auskunft \u00fcber das Verhalten einzelner Nutzer geben und ihnen auch eine gewisse Identit\u00e4t zuweisen. Das Branchenportal <a href=\"http:\/\/digiday.com\/platforms\/google-tracking\/\" target=\"_blank\">Digiday berichtet von einem Programm<\/a>, das Google noch in der Beta-Version testet. Damit werden Orte, an denen sich Nutzer gerade befinden, mit Gesch\u00e4ften abgeglichen, die sich in der N\u00e4he befinden. Kaufen Smartphone-Nutzer h\u00e4ufig ein Produkt in einem einzigen Laden, der von ihnen bei Google gesucht wurde, ist dieses Tracking ein Beweis f\u00fcr funktionierende Werbung. Der Kunde kauft offenbar dort ein, wo  Google ihn hinschickt.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df <a href=\"http:\/\/online.wsj.com\/news\/articles\/SB10001424052702304682504579157780178992984\" target=\"_blank\">Wall Street Journal k\u00f6nnte man solche neuen Tracking-Methoden<\/a> als Nachfolger des klassischen Cookies interpretieren. Denn auch Microsoft und Facebook h\u00e4tten in den letzten Monaten Systeme entwickelt, mit deren Hilfe sie massenhaft Daten sammeln und auswerten k\u00f6nnen, ohne dass sie auf den Einsatz von Cookies der Werbefirmen angewiesen seien. Das Wall Street Journal prophezeit sogleich das Ende des Cookies.<\/p>\n<h2>Das Ende der Cookies?<\/h2>\n<p>\u201eSeit sieben Jahren h\u00f6re ich ein bis zwei Mal, dass Cookies am Ende seien\u201c, sagt Stephan Noller von Nugg.ad. Sein Unternehmen ist Europas gr\u00f6\u00dfte Targeting-Plattform und bietet die Cookie-Technologie an, damit Vermarkter und Medienagenturen gezielt ihre Online-Werbung auf den Seiten der Nutzer setzen k\u00f6nnen. Die Werbung auf Webseiten sagt einem dann, was man kaufen soll. Cookies dienen aber auch dazu, Profile auf Webseiten zu speichern. Oder sie merken sich f\u00fcr die Zeit unseres Einkaufs, was wir im Warenkorb abgelegt haben. Wenn Unternehmen nun die Informationen mit den pers\u00f6nlichen Daten verkn\u00fcpfen, werde das \u201eGebot der Identit\u00e4tssparsamkeit\u201c nicht mehr eingehalten, sagt Noller.<\/p>\n<p>Cookies versammeln sich in einem Ordner der Verzeichnisstruktur und k\u00f6nnen jederzeit gel\u00f6scht werden. Da man sich Cookies durch die Nutzung des Browsers einf\u00e4ngt, gibt es auch dort in den Tiefen der Optionen die M\u00f6glichkeit, sich von ihnen zu befreien. Die meisten Browser bieten mittlerweile eine Do-not-track-Funktion, um Cookies generell zu unterbinden. Das will aber nicht jeder, weil gespeicherte Profile praktisch sind und bei einigen Webseiten Cookies sowieso zugelassen werden m\u00fcssen. Dass zehn bis zwanzig Prozent der Nutzer einmal im Monat ihren Cookie-Ordner l\u00f6schen, ist f\u00fcr Nugg.ad-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Noller kein Hinweis auf das Ende des Cookies. Ganz im Gegenteil. Es zeige das \u201ehohe Engagement\u201c der Nutzer und deren Wissen, wie transparent die Cookie-Technologie sei.<\/p>\n<h2>Ein transparentes Verfahren?<\/h2>\n<p>Ganz so transparent und offen ist es nicht. So ist zum Beispiel die Do-not-track-Funktion lediglich eine Empfehlung f\u00fcr die Cookie-Anbieter. In Apples Safari deutet sich dies aufgrund der Formulierung auch schon an: \u201eAsk websites not to track me.\u201c <a href=\"http:\/\/rechtsanwalt-schwenke.de\/cookie-richtlinie-der-eu-augenwischerei-do-not-track-und-praxisempfehlungen\/\">Rechtsanwalt Thomas Schwenke schreibt in seinem Blog<\/a>, dass Do-Not-Track voraussetze, \u201edass der Server des Anbieters auf diese Einstellung h\u00f6rt. Derzeit ist das nicht der Fall, weil es keinen technischen Standard gibt.\u201c Au\u00dferdem w\u00e4re dieses Verfahren ein gro\u00dfer Verlust f\u00fcr die Werbeindustrie. \u201eWenn beim ersten Aufruf auf Tracking verzichtet wird, wird auch auf die Werbung verzichtet. Und wenn man bedenkt, wie viele Nutzer eine Website nur einmalig aufrufen, um z.B. einen Artikel zu lesen und dann nie wieder zu kommen, ist der Verlust immens.\u201c<\/p>\n<p>Der Umgang mit Cookies ist gesetzlich immer noch nicht geregelt. Es gibt nur eine EU-Richtlinie. Sie nennt sich <a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/LexUriServ\/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2009:337:0011:0036:De:PDF\" target=\"_blank\">2009\/136\/EG, wurde vom europ\u00e4ischen Parlament und Rat erlassen<\/a> und sollte bis zum 31. Mai 2011 in den EU-L\u00e4ndern umgesetzt werden. Diese ist aber nach Ansicht des Bundesbeauftragten f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit Peter Schaar in Deutschland nicht umgesetzt worden. Deswegen sei die EU-Richtlinie direkt anwendbar und m\u00fcsse von deutschen Unternehmen beachtet werden.<\/p>\n<p>Rechtsanwalt Schwenke sieht das anders: \u201eDer aktuelle gesetzliche Stand sieht wie folgt aus (\u00a7 15 Abs.3 Telemediengesetz): Nutzer m\u00fcssen \u00fcber die Trackingma\u00dfnahmen informiert werden. Nutzer m\u00fcssen jederzeit den Trackingma\u00dfnahmen widersprechen (Opt-Out) k\u00f6nnen. Das hei\u00dft, was bei uns im Gesetz steht (Opt-Out), widerspricht den EU-Vorgaben (Opt-In).\u201c Es bleibt also dabei, dass trotz der EU-Richtlinie beim allt\u00e4glichen Gang durch das Internet gilt: Man muss immer erst das H\u00e4kchen entfernen, um Cookies zu verhindern und die Webseite kl\u00e4rt mich dar\u00fcber auf.<\/p>\n<h2>Wie trackt man mobile Endger\u00e4te?<\/h2>\n<p>Cookies haben f\u00fcr die Werbeindustrie den Nachteil, dass sie Daten von nur einem Ger\u00e4t auswerten. Doch heutzutage wird auf Smartphone, Tablet, Smart-TV oder Spielekonsole gesurft. Daher entwickelt die Industrie alternative Methoden. Diese sind genauer beim Tracken, unabh\u00e4ngig vom Ger\u00e4t und identifizieren den Nutzer mit einer Nummer. Es sind vor allen Dingen gro\u00dfe Unternehmen wie Google, Facebook und Microsoft, die das Ende der Cookies als Chance begreifen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/adage.com\/article\/digital\/microsoft-cookie-replacement-span-desktop-mobile-xbox\/244638\/\" target=\"_blank\">Advertising Age<\/a> berichtete als erstes, dass Microsoft eine Technik entwickelt habe, mit der das Unternehmen seine Nutzer unabh\u00e4ngig von dem Ger\u00e4t tracken k\u00f6nne. Grundlage sei lediglich das Windows-Betriebssystem, das auf dem Computer, Tablet, Smartphone oder XBox installiert ist. Es w\u00fcrde aber auch funktionieren mit Diensten, die den Internetexplorer oder die Suchmaschine Bing verwenden. AdAge bezieht sein Erkenntnisse aus Quellen, die nicht n\u00e4her genannt werden.<\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/online.wsj.com\/news\/articles\/SB10001424052702304682504579157780178992984\" target=\"_blank\">Wall Street Journal<\/a> beruft sich auf einen nicht verlinkten Blogeintrag von Microsoft, in dem ebenfalls die neue Trackingmethode angedeutet w\u00fcrde. Dabei geht es insbesondere um die M\u00f6glichkeit, anwendungs\u00fcbergreifend Windows8-Nutzer tracken zu k\u00f6nnen. Es wird ein Profil erstellt, das sich auf alle verwendeten Apps bezieht. Microsoft setzt diese Tracking-Technik offenbar so um, indem Nutzern bei allen Aktivit\u00e4ten eine ID (\u201eunique identifier\u201c) zugewiesen wird. Wie das genau geschieht, wird nicht beschrieben. Microsoft k\u00f6nnte ID m\u00f6glicherweise immer dann abgleichen, wenn der Nutzer sich mit seiner Windows-ID anmeldet.<\/p>\n<h2>Facebook setzt auf das Profil<\/h2>\n<p>Facebook nutzt schon l\u00e4nger diese Methode. Das soziale Netzwerk kann relativ einfach seine Nutzer tracken. Sobald man sich eingeloggt hat und die Seite offen l\u00e4sst, sammelt Facebook flei\u00dfig Informationen w\u00e4hrend man auf anderen Seiten surft. Da die Identit\u00e4t aufgrund des Profils immer eindeutig ist, k\u00f6nnen die Informationen auf allen Ger\u00e4ten direkt zugewiesen werden. Die Weitergabe einer Information funktioniert allerdings nur, wenn die jeweilige Webseite einen Code-Schnipsel enth\u00e4lt. Das k\u00f6nnen Like-Buttons oder andere Facebook-Plugins sein.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/usatoday30.usatoday.com\/tech\/news\/story\/2011-11-15\/facebook-privacy-tracking-data\/51225112\/1\" target=\"_blank\">Nach Informationen von USAToday<\/a> trackt Facebook auch Nutzer, die ausgeloggt sind. Es gibt also zwei Cookies: einen f\u00fcr den Browser und einen f\u00fcr die Session. Letzterer ist aktiv bei eingeloggten Nutzern und sammelt Daten \u00fcber Name, Mail-Adresse, Freundesliste, Vorlieben, IP-Adresse, Bildschirmaufl\u00f6sung, Browserversion, Zeit, Datum und alle Webseiten, die ein Facebook-Plugin beinhalten. Doch Facebook kann offenbar auch tracken, wenn man abgemeldet ist. Dann wird der Browser-Cookie aktiv. Dann fehlen lediglich die Informationen \u00fcber Name, Mail-Adresse, Freundesliste und Vorlieben.<\/p>\n<p>Die Unternehmen tun momentan also vieles daf\u00fcr, die Daten auf ihren Servern so zu verkn\u00fcpfen, dass die NSA sie leicht findet.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/computer-internet\/nsa-missbraucht-google-cookies-lasst-die-finger-von-den-cookies-12644086.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/computer-internet\/nsa-missbraucht-google-cookies-lasst-die-finger-von-den-cookies-12644086.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Cookies, die uns t\u00e4glich verfolgen, hatten wir uns gew\u00f6hnt. Nun missbraucht die NSA auch diese Technologie und liest Google-Cookies mit. 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