{"id":20700,"date":"2013-12-04T14:26:25","date_gmt":"2013-12-04T14:26:25","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=20700"},"modified":"2013-12-04T14:26:25","modified_gmt":"2013-12-04T14:26:25","slug":"dieser-typ-kommt-uns-spanisch-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=20700","title":{"rendered":"Dieser Typ kommt uns spanisch vor"},"content":{"rendered":"<p>Das ist mal eine \u00dcberraschung: Die Genomanalyse eines 400.000 Jahre alten Knochens von einem Heidelbergmenschen aus einer spanischen H\u00f6hle zeigt Verbindungen nach Sibirien.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Es ist wie eine genetische Zeitreise. Niemals hat man bisher so altes Erbmaterial von Menschen entziffert: Rund 400.000 Jahre f\u00fchrt es uns zur\u00fcck in die Urgeschichte der Menschheit und damit mehr als doppelt so weit wie s\u00e4mtliche genetische Urmenschen-Analysen bisher. Aber dass die Forschergruppe um Matthias Meyer vom Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie in Leipzig damit ein klareres Bild von der Entwicklungsgeschichte unserer Vorfahren gewonnen h\u00e4tten, l\u00e4sst sich kaum behaupten. Denn die nahezu l\u00fcckenlose Rekonstruktion eines Mitochondrien-Genoms aus einem H\u00fcftknochen entpuppt sich als eine genetische Wundert\u00fcte.<br \/>Eigentlich hatten die Wissenschaftler, die Institutsdirektor Svante P\u00e4\u00e4bo in die fossilienreiche nordspanische H\u00f6hle Sima de los Huesos entsandt hatte, eindeutige genetische Spuren eines Heidelbergmenschen &#8211; eines Homo heidelbergensis &#8211; oder eines fr\u00fchen Neandertalers erwartet. Die Knochenreste von 28 Menschenskeletten, die man in der tiefen, feuchten und extrem verwinkelten H\u00f6hlenkammer schon vor Jahren entdeckt hatte, zeigen \u00e4u\u00dferlich am ehesten \u00c4hnlichkeiten mit diesen beiden Fr\u00fchmenschenformen. Ein unbenutzter Faustkeil aus Quarzit und Ocker, der vor f\u00fcnfzehn Jahren neben einem der Skelette in der kleinen Kammer entdeckt worden war, wurde von Wissenschaftlern so gedeutet, dass die Fr\u00fchmenschen m\u00f6glicherweise schon rituelle Grabbeigaben pflegten. Doch weder von den sp\u00e4rlichen Werkzeugen noch von Gebeine  oder Gebiss l\u00e4sst sich auf klar die genetische Verwandtschaft schlie\u00dfen. Das Genom ist immer f\u00fcr \u00dcberraschungen gut.<\/p>\n<p>Das hatte sich bereits bei der Entdeckung der Denisova-Menschen im s\u00fcdlichen Sibirien gezeigt. Die Leipziger Forscher hatten vor f\u00fcnf Jahren begonnen, ein erbsengro\u00dfes Fingerglied eines kleinen M\u00e4dchens, das in der H\u00f6hle im Altai-Gebirge gefunden wurde,  genetisch zu analysieren. Der Fingerknochen ist neben riesigen Backenz\u00e4hnen im Prinzip das einzige \u00dcberbleibsel der Denisova-Menschen. Bei der Genanalyse, die im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde, zeigte sich zur \u00dcberraschung der Forscher, dass diese Menschenform sich  von anderen Neandertalern unterscheidet, die zur gleichen Zeit vor rund 50.000 Jahre lebten. Die beiden werden heute als Schwestergruppen gehandelt.<br \/>Genetische Spuren der Denisova-Menschen findet man heute lediglich noch bei einigen in Asien lebenden Gruppen. Dass man ausgerechnet in der legend\u00e4ren H\u00f6hlenkammer in der spanischen Sierra de Atapuerca auf Denisova-Spuren sto\u00dfen w\u00fcrde, hatte kaum einer vermutet. Die Skelette von dort werden heute allgemein dem schon vor gut 200.000 Jahre in Europa ausgestorbenen Homo heidelbergensis zugerechnet, auch wenn einige Merkmale wie der Kieferaufbau und Teile der Sch\u00e4delmorphologie, auffallende Neandertaler-\u00c4hnlichkeit besitzen. Am ehesten also erwarteten die Forscher nach der genauen Analyse des kleinen Mitochondrien-Genoms mit seinem guten Dutzend Gene eine \u00c4hnlichkeit zum entsprechenden Neandertaler-Erbgut, das die Leipziger schon vor Jahren entziffert hatten.  In jeder Zelle findet man hunderte von Mitochondrien, sie sind die Kraftwerke der Zellen und liefern nicht nur Energie, sondern verf\u00fcgen auch \u00fcber ein eigenes, kleines Genom, das sich extrem langsam ver\u00e4ndert.<br \/>Aus der detaillierten Rekonstruktion von Sequenz und Variation dieser gut 16.000 Basenpaare in der Mitochondrien-DNA l\u00e4sst dich viel \u00fcber die Evolution der Menschen herleiten. Die Leipziger Forscher w\u00e4hlten als Ausgangsmaterial Bohrmehl, das man aus einem der H\u00fcftknochen gewonnen hat. Bei der Squenzierung des gesamten, allerdings deutlich j\u00fcngeren Denisova-Erbguts gen\u00fcgten schon 0,038 Gramm Knochensubstanz. Diesmal ben\u00f6tigte man schon f\u00fcr die Seqenzierung allein des winzigen Mitochondrien-Genoms fast zwei Gramm Ausgangsmaterial. Doch die Forscher werden nicht umhin kommen, auch das Erbgut im Zellkern der spanischen Urmenschen genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn wie sich bei der statistischen Analyse der Gensequenzen herausstellte, sind die \u00c4hnlichkeiten mit dem Densiova-Menschen gr\u00f6\u00dfer als mit dem Neandertaler. Offenbar handelte es sich also am wahrscheinlichsten um einen Vorl\u00e4ufer der Denisova-Menschen. Sollte also auch im Westen des europ\u00e4ischen Kontinents fr\u00fch schon Ahnen der Denisova-Menschen existiert haben \u2013 gemeinsam mit Ahnen der Neandertaler wom\u00f6glich? Ein gro\u00df\u00e9s, sich \u00fcberlappendes Verbreitungsgebiet von zwei genetisch so unterschiedlichen Fr\u00fchmenschenformen.<\/p>\n<p>\u201eUnwahrscheinlich\u201c, schreiben die Forscher in ihrer Publikation in der Zeitschrift \u201eNature\u201c. F\u00fcr wahrscheinlicher halten sie es, dass es sich bei den in in der kleinen Kammer entdeckten Skelette um die \u00dcberreste von gemeinsamen Vorfahren des Neandertalers und der Denisova-Menschen handelt. Belegen l\u00e4sst sich das mit den Mitochondrien-Befunden nicht. Der n\u00e4chste Schritt soll jetzt sein, auch die DNA  im Zellkern genau unter die Lupe zu nehmen. Damit das gelingt und die kompletten Genome der Urmenschen nebeneinandergelegt und verglichen werden k\u00f6nnen, m\u00fcssen die in Leipzig entwickelten Sequenziertechniken allerdings wohl noch weiter verfeinert werden. Denn auch wenn die konstant feuchten Umgebungsbedingungen mit zehn Grad in der Sima de los Huesos besser sind als irgendwo sonst, um mikrobielle Verunreinigung auszuschlie\u00dfen und das Genommaterial zu konservieren \u2013 die fehlerfreie und l\u00fcckenlose Sequenzierung von so extrem altem Erbmaterial ist nochmal eine ganz andere Herausforderung.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/aelteste-menschen-dna-entziffert-dieser-typ-kommt-uns-spanisch-vor-12695431.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/mensch-gene\/aelteste-menschen-dna-entziffert-dieser-typ-kommt-uns-spanisch-vor-12695431.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist mal eine \u00dcberraschung: Die Genomanalyse eines 400.000 Jahre alten Knochens von einem Heidelbergmenschen aus einer spanischen H\u00f6hle zeigt Verbindungen nach Sibirien.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2058,532,429],"tags":[692,531,933],"class_list":["post-20700","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-home","category-mensch-gene","category-wissen","tag-leipzig","tag-max-planck-institut","tag-sibirien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20700","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20700"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20700\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}