{"id":20508,"date":"2013-11-27T14:00:56","date_gmt":"2013-11-27T14:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=20508"},"modified":"2013-11-27T14:00:56","modified_gmt":"2013-11-27T14:00:56","slug":"und-dann-schulst-du-um-auf-cowboy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=20508","title":{"rendered":"Und dann schulst du um auf Cowboy"},"content":{"rendered":"<p>Die Chevrolet Corvette ist ein Rebell, sie ist Freiheit und Abenteuer und traditionell eigentlich unfahrbar. Jetzt h\u00e4mmert die neue C7 heran. Modern, aber noch immer zickig.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Wir hatten doch gerade seinen kleinen Bruder, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/alfa-romeo-4c-mitten-ins-herz-12596818.html\">den neuen Alfa 4C<\/a>\u201c, schreibt ein Leser an die Redaktion nach Erscheinen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/ferrari-f12-berlinetta-noch-einmal-anlassen-12626382.html\">des Fahrtberichts zum Ferrari F 12<\/a>. Und weiter: \u201eBeide sind automobile Leckerbissen und optische dazu. Aber f\u00fchren Sie uns nicht dauernd in Versuchung mit Ihren furiosen Erlebnisberichten.\u201c Tja, guter Mann, das tut uns leid, denn die Kerle von Chevrolet sind diesbez\u00fcglich von der unerbittlichen Sorte. Sie haben eiskalt die nagelneue Corvette vor die T\u00fcr gestellt, als Stingray, und bis auf den Wunsch, das Teil heil zur\u00fcckzubekommen, sind keine weiteren Handlungsanweisungen dargereicht worden.<\/p>\n<p>Das hat uns sogleich einige J\u00e4hrchen zur\u00fcckgeworfen. Damals liehen wir uns, noch etwas j\u00fcnger, draufg\u00e4ngerischer und unerschrockener, aus den zusammengesparten studentischen R\u00fccklagen in Florida eine Corvette. Die hatte nach bisher unwiderlegter \u00dcberzeugung weder Fahrwerk noch Lenkung, aber einen h\u00f6llischen Motor, und solange es geradeaus ging, war das der Himmel auf Erden. Und dieses Gef\u00fchl von Freiheit und Abenteuer! Dann \u00fcbernahmen anders denkende Managementstrategen die Macht im Konzern, und aus Chevrolet wurde ein Marke, die mit Kleinwagen koreanischer Provenienz das Billigsegment aufmischen sollte. Das verstehen wir bis heute nicht, aber gerade als der Glaube an Amerika vollends zu versiegen droht, rollt C7 heran. Das ist mitnichten ein portugiesischer Fu\u00dfballstar, wie manch j\u00fcngerer Leser meinen k\u00f6nnte, nein, das ist die in der gebotenen Zur\u00fcckhaltung vergebene Bezeichnung f\u00fcr den j\u00fcngsten und sch\u00e4rfsten Import aus Kentucky.<\/p>\n<p><!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Es regnet. Das ist nicht gut. Ganz kurz zur Orientierung: 6,2-Liter-Achtzylinder (danke f\u00fcr den Mut) mit variabler Ventilsteuerung und Direkteinspritzung (modern), 466 PS (erfreulich), 610 Nm Drehmoment (yippie-ya-yeah), 0-100 km\/h in 4 Sekunden (nicht jetzt), Spitzengeschwindigkeit 290 km\/h (ach du dickes Ei), Leergewicht dank Kompositau\u00dfenhaut und Alurahmen 1540 Kilogramm (ist dem V8 eh wurscht) zuz\u00fcglich Fahrer (jauchzt), Vier-Kolben-Scheibenbremsen rundum (gut zu wissen), Reifen Michelin Super Sport 245\/35 R 19 und 285\/30 R 20, Hinterradantrieb (seid ihr irre?). \u201eDas rennsportbew\u00e4hrte Triebwerk sorgt f\u00fcr ad\u00e4quaten Vortrieb\u201c, verk\u00fcnden die Scherzbolde von der Pressestelle.<\/p>\n<p>Erster Gang rein. Dreht durch. Zweiter Gang rein. Dreht durch. Dritter Gang rein. Dreht immer noch durch. Nur dass sich jetzt das Heck nicht l\u00e4nger mit dem lahmen Vorderteil aufhalten will und neben der Fahrert\u00fcr auftaucht. Es regnet. Das ist wirklich nicht gut. Ein VW Polo zieht auf der linken Spur vorbei. Vor der heimischen Garage wartet die Corvette kurz quer auf dem B\u00fcrgersteig auf Einlass, ein Junge mit Hund muss stehen bleiben, es sch\u00fcttet jetzt aus Eimern. Wir bitten den Jungen um Entschuldigung, er schaut nur vertr\u00e4umt auf den knallroten Body: \u201eDas ist ja der Wahnsinn. Ist der geil!\u201c<\/p>\n<h2>Die Corvette h\u00e4mmert los<\/h2>\n<p>Der n\u00e4chste Tag l\u00e4uft besser. Die Polos z\u00e4hlen jetzt Auspuffrohre. Vier, mittig angeordnet. Das verleiht dem Auftritt auch im Abgang eine gewisse Wucht. Da die Sicht nach hinten sowieso null ist, geht der Blick voraus. Ein Strich, frei bis zum Horizont, seltenes Gl\u00fcck. Nochmal zurechtr\u00fccken in den vorz\u00fcglichen Sitzen, das Kino, das sich Tacho nennt, auf Attacke gestellt und &#8211; Vollgas. Die Corvette h\u00e4mmert los wie vom Rochen gestochen. Die T\u00e4tigkeit am Volant entwickelt sich zu einer Form von Arbeit. Im Sinne der Ressourceneffizienz empfiehlt sich fr\u00fches Hochschalten. Dadurch wird es jenseits von 200 km\/h etwas z\u00e4h, schon der f\u00fcnfte Gang scheint kraftstoffsparend \u00fcbersetzt. Warum die Ingenieure von Porsche und nun auch von Chevrolet sieben handgef\u00fchrte Stufen f\u00fcr ein Optimum halten, bleibt ihr Geheimnis.<\/p>\n<p>Ob der dritte oder f\u00fcnfte drin ist, wei\u00df nur die Ganganzeige. Der Verbrauch, schon klar. Eine neue Automatik wird nachgereicht, aber die ist doch keine Alternative in solch einem Auto. Also rein mit dem siebten. In der Disziplin Eile stellt man das Fahrwerk auf S, was zur direkten Verbindung der Bandscheibe mit dem Asphalt f\u00fchrt, auf die Corvette aber eine ungemein stabilisierende Wirkung aus\u00fcbt. Es gibt auch R wie Race, was nur f\u00fcr Profis ist, und T wie Tour, das Reisen geschmeidig macht- relativ stimmt das. Da Leben ist ja kein Ponyhof. Die Nadel n\u00e4hert sich 290 km\/h, im Gro\u00dfen und Ganzen rennt die Corvette geradeaus, solange keine Spurrillen auftauchen. Die sind ein wenig eklig, weil sie den Chevrolet erfolgreich zum Rodeo bitten und gern auch mal spontan abwerfen. Die Windger\u00e4usche an Dach und Reifen d\u00fcrften niedriger sein, Sturm ist genug.<\/p>\n<h2>Die n\u00e4chst niedere Stufe bei\u00dft wieder kraftvoll zu<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend des Vorgangs der Deeskalation wird der eigent\u00fcmliche Sinn von Lenkradpaddeln f\u00fcrs Schaltgetriebe klar: Einmal gezogen, passt die Elektronik die Motordrehzahl an die Schaltvorg\u00e4nge an. Das veranlasst den V8 zu erfreulich vernehmbaren Zwischenrufen, und aus Dankbarkeit, dass man ihn nicht in den Leerlauf schickt, stellt er nahtlose Anschl\u00fcsse her. So bei\u00dft die n\u00e4chst niedere Stufe sogleich wieder kraftvoll zu, was im Sinne kontinuierlichen Vorw\u00e4rtsdrangs von Vorteil ist. Man sollte es nur nicht das erste mal in der Autobahnausfahrt probieren. Seit wann ist die eigentlich so eng?<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens dies ist der Moment, in dem ein Dank an den auch in Amerika angekommenen Fortschritt der Fahrwerkstechnik geschickt werden muss. Die Corvette profitiert in ihrer europ\u00e4ischen Version vom Z51-Paket, mit optimierter Aerodynamik und Fahrwerksabstimmung samt Doppelquerlenkern aus Aluminiumguss und querliegender Kompositfedern sowie kr\u00e4ftigerer K\u00fchlung f\u00fcr hohe Tempi. Das wirkt. Auch Landstra\u00dfen lassen sich nun mit Freude nehmen, die Querbeschleunigungsanzeige im Head-up-Display tanzt dann Rock\u2019n Roll, obgleich aus einer Corvette nat\u00fcrlich nie ein Gokart wird. Nur parken klappt nicht so recht. Jedenfalls an unserem Exemplar f\u00fchrten Lenkradeinschl\u00e4ge im Stand zu St\u00f6\u00dfen an der Vorderachse, die auf Verspannungen hindeuten. Man gew\u00f6hnt sich daran und ignoriert es. Eine antidiebische Freude m\u00fcssen die Entwickler indessen an ihrem zentralen Bildschirm haben, der n\u00e4mlich verschwindet auf Knopfdruck im Untergrund und gibt ein Geheimfach preis. Oder am innen nicht vorhandenen T\u00fcrgriff zum \u00d6ffnen. Die Pforte \u00f6ffnet auf Knopfdruck.<\/p>\n<p>Schon sind wir wieder in den Niederungen des Alltags angekommen. Der Achtzylinder l\u00fcmmelt bei Richtgeschwindigkeit vor sich hin, ruckt und verstummt, dann wieder saftvolles Brabbeln, wieder ein Ruck. Das Aggregat hat Zylinderabschaltung, und es gibt sich wenig M\u00fche, den \u00dcbergang von acht auf vier T\u00f6pfe zu kaschieren. Das Resultat der di\u00e4tetischen Bem\u00fchungen kann sich freilich sehen lassen. Unter noch zumutbarer Zur\u00fcckhaltung sind 10 Liter Durchschnittsverbrauch drin, mehr als 20 sind freilich auch m\u00f6glich. Im Durchschnitt notierten wir deren 14, und das finden wir, wohlwissend um die demn\u00e4chst eingehende Protestpost, in Ordnung.<\/p>\n<p>An die Pragmatiker: F\u00fcr einen Zweisitzer bietet die Corvette einen richtig gro\u00dfen Kofferraum, der sich allerdings kaum ohne Gabelstapler beladen l\u00e4sst. Die Ladekante liegt tats\u00e4chlich oberhalb des Heckspoilers, und wen die Kraft unterwegs verl\u00e4sst, der verkratzt das gute St\u00fcck. Wir glauben, dass dort ohnehin das Targadach besser aufgehoben ist. Es l\u00e4sst sich schon nach wenigen Versuchen weitgehend umstandslos ausbauen und verstauen. In halb ge\u00f6ffnetem Zustand macht die Corvette gleich nochmal mehr Spa\u00df. Wenn die Sonne scheint. Aber das gilt sowieso immer. 70.000 Euro kostet das Vergn\u00fcgen, inklusive Cowboylizenz, wenn wir nicht irren. Daf\u00fcr gibt\u2019s bei Ferrari nicht mal Felgen. Na ja, fast.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/chevrolet-corvette-c7-und-dann-schulst-du-um-auf-cowboy-12679449.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/auto-verkehr\/chevrolet-corvette-c7-und-dann-schulst-du-um-auf-cowboy-12679449.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Chevrolet Corvette ist ein Rebell, sie ist Freiheit und Abenteuer und traditionell eigentlich unfahrbar. Jetzt h\u00e4mmert die neue C7 heran. Modern, aber noch immer zickig.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":50086,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[455,2058,454],"tags":[5347,1433,2175,427,718,696,864],"class_list":["post-20508","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auto-verkehr","category-home","category-technik-motor","tag-amerika","tag-chevrolet","tag-fahrtbericht","tag-ferrari","tag-florida","tag-kentucky","tag-michelin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20508","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20508"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20508\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/50086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20508"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/de.newseurope.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}