{"id":20468,"date":"2013-11-27T14:00:31","date_gmt":"2013-11-27T14:00:31","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=20468"},"modified":"2013-11-27T14:00:31","modified_gmt":"2013-11-27T14:00:31","slug":"die-e-zigarette-erobert-amerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=20468","title":{"rendered":"Die E-Zigarette erobert Amerika"},"content":{"rendered":"<p>Dampfmaschinen zum Abgew\u00f6hnen: E-Zigaretten werden immer beliebter. Sie enthalten keinen Teer und kosten wenig. Und k\u00f6nnten Rauchen wieder salonf\u00e4hig machen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Das Restaurant \u201eSilver Spurs\u201c im New Yorker Stadtteil Greenwich Village ist eigentlich nicht allzu bemerkenswert. Es ist ein klassischer amerikanischer Diner, schlicht eingerichtet, mit einer Speisekarte, die von Hot Dogs \u00fcber Chicken Wings bis zu Dutzenden verschiedener Hamburger reicht. Aber an diesem Sonntagabend mag man bei einem Besuch im \u201eSilver Spurs\u201c seinen Augen kaum trauen. In einer Ecke des Lokals sitzen knapp zwei Dutzend G\u00e4ste, die munter vor sich hin qualmen. Es ist wie eine Szene aus l\u00e4ngst vergangener Zeit \u2013 vor dem Rauchverbot in Restaurants, das es in New York seit mehr als zehn Jahren gibt. Die G\u00e4ste rauchen, als ob es eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit w\u00e4re, und sie bleiben unbehelligt. Niemand scheint sich daran zu st\u00f6ren. Freilich genie\u00dft die Gruppe keine gew\u00f6hnlichen Glimmstengel, sondern tabakfreie elektronische Zigaretten. Es ist das monatliche Treffen des \u201eNew York City Vapers Club\u201c, in dem sich Fans von E-Zigaretten zusammengetan haben. Die meisten von ihnen verstehen sich nicht als Raucher, sondern als \u201eDampfer\u201c (\u201eVapers\u201c). Fast alle sagen, die batteriebetriebenen E-Zigaretten h\u00e4tten ihnen geholfen, das Rauchen gew\u00f6hnlicher Zigaretten aufzugeben.<\/p>\n<p>Zigaretten sind in vielen Teilen der Welt zu einem gesellschaftlich ge\u00e4chteten Produkt geworden. Nun aber schicken sich die elektronischen Varianten an, ein Comeback des Rauchens in anderer Form einzul\u00e4uten. E-Zigaretten geben ihren Nutzern Nikotin in Form einer verdampften Fl\u00fcssigkeit. Was sie im Vergleich zu gew\u00f6hnlichen Tabakzigaretten nicht haben, sind Teer und sonstige sch\u00e4dliche Stoffe, die als krebserregend gelten. Auch verursachen sie nicht den typischen und von vielen als unangenehm empfundenen Zigarettengeruch, und sie sind bislang deutlich billiger.<\/p>\n<h2>Auf Erfolgskurs in New York<\/h2>\n<p>All das macht E-Zigaretten nach Ansicht mancher Analysten so bestechend, dass sie den Tabakmarkt auf den Kopf stellen k\u00f6nnten. Bonnie Herzog von der Bank Wells Fargo meint, dass E-Zigaretten im Jahr 2021 in den Vereinigten Staaten gemessen am Umsatz regul\u00e4re Zigaretten \u00fcberholen werden. Das ist eine k\u00fchne Prognose, denn im Moment sind E-Zigaretten noch ein vergleichsweise \u00fcberschaubarer, wenn auch wachstumsstarker Markt. Herzog erwartet, dass sich der Umsatz mit E-Zigaretten in Amerika in diesem Jahr von 500 Millionen auf 1,4Milliarden Dollar fast verdreifacht, f\u00fcr konventionelle Zigaretten sagt sie 28,7 Milliarden Dollar voraus.<\/p>\n<p>In New York ist die wachsende Beliebtheit des \u201eDampfens\u201c an der steigenden Zahl von L\u00e4den abzulesen, die sich ausschlie\u00dflich auf E-Zigaretten spezialisieren. Zum Beispiel die \u201eVapor Lounge New York\u201c, die es seit ein paar Monaten im Brooklyner Trendviertel Williamsburg gibt. Der Laden geh\u00f6rt Ilona Orshansky, die sich selbst als \u201elebendes Beispiel\u201c daf\u00fcr bezeichnet, dass E-Zigaretten helfen k\u00f6nnen, mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren. \u201eIch finde Zigaretten heute absto\u00dfend,\u201c sagt Orshansky, die nach eigenem Bekunden bis vor neun Monaten eine Schachtel am Tag geraucht hat. Spike Babaian, ebenfalls eine fr\u00fchere Raucherin mit einem Tageskonsum von zwei Schachteln, hat in diesem Jahr schon ihr zweites Gesch\u00e4ft f\u00fcr E-Zigaretten mit dem Namen \u201eVape NY\u201c aufgemacht. Der neue Standort an der Lower East Side in Manhattan bringt heute jeden Tag einen Umsatz von 2400 Dollar ein. Als Babaian vor zwei Jahren ihr erstes Gesch\u00e4ft er\u00f6ffnet hat, dauerte es noch einen ganzen Monat, bis 1200 Dollar in die Kasse kamen.<\/p>\n<h2>\u201eRauchen ist schon lange nicht mehr glamour\u00f6s\u201c<\/h2>\n<p>E-Zigaretten gibt es in sehr unterschiedlichen Formen, sie lassen sich grob in zwei Kategorien und auch zwei Denkschulen einteilen. Auf der einen Seite gibt es die Produkte, die regul\u00e4ren Zigaretten \u00e4hnlich sehen und ein \u00e4u\u00dferlich m\u00f6glichst mit dem Rauchen vergleichbares Erlebnis liefern sollen. Diese E-Zigaretten sind schlank, bei vielen Modellen sorgt eine integrierte LED-Lampe daf\u00fcr, dass die Spitze w\u00e4hrend des Inhalierens leuchtet. Die zweite Gruppe von E-Zigaretten erinnert im Aussehen eher an dicke F\u00fcllfederhalter. Bei ihnen kann die nikotinhaltige Fl\u00fcssigkeit immer wieder nachgef\u00fcllt werden. Diese Fl\u00fcssigkeiten gibt es in verschiedenen Nikotindosierungen und in etlichen Geschmacksrichtungen, von Minze \u00fcber Kirsche bis hin zu K\u00e4sekuchen. Orshanky und Babaian verkaufen in ihren L\u00e4den ausschlie\u00dflich diese nachf\u00fcllbaren E-Zigaretten. Sie sagen, nur diese Varianten k\u00f6nnten beim Inhalieren ein \u00e4hnliches Gef\u00fchl im Hals liefern, wie es von Rauchern gew\u00f6hnlicher Zigaretten gesch\u00e4tzt wird. Sie halten es auch f\u00fcr einen Pluspunkt, sich mit ihren Produkten optisch abzuheben. \u201eRauchen ist schon lange nicht mehr glamour\u00f6s. Warum sollte ich eine E-Zigarette wollen, die wie eine normale Zigarette aussieht?\u201c, sagt Orshansky. Auch beim Treffen des \u201eVapers Club\u201c sind nur diese nachf\u00fcllbaren Verdampfer zu sehen, manche haben eine ganze Sammlung dabei.<\/p>\n<p>                \t                                                <!--\/\/ End Fullscreen Foto \/\/-->    <\/p>\n<p>Orshansky verkauft in ihrem Laden ein \u201eEinsteigerset\u201c mit einer E-Zigarette und einem Nachf\u00fcllfl\u00e4schchen Nikotinfl\u00fcssigkeit f\u00fcr 55 Dollar. Die Nachf\u00fcllpacks allein kosten 10 Dollar und entsprechen nach Orshanskys Worten in etwa acht Packungen Zigaretten. Bei einem Preis von 13 Dollar oder mehr f\u00fcr eine Schachtel Zigaretten in New York w\u00fcrde sich also ein Umstieg vom Rauchen aufs Dampfen sehr schnell rentieren. Bei dem Preisvergleich kommt den E-Zigaretten zugute, dass bislang auf sie keine Tabaksteuer erhoben wird.<\/p>\n<h2>Rauchen und Dampfen<\/h2>\n<p>E-Zigaretten wurden in Amerika anfangs vor allem von kleineren Unternehmen wie Njoy verkauft, aber mittlerweile dr\u00e4ngen die gro\u00dfen Tabakkonzerne mit aller Macht in den Markt. Marlboro-Hersteller Altria testet seit wenigen Monaten seine E-Zigarette \u201eMark Ten\u201c in einzelnen amerikanischen M\u00e4rkten, Reynolds American (Camel) verkauft die Marke \u201eVuse\u201c. Der drittgr\u00f6\u00dfte amerikanische Tabakkonzern Lorillard stieg 2012 mit der \u00dcbernahme des E-Zigaretten-Herstellers Blu in den Markt ein.<\/p>\n<p>Analystin Herzog sch\u00e4tzt, dass die drei gro\u00dfen Tabakunternehmen in zehn Jahren 75 Prozent des Marktes f\u00fcr E-Zigaretten in den Vereinigten Staaten besetzen werden, heute sind es 32 Prozent. Alle drei Hersteller konzentrieren sich bislang auf die d\u00fcnnen, zigaretten\u00e4hnlichen Varianten \u2013 was nach Meinung von Ladenbesitzerin Babaian kein Zufall ist. Denn Nutzer dieser E-Zigaretten seien viel eher dazu geneigt, neben dem Dampfen noch immer zu rauchen. \u201eDie vermarkten das an Leute, denen sie auch ihre normalen Zigaretten weiter verkaufen k\u00f6nnen.\u201c Die Popularit\u00e4t von E-Zigaretten beschr\u00e4nkt sich nicht auf Amerika. Der Verband des E-Zigarettenhandels (VDEH) sch\u00e4tzt den Jahresumsatz der Branche in Deutschland auf 100 Millionen Euro. Nach Angaben des Verbandes nutzen mehr als zwei Millionen Deutsche regelm\u00e4\u00dfig E-Zigaretten, die Zahl der Raucher gew\u00f6hnlicher Zigaretten wird auf zwanzig Millionen beziffert.<\/p>\n<h2>In den meisten Lokalen sind E-Zigaretten geduldet<\/h2>\n<p>E-Zigaretten sind nicht hundertprozentig geruchsneutral. Sitzt eine Gruppe von Dampfern zusammen wie bei dem Treffen des \u201eVapers Club\u201c, ist wahrnehmbar, wie sich die diversen Geschmacksrichtungen in der Luft mischen. Aber der Geruch ist unaufdringlich. Das wirft die Frage auf, ob E-Zigaretten erlaubt sein sollten, wo Rauchen heute verboten ist, also etwa in Restaurants, Kinos oder Flugzeugen. Die New Yorker Gastronomie f\u00e4ngt gerade erst an, sich damit zu befassen. Andrew Rigie, Direktor des Gastronomie- und Hotellerieverbandes New York City Hospitality Alliance, sagt, der Umgang mit E-Zigaretten h\u00e4nge oft von der Art des Lokals ab. In Nobelrestaurants seien E-Zigaretten tendenziell tabu, in weniger formellen Lokalen w\u00fcrden sie oft geduldet, zumindest solange sich keine anderen G\u00e4ste beschweren.<\/p>\n<p>Kneipen seien am tolerantesten, wie auch Drew Avid vom \u201eVapers Club\u201c best\u00e4tigt: \u201eIch frage in Kneipen immer, ob ich dampfen darf, und in 90 Prozent der F\u00e4lle f\u00e4llt die Antwort positiv aus.\u201c Ladenbesitzerin Orshansky erz\u00e4hlt, dass sie k\u00fcrzlich in einem russischen Restaurant in New York aufgefordert wurde, ihre E-Zigarette wegzustecken \u2013 nicht weil das Lokal etwas dagegen hatte, sondern weil sich andere G\u00e4ste von ihr animiert f\u00fchlten, sich regul\u00e4re Zigaretten anzuz\u00fcnden. Orshansky versucht allgemein auszutesten, wie weit sie gehen kann: \u201eIch habe einmal in einer Flugzeugtoilette gedampft. Ich dampfe \u00fcberall, bis mir jemand sagt, dass ich aufh\u00f6ren soll.\u201c Die meisten amerikanischen Fluggesellschaften haben den Konsum von E-Zigaretten an Bord verboten.<\/p>\n<p>E-Zigaretten sind bislang allgemein in Amerika kaum reguliert. Es wird aber damit gerechnet, dass die Gesundheitsbeh\u00f6rde FDA der Branche in K\u00fcrze Regeln f\u00fcr die Vermarktung der Produkte auferlegen wird. Den Herstellern k\u00f6nnten danach einige der Freiheiten genommen werden, die sie jetzt noch haben. So ist im Moment in Amerika sogar Fernsehwerbung f\u00fcr E-Zigaretten zu sehen, was f\u00fcr regul\u00e4re Zigaretten seit 1971 verboten ist. Analystin Herzog erwartet zwar strengere Regeln und auch eine Besteuerung, aber das werde den Aufstieg von E-Zigaretten nicht aufhalten.<\/p>\n<h2>Bislang fehlen Studien \u00fcber Gesundheitsrisiken<\/h2>\n<p>Die wachsende Verbreitung der Nikotinverdampfer begeistert nicht jeden. Kritiker weisen darauf hin, dass es bislang kaum Studien \u00fcber etwaige Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten gibt. Sie f\u00fcrchten zudem, dass E-Zigaretten das Rauchen und somit auch gew\u00f6hnliche Zigaretten wieder salonf\u00e4hig machen k\u00f6nnten, gerade bei jungen Leuten. F\u00fcr einigen Wirbel sorgte k\u00fcrzlich das Ergebnis einer Studie, wonach sich der Anteil amerikanischer Teenager, die E-Zigaretten probiert haben, zwischen 2011 und 2012 mehr als verdoppelt hat.<\/p>\n<p>Die Verfechter von E-Zigaretten halten freilich die Vorteile entgegen, vor allem das Potential zur Eind\u00e4mmung des Rauchens. Stichhaltige Beweise daf\u00fcr gibt es nicht. Nach einer k\u00fcrzlich von der Medizinzeitschrift \u201eThe Lancet\u201c ver\u00f6ffentlichten Studie haben 7,3 Prozent der Teilnehmer sechs Monate nach Beginn der Nutzung von E-Zigaretten nicht mehr geraucht. Damit schnitten E-Zigaretten nicht allzu viel besser als Nikotinpflaster (5,8 Prozent) ab.<\/p>\n<p>Spike Babaian berichtet von ganz anderen Erfolgsquoten aus ihrem Gesch\u00e4ft. Von ihren rund 3800 Stammkunden h\u00e4tten 98 Prozent das Rauchen aufgegeben. Ausgerechnet ihr Freund Drew Avid ist aber noch nicht so weit. Er ist der einzige aus der Gruppe im \u201eSilver Spurs\u201c, der neben dem Dampfen noch immer raucht und entsprechend bisweilen vor die T\u00fcr gehen muss. Aber Avid erz\u00e4hlt, dass er seinen Zigarettenkonsum drastisch gedrosselt hat, von vier Schachteln auf nur noch eine halbe Schachtel am Tag. Damit ist er zufrieden, auch wenn es ihn vielleicht nicht zum Vorzeigebeispiel f\u00fcr die Gemeinde von Dampfern macht: \u201eIch finde, ich bin eine Erfolgsgeschichte.\u201c<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/technischer-fortschritt-die-e-zigarette-erobert-amerika-12680787.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/technischer-fortschritt-die-e-zigarette-erobert-amerika-12680787.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dampfmaschinen zum Abgew\u00f6hnen: E-Zigaretten werden immer beliebter. Sie enthalten keinen Teer und kosten wenig. 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