{"id":20359,"date":"2013-11-23T15:45:45","date_gmt":"2013-11-23T15:45:45","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=20359"},"modified":"2013-11-23T15:45:45","modified_gmt":"2013-11-23T15:45:45","slug":"schlechtes-klima-schlecht-furs-klima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=20359","title":{"rendered":"Schlechtes Klima, schlecht f\u00fcrs Klima"},"content":{"rendered":"<p>Die Weltklimakonferenz in Warschau ist gepr\u00e4gt von Spannungen. Es mangelt an den im Gipfelmotto \u201eI care\u201c beschworenen K\u00fcmmerern.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Die von der polnischen Regierung ausgerichtete Weltklimakonferenz hat Anlass zu einigen Missverst\u00e4ndnissen gegeben. Die falsche Z\u00e4hlweise \u2013 in Warschau fand der zweite Gipfel auf polnischem Boden, aber nach Bonn 1999 und Poznan (Posen) 2008 der dritte unter polnischer Leitung statt \u2013 ist nur das kleinere. Schwerer ins Gewicht fiel das von Polen gew\u00e4hlte Kongresslogo: \u201eI care\u201c. Denn bekannterma\u00dfen bek\u00fcmmert der Klimawandel die Mehrheit der polnischen Gesellschaft so wenig, dass Regierungschef Donald Tusk seinen Umweltminister Martin Korolec, der auch Pr\u00e4sident der Weltklimakonferenz ist, just zu dem Zeitpunkt entlie\u00df, als mit den Ministergespr\u00e4chen die entscheidende Phase der Konferenz begann. Dabei war der klimapolitische Ruf der Regierung nicht erst seit der parallel zum Klimagipfel einberufenen Kohlekonferenz ruiniert. Gilt doch der wachsende Verbrauch von Kohle als wichtigste Ursache f\u00fcr den Aussto\u00df von Kohlendioxid und damit als Treiber des durch die steigende Erdtemperatur verursachten Klimawandels, wie die Generalsekret\u00e4rin des Sekretariats der UN-Klimakonvention, Christina Figueres, den Kohlemanagern ins Ged\u00e4chtnis rief: \u201eIch bin hier, um mitzuteilen, dass sich die Kohleindustrie schnell und dramatisch \u00e4ndern muss.\u201c<\/p>\n<p>Jede Ver\u00e4nderung fange beim Einzelnen an, und das Logo reflektiere diesen Prozess, begr\u00fcndete Polens Regierung die Wahl des Konferenzmottos. Das steht im Gegensatz zu dem, was sich in den Blechcontainern auf dem Spielfeld und den zu Besprechungsr\u00e4umen umfunktionierten VIP-Lounges im Rund des neuen Fu\u00dfballstadions an der Weichsel abspielt: Eine Konferenz der Vereinten Nationen, in der es eben nicht um die Interessen von Individuen, sondern um die von Nationalstaaten und Regierungen geht, die im Amt bleiben wollen. Entsprechend hart wird darum gerungen. Klein sind folglich die Fortschritte \u2013 so marginal, dass eine ganze Reihe internationaler Umweltorganisationen wie Greenpeace, World Wildlife Fund oder der Bund f\u00fcr Umwelt- und Naturschutz Deutschland und ihre Mit- und Zuarbeiter am Donnerstag aus dem Tagungsgel\u00e4nde abzogen. Hektisch kopierte Bl\u00e4tter mit dem Aufdruck \u201ePoliticians talk, we walk\u201c klebten sie auf ihre wei\u00dfen T-Shirts. Ihre Botschaft: Die K\u00fcmmerer gehen, die anderen bleiben. Sie veranschlagen die in Warschau noch zu erwartenden Ergebnisse offenbar nicht so hoch wie den \u00f6ffentlichkeitswirksamen Coup des Auszugs aus der Klimaarena.<\/p>\n<p>Umweltgruppen sind f\u00fcr die Klimakonferenzen wichtig. Sie sind ein N\u00e4hrboden f\u00fcr neue Ideen, ein Resonanzboden, auf dem die Unterh\u00e4ndler ihre Ergebnisse zum Klingen bringen k\u00f6nnen, sie sorgen f\u00fcr \u00d6ffentlichkeit und politischen Druck in den Heimatl\u00e4ndern. Dass einflussreiche Nichtregierungsorganisationen die Konferenz verlie\u00dfen, hei\u00dft deshalb auch nicht, dass sie im kommenden Jahr nicht wieder mit von der Partie w\u00e4ren. \u201eVolveremos. We will be back\u201c, stand auf den R\u00fccken der wei\u00dfen Leibchen. Die n\u00e4chste Weltklimakonferenz ist in Lima, in Perus Hauptstadt spricht man spanisch.<\/p>\n<h2>\u201eAlle St\u00e4dte brauchen Notfallpl\u00e4ne\u201c<\/h2>\n<p>Frustriert sind die Umweltgruppen nicht nur von Polens Regierung- die australische hatte dazu mit dem Verzicht auf die angek\u00fcndigte Einf\u00fchrung einer Kohlendioxidsteuer beigetragen. Auch die Ank\u00fcndigung Japans, seine Minderungsziele aufzugeben und mehr statt weniger Kohlendioxid zu emittieren, hatte sie emp\u00f6rt. Die fast legend\u00e4re Konferenz von Kyoto, in der sich Industriestaaten, auch Japan, zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichteten, liegt schon 16 Jahre zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Das Ungl\u00fcck, das der Taifun Haiyan \u00fcber die Philippinen brachte, ist dagegen keine 16 Tage alt. Auf dem Klimagipfel werden Spenden f\u00fcr die Opfer gesammelt. Dass der Klimawandel die \u2013 vermutete \u2013 Ursache des Taifuns sei, wird auf dem Gipfel zur Gewissheit: Kaum ein Redner vergisst den Hinweis darauf. Nicht der deutsche Umweltminister Peter Altmaier im Plenum der 195 Staaten, nicht der Generalsekret\u00e4r der Vereinten Nationen Ban Ki-moon, nicht B\u00fcrgermeister Tun\u00e7 Soyer aus der t\u00fcrkischen Stadt Seferisher auf dem erstmals veranstalteten \u201eSt\u00e4dte-Tag\u201c des Klimagipfels.<\/p>\n<p>Dort beschreiben Gouverneure und B\u00fcrgermeister, wie ihre B\u00fcrger unter Unwettern leiden. Es blieb George Heartwell, einem Amerikaner aus Michigan, vorbehalten, konkret zu werden: \u201eAlle St\u00e4dte brauchen Notfallpl\u00e4ne\u201c \u2013 f\u00fcr den Fall extremer Hitzewellen oder St\u00fcrme, wie er sie zu Hause erlebt, f\u00fcr \u00dcberschwemmungen, von denen Gouverneur Emanuel Uduaghan aus Nigeria berichtet. Aus Deutschland wurde Positives berichtet: In Berlin wurden zu Wochenbeginn sechs Kommunen im \u201eKommunalen Klimawettbewerb 2013\u201c ausgezeichnet.<\/p>\n<h2>Der Zeitplan steht<\/h2>\n<p>Das Motto \u201eVon anderen lernen\u201c wird auf Klimagipfeln gro\u00dfgeschrieben. Von 252 preisw\u00fcrdigen Initiativen wurden in Warschau 17 ausgezeichnet, Bambus-Fahrr\u00e4der in Ghana, Solar-Panel f\u00fcr die Slums von Bangalore, Pflanzprojekte in Guatemala und S\u00fcdafrika. Es gibt kaum eine UN-Organisation, f\u00fcr die der Gipfel nicht Pflicht zur Teilnahme und Dokumentation ihrer Aktivit\u00e4ten ist. Die Weltgesundheitsorganisation informiert in Warschau \u00fcber Klima und Malaria, die Weltorganisation f\u00fcr Meteorologie \u00fcber ihre \u2013 besorgniserregenden \u2013 Temperaturstatistiken. Die Weltbank berichtet \u00fcber den Zusammenhang von Klima und Entwicklung. Auch die Wirtschaft ist vertreten- der Bundesverband der Deutschen Industrie veranstaltete in Warschau eine Debatte \u00fcber die Finanzierung von Klimaprojekten. Fanden die Wirtschaftsgespr\u00e4che in den vergangenen Jahren eher am Rande statt, so holte die Konferenzleitung sie nun erstmals zu den offiziellen Gespr\u00e4chen dazu. Beim \u201eBusiness Forum\u201c durfte etwa der M\u00f6belverk\u00e4ufer Ikea berichten, wie er bis zum Jahr 2020 seine Energieversorgung auf erneuerbare Quellen umstellt.<\/p>\n<p>Die N\u00e4he zur Wirtschaft hat einen einfachen Grund: Allein werden die Staaten es nicht schaffen, das Geld aufzubringen, das f\u00fcr den Umbau zu einer klimaschonenden Produktion und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels n\u00f6tig sein wird. In Warschau machte es schon viel M\u00fche, 100 Millionen Dollar f\u00fcr Anpassungsma\u00dfnahmen zusammenzukratzen \u2013 wie will man bis 2020 jedes Jahr auf den Betrag von 100 Milliarden Dollar kommen? Diese Frage konnten die Unterh\u00e4ndler auch in Warschau nicht kl\u00e4ren- doch soll der eigens daf\u00fcr geschaffene Gr\u00fcne Klimafonds im kommenden Jahr arbeitsf\u00e4hig sein. Ob das auch f\u00fcr das andere gro\u00dfe Ziel der Konferenz gilt \u2013 festzulegen, dass schon 2014 alle Staaten verbindlich ihre k\u00fcnftigen Treibhausgasreduktionen melden werden \u2013, wird sich weisen.<\/p>\n<p>Der Zeitplan steht: F\u00fcr September hat Ban Ki-moon die Staats- und Regierungschefs nach New York geladen, bevor die Minister im Dezember in Lima beraten. In New York sollen die Minderungsverpflichtungen f\u00fcr den neuen Weltklimavertrag, der 2015 unterzeichnet und 2020 in Kraft gesetzt werden soll, auf den Tisch gelegt werden. Der Rest ist Mathematik: Weil bekannt ist, wie viele Emissionen die Atmosph\u00e4re noch vertr\u00e4gt, um sich um nicht mehr als zwei Grad aufzuheizen, l\u00e4sst sich der notwendige Einsparbetrag ziemlich genau kalkulieren. Die Frage ist: Was passiert, wenn die L\u00fccke zwischen dem, was gebraucht, und dem, was geboten wird, gro\u00df ist? Und wer wird sich darum k\u00fcmmern, sie zu schlie\u00dfen?<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/weltklimakonferenz-schlechtes-klima-schlecht-fuers-klima-12676958.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/europaeische-union\/weltklimakonferenz-schlechtes-klima-schlecht-fuers-klima-12676958.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Weltklimakonferenz in Warschau ist gepr\u00e4gt von Spannungen. 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