{"id":20313,"date":"2013-11-22T17:32:01","date_gmt":"2013-11-22T17:32:01","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=20313"},"modified":"2013-11-22T17:32:01","modified_gmt":"2013-11-22T17:32:01","slug":"schizophrenie-an-chinas-aktienmarkten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=20313","title":{"rendered":"Schizophrenie an Chinas Aktienm\u00e4rkten"},"content":{"rendered":"<p>Ausl\u00e4ndische Anleger vertrauen Pekings Reformank\u00fcndigungen viel mehr als einheimische. Deshalb steigen die Kurse in Hongkong, w\u00e4hrend sie in Schanghai fallen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Viele Ausl\u00e4nder zeigen sich China gegen\u00fcber deutlich zuversichtlicher als die Chinesen selbst. Internationale Besucher sind begeistert von der Modernit\u00e4t der St\u00e4dte, der fabelhaften Infrastruktur, der Dynamik und Entscheidungsgeschwindigkeit in der zweitgr\u00f6\u00dften und am schnellsten wachsenden gro\u00dfen Volkswirtschaft der Welt. Viele Einheimische sehen die Lage skeptischer. Sie erkennen die hohen Kosten des rasanten Wandels: Umweltverschmutzung, Ausbeutung der Wanderarbeiter, Korruption, Enteignungen, Ein-Parteien-Diktatur, fehlende Partizipation und Rechtsstaatlichkeit. Wer es sich leisten kann, bringt seine Familie oder zumindest sein Geld ins Ausland.<\/p>\n<p>Diese Zweifel an der Verl\u00e4sslichkeit und Zukunftsfestigkeit des herrschenden Systems und seiner Pl\u00e4ne zeigen sich auch jetzt wieder. Vor einer Woche verabschiedete das Zentralkomitee (ZK) der Kommunistischen Partei das umfangreichste Reformpaket seit den neunziger Jahren. Seitdem \u00fcberschlagen sich internationale Banker, \u00d6konomen, Publizisten mit Lob. Viel ruhiger haben die Chinesen reagiert, denen schon oft weitreichende Ver\u00e4nderungen versprochen wurden, ohne dass sie dann eintraten.<\/p>\n<h2>Der Alltag in Schanghai kehrt zur\u00fcck, die Kurse fallen<\/h2>\n<p>Am anschaulichsten zeigt sich diese Dualit\u00e4t an den Aktienm\u00e4rkten. Hatten zun\u00e4chst auch die B\u00f6rsen in Schanghai und Shenzhen freundlich auf die Entscheidungen des so genannten Dritten Plenums des ZK reagiert, so ist dort inzwischen Alltag eingekehrt. Das hei\u00dft an den seit Jahren schwachen Handelspl\u00e4tzen vor allem eins: Ern\u00fcchterung und Kursverfall.<br \/>Auf dem Festland d\u00fcrfen fast nur Chinesen Wertpapiere kaufen, ganz anders sieht es in New York und Hongkong aus. Dort erwerben vor allem ausl\u00e4ndische Investoren Anteile an rot-chinesischen Unternehmen. Das tun sie seit Tagen mit wachsender Begeisterung. In New York sind chinesische Papiere gestern um 0,6 Prozent gestiegen, in Hongkong legen die so genannten H-Aktien heute Vormittag noch einmal 1,5 Prozent zu.<\/p>\n<p>Begehrt sind vor allem Anteilsscheine an Citic Securities und Haitong Securities, deren Preise doppelt so stark klettern wie der Markt. Die Korrelation zum Dritten Plenum ist evident: Ein staatliches Finanz-Journal hat dessen Beschl\u00fcsse heute so interpretiert, dass demn\u00e4chst ausl\u00e4ndische Beteiligungen an Wertpapier-Handelsh\u00e4usern wie Citic oder Haitong m\u00f6glich werden sollen.<\/p>\n<h2>Schwacher Yen-Kurs treibt die meisten asiatischen B\u00f6rsen ins Plus<\/h2>\n<p>In der ganzen Woche seit Bekanntgabe der Reformbeschl\u00fcsse betr\u00e4gt der Zuwachs des entsprechenden HSCE-Indexes in Hongkong 7,5 Prozent. So steil war es zuletzt 2011 aufw\u00e4rts gegangen. Demgegen\u00fcber erreicht die Wochenzunahme im Shanghai Composite Index nicht einmal halb so viel, n\u00e4mlich 3,2 Prozent. Heute setzt es sogar ein leichtes Minus.<br \/>Die Unterschiedlichkeit der Anlegerstimmung geht so weit, dass die Kurse von Unternehmen, die an beiden Pl\u00e4tzen notiert sind, in Hongkong zulegen, in Schanghai aber fallen, etwa Banktitel.<\/p>\n<p>Im Rest Asiens \u00fcberwiegen heute die positiven Signale. Besonders sp\u00fcrbar, um etwa ein Prozent, gewinnen die Kurse in Tokio hinzu. Das liegt daran, dass der Yen gegen\u00fcber dem Dollar auf dem schw\u00e4chsten Stand seit Juli notiert. Dadurch entstehen japanischen Exporteuren Preisvorteile, etwa dem Autokonzern Toyota, dessen Aktien um 1,8 Prozent an Wert gewinnen.<br \/>Angefacht von der lockeren Geldpolitik mit dem Yen-Verfall, ist der japanische Leitindex Topix im laufenden Jahr schon um 46 Prozent gestiegen. Das hat kein anderer der 24 wichtigsten Indizes in den Industriel\u00e4ndern geschafft. Bis 2015 soll es mit dem Topix um weitere 32 Prozent aufw\u00e4rts gehen, erwartet Goldman Sachs.<\/p>\n<p>Chinas Kapitalgeber k\u00f6nnen von diesen guten Aussichten im Nachbarland nicht profitieren, aus ihrem abgeschotteten Markt heraus sind Auslandsanlagen nicht erlaubt. Doch wenn es nach dem Willen des Dritten Plenums geht, werden die Kapitalverkehrskontrollen sp\u00e4testens 2020 gelockert und der Renminbi wird frei umtauschbar. Falls es soweit kommt, halten sich chinesische Investoren sicher weniger zur\u00fcck als heute.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/aktien\/ni-hao-aus-peking-schizophrenie-an-chinas-aktienmaerkten-12675739.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/aktien\/ni-hao-aus-peking-schizophrenie-an-chinas-aktienmaerkten-12675739.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausl\u00e4ndische Anleger vertrauen Pekings Reformank\u00fcndigungen viel mehr als einheimische. 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