{"id":20034,"date":"2013-11-09T16:05:08","date_gmt":"2013-11-09T16:05:08","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=20034"},"modified":"2013-11-09T16:05:08","modified_gmt":"2013-11-09T16:05:08","slug":"trainieren-wie-ein-profi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=20034","title":{"rendered":"Trainieren wie ein Profi"},"content":{"rendered":"<p>Leistungsdiagnostiken und Trainingspl\u00e4ne aus der Feder von Fachleuten sind l\u00e4ngst nicht mehr nur Berufssportlern vorbehalten. Auch Hobbysportler greifen darauf zur\u00fcck. Lohnt sich dieser Aufwand?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Wollen Sportwissenschaftler den optimalen Trainingsaufbau erkl\u00e4ren, reden sie gerne vom Bau eines Hauses. Langsame Trainingseinheiten und ein paar intensivere Reize im Winter bilden das Mauerwerk. Harte, aber wohldosierte Intervalle im Fr\u00fchjahr errichten den Dachstuhl, und kurz vor dem Wettkampf kommen die Ziegel aufs Dach. Bevor Manfred Teufel auf die Dienste eines Sportwissenschaftlers zur\u00fcckgriff, war sein Trainingshaus l\u00f6chrig wie ein Schweizer K\u00e4se.<\/p>\n<p>Der 63 Jahre alte Weinh\u00e4ndler aus Frankfurt ist schon immer Rennrad gefahren, hat auf zwei R\u00e4dern die Alpen \u00fcberquert. 2007 wagte er sein erstes Stra\u00dfenrennen. \u201eIch dachte, so schlimm wird das schon nicht werden\u201c, erinnert er sich. Dann der Startschuss. Teufel fuhr im Pulk, k\u00e4mpfte im Windschatten, verlor nach einer Stunde mit krampfenden Oberschenkeln den Kontakt und erreichte abgeschlagen das Ziel.<\/p>\n<p>Auf weitere Starts folgten weitere Niederlagen. Doch Teufel lie\u00df nicht locker, radelte am Wochenende wie ein Besessener, ignorierte Schmerzen und Ersch\u00f6pfung. Das hatte Folgen: Er schlief schlecht und hatte Schwei\u00dfausbr\u00fcche &#8211; die typischen Anzeichen von \u00dcbertraining. Sein Trainingshaus stand vor dem Einsturz. Durch Zufall entdeckte er zwei Jahre nach seiner Rennpremiere eine Anzeige von einem privaten Trainingsinstitut. Teufel machte einen Termin, lie\u00df mittels Laktatstufentest seine Trainingsbereiche bestimmen und befolgt seitdem die Trainingspl\u00e4ne von Dennis Sandig, Sportwissenschaftler und Mitgr\u00fcnder vom Trainingsinstitut \u201eIQ-Athletik\u201c. \u201eMein K\u00f6rper war von dem harten Training ausgebrannt\u201c, sagt Teufel heute. \u201eSeit ich nach Sandigs Pl\u00e4nen trainiere, l\u00e4uft es, und ich werde Jahr f\u00fcr Jahr besser.\u201c<\/p>\n<h2>\u201eEs gibt einige schwarze Schafe auf dem Markt\u201c<\/h2>\n<p>Leistungsdiagnostiken und Trainingspl\u00e4ne aus der Feder eines Sportwissenschaftlers sind l\u00e4ngst nicht mehr nur Berufssportlern vorbehalten. Auch Hobbyathleten aus den Ausdauer- und Kraftsportdisziplinen sowie Ballsportarten k\u00f6nnen in den Genuss individueller Trainingsbetreuung kommen &#8211; und das zu bezahlbaren Preisen. F\u00fcr rund 100 Euro gibt es einen teils von der Krankenkasse bezuschussten Laktatstufentest oder eine Spiroergometrie. Weitere 50 bis 70 Euro sind pro Monat f\u00fcr einen auf den Sportler abgestimmten Trainingsplan f\u00e4llig.<\/p>\n<p>Und Manfred Teufel ist nicht der einzige Amateur, der sich regelm\u00e4\u00dfig einer Leistungsdiagnostik unterzieht und sein Training professionell planen l\u00e4sst. Private Trainingsinstitute verzeichnen einen wachsenden Kundenstamm, wie Andr\u00e9 Albrecht, Chef von \u201eIntro &#8211; Institut f\u00fcr Trainingsoptimierung Wolfsburg\u201c, sagt.<\/p>\n<p>Besonders gefragt sind bei den Kunden Laktatstufentests und Spiroergometrien, die je nach Sportart auf dem Ergometer oder Laufband durchgef\u00fchrt werden. Mit beiden Messverfahren werden unter ansteigender Belastung die Trainingszonen eines Sportlers bestimmt, in denen der Athlet je nach Sportart mal mehr, mal weniger trainieren sollte. Es gibt vier Bereiche, die in Herzfrequenz oder Watt angegeben werden. Bei einer Spiroergometrie erfolgt die Bestimmung mittels einer Atemmaske. Gemessen werden die Sauerstoffaufnahme und die Sauerstoffverwertung eines Sportlers. Beim Laktatstufentest wird hingegen Blut am Ohr genommen, um sp\u00e4ter die Trainingsbereiche mittels Stoffwechselver\u00e4nderungen bestimmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Obwohl mit den individuell bestimmten Trainingsbereichen in Verbindung mit etwas Hintergrundwissen schon effektives Training m\u00f6glich ist, reichen gut einem Viertel der Testabsolventen die gewonnenen Erkenntnisse nicht aus. Sie buchen zus\u00e4tzlich Trainingspl\u00e4ne. Die meisten von ihnen sind Gesundheitssportler ohne ambitionierte Ziele, die einfach Herz und Muskeln st\u00e4rken wollen, ohne sich zu verletzen. Ihnen raten Sandig und Albrecht, sich \u00fcber die Anbieter von Leistungsdiagnostiken und Trainingspl\u00e4nen genau zu informieren. \u201eEs gibt einige schwarze Schafe auf dem Markt, die von der Materie wenig verstehen\u201c, sagt Albrecht.<\/p>\n<h2>Nur noch ein kleiner Schritt zum fertigen Trainingsplan<\/h2>\n<p>Wer einen Trainingsplan von Sandig m\u00f6chte, l\u00e4sst sich am Telefon beraten, schickt seine Trainingsdaten via E-Mail und kann ein paar Tage sp\u00e4ter loslegen. Besser ist jedoch, seinen Trainer pers\u00f6nlich kennenzulernen. Die R\u00e4ume von IQ-Athletik sind keine f\u00fcnf Minuten vom Frankfurter Hauptbahnhof entfernt. Eine Apparatur f\u00fcr das eigene Fahrrad sowie ein Laufband warten in den R\u00e4umen auf den Athleten. An den W\u00e4nden h\u00e4ngen Portr\u00e4ts von Sportlern, die Sandig ber\u00e4t, darunter Bahnradsprinter Maximilian Levy, Silbermedaillengewinner in London, und die Fu\u00dfballmannschaft des 1. FC N\u00fcrnberg.<\/p>\n<p>\u201eMein Job ist Detektivarbeit\u201c, sagt er. Im Gespr\u00e4ch mit dem Sportler muss er herausfinden, wie es um das Trainingshaus bestellt ist, ob es stabil steht, ob es wackelt, und wenn ja, wie man es sanieren kann. \u201eJeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Training\u201c, erkl\u00e4rt Sandig. Seine Aufgabe ist es, die Antworten des K\u00f6rpers auf die Belastung zu deuten und den Sportler so vor immer neue Herausforderungen zu stellen, ohne ihn dabei zu \u00fcberlasten. F\u00fcr einen pers\u00f6nlichen Trainingsplan ist eine Leistungsdiagnostik nicht n\u00f6tig, aber laut Sandig sinnvoll: \u201eEs ist eine weitere Information \u00fcber den Sportler, mit der ich genauer planen kann.\u201c<\/p>\n<p>Nach einem Gespr\u00e4ch und einer Leistungsdiagnostik ist es nur noch ein kleiner Schritt zum fertigen Trainingsplan. Weinh\u00e4ndler Teufel tr\u00e4gt in den elektronischen Kalender einer Online-Plattform ein, an welchen Tagen er wie lange Sport treiben kann. Auch die geplanten Wettk\u00e4mpfe vermerkt er. Sandig sieht die Eintr\u00e4ge und gestaltet das Training nach Teufels Vorgaben. Eine typische Trainingswoche von ihm sieht so aus: Dienstag drei Stunden Training am Berg, Mittwoch und Donnerstag je eine ruhige einst\u00fcndige Ausfahrt sowie lange Etappen von vier und f\u00fcnf Stunden mit Tempowechsel am Wochenende.<\/p>\n<h2>Das Konzept geht auf<\/h2>\n<p>Hat Teufel das Training gemeistert, \u00fcbertr\u00e4gt er die Daten seines Wattmesssystems und Pulsmessers in die Trainingsplattform. Anhand der gewonnenen Daten kann Sandig R\u00fcckschl\u00fcsse \u00fcber die Ersch\u00f6pfung und Fitness des Weinh\u00e4ndlers ziehen. Kommt Teufel ein Termin oder eine Erk\u00e4ltung dazwischen, kontaktiert er Sandig, und der Plan wird umgeschrieben. \u201eAm interessantesten ist die Arbeit mit Berufst\u00e4tigen\u201c, sagt Sandig. \u201eEin Profisportler hat den ganzen Tag Zeit f\u00fcrs Training, ein Amateur vielleicht nur viermal die Woche f\u00fcr ein paar Stunden. Da das Optimum herauszuholen, ist es, was mich antreibt.\u201c<\/p>\n<p>Die Trainingsplanung f\u00fcr Raphael Gabel ist besonders schwierig. Der 25 Jahre alte Pilot ist 16 bis 20 Tage pro Monat unterwegs. An den Tagen zu Hause wartet die Freundin &#8211; viel Zeit f\u00fcr ein durchdachtes Training in Eigenregie bleibt da nicht. Doch Gabel hat ehrgeizige Ziele. Im kommenden Jahr m\u00f6chte er beim Ironman Frankfurt starten, die 225 Kilometer in zehn Stunden schaffen. \u201eOhne ein professionell organisiertes Training w\u00e4re das nicht m\u00f6glich, nicht mit meinem Job\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Seit Juli f\u00fchrt deswegen Dennis Sandig Regie. Der Sportwissenschaftler muss bei Gabel kein v\u00f6llig neues Trainingshaus bauen. Der Pilot war Leichtathlet in der Schule und hat beim Marathon eine Bestzeit von unter drei Stunden. Talent ist vorhanden, doch f\u00fcr einen Ironman fehlen noch Grundlagen, ein dickeres Mauerwerk. Dank Sandigs Planung bekommt er nun Job, Familie und Sport in Griff. W\u00e4hrend Gabels Kollegen den Arbeitstag bei einem alkoholfreien Cocktail beenden, schn\u00fcrt er die Laufschuhe oder krault im Hotelpool. Zu Hause spult er die Einheiten auf dem Rad ab. Und das Konzept geht auf.<\/p>\n<h2>Am Ende z\u00e4hlt das Resultat<\/h2>\n<p>Doch es gibt auch Kritiker wie Herbert Steffny, die den betriebenen Aufwand bei Amateuren f\u00fcr \u00fcbertrieben halten. Der dreifache Gewinner des Frankfurt-Marathons und Bestsellerautor pl\u00e4diert daf\u00fcr, beim Training mehr auf die Signale des K\u00f6rpers und weniger auf die Pulsuhr zu achten. \u201eWann bizzelt es in den Beinen, wie stark muss ich atmen, darauf kann man achten und so die Intensit\u00e4t steuern.\u201c Seine Empfehlung: \u201eZum Kenianer werden.\u201c<\/p>\n<p>Steffny trainierte w\u00e4hrend seiner Profikarriere als einer der ersten Europ\u00e4er bei den scheinbar unschlagbaren Kenianern. Ein Trainer sagte ihm dort: \u201eDie Deutschen sind Weltmeister im Laktatmessen, w\u00e4hrend ihnen die ganze Welt davonl\u00e4uft.\u201c Laut Steffny sind Pulsuhren f\u00fcr viele kenianische Nachwuchs- und Elitel\u00e4ufer ein Fremdwort. \u201eSie h\u00f6ren auf ihren K\u00f6rper und ihre Erfahrung\u201c, meint Steffny. G\u00e4nzlich von Leistungsdiagnostiken abraten m\u00f6chte er allerdings nicht. \u201eEinem Anf\u00e4nger k\u00f6nnen die Ergebnisse helfen, nicht zu schnell zu laufen, ein Fortgeschrittener kann erkennen, wie es um sein Training bestellt ist\u201c, sagt Steffny. Und f\u00fcgt hinzu: \u201eDer Test ist jedoch nur einer von vielen Bausteinen.\u201c<\/p>\n<p>Welcher Weg auch gew\u00e4hlt wird, am Ende z\u00e4hlt das Resultat. F\u00fcr Weinh\u00e4ndler Teufel haben sich die pers\u00f6nliche Trainingsplanung und die gezielten Leistungstests gelohnt. Sein Trainingshaus ist generalsaniert, die L\u00f6cher verschwunden, wie seine Leistung beim Jedermannrennen in Frankfurt in diesem Jahr zeigt. Er blieb am Rad des Vordermannes und lie\u00df sich nicht absch\u00fctteln.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/leib-seele\/hobbysportler-trainieren-wie-ein-profi-12656506.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/leib-seele\/hobbysportler-trainieren-wie-ein-profi-12656506.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leistungsdiagnostiken und Trainingspl\u00e4ne aus der Feder von Fachleuten sind l\u00e4ngst nicht mehr nur Berufssportlern vorbehalten. Auch Hobbysportler greifen darauf zur\u00fcck. 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