{"id":20030,"date":"2013-11-12T16:05:05","date_gmt":"2013-11-12T16:05:05","guid":{"rendered":"http:\/\/de.newseurope.info\/?p=20030"},"modified":"2013-11-12T16:05:05","modified_gmt":"2013-11-12T16:05:05","slug":"die-uhr-tickt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/de.newseurope.info\/?p=20030","title":{"rendered":"Die Uhr tickt"},"content":{"rendered":"<p>In Nordkorea etabliert sich eine neue Elite. Die f\u00e4hrt deutsche Autos, tr\u00e4gt franz\u00f6sische oder italienische Mode und isst in Nobel-Restaurants. Den Armen fehlt es unterdessen am N\u00f6tigsten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"First\">Die Schneise ist schon in den Wald geschlagen, und Machthaber Kim Jong-un hat am Berg Masik einigen Offizieren vom Bau-Batallion erkl\u00e4rt, was ein Skigebiet ist und wie es auszusehen hat. Es soll drei Pisten, ein Hotel und einen Hubschrauberlandeplatz haben, hat der junge Herrscher vorgegeben. Doch zum Bau fehlt Nordkorea das Wichtigste. Die in der Schweiz bestellte Liftanlage kommt nicht. Die Lieferung w\u00e4re ein Versto\u00df gegen Sanktionen der Vereinten Nationen, befand der Schweizer Bundesrat. Denn Luxusg\u00fcter d\u00fcrfen nicht nach Nordkorea geliefert werden.<\/p>\n<p>Seit dem ersten Atomtest des kommunistischen Staates im Jahr 2006 hat die Weltgemeinschaft Sanktionen gegen Nordkorea verh\u00e4ngt. Im M\u00e4rz dieses Jahres hat sie die Sanktionen noch einmal versch\u00e4rft. Sie betreffen nicht nur milit\u00e4risch nutzbare G\u00fcter, sondern auch Luxus-Gegenst\u00e4nde. In der neuesten Liste ist von Edelsteinen, Schmuck, Uhren, Autos und Yachten die Rede. Bergbahnen und Skilifte werden zwar nicht erw\u00e4hnt. Doch w\u00fcrde wohl auch das neue Skigebiet eher jener Schicht zugute kommen, die man mit den Sanktionen treffen will: den Neureichen von Pj\u00f6ngjang.<\/p>\n<h2>Die \u201ehappy few\u201c haben Geld \u2013 und geben es auch aus<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend die Masse der Bev\u00f6lkerung in Nordkorea ums nackte \u00dcberleben k\u00e4mpft, mit mageren Rationen aus der staatlichen Zuteilung sich nur knapp ern\u00e4hren kann, und ein Viertel der Kinder Nordkoreas unterern\u00e4hrt ist, gibt es mittlerweile auch eine gr\u00f6\u00dfer werdende Schicht, die im Luxus lebt.<\/p>\n<p>In der Hauptstadt Pj\u00f6ngjang, wo sich nur ausgew\u00e4hlte B\u00fcrger des Landes niederlassen d\u00fcrfen, gibt es die \u201ehappy few\u201c, die Geld haben und es auch ausgeben, besonders gern f\u00fcr importierte Markenartikel oder Essen in schicken Restaurants. Auch die Luxusautos der Marken BMW, Mercedes oder Audi, die heute auf den Stra\u00dfen der nordkoreanischen Hauptstadt zu sehen sind, z\u00e4hlen zu den Statussymbolen der neuen Reichen.<\/p>\n<p>Da Nordkorea weiterhin eine sozialistische Diktatur mit strikter Planwirtschaft ist, h\u00e4ngt die neue Oberschicht mit der politischen Nomenklatura zusammen. Teils ist sie sogar mit ihr identisch. Nur wer in Nordkorea beste politischen Beziehungen hat, kann \u00fcber schwarze Gesch\u00e4fte zu Geld und vor allem zu Devisen kommen. Die neue Schicht scheint immerhin gro\u00df genug zu sein, dass man einem neuen Stadtteil mit Hochh\u00e4usern den Namen \u201eLittle Dubai\u201c gab. Die Herrschaften bev\u00f6lkern auch die neuen Boutiquen und Shopping-Malls in Pj\u00f6ngjang.<\/p>\n<h2>Bulgogi im Restaurant f\u00fcr 50 bis 70 Dollar<\/h2>\n<p>So bietet das gro\u00dfe Einkaufszentrum Haedanghwa in Pj\u00f6ngjang all das an, was man in Kaufh\u00e4usern \u00fcberall in Asien findet: importierte Designer-Kleidung, Leder-Accessoires, Marken-Kosmetika, Wein und Spirituosen. Und man kann dort auch Schweizer Uhren kaufen. Die Preise seien beachtlich, zu zahlen in chinesischer W\u00e4hrung oder mit amerikanischen Dollar, berichtet sichtlich irritiert ein chinesischer Journalist, der ein Jahr in Pj\u00f6ngjang stationiert war. Auch f\u00fcr das anschlie\u00dfende Essen in einem der Luxus-Restaurants muss man tief in die Tasche greifen. Das koreanische Nationalgericht Bulgogi kostet zwischen 50 und 70 Dollar.<\/p>\n<p>Es gibt ungef\u00e4hr zehn Gesch\u00e4fte in Pj\u00f6ngjang, in denen man importierte Luxusg\u00fcter kaufen kann. Drei von ihnen sollen nach Informationen aus S\u00fcdkorea sogar einem der wichtigsten M\u00e4nner der F\u00fchrung, dem Onkel des Machthabers Kim Jong-un, Yang Song-taek, geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Noch bis vor einigen Jahren war nur vom F\u00fchrungs-Clan der Kim bekannt, dass er ein Leben ins Saus und Braus f\u00fchrte, w\u00e4hrend die Bev\u00f6lkerung darben muss. Wer Geld hat, der versteckt es in dem steinzeitkommunistischen Land im Fernen Osten, auch um sich vor politischer Kritik zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<h2>Aus China \u00fcber den Seeweg geschmuggelt<\/h2>\n<p>Dass man es jetzt wagt, Wohlstand und Stil zu zeigen, ist wohl auch auf das Auftreten von Kim Jong-uns junger Frau zur\u00fcckzuf\u00fchren. Sie zeigt sich bei ihren \u00f6ffentlichen Auftritten an der Seite ihres Mannes nicht in der unf\u00f6r migen koreanischen Nationaltracht oder dezenter Alltagskleidung, sondern in modischer Kleidung und mit ausgew\u00e4hlten Acessoires. Schon \u00f6fters war sie mit einer Tasche von Dior zu sehen, die kaum unter umgerechnet 1000 Euro zu haben ist. Ihr Beispiel hat andere ermuntert.<\/p>\n<p class=\"ArtikelMultimediaComment\">Nordkorea: Kim Jong Un hat geheiratet<\/p>\n<p>Luxusg\u00fcter finden trotz der Sanktionen ihren Weg nach Nordkorea. Es liegt im Ermessen einzelner Staaten, welche G\u00fcter sie als Luxusg\u00fcter definieren. Viele Angeh\u00f6rige der Nomenklatura nutzen ihre Auslandsreisen f\u00fcr Gesch\u00e4fte. Im gro\u00dfen Stil kommen die Luxusg\u00fcter aber \u00fcber China nach Nordkorea. In einem Bericht \u00fcber die Umsetzung der Sanktionen f\u00fcr die Vereinten Nationen hei\u00dft es, dass viele der Luxusg\u00fcter von China \u00fcber den Seeweg nach Nordkorea geschmuggelt werden. Denn auch China, der letzte Verb\u00fcndete Nordkoreas, hat sich den Sanktionen angeschlossen.<\/p>\n<p>Die chinesische Grenzstadt Dandong, \u00fcber die ein gro\u00dfer Teil des offiziellen nordkoreanisch-chinesischen Handels abgewickelt wird, ist auch ein Schmuggelparadies. Nordkoreaner kommen \u00fcber den Grenzfluss Yalu nach Dandong zum Einkaufen. Und w\u00e4hrend sie sich fr\u00fcher nur f\u00fcr billige Konsumg\u00fcter interessierten, gehen einige jetzt auch in chinesischen Luxus-Boutiquen einkaufen.<\/p>\n<p>Kim Jong-un wird es getroffen haben, dass die Schweiz die Lifte f\u00fcr sein Skigebiet als luxusverd\u00e4chtig eingestuft hat. Schlie\u00dflich lebte der heutige Machthaber von 1998 bis 2001 in Bern und erlernte dort angeblich auch das Skifahren. An der Fertigstellung seines neuen Vorzeige-Projekts l\u00e4sst er sich aber nicht hindern: Die Bauarbeiten am Berg Masik gehen weiter.<\/p>\n<div class=\"source\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/mode-design\/luxus-in-nordkorea-die-uhr-tickt-12651309.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/lebensstil\/mode-design\/luxus-in-nordkorea-die-uhr-tickt-12651309.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Nordkorea etabliert sich eine neue Elite. Die f\u00e4hrt deutsche Autos, tr\u00e4gt franz\u00f6sische oder italienische Mode und isst in Nobel-Restaurants. 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